Archiv für Merkwürdiges

Wiedervorlage: Kurz korrigiert (430)

Am 29. Juni, vor gut einem Monat also, hatte “Bild” fälschlicherweise behauptet, 1943 hätten Rotarmisten ein Fenster der Marienkirche in Frankfurt/Oder nach Russland verschleppt (wir berichteten).

Heute, also gut einen Monat später, berichtigt “Bild” diesen Fehler in der Korrekturspalte (und hat im selben Text sogar noch zwei weitere gefunden).

Platz für die Korrektur der beiden Falschmeldungen in der gestrigen “Bild” (wir berichteten) war da offenbar keiner mehr.

Das hat dann wohl noch einen Monat Zeit…

Nachtrag, 2.8.2007: Doch schon heute gesteht sich die “Bild”-Zeitung zumindest ein, dass ihr vorgestern “in der Rubrik ‘Gewinner’ ein Fehler unterlaufen” ist. Dass damit von der “Gewinner”-Meldung selbst (“jetzt wollen sie die USA erobern: die deutsche Popband Juli”) nicht mehr viel übrig bleibt, schreibt “Bild” nicht.

Zupf Dir Deine Meinung!

Wer kennte das nicht: Man liegt im Gras, auf einer Sommerwiese irgendwo, allein, verträumt, verliebt, und hofft und bangt. Wie zum Spaß pflückt man ein Gänseblümchen und zupft dem Blümelein die Blütenblätter aus: “sie liebt mich… / ach, sie liebt mich nicht…”

Und wenn man dann so daliegt auf der Wiese, die kleine abgezupfte Blume in der Linken, das letzte Blättchen in der Rechten (“sie liebt mich nicht…”): Wer hätte sich da nicht schon einmal selbst betrogen, ein weiteres gepflückt und es beherzt erneut bezupft — bangend um einen wohlgefälligeren Ausgang des Bellis-perennis-Orakels?

Aber kommen wir zu “Bild”.

Am 24. Mai, sechs Wochen vor dem Start der diesjährigen Tour de France, hatte “Bild” unter der Überschrift “Soll das TV die Tour wegen des Doping-Sumpfs boykottieren?” berichtet, der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses kritisiere, “dass wir einen noch nicht dopingfreien Sport weiter durch Gebühren unterstützen.” Aber: “ARD und ZDF lehnen — noch — einen Ausstieg ab”, schrieb “Bild” und startete flugs einen telefonischen “BILD-TED” zur Frage:

Soll die TOUR im TV übertragen werden?

Und schon tags drauf vermeldete die “Bild”-Zeitung am Rande ihrer Titelgeschichte (“DOPING-SCHOCK Auch DU, Zabel!”) das Ergebnis:

Beim BILD-TED stimmten 70,45 Prozent gegen eine Tour-Übertragung, nur 29,55 Prozent dafür.

Inzwischen haben ARD und ZDF die Übertragung der Tour abgebrochen — und Bild.de startete eine Online-Umfrage:

Ist der Ausstieg von ARD & ZDF richtig?

Woraufhin die Bild.de-Leser nicht nur den “BILD-TED” aus dem Mai, sondern auch die aktuelle ARD/ZDF-Entscheidung bestätigten:

Im großen Tour-Voting um den TV-Ausstieg sagen 72 Prozent ganz klar: Ja, es ist richtig, dass die öffentlich-rechtlichen Sender abgeschaltet haben.

Das war vorgestern, am Tag bevor “Bild” mit der Schlagzeile “TV-Krieg um die Doping-Tour: ARD/ZDF versenken 10 Millionen Euro Gebühren” erschien. Sicherheitshalber machte “Bild” die B-Probe und rief zu einem weiteren “BILD-TED” auf. Die Frage diesmal:

Ist es richtig, dass ARD & ZDF aus der Tour ausgestiegen sind?

Und siehe da, heut’ heißt es unter der Überschrift “Wut-Welle gegen die Tour-Abschalter”:

Das Ergebnis vom BILD-Ted ist eindeutig. 56 Prozent der Anrufer sind der Meinung: Es war falsch auszusteigen! Bei der Flut von Leserbriefen, die die BILD-Redaktion erreichen, sind es sogar 80 Prozent.

Wir aber schauen noch mal schnell zu unserem verliebten Träumer auf der Wiese. In einem Meer aus abgezupften Stängeln betrachtet er in seiner Hand ein Gänseblümchen. Es scheint, er zittere. Doch selig säuselt nun auch er: “sie liebt mich — das ergebnis ist eindeutig.”

Repräsentative Umfrageergebnisse finden sich übrigens auf ZDF.de.

Nichtkriegenkönnen-Traummann der Damenwelt

Der Schauspieler Rupert Everett wolle nach Berlin ziehen, berichtet “Bild” heute großflächig in der Rubrik “Berlins schärfster Klatsch!” von Iris Rosendahl, Bea Peters und Esther Hofmann:

"Rupert Everett zieht nach Berlin"

Deshalb zeigt “Bild” fünf Fotos von ihm, auf denen er mit fünf verschiedenen Frauen zu sehen ist: Auf einem gibt er “Busenfreundin” Jerry Hall ein “Bussi”, ein anderes zeigt ihn als “Sexy Partygespann” mit Liz Hurley, auf einem weiteren “strahlt” er mit Claudia Schiffer “um die Wette”. Auf einem Film-Foto ist er mit Julia Roberts in “Die Hochzeit meines besten Freundes” zu sehen und auf einem anderen mit Madonna in “Ein Freund zum Verlieben”. In der Zeile unter einem großen Foto von Everett heißt es:

Er ist umwerfend charmant. Habenwollen-Traummann der Damenwelt: Hollywoodstar Rupert Everett

Nun mag Everett zwar tatsächlich der “Habenwollen-Traummann der Damenwelt” sein. Allerdings gibt’s da eine Kleinigkeit, die von der diensthabenden Klatsch-Reporterin offenbar übersehen (oder verdrängt?) wurde: Everett ist bekanntlich schwul.

Doppelleberwurst Schewtschenko

Erst mal zum Mitschreiben: José Mourinho ist Trainer des britischen Fußballvereins FC Chelsea, bei dem Andrej Schewtschenko Stürmer ist. Schewtschenko war bis zum Sommer vergangenen Jahres beim italienischen Fußballverein AC Mailand. Und der ehemalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, derzeit AC-Mailand-Besitzer und -Präsident, bemüht sich gerade darum, Schewtschenko zurückzuholen.

Und nun zu einer kleinen Meldung im Sportteil der heutigen “Bild”:

All das, was in dieser Meldung nicht stimmen kann, haben wir mal gelb angestrichen. Anders gesagt: Unstrittig ist eigentlich nur das Zitat am Ende. Es fiel allerdings nicht jetzt, sondern vor mehr als einem halben Jahr. Und gesagt hat es damals nicht Mourinho, sondern Berlusconi, den beispielsweise der italienische “Corriere della Sera” am 15.12.2006 (also nach dem Wechsel Schewtschenkos von Mailand zu Chelsea) mit den Worten zitierte:

“In casa mia sono io il padrone, in quella di Sheva quando la moglie gli ordina di andare sotto il letto, lui ubbidisce come un cagnolino.”

Übersetzung der “Sun” vom 16.12.2006: “At my home I’m in charge and decide what happens. Instead, when Shevchenko’s wife shouts, he runs under the bed like a lap dog.”

Übersetzung von uns: “Bei mir zu Hause bin ich der Chef. Wenn aber Schewtschenko von seiner Frau unters Bett geschickt wird, gehorcht er wie ein Schoßhündchen.”

PS: Die heutige “Bild”-Version, die ohne Quelle auszukommen meint, wurde in den vergangenen Tagen (unter Berufung auf die “Sun”) auch schon auf italienischen Websites verbreitet. Und tatsächlich taucht das “Schoßhund”-Zitat in einem “Sun”-Artikel über Mourinho vom vergangenen Samstag auf — dort allerdings (zumindest online) völlig korrekt als Aussage Berlusconis.

Mit Dank an Marco M. für den Hinweis.

Blut ist dicker als Bohlen

Im Frühjahr hatte Dieter Bohlen eine Idee.

“Bild” nannte sie am 15. März: “Bohlen ist jetzt 1414-Reporter!” — und zeigte ein paar Fotos von Bohlen und seiner Freundin (“Bild” nennt sie “Carina”), von denen “Bild” und Bohlen behaupteten, er habe sie selbst auf den Malediven “mit Selbstauslöser” fotografiert.

Knapp einen Monat später war Bohlen zu Gast in der ZDF-Show “Johannes B. Kerner” und erklärte nach einigem Gefrotzel den “Sinn dahinter”:

Bohlen: Also meine Freundin wird ja gejagt von Paparazzis. Jeden Tag. Und wenn du natürlich selber Fotos…
Kerner: Das heißt, die fahren jeden Tag hinter ihr her, egal wo sie hinfährt und holen sie ab bei dir zuhause…
Bohlen: Ja, pass auf… ich komm aus der Tennishalle raus, seh’ mein’twegen Paparazzi, mach’ so ‘ne Fresse. Du kannst denen ja nicht mit ‘nem Tennisschläger ein’ über’n Schädel zieh’n — würd’ ich ganz gerne machen, weil es nervt total.
Kerner: Is’ auf lange Sicht kein gutes Rezept.
Bohlen: Wie, das mit’m Tennisschläger? Nee, genau. Und dann kommst du, guckst du raus und guckst böse. So. Und dann fotografieren die dich — bumm: Bohlen guckt böse. (Macht eine Schlagzeilengeste in die Luft.) “Das Doppelleben von Dieter Bohlen! In seinem Privatleben ist er überhaupt nie lustig! Er ist total deprimiert! Er liegt am Boden!” Und so weiter. Die Scheiße muss ich mir doch nicht immer geben. Dass ich da am Boden lieg’ und wer weiß was. Und wenn wir jetzt ab und zu, Carina und ich, ‘n paar Privatfotos einfach rausgeben, ist dieser Druck auf diese Paparazzis auch nicht mehr so da, weil dann können die ihre blöden Fotos hoffentlich irgendwann nicht mehr verkaufen.

Genutzt hat das offenbar nichts. Denn “Bild” orakelt heute:

"NACKTFOTOS AUFGETAUCHT"

(…) Ui-ui-ui, was ist denn DA bloß passiert? Es sind Nacktfotos von Pop-Produzent Dieter Bohlen (53) und seiner Freundin Carina (23) aufgetaucht, die das Pärchen nahtlos brutzelbraun gebraten und splitterfasernackt in einer Bucht auf Mallorca zeigen.

Die Nackig-Bilder wurden von einer Berliner Zeitung gedruckt – und sind auch im Internet (…) zu bewundern.

Bohlen, der auf Mallorca urlaubt, ist entsetzt, hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er ließ die Veröffentlichung der Fotos verbieten und sogar Schmerzensgeld verlangen. (…)

“Bild” zeigt die “Nackig-Bilder” nicht, sondern findet es “erstaunlich, dass Bohlen wegen der Nacktfotos so heftig reagiert”, und spekuliert anschließend eifrigst über eine angebliche Busen-OP von Bohlens Freundin. Außerdem druckt “Bild” — quasi als “Fotobeweis”-Ersatz — eines der Bohlenschen 1414-Fotos aus vom März (“Ihr Busen ist offensichtlich sehr gewachsen”). Dass die Busengrößenfrage damals für “Bild” kein Thema war, bleibt seltsamerweise unerwähnt.

Merkwürdig auch: Bei der von “Bild” anonymisierten Berliner Zeitung handelt es sich um das “Bild”-Schwesterblatt “B.Z.”, wo die Nacktfotos von Dieter Bohlen auf der Titelseite der "B.Z."“Nackig-Fotos” vorgestern Titelstory waren. Die “B.Z.” schrieb: “Robinson Bohlen zeigt sein nacktes Badeglück” — und hatte allzu pikante Körperstellen mit kleinen gelben Sonnensymbolen unkenntlich gemacht (siehe Ausriss).

Und: Auf der Internetseite der “B.Z.” ist der Artikel nicht mehr verfügbar. Und heuteblog.de, wo die “B.Z.”-Titelseite in einem Blogeintrag abgebildet war, hat das Titelseiten-Bild geschwärzt, nachdem man dort gestern “gegen 21.30 Uhr von der B.Z.-Redaktion (…) gebeten bzw. aufgefordert [worden sei], diesen Ausriss zu entfernen”. “Bild” hingegen gibt (anders als Bild.de übrigens) heute eine komplette Webadresse an, auf der ausschließlich Faksimiles des “B.Z.”-Berichts zu sehen sind — hochgeladen von einem anonymen Nutzer, der in seinem Profil Vor- und Nachnamen von Bohlens Freundin verwendet und über “sich” schreibt: “Offener Typ, Kontakfreudig, Spaß am Leben!!!! Ich bin Weiblich und Vergeben. bei Hamburg, Deutschland”

Was für eine knifflige Situation: Da gibt es also “Nackig-Fotos”, wie gemacht für “Bild”. Andererseits gibt es da ja diese langjährige Freundschaft zwischen “Bild” und “Pop-Titan” — und der will die Fotos offenbar partout nicht in der Zeitung sehen — auch nicht in der “B.Z.”. Aber die Fotos zu verurteilen als “Aufnahmen aus dem Privatbereich, die kein Mensch von sich in der Zeitung sehen möchte”, klappt auch nicht, weil es sich bei “der Zeitung” ja ausgerechnet ums “Bild”-Schwesterblättchen handelt. Ein Dilemma! Und der Ausweg? Ein abstruser Gedanke:

Da wird man die “B.Z.”-Fotos doch wohl nicht selber ins Internet gestellt haben.
 
Nachtrag, 17.6.2007: Inzwischen finden sich auch auf der von “Bild” angegebenen Internetadresse keine Inhalte mehr. Dort heißt es nur noch, der Nutzer sei “nicht mehr (…) aktiv”. Bild.de hat den Hinweis auf den Namen der Internetseite inzwischen getilgt, den Text entsprechend angepasst. Dort heißt es nun nur noch:

Die Nackig-Bilder wurden von einer Berliner Zeitung gedruckt – und waren auch im Internet zu bewundern.

Mehr dazu hier.

“Bild” sieht mehr als 120.000 Augenzeugen

Am Samstag veranstaltete die Supermarkt-Kette Rewe auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg für ihre Kunden das “Rewe Family”-Sommerfest. Das ist vielleicht nicht unbedingt ein Thema, das in die Zeitung muss — aber die Hamburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung war Medienpartner und berichtete deshalb am Montag mit einem kleinen Artikel über die Veranstaltung:

Rekord auf dem Heiligengeistfeld

(…) Die Supermarkt-Kette hatte ordentlich Promis und Programm für die vielen kleinen Gäste und ihre Eltern aufgefahren. Auf der Bühne standen DJ Ötzi, Monrose, Orange Blue und Nevio. (…)

Und neben einem Foto mit Monrose-Fans (siehe Ausriss) stand:

Großer Jubel beim “Monrose”-Gig auf dem Heiligengeistfeld

Dass es großen Jubel gab, wollen wir nicht ausschließen — aber wohl nicht “beim ‘Monrose’-Gig”. Die Popgruppe Monrose stand nämlich im Stau und erreichte das Heiligengeistfeld erst um 19 Uhr — eine Stunde nach Veranstaltungsende, wie uns von Veranstalterseite bestätigt wurde.

In einem Monrose-Fanforum (wo man übrigens gleich von zwei Staus spricht) heißt es sogar, die Ankunft der Band, die für die ausharrenden Fans noch Autogramme schrieb und mit ihnen für Fotos posierte, habe sich bis 21 Uhr verzögert. Da war der “Bild”-Reporter vermutlich schon längst woanders.

Mit Dank an Chris für Hinweis & Scan.

Nachtrag, 15.6.2007 (wieder mit Dank an Chris für Hinweis & Scan): Sechs Tage nach der Veranstaltung, vier Tage nach dem “Bild”-Bericht und nur zwei Tage, nachdem wir berichtet hatten, heißt es heute in “Bild”: “Leider ist uns bei der Berichterstattung ein Fehler unterlaufen”. Anders als “angekündigt” (!), so “Bild”, seien Monrose nicht aufgetreten usw. usf.

Jetzt spricht Kubica auch in BILDblog

Lange, womöglich stundenlang, hatten die Reporter gestern vor dem “Hôpital du Sacrè-Coeur” in Montreal gewartet und gewartet — und dann, endlich, kurz nach 18 Uhr (MESZ), erschien der polnische Formel-1-Pilot Robert Kubica, der tags zuvor einen spektakulären Unfall überlebt hatte, in der Eingangstür.

Bereits eine Stunde vorher hatte die Nachrichtenagentur dpa angekündigt, Kubica werde offenbar alsbald aus dem Krankenhaus entlassen, und sogar einen ersten (laut dpa “von BMW so übermittelten”) O-Ton vermeldet:

“Mir geht es gut. Mir tut nichts weh. Vielen Dank an die ganze medizinische Betreuung an der Strecke und im Krankenhaus”, sagte der Pole am Montag. Der BMW-Fahrer kündigte an: “Nun fliege ich nach Indy und will Rennen fahren.”

Dann aber stand er endlich da vorm Krankenhaus. Und wenig später meldete die Nachrichtenagentur Reuters, was Kubica den wartenden Reportern in die Mikrofone, Diktafone und TV-Kameras gesagt hatte:

“As you see I’m quite in good shape and I’m hoping (to be) going to Indianapolis if the doctors will say OK for my driving,” Kubica told reporters outside Montreal’s Sacre-Coeur Hospital. “I feel very good. I was very lucky — big accident, but fortunately, nothing hurt.”

Und Kubicas Arbeitgeber BMW zitierte ihn anschließend sogar in einer Pressemitteilung [pdf] mit ganz ähnlichen Worten:

“Ich habe keine Schmerzen, und es geht mir gut. Ich möchte mich bedanken für die rundum gute medizinische Betreuung, die große Aufmerksamkeit und die guten Wünsche, die ich bekommen habe. Mario Theissen und andere Teammitglieder haben mich besucht, und bei Jarno Trulli möchte ich mich auch für seinen Besuch bedanken. Ich freue mich, dass ich das Krankenhaus so schnell wieder verlassen konnte und werde mich nun auf das Rennen in Indianapolis vorbereiten.”

So, und nun zu “Bild”.

Denn in einer Art Vorabmeldung hieß es bereits gestern auf Bild.de:

"Nach Horror-Crash (...) spricht BMW-Pilot Kubica in BILD"

“Mir geht es gut. Mir tut nichts weh. Danke an die medizinische Betreuung und an Jarno Trulli, der mich hier in der Klinik besucht hat.” (…) Nur wenige Stunden nach seinem Horror-Crash beim Großen Preis von Kanada in Montreal sprach der Pole mit BILD*. (…) Kubica zu BILD*: “Ich fliege jetzt nach Indy und möchte Rennen fahren.”

Und in der heutigen Printausgabe legt “Bild” noch einmal nach:

Kubica sprach vor der Klinik ganz kurz mit den wartenden Journalisten. Zu BILD* sagte er: “Ich habe riesiges Glück gehabt. Es war ein sehr großer Unfall. Aber es geht mir gut.” (…) Kubica: “Ich fliege nun nach Indianapolis und möchte Rennen fahren. Der Arzt hier in der Klinik hat mir gesagt, dass ich Okay bin.”

*) Alle Hervorhebungen von uns.

Mit Dank an Nils K. für die Anregung.

“Bild” entdeckt Jacinta Kerabu

Laut “Bild” gibt es da also eine 42-jährige Kenianerin namens Jacinta Kerabu, die seit Mitte der 80er Jahre in Nairobis Slum-Viertel Majengo als Prostituierte arbeitet. Das Besondere an der Frau, die “Bild” Jacinta Kerabu nennt, fasste “Bild” gestern in ihrer AfrikaAusgabe dahingehend zusammen, “dass Jacinta kein Aids bekommen kann”.

Das klingt nach einer wissenschaftlichen Sensation!

Und um so erstaunlicher ist es deshalb, dass der einzige Treffer, den diverse Datenbanken und Google dazu liefern, eine eher beiläufige Meldung in der “Taipei Times” zu sein scheint, veröffentlicht offenbar im August 2006, in der es ebenfalls heißt, dass sich die 42-jährige Jacinta Kerabu — obwohl seit Mitte der 80er Jahre Prostituierte in Majengo — erstaunlicherweise nicht mit dem HI-Virus infiziert habe.

Andererseits berichtete der britische “Daily Telegraph” schon im April 2006 von einer 45-jährigen Frau namens Salome Simon, die — obwohl seit Mitte der 80er Jahre als Prostituierte in Majengo tätig — offenbar immun gegen das HI-Virus sei (und veröffentliche ein Foto, das der Jacinta Kerabu aus “Bild” erstaunlich ähnlich sieht).

Die “Neue Zürcher Zeitung” (nicht frei online) wiederum berichtete bereits im Juli 1998 von einer damals 35-jährigen Frau, die — obwohl seit Mitte der 80er Jahre als Prostituierte in Majengo tätig — “offenbar gegen das Virus, das die Immunschwächekrankheit auslöst, resistent” sei. Die “NZZ” nannte sie Mariam Chepkemoy.

Und die Nachrichtenagentur dpa wusste sogar schon im Juni 1996 über eine Prostituierte in Majengo (dpa nannte sie schlicht “Lucy”) zu berichten, “sie solle immun sein gegen das todbringende HI-Virus” — und kein Einzelfall. Zudem ließ dpa schon damals nicht unerwähnt, dass das “Rätsel” immerhin seit Mitte der 80er Jahre u.a. von Wissenschaftlern der Universitäten von Nairobi, Oxford, Manitoba und Washington untersucht werde.

Insofern jedenfalls mag es nicht verwundern, dass die kleine Gruppe der offenbar HIV-resistenten Prostituierten von Majengo seither in zahlreichen Artikeln der Tages- und Fachpresse weltweit immer wieder für Schlagzeilen sorgte.

Verwunderlich ist eigentlich nur, dass “Bild” gestern behauptete:

Nun entdeckten Wissenschaftler, dass Jacinta kein Aids bekommen kann.
(Hervorhebung von uns.)

Mit Dank an Bloggwurst.de für die Anregung.

Wie “Bild” mit alten Fehlern umgeht

Weil ein “Amok-Fahrer” gestern vor einem Gerichtsgebäude mit einer Bierflasche in der Hand fotografiert wurde zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, berichten heute verschiedene Medien noch einmal über den Unfall, bei dem der “Amok-Fahrer” im Januar 2006 einen Berliner tödlich verletzte. Auch “Bild” berichtet und schreibt:

Beifahrer Christian S. (31) wurde aus dem Auto geschleudert und starb vor Ort.

Direkt daneben druckt “Bild” dann zur weiteren Illustration noch die damalige, inzwischen fast 16 Monate alte Schlagzeile:

"Betrunkener rast mit fast 100 Km/h einen Fußgänger tot"

Und so berichtete “Bild” am 9. Januar 2006 auch:

“Dort [am Unfallort] lief gerade Christian S. (41) über die Kreuzung. Das Auto erfasste den Fußgänger. Er wurde meterweit durch die Luft geschleudert, krachte auf den Harten Asphalt. (…) Der Notarzt versuchte den Fußgänger zu reanimieren. Es klappte nicht.”

 
Seltsam, nicht wahr? Zumal heute in “Bild” nirgends von einem toten “Fußgänger”, sondern nur vom toten “Beifahrer” die Rede ist…

Nun ja, ein Anruf bei der Berliner Polizei klärt auf: Die “Fußgänger”-Version entsprang einer Zeugenaussage, entstammte einer Polizeimeldung, wurde damals nicht nur von “Bild” weiterverbreitet — und hat sich erst im Nachhinein als falsch herausgestellt (und wurde anscheinend nicht korrigiert).

Worin allerdings der Sinn bestehen soll, die alte, falsche Schlagzeile ohne irgendein erklärendes Wort heute noch einmal rauszukramen und herzuzeigen, weiß wohl nur “Bild”.

Kai Diekmann verringert die “Distanz zur Politik”

“Wir wollen weiterhin die Themen setzen,
über die Deutschland spricht. Daher ist es wichtig,
dass wir dort sind, wo die Nachrichten entstehen.”
(“Bild”-Chef Kai Diekmann im Mai 2007 über den
“Wunsch der Redaktion”, nach Berlin umzuziehen)

Gestern abend hat der Vorstand der Axel Springer AG (“gegen den Willen der Redaktionen”) den angekündigten Umzug der Redaktionen von “Bild” und “Bild am Sonntag” nach Berlin beschlossen. Ein gute Gelegenheit also, mal kurz daran zu erinnern, was “Bild”-Chef Kai Diekmann noch im März 2005 in einem Interview über Berlin und Hamburg zu sagen hatte:

medienhandbuch.de: Sehr geehrter Herr Diekmann, der Axel-Springer-Verlag hat sich nach der Wiedervereinigung verstärkt auf den Standort Berlin konzentriert. Die “Welt”-Zentralredaktion ist an die Spree gezogen. Was hält die “Bild”-Bundesredaktion in Hamburg?

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann: Die Hamburger Ausgabe von “Bild” ist immer noch die mit großem Abstand profitabelste und personell stärkste. Hiervon profitiert auch die Bundesredaktion. Bei aller Attraktivität von Berlin sollte man im übrigen nicht vergessen, dass Axel Springer seine Wurzeln in Hamburg hat und die großen Titel hier gegründet wurden.

(…)

medienhandbuch.de: Welche Vorzüge bietet Hamburg als Medienstandort, besonders für Verlage und Druckhäuser? Welche Nachteile?

Diekmann: Erstens: Die hohe Attraktivität der Stadt. Zweitens: Das schlechte Wetter. Sonnenschein lässt Menschen an alles denken, aber nicht an Arbeit. Drittens: Die Distanz zur Politik. Nachteile fallen mir keine ein.

Aber dass man nicht alles, was der “Bild”-Chef sagt, auch glauben sollte, ist ja bekannt.

Mit Dank an David N. für den Link.

Welt.de ersetzt Kai Diekmann durch Knut

Vorgestern sorgte ja ein Weblog-Eintrag des “Welt am Sonntag”-Redakteurs Alan Posener für einigen Wirbel, weil er sich kritisch mit dem “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann auseinandergesetzt hatte. Groß war der Wirbel aber insbesondere, nachdem Poseners Beitrag, erschienen im Angebot von “Welt Online”, gelöscht worden war, weil “die Axel Springer AG” darin “die Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters” bzw. “eine höchst unkollegiale Geste” entdeckt zu haben glaubte (wir berichteten).

Heute nun entdecken wir im Satire-Ressort von Welt.de folgende (lustig gemeinte) Umfrage:

Die Abstimmung sah allerdings gestern (wie wir aus glaubhafter Quelle erfuhren und uns verschiedene Suchmaschinen bestätigen) noch anders aus. Nämlich so:

Mit Dank an Ralph K. für den Hinweis!

Nachtrag, 15.5.2007: Wie die Abstimmung ausging, ist nicht bekannt. Sie wurde heute durch eine neue ersetzt. Zuletzt aber lag Kai Diekmann Knut mit 49 Prozent der abgegebenen Stimmen fast uneinholbar vorn.

Der große Montagsmädchen-Schwindel

Hinweis: Der folgende Eintrag kann Spuren von Irrelevanz enthalten.

In der ehemals umstrittenen RTL2-Show “Big Brother”, in der man jungen Menschen eine Zeitlang beim Wohnen zuschauen kann, ist derzeit unter den Kandidatinnen eine gewisse Doreen, die von RTL2 häufig “Bild”-Girl genannt wird, weil sie “aus 41 Teilnehmerinnen zum Bild-Montagsmädchen 2006 gewählt wurde” (Quelle: big-brother.de).

Und tatsächlich: Seit dem 16. Januar 2006 sucht die “Bild”-Zeitung ja “ganz normale Frauen, die zeigen wollen: Ich bin auch sehr sexy”, um sie montags und zumeist barbusig auf der “Bild”-Titelseite aufzubilden. Am 11. September 2006 traf es Doreen. Am 29. Dezember dann forderte “Bild” ihre Leser dazu auf, unter den “nackten Mädels auf der Titelseite” (Kai Diekmann) das “schönste Montagsmädchen von BILD” zu wählen. Und bereits am 3. Januar dieses Jahres stand das Ergebnis fest: Mit rasanten “8,12%” (und einem Abstand von 0,5% vor der Zweitplatzierten) gewann… Doreen, das “BILD-Montagsmädchen”.

Wie “Bild” einen Mann für das Montagsmädchen suchte

“So sexy, so allein — BILD sucht für das Montagsmädchen einen Mann. (…) Wenn SIE Doreen kennenlernen möchten, schreiben SIE an [email protected] Wir leiten die Mails an Doreen weiter.”
(“Bild” vom 5.1.2007)

“Alle wollen das Montags-Mädchen von BILD — Single Doreen (23) macht die Männer verrückt”
(“Bild” vom 6.1.2007)

“BILD-MONTAGSMÄDCHEN DOREEN — Das 1. Rendezvous”
(“Bild” vom 8.1.2007)

“BILD-Montagsmädchen Doreen trifft Heiko — Mit dem Bestatter will ich nicht in die Kiste”
(“Bild” vom 11.1.2007)

“Das BILD-Montags-Mädchen ist immer noch Single — Welcher Mann macht sie am meisten an? (…) 600 Männer haben sich bei montagsmä[email protected] gemeldet: Sie wollen Doreen unbedingt kennenlernen. (…) Doreen hat für BILD noch mal 5 Bewerber rausgefischt.”
(“Bild” vom 24.1.2007)

Doch mit Doreens Sieg war die Sache für “Bild” noch nicht erledigt, im Gegenteil: Denn nun schickte “Bild” das “BILD-Montagsmädchen” zum “Bild”-Freund “Starfriseur” Udo Walz, ließ Doreen “den neuen Busenschmuck” testen, begleitete sie zum Fotoshooting einer Männerzeitschrift und suchte zwischenzeitlich ihren “verlorenen Halbbruder” (“André, wenn du das liest, melde dich bei BILD!”). Vor allem aber suchte “Bild” in großzügig bebilderten Berichten tagelang, aber erfolglos “einen Mann” für Doreen (siehe Kasten).

Und auch, als das “BILD-Montagsmädchen” plötzlich “Big Brother”-Kandidatin war, berichtete “Bild”:

Die Friseurin aus Jena, von BILD-Lesern zum schönsten Seite-1-Girl gewählt, zeigte gleich nach dem Einzug beim Duschen ihren Traumbusen – pflegt ihn, rubbelt ihn kräftig ab. Single Doreen hat Sinan (29, aus Duisburg) sofort den Kopf verdreht. (…) Hat Doreen ihren Traummann ausgerechnet im TV-Knast (zuletzt über 1 Mio. Zuschauer) gefunden? Knallt es bald richtig bei Big Brother? Doreen hatte schon lange keinen Sex (…).

Heute aber berichtet “Bild” nicht.* Dabei gäbe es allem Anschein nach durchaus Neuigkeiten — zumindest für Karsten aus Hessen, Chris aus Sarasota/USA, Stefano aus Boston/USA, Hermann aus Augsburg, Martin aus Rees, Frankie aus Hamburg, Sebastian aus Leipzig und all die anderen, die an der “BILD sucht für das Montagsmädchen einen Mann”-Aktion Anteil genommen hatten (und deren Zuschriften “Bild” zum Teil nicht nur an Doreen weiterreichte, sondern auch in “Bild” veröffentlichte). Und für “Bild”. Die Neuigkeiten stehen seit gestern z.B. bei Bild.de und lauten:

Nach Sex mit Sinan: Doreen lässt ihren Freund sitzen

(…) Sie hat endlich zugegeben, was sie so lange verheimlichen konnte. Sie war längst kein Single mehr. “Big Brother” holte den Freund am Montag in die Live-Show. Da erklärte Hobby-DJ Sebastian unter Tränen, er liebe Doreen seit zwei Jahren. Nur ihrer Model-Karriere zuliebe habe das Paar die Beziehung geheim gehalten.

Interessant, oder? Doch, doch! Denn entweder hat hier eine 23-jährige Friseurin aus Jena die “Bild”-Zeitung über Monate hinters Licht geführt. Oder nicht.

Mit Dank an Raimo W. und Klaus H. für den Hinweis.

*) Nachtrag, 3.5.2007 (mit Dank an Markus E. für Hinweis und Scan): Zumindest im Raum Thüringen hatte gestern auch die gedruckte “Bild” unter der Überschrift: “Seite-1-Girl serviert Freund eiskalt ab” berichtet: “Container-Luder Doreen (23) hat entschieden: (…) Kurzzeit-Container-Liebe statt Langzeitbeziehung. (…) Zwei Jahre war sie mit dem DJ zusammen, verheimlichte die Beziehung.” Wem sie ihre Beziehung “verheimlichte”, steht aber auch in der “Bild”-Thüringen nicht.

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