Ein 15-jähriges Mädchen ist brutal ermordet worden, der mutmaßliche Täter geständig, der Fall seit Monaten in den Schlagzeilen.
Am Donnerstag war Prozessauftakt. Die Eltern des Opfers saßen in einem Gerichtssaal in Hagen, und sie waren nicht allein. O-Ton “Westfalenpost”: “Vor Sitzungssaal 201 ist um 8.54 Uhr der Andrang bereits so groß, dass Reporter, interessierte Zuschauer und neugierige Gaffer vor der verschlossenen Saaltür einen bunten Pulk bilden. (…) Um 9.05 Uhr werden die Einlasskarten verteilt. Gedränge, Geschiebe, wie beim Sommerschlussverkauf. (…) Um 9.58 Uhr betritt das Gericht den Raum. Blitzlichtgewitter der Pressefotografen, TV Kameras surren, dann Abgang, raus.”
Und man muss sich das vorstellen: Inmitten dieses Blitzlichtgewitters und der surrenden TV-Kameras also, in einem Raum mit dem Oberstaatsanwalt, der gleich die Anklageschrift verlesen, und dem mutmaßlichen Mörder, der anschließend möglichst detailliert Auskunft über seine Tat geben sollte — die Eltern des Opfers. Klick!
Das ist schlimm, aber vielleicht ist es doch nicht das schlechteste Foto, weil es so eindringlich die Erschütterung zeigt, die ein solches Verbrechen auslöst:
Tiefe Trauer und Nervösität bei den Eltern von Nadine kurz vor Beginn der Gerichtsverhandlung
So steht es unter dem Foto in der “WAZ”. Und sogar in “Bild”, die vorgestern fast dasselbe Foto druckte, steht es ähnlich:
(…) die Eltern der toten Nadine sammeln Kraft für die schrecklichen Einzelheiten des Todes ihrer Tochter
Denjenigen aber, die bei “Bild” tagtäglich aus den Geschichten “Bild”-Schlagzeilen machen, war das nicht genug: “kurz vor Beginn”? “sammeln Kraft für”? Geht’s nicht besser, schlimmer? Ja:
Es hat also einen Sinn, dass es ab Prozessbeginn nicht mehr gestattet war, zu fotografieren: “Bild”, so lehrt uns die kleine, fette Lüge in der Überschrift, hätte die Fotos zu gern gedruckt.
Mit Dank an Tim E. — auch für das “WAZ”.





Danach dauerte es ein wenig, bis Gilbert & Scholz mit neuen Neuigkeiten aufwarten konnten, aber am 19. Juli war es soweit. Illustriert mit einem der aus “Bild” bekannten Fotos hieß es nun:
es mit allerlei Tricks gelungen, “ein virtuelles Double” ihrer selbst zu schaffen — und das so gut zu vermarkten, dass ihre vermeintliche Liebesgeschichte mit dem Fußballstar nicht nur in der “Sun” und vielen, vielen anderen Medien nachzulesen war (und ist), sondern auch “exklusiv” in “Bild”.


Dass “Bild” daraus heute sogar eine Titel-Schlagzeile macht (siehe Ausriss), könnte daran liegen, dass die Ergebnisse der Studie jetzt noch einmal (und erstmals in gedruckter Form) als “Beilage der Zeitschrift ‘Gesundheit und Gesellschaft'” veröffentlicht wurden, wie man uns beim WIdO sagt.