„Bild“ ohne Bild

Das „Manager-Magazin“ hat mal wieder eine Liste der „reichsten Deutschen“ veröffentlicht. Und das ist eine gute Gelegenheit (angeregt vom Weblog automat) eine Kleinigkeit nachzutragen. Denn am Dienstag druckte „Bild“ wie viele andere auch die „Manager-Magazin“-Liste nach und hatte tags drauf zudem eine Art Porträt der „reichsten Frau Deutschlands“ im Blatt, das wiederum Bild.de zum Anlass nahm, eine Bilderschau der „Zehn reichsten Deutschen“ aus dem Archiv zu kramen, die offenbar irgendwann mal anlässlich eines ähnlichen Rankings angefertigt worden war (und bei der gerade mal die Plätze 1 bis 3 identisch mit der aktuellen „Manager-Magazin“-Liste sind, aber egal). Beim reichsten Deutschen jedenfalls, dem ALDI-Süd-Chef Karl Albrecht, hat Bild.de statt eines Fotos nur ein ALDI-Logo abgebildet und wie eine Entschuldigung hinzugefügt:

„Es existieren keine Fotos.“

Was, nun ja, schlicht gelogen ist, wie man beispielsweise schon ein Jahr vorher auf dem Cover der „Wirtschaftswoche“ oder bei Forbes.com sehen konnte.

Mit Dank an Wilhelm R. für den sachdienlichen Hinweis.

Rote Karte

1. Der Holländer Marco van Hoogdalem ist seit Januar 1997 bei Schalke 04 unter Vertrag.
2. Im Mai 1997 gewann Schalke 04 sensationell im Endspiel gegen Inter Mailand den UEFA-Pokal.
3. Und Bild.de schreibt über van Hoogdalem, er sei „der letzte der legendären Eurofighter, die 1997 sensationell im Endspiel gegen Inter Mailand den UEFA-Pokal gewannen.“

Klingt einleuchtend, zumal der dazugehörigen Bericht eigentlich nicht vom UEFA-Pokal ’97 handelt, sondern vor allem vom „Krankheits-Drama um Marco van Hoogdalem“: „Heute, 7 Jahre nach der größten Stunde in seiner Fußballer-Karriere, kennt Marco van Hoogdalem nur noch einen Gegner: den Tod!“ heißt es irgendwo zwischen Wörtern wie „Todesangst“, „erschüttert“, „brutales Schicksal“, „unheilbare Krankheit“, „Lebensgefahr“, „Todes-Gefahr“ und „Sport-Bild“, wo die Geschichte eigentlich herkommt. Und, ja, auch in „Europas größter Sport-Zeitschrift“ steht geschrieben:

„Er gewann 1997 den Uefa-Cup“

Und wir sehen: den ehemals sensationellen Gewinner, den Letzten seiner Art, totkrank, wie er (laut Bild.de) „das Ende seiner Karriere … nicht akzeptieren“ kann. Schlimm!

Nur, die Sportexperten irren sich (und leider nicht bei van Hoogdalems Krankheit): Die Sache mit dem UEFA-Endspiel stimmt nicht. Da nämlich war van Hoogdalem gar nicht dabei, wie sich nicht nur auf der offiziellen Schalke-Website nachlesen lässt, sondern z.B. auch im Springer-Schwesterblatt „Berliner Morgenpost“.

Und mag sein, das alles wäre nur eine Lapalie, ein Versehen, nicht so schlimm, wenn die (falsche) Info nicht so verdammt überflüssig wäre für den Rest der Story – und gleichzeitig eine Professionalität vorgaukelt, die man von so sensationellen Nachrichtenlieferanten wie Bild.de oder „Sport-Bild“ gefälligst auch erwarten kann!

Mit Dank an Michael K. für den sachdienlichen Hinweis.

We are the Champions VIII

[Nur so der Vollständigkeit halber…]
Ähm, gestern in „Bilds“ „In & Out“-Liste: die „klasse Autobiographie ‚Ich habe mich gewarnt‘ von SAT1-Moderator Hugo Egon Balder„. Und wer hatte kürzlich einen Vorababdruck dieser klasse Autobiographie im Blatt? Richtig, die „Bild“-Zeitung, diese klasse… Halt! Das geht zu weit, selbst als Scherz.

Nachtrag, 15:36: Ach ja, in der „Blieswoods Lebensregeln“ genannten Version der „In & Out“-Liste vom vorgestern stand natürlich noch „die BILD-Bestseller-Bibliothek. Spannungs-Literatur für 4,99 Euro“ – Sie wissen schon: diese „BILD-Bestseller-Bibliothek“, die „Bild“ heute auf der Titelseite als „Sensation der Buchmesse“ feiert.

We are the Champions VII

Der Axel Springer-Verlag gibt seit 1952 die „Bild“-Zeitung heraus und seit März 2004 beispielsweise auch die 14-tägliche Programmzeitschrift „TV Digital“, für die „die Premiere Fernsehen GmbH & Co. KG als strategischer Partner gewonnen werden“ konnte und die zudem „von Premiere allen Abonnenten angeboten“ wird.

Außerdem hatte Bild.de, also die Online-Ausgabe der im Axel Springer-Verlag erscheinenden „Bild“-Zeitung, bereits im November 2003 „zusammen mit Premiere“ den sog. „Volks-Dekoder“ im Angebot und es dabei nicht belassen, nein: Seither bekommen Besitzer einer Bild.de-Kundenkarte bei Bedarf sogar ein kostenloses Premiere-Probe-Abo, das sich nach Ablauf der Probezeit „automatisch in ein kostenpflichtiges Abo“ verlängert, logo.

Wen wundert’s da noch, dass „Bild“ auf der Titelseite jubelt:

„Der Bezahl-TV-Sender Premiere kann immer mehr Abo-Kunden verbuchen!“

Und dass „Bild“ deshalb den Premiere-Chef Georg Kofler zum „Gewinner“ des Tages macht, versteht sich nahezu von selbst

„Bild“ ist vor Ort

Christina Mänz hat einen beneidenswerten Job. Für die Zeitungen des Springer-Verlages kommt sie richtig viel rum in der Welt. Als Britney Spears heimlich heiratete, berichtete sie aus Los Angeles. Als herauskam, dass Prinzessin Diana „keinen Oralsex“ wollte, schickte sie ihren Bericht aus London. Und nun fuhr sie eigens nach Oslo, um dieser schlimmen Geschichte nachzugehen und einen Aufmacher für die „Bild“-Zeitung daraus zu machen:

Interessanterweise erschien ein Artikel über das gleiche Thema bereits am vergangenen Sonntag im „Observer“, aber das ist ja nichts Schlimmes: Vermutlich ist „Bild“ durch die britischen Kollegen auf das Thema gestoßen und hat dann vor Ort selbst ein bisschen recherchiert; im „Bild“-Artikel werden zum Thema z.B. der norwegische Fischerei-Minister Svein Ludvigsen und die Tierschützerin Gill Sanders zitiert …

… die zufälligerweise auch die Gesprächspartner des „Observer“ waren und zufälligerweise in „Bild“ dasselbe sagen wie im „Observer“. Wie sich überhaupt im „Bild“-Artikel keine einzige Information findet, die nicht im „Observer“-Artikel steht.

Bleibt die Frage, was Christina Mänz in Oslo gemacht hat. Und ob sie vielleicht keine Journalistin ist, sondern eher sowas wie eine Übersetzerin. Jedenfalls ein beneidenswerter Job.

Hofberichterstattung

Es ist noch keinen Monat her, da sagte Chefredakteur Kai Diekmann, „Bild“ werde Konsequenzen aus dem sogenannten „Caroline-Urteil“ ziehen und bis auf weiteres auf Homestories über Politiker verzichten. Wenn man nicht mehr kritisch über das Privatleben von Politikern berichten dürfe, sagte er dem „Focus“, wolle man es lieber gar nicht tun: „Wir müssen … beim Leser jetzt von vornherein jeden Anschein vermeiden, wir würden mit eingebauter Schere im Kopf nur noch Hofberichterstattung betreiben.“ Laut „Bild“ hätten die Straßburger Richter nämlich entschieden, „dass die Berichterstattung (z. B. Fotos) über Prominente nur noch mit deren Erlaubnis zulässig“ sei.

Am Samstag hatte Gerhard Schröder einen Termin in Paderborn. Seine Mutter liegt dort im Krankenhaus. Sie konnte ihren Geburtstag nicht zuhause feiern, deshalb besuchte der Kanzler sie am Krankenbett, ohne Frau, Stief- und Adoptivtochter, dafür aber mit einem „prächtigen Herbststrauß“. Er trug ein „lässiges Polohemd, sportliches Jackett und eine Sporthose“ und blieb eine Stunde.

Woher wir das alles wissen? Stand heute groß auf Seite 2 der „Bild“. Mit Foto vom Kanzler mit Herbstblumenstrauß. Ach, und er nennt seine Mutter „nur zärtlich ‚Löwe'“ und liebt, wie sie, Pflaumenkuchen.

„Wir können gar nicht anders“, hatte der „Bild“-Chefredakteur noch gesagt, „als ab sofort zum Beispiel auf jedwede Art von HomeStorys über Politiker zu verzichten.“ Aber der Kanzler ist ja auch in Hannover zuhause. Nicht in Paderborn.

Laune nicht vermiesen

Noch mal zur Erinnerung: So reagierte „Bild“, als die freche Tochter von Roberto Blanco „trotz der bitterbösen Scheidungs-Affäre ihrer Eltern“ auf dem Münchner Oktoberfest auftrat:

Und so reagiert „Bild“, nachdem sich Roberto Blanco trotz seiner bitterbösen Scheidungs-Affäre ein paar Tage später die gleiche Unverschämtheit erlaubt hat:

Reicht das?

Die britische Modemarke Lonsdale macht „Trikotwerbung für die NRW-Fußballelf ‚African United‘, die aus farbigen Spielern besteht“, um sich dagegen zu wehren, dass sie wegen der Buchstaben „NSDA“ im Markennamen als „Lieblingskleidung deutscher Neonazis“ gilt.

Am Freitag war Lonsdale deswegen nicht etwa „Gewinner“, sondern „Verlierer des Tages“.

Und zwar, weil „Bild“ kurzerhand dazu dichtete:

Reicht das, um dumme Glatzen abzuschrecken?“

Vermutlich nicht, nein.

Deshalb wirbt die Marke ja außerdem „mit farbigen Models oder etwa dem Sponsoring des Christopher Street Days in Köln“ und „sponsert (…) antirassistische Organisationen wie das ‚Netzwerk Sachsen‘ oder ‚Augen auf!‘. Auch der in Berlin geborene ghanesische Medienstar Detlef ‚D!‘ Soost grinst für Lonsdale“.

So steht’s jedenfalls im „Fluter“ über die Kampagne „Lonsdale loves all Colours“. Reicht das?

Gestern pfui, heute hui

Vor zwei Wochen diskutierte „Bild am Sonntag“-Chefredakteur Claus Strunz bei Sat.1 unter anderem mit „Wetten dass…?“-Moderator Thomas Gottschalk über Sinn und Unsinn der Rundfunkgebühren für ARD und ZDF.

Gottschalk musste außerdem auf die Frage antworten, warum er denn in „Wetten dass…?“ ständig für Telefonfirmen und Autohersteller schleichwerbe, ausgerechnet im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen – und sagte darauf sinngemäß: Weil das ZDF sich die Show sonst nicht leisten könnte.

Strunz, der sich mit seiner überdeutlichen Rücksichtnahme auf die Interessen seines zweiten Arbeitgebers ProSiebenSat.1 ganz furchtbar blamierte, fand das befremdlich und ließ lieber vorschlagen, dass ARD und ZDF sich von Werbung und von Sponsoring wie in „Wetten dass…?“ verabschieden sollten.

Heute nun läuft eine schöne Meldung von Strunz’ Kollegen bei Bild.T-Online über den Ticker: „Bild.T-Online mit eigenem ‚Wetten, dass ..?‘ Channel.“

Hui! „Attraktive Inhalte auf hohem Online-Niveau“ soll der „Channel“ bieten. Und ein Rätsel für Gottschalk-Fans. Einer wird dann „in der (…) Sendung am 13. November 2004 als Gewinner von Thomas Gottschalk begrüßt (…) werden“.

Und man darf gespannt sein, ob Gottschalk sagen wird: „Das ist der Sieger des Rätsel beim Internetportal einer großen Boulevardzeitung, deren Namen wir hier nicht nennen wollen.“

Fest steht jedenfalls schon:

„Der neue Channel wird exklusiv von Bild.T-Online zusammen mit Dolce Media crossmedial sowohl Online als auch in der Bild.T-Online Beilage der BILD vermarktet.“

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