“Diesel” kommt von “Jeden Tag dieselbe Meldung”.
(Unbekanntes Sprichwort)
Man sollte sich die Arbeit eines “Bild”-Redakteurs auch nicht zu aufregend vorstellen. Viele Tage sind mit entsetzlich langweiligen Routineaufgaben gefüllt. Dauernd wird zum Beispiel der Sprit teurer.
Ja, das muss dann jedesmal jemand aufschreiben. Also, “jedesmal” im Sinne von jedesmal. Als kleines Mittel gegen die totale Trostlosigkeit wechselt der diensthabende “Bild”-Benzin-Redakteur wenigstens von Zeit zu Zeit den Referenz-Rekordmonat:
Auch für Normal- und Superbenzin müssen die Autofahrer ganz tief in die Tasche greifen: Pro Liter werden derzeit durchschnittlich 1,39 Euro bzw. 1,40 Euro fällig! Damit liegen die Preise nur noch vier Cent unter den bisherigen Höchstkursen vom Oktober 2005.
“Bild”, 7. November 2007.
Superbenzin kostet 1,41 Euro pro Liter – drei Cent mehr als vor einer Woche und nur noch drei Cent weniger als beim Allzeit-Hoch im September 2005.
“Bild”, 13. Juli 2007.
Im bundesweiten Schnitt kostet ein Liter Super jetzt 1,40 Euro und nur noch 4 Cent weniger als beim Allzeithoch im September 2005.
“Bild”, 4. Mai 2007.
Der Liter Super kostet im Bundesschnitt 1,36 Euro, Diesel 1,16 Euro. Das sind die höchsten Preise seit August 2006, als Sprit mehr als 1,40 kostete.
“Bild”, 14. April 2007.
Die Ausschläge der Spritpreiskurve scheint “Bild” auch deshalb so minutiös dokumentieren zu müssen, weil sie noch unberechenbarer sind als das Wetter im April. Eine Entwicklung, die sich heute anzudeuten scheint, kann sich am nächsten Tag schon in ihr Gegenteil verkehrt haben.
Trotz steigender Ölpreise wird Benzin laut ADAC billiger: Der Liter Super kostet im Schnitt 1,33 Euro (- 3,2 Cent zur Vorwoche) (…).
“Bild”, 18. Oktober 2007.
Der hohe Ölpreis kommt an der Zapfsäule an! (…) Super ist 2 Cent teurer, kostet 1,39 Euro/Liter.
“Bild”, 19. Oktober 2007.
Besonders frustrierend bei der ganzen Plackerei muss für “Bild” sein, dass sich der verdammte Spritpreis (anders als zum Beispiel die Bundesregierung) weigert, das zu tun, was “Bild” sagt. Am 23. Mai 2007 titelte das Blatt:
Aber statt zu “explodieren”, wie “Bild” behauptete, ging der Preis in den folgenden Wochen sogar um ein paar Cent zurück. Im Oktober ist ihm das Blatt in seiner Verzweiflung nun sogar entgegen gekommen:
Nix da. Aktueller Stand (laut “Bild” von heute) 1,40 Euro. Das ist nichtmal ein Höchststand in diesem Jahr.
Aber wenn sich da was Neues tut, steht es garantiert in “Bild”. Und wenn nicht, auch. Man sollte sich die Arbeit eines “Bild”-Redakteurs nicht zu aufregend vorstellen.





Während viele deutsche Tageszeitungen in den letzten Jahren auf Sans-Serif- bzw. neutrale Schriften umgestiegen sind, um “modern” auszusehen, greift “Bild” seit gestern tief in den historischen Setzkasten. Das Blatt bedient sich in den Überschriften einer klassizistischen
Vielleicht liegt es ja an der neuen Schrift, dass die obere Hälfte von Seite 1 gestern exklusiv für familiäre Themen reserviert war: “Sie sind beide noch verheiratet” steht elegant über der Schlagzeile zur neuen Liebe zwischen Maybrit Illner und Telekom-Chef René Obermann, während rechts daneben Boris Becker — seinen Nachwuchs umarmend — liebevoll verkündet: “Meine Kinder sind mein größter Sieg”. Die Sätze menscheln in einer Antiqua überzeugender als in einer Franklin Gothic oder Helvetica. Das Kleingedruckte, also die Lesetexte zu den beiden Beiträgen sind übrigens in einer 
So begann “Bild” gestern (als Teil ihrer Porträt-Serie “Berlin — Die Stadt der Gegensätze”) einen Text mit der Überschrift “Ich bin reich”. Der Investment-Bankerin gegenübergestellt war unter der Überschrift “Ich bin arm” eine obdachlose Frau.
Die Zeitschrift “Auto Bild” berichtet im Ratgeberteil ihrer aktuellen Ausgabe darüber, dass “unsere Autos” oft mehr Kraftstoff verbrauchen, “als irreführende Prospektangaben versprechen”. Zum Beweis ist “Auto Bild” 