Alter Hut, neu aufgesetzt

„Frankfurter Rundschau: Müssen noch mehr Redakteure gehen?“,

fragt „Bild“ Frankfurt am Dienstag und fügt hinzu:

Letzte Woche hatte die zu 90 Prozent der SPD-Presse-Holding gehörende Rundschau das Abschmelzen von derzeit rund 1000 auf 750 Mitarbeiter verkündet. Heftige Reaktionen blieben aus.

Heftige Reaktionen blieben aus? Wieso denn das? Weil’s keinen mehr kümmert?

Oder vielleicht, weil SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier schon Anfang August, also vor zweieinhalb Monaten, in der „Berliner Zeitung“ sagte:

„Die Zahl der Beschäftigten soll Ende des Jahres 750 Vollzeitbeschäftigten entsprechen.“

Aber das ist nur so eine Vermutung.

Keinen Kontakt, nie gehabt

Schauspieler Karsten Speck sitzt in Untersuchungshaft und „Bild“ ist „das Drama“ täglich einen Bericht wert. Jetzt kommt die Schreckensmeldung:

„Seit fünf Tagen hat Mutter Ellen keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn. Jetzt sagte Ellen Speck gegenüber der Tageszeitung B.Z.: ‚Wir dürfen nicht mit ihm sprechen!'“

Und außerdem:

„Das ist eine schreckliche Geschichte. Nur sein Anwalt hat noch Kontakt zu ihm. Er hält uns auf dem Laufenden.“

In der „B.Z.“ steht dazu:

„Seit sechs Tagen sitzt ihr [Ellen Specks] Sohn in Untersuchungshaft (BZ berichtete). Seitdem hat die Familie keinen Kontakt zu ihm.

So? Na ja, gut.

Bloß zur Erinnerung: „Karsten Speck weint hinter Gittern“, hatte „Bild“ wenige Stunden zuvor gemeldet:

„Seit fünf Tagen sitzt der TV-Star in Haft. Die Mutter zu BILD: ‚Als ich ihn im Gefängnis anrief, hat er geweint.‘

Vermutlich darf man sich jetzt raussuchen, ob man — wenn überhaupt — lieber der „Bild“ oder doch der „B.Z.“ glauben möchte. „Bild“ jedenfalls glaubt offenbar lieber den Kollegen.

Geheime „Bild“-Liste gefunden!

Heute vormittag wurde (endlich) offiziell bekannt gegeben, wer denn nun bei der zweiten Staffel der RTL-Unterhaltungsshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ im sog. Dschungel-Camp dabei sein wird.

Für aufmerksame „Bild“-Leser allerdings war das natürlich keine Neuigkeit. Im Gegenteil stand in der „Bild“ bereits am 17. August, also vor mehr als zwei Monaten, dies:

Weiter hieß es damals: „BILD hat die geheime Auswahlliste“ bzw. „die geheime Dschungel-Camp-Liste“ – und zwar diese:

Désirée Nick,
Jens Riwa,
Verona Feldbusch-Pooth,
Karim „der Knutscher“ Maataoui,
Nadja „Naddel“ Abdel Farrag,
Carsten Spengemann,

sowie Verena Kerth (nicht mehr online).

Das klang gut damals. Oder wenigstens gut informiert. War es aber nicht. Denn (wie mittlerweile auch „Bild“ zu berichten weiß) heißen die Teilnehmer der Dschungel-Show:

Désirée Nick,
Dolly Buster,
Willi Herren,
Isabel Varell,
Heydi Nunez-Gomez,
Fabrice Morvan,
Jimmy Hartwig,
Harry Wijnvoord,
Nadja Abd El Farrag,

sowie Carsten Spengemann (noch nicht bestätigt).

Kurzum: Im direkten Vergleich der „geheimen RTL-Liste“ mit der tatsächlichen RTL-Liste finden sich drei Übereinstimmungen. Und man könnte das dürftig nennen – oder den ermittelten Wahrheitsgehalt von rund 30 Prozent als geheimen Richtwert für die sonstige „Bild“Berichterstattung missverstehen…

Allgemein bekannt

„Die traditionelle Rechtschreibung ist noch allgemein bekannt“, stellte „Bild“ kürzlich fest, anschließend auf die alte, allgemein bekannte Schreibung um – und macht seitdem vermutlich mehr „ss“- und „ß“-Fehler als „Deutschlands Schüler“.

Nicht nur bei harten „Nüßen„, sondern auch bei einfachen, allgemein bekannten Wörtern – zum Beispiel bei der Frage, wie eigentlich die künftigen Dschungel-Camp-Bewohner entlohnt werden:

Wird fortgeßetzt.

Nachtrag, 10.23 Uhr: Der „Bild“-„ß“-Beaufragte hat seinen Dienst angetreten und hart durchgegriffen. Auch bei den Nüssen.

We are the Champions XI

„(…) ich mag BILD sehr, weil es BILD irgendwie täglich schafft, die Geschehnisse aus der gewaltigen Erde (…) verständlich darzustellen.“

Das schrieb Franz Josef Wagner vor zwei Wochen in der „Bild“-Zeitung anlässlich eines mehrteiligen Vorabdrucks des „Rückenbuchs“ von Dietrich Grönemeyer in der „Bild“-Zeitung. Aber das nur so nebenbei.

Denn heute macht „Bild“ den Grönemeyer zum „Gewinner“ des Tages, nachdem es sein Buch auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft hat. Doch warum? Warum nur? „Warum?“ fragt sich auch „Bild“ und antwortet:

„Weil’s eine BILD-Serie war!“

Und wer weiß, vielleicht hat es „Bild“ mit diesem Halbsätzchen ja tatsächlich geschafft, die Geschehnisse aus der gewaltigen Erde (in diesem Fall: die Eitel- oder Selbstgefälligkeit, mit der „Bild“ ihre „Gewinner“ kürt), irgendwie verständlicher darzustellen als sonst so. Warum man „Bild“ dafür mögen sollte, steht allerdings in einem anderen Blatt – oder aber auf.

Allgemein  

Riesenärger um „Bild“-Überschrift

Heute spielen wir wieder das lustige Spiel: Was möchte uns diese „Bild“-Schlagzeile sagen?

Mal so frei assoziiert: Ralf Moeller hat sich daneben benommen, ist in einen Skandal verwickelt, eine Schlägerei oder sowas, und darf jetzt drei Jahre nicht mehr als Schauspieler arbeiten. Oder Ralf Moeller hat sich nicht daneben benommen, aber irgendwelche bösen, mächtigen Filmmenschen haben was gegen ihn und verhindern nun, dass er in einem bestimmten Streifen mitspielen darf. Womöglich hat sich die Meldung, dass er Nachfolger von Arnold Schwarzenegger als Terminator wird, schon erledigt, weil es ja Riesenärger um ihn gibt und er nun ein Drehverbot hat. War es so? Umhimmelswillen, ist es das?

Fast.

Ralf Moeller hat im Mai und Juni 2003 zusammen mit Kollegen wie Carsten Spenge- und Jeanette Biedermann für den RTL-Film „Hai-Alarm auf Mallorca“ vor der Kamera gestanden, der am Sonntag lief. Anscheinend waren die Behörden dort plötzlich nicht mehr so hilfsbereit, als ihnen plötzlich klar wurde, dass es in einem Film womöglich um einen Hai-Alarm auf Mallorca gehen könnte. „Bild“ zitiert den Schauspieler mit den Worten:

Die anfängliche Hilfsbereitschaft hörte schlagartig auf. … Die hätten den Film am liebsten verhindert. … Plötzlich klappten zuvor zugesagte Drehgenehmigungen nicht mehr. In Palma gab es für uns ein Drehverbot, und am Strand geplante Helikopteraufnahmen waren auf einmal nicht mehr möglich.

All das ist, wie gesagt, 16 Monate her, und es gab keinen Riesenärger um Ralf Moeller.

Allgemein  

Wissenswertes über Wasserbüffel

Eine Herde Wasserbüffel hat nach Agenturberichten am Donnerstag auf der Autobahn 4 einen Verkehrsunfall mit einem Todesopfer verursacht. Oder, in den Worten der „Bild“-Zeitung:

Afrika-Büffel? Wasserbüffel! Wieso schreibt die „Bild“-Zeitung „Afrika-Büffel“, wenn alle anderen „Wasserbüffel“ schreiben? Vermutlich um im Kopf der Leser schon die Frage vorzubereiten, die sie dann im Text stellt:

Was machen Wasserbüffel mitten in Deutschland?

Eben. Die gehören doch nach Afrika. Wird unser schönes Deutschland jetzt auch noch von gefährlichen Ausländertieren überrannt?

Nein, jedenfalls nicht von Afrika-Büffeln, sondern höchstens von Asien-Büffeln. Domestizierte Büffel sind nämlich keine afrikanischen Büffel (Bubalus caffer), sondern asiatische Wasserbüffel (Bubalus bubalis). Und irgendwie hätte der „Bild“-Autor das auch als Büffel-Laie ahnen können, denn in seinen Text schrieb er unter die gewaltigen Buchstaben „Afrika-Büffel“ den Satz:

Die Büffel stammen aus Vietnam.

Übrigens endet der „Bild“-Beitrag über den tödlichen Unfall mit den Worten:

Das Fleisch ist eine Delikatesse, besonders dunkel und zart.

Der Satz passt gerade noch neben die Hinterhufe von diesem appetitlichen Tier:

Vielen Dank an Tobias M. für Hinweis und Scan!

Der Tod ist nicht genug II

Noch am vergangenen Donnerstag hätte man tatsächlich denken können, dass Christopher Reeve doch an einem Super-Virus starb, wie „Bild“ zwei Tage zuvor berichtet hatte.

Superman aufgeschnitten – Ärzte wollen jetzt den Super-Virus entschlüsseln, der Hollywood-Schauspieler Christopher Reeve getötet hat

Das war auf Seite 8 zu lesen. Und außerdem das:

Wie BILD aus Familienkreisen erfuhr, wurde die Leiche von Christopher Reeve († 52) im Northern Westchester Hospital (New York) aufgeschnitten, sein Körper obduziert – auf der Suche nach dem Supervirus.

Ob die Information über den vermeintlichen Supervirus tatsächlich von der Familie kam, lässt sich anhand der Formulierung nicht mit Sicherheit sagen. Fakt ist, dass wer wollte schon am Dienstag aus allgemein zugänglichen Quellen erfahren konnte, was vermutlich die Ursachen für Reeves Tod waren. So wurde der langjährige Arzt von Reeve, Dr. John McDonald, von der „New York Daily News“ wie folgt zitiert:

We don’t know exactly why he died yet. But we know that it was the accumulation of complications (…). That immobility and lack of movement and then just repeated infections, complications – it takes its toll. (Wir wissen nicht genau, warum er starb. Aber wir wissen, dass es eine Anhäufung von Komplikationen war (…). Die Immobilität und mangelnde Bewegung und dann wiederholte Infektionen, Komplikationen – das fordert seinen Tribut)

Und was schreibt „Bild“ nun, fünf Tage später, ohne den „Super-Virus“ zu erwähnen?

Erst jetzt wurde bekannt, wie schlecht es wirklich um Reeve stand: Immer mehr Infektionen fraßen sich zuletzt in seinen kaputten Körper.

neu  

„Lust-Seuche“ wieder ausgebrochen

Dieser Artikel auf „Bild“-Online stammt vom 14. Oktober des Jahres 2004. Er trägt folgende Überschrift:

Lust-Seuche besiegt? Forscher erfindet Creme gegen AIDS

Damit das klar ist: Es geht in dem Artikel nicht darum, dass AIDS auch nur ansatzweise besiegt ist, es besteht lediglich die Möglichkeit, dass ein Mittel gefunden wurde, das die Übertragung des Virus verhindert – zusätzlich zum Kondom.

Dass „Bild“ es mit der Berichterstattung über die Immunschwächekrankheit AIDS zuweilen nicht so genau nimmt, wissen wir ja schon. Dass der Pressekodex in Ziffer 14 ganz spezielle Richtlinien für die Berichterstattung über medizinische Themen enthält, erwähnen wir nur der Vollständigkeit halber – Wie aber kommt „Bild“ dazu, hier plötzlich den Begriff „Lust-Seuche“ zu verwenden?

Nur zur Erinnerung: die Ansteckung mit HIV kann durch vier Körperflüssigkeiten erfolgen, das sind Samen- und Scheidenflüssigkeit sowie Blut und Muttermilch – ob man bei der Übertragung Lust empfindet oder nicht, ist gänzlich unerheblich.

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