Schlechte Scherze machen nur die anderen

Ralf Schumacher ist (bzw. war) laut „Bild“ gemeinsam mit dem Unternehmen Beate Uhse Österreich an einer Gesellschaft beteiligt, „die 2005 den Sexmarkt in Slowenien erobern will“ („Bild“). ProSieben-Moderator Stefan Raab nannte Schumacher diese Woche deshalb „Porno-Ralle“ sowie dessen Ehefrau „Hard-Cora“ und fand das lustig.

Schumacher war verständlicherweise anderer Meinung. Sein Manager hat nun offenbar eine Abmahnung an Raab geschickt. „Was Stefan Raab mit meinem Namen und dem meiner Frau aufgeführt hat, war mir eindeutig zu persönlich“, lässt sich Schumacher zitieren.

Auch „Bild“ ist empört über solch „schlechte Scherze“ und dokumentiert im Text zur Titel-Story ein Beispiel für Raabs „Porno-Spott“:

„Ralf Schumacher verkauft jetzt in Slowenien Beate-Uhse-Puppen – oder wie er sagt: Einspritzer.“

Ach ja – und dass „Bild“ bereits in der Ausgabe vom Montag, also noch vor Raabs erster Sendung in dieser Woche, eine Fotomontage abdruckte, auf der ein Rennwagen mit leicht bekleideten Frauen und Beate-Uhse-Logo zu sehen war und vorschlug: „So (…) könnte der neue Trieb- – äh – Dienstwagen von Ralf Schumacher (29) aussehen“, dass „Bild“ außerdem witzelte, Schumacher wolle bei seinem nächsten Rennen „die Konkurrenz verblasen“, sowie zwei Tage zuvor bereits die Hoffnung geäußert hatte, dass Schumacher bei seinem Investment „am Ende nicht stöhnen“ müsse – das alles kann sich der geneigte Bild.T-Online-Leser (und Schumachers Manager) über die zum „Porno-Zoff“-Artikel gehörenden Links noch einmal genauer sehen.

Abendländisch-christlich, agressiv und intolerant

Frage: Wer wollte „Bild“ vorschreiben, was sie schreibt?

Antwort: Niemand!

Aber manchmal (und gelegentlich) könnte doch alles so einfach sein – beispielsweise dann, wenn in der heutigen „Bild“ zum Thema „Wird Frau Merkel wie George Bush?“ u.a. folgender Satz geschrieben steht:

„Aber die Berufung auf abendländisch-christliche Werte gewinnt gerade in der Abgrenzung zu aggressiven, intoleranten Muslimen wieder an Bedeutung (…)“

Aber ja! Denn selbst die „Bild“-Zeitung hätte doch bestümmt nichts dagegen einzuwenden, wenn der zitierte Satz ein paar Zeilen länger wäre, dafür allerdings (unmissverständlicher) wie folgt lauten würde:

Aber die Berufung auf abendländisch-christliche Werte gewinnt gerade in der Abgrenzung zu einer von den Medien oft unverhältnismäßig pauschalisierend, ideologisch und reflexhaft herbeizitierten Minderheit ‚islamistischer Gruppen‘ oder ‚gewaltbereiter Moslems‘ an Bedeutung (…)

Oder?

Über Zweifel erhaben


Es dürfte nicht gerade angenehm sein, von „Bild“ als „Egoist“ oder „Prozeßhansel“ bezeichnet zu werden oder folgenden Satz über sich in der Zeitung zu lesen:

Viele Deutsche schalten nur noch auf stur, denken bloß an sich und nicht an die Allgemeinheit. Einer von ihnen: Cord Quast (54), Obstbauer bei Hamburg. Er boykottiert den Industriestandort Deutschland, verzichtet sogar auf 2,3 Millionen Euro!

Um die Sache nicht noch komplizierter zu machen, als sie ohnehin schon ist, lassen wir mal bei Seite, dass „Bild“ in ihrer Hamburg-Ausgabe schon seit Wochen hin und wieder in wenig vorteilhafter Weise über „Airbus-Gegner“ berichtet (Nur diese Schlagzeile vom 25. Oktober sei hier beispielhaft erwähnt: „Spielt die Airbus-Gegnerin Quast ein falsches Spiel? Angeblich möchte sie nur die Natur bewahren, verschandelt die Umwelt aber mit Windrädern“)

Kümmern wir uns mal um den aktuellen Fall: Cord Quast gehört ein Grundstück, das der Flugzeughersteller Airbus für den Ausbau seiner Startbahn am Werk in Finkenwerder braucht. Und das möchte er nicht verkaufen. Dass Quast bei seinem „Boykott“ sogar das Hamburger Oberverwaltungsgericht (OVG) auf seiner Seite hat, weiß „Bild“ zwar, findet aber, das „Urteil“ sage „viel darüber aus, warum es in unserem Land nicht mehr vorwärts geht.“

Und vielleicht hätte „Bild“ damit ja sogar ein wenig Recht, wenn es denn tatsächlich so sicher wäre, dass mit diesem Startbahnausbau 4000 Arbeitsplätze geschaffen würden. Wenn also dieser Satz, im vorletzten Absatz des „Bild“-Artikels tatsächlich stimmen würde:

Das Hamburger Oberverwaltungsgericht bestätigte den einstweiligen Baustop für die Startbahn. Begründung: Das Projekt sei „nicht gemeinnützig“. Das Recht der Bauern auf ihr Land habe Vorrang vor neuen Arbeitsplätzen.

Wer sich allerdings die Presseerklärung zum Beschluss des OVG (oder besser noch, den Beschluss selbst) gewissenhaft und vorurteilsfrei durchliest, der wird feststellen, dass das OVG keineswegs der Meinung ist, dass neue Arbeitsplätze hinter dem Recht der Bauern auf Eigentum an ihrem Land zurückstehen müssen. Das OVG erkennt sogar implizit das Gegenteil an, wie man der Pressemitteilung – auch wenn sie etwas kompliziert ist – entnehmen kann:

Im Planfeststellungsverfahren habe die Behörde nicht hinreichend geklärt, welche konkreten Schritte (…) es erforderten, die Start- und Landebahn (…) zu verlängern. Auch habe die Behörde nicht geklärt, ob und in welchem Umfang sich nachteilige Folgen für die Arbeitsplätze am Standort Finkenwerder und die technische Kompetenz der Mitarbeiter ergeben, (…) und ob die Begründung von Airbus für die Verlängerung sachlich gerechtfertigt sei (…).

Man könnte also zusammenfassend sagen, dass das OVG den Landebahn-Ausbau gestoppt hat, weil es zum Einen Zweifel daran hat, dass dadurch tatsächlich die vom Hamburger Senat erhofften, von Airbus in Aussicht gestellten und von „Bild“ behaupteten 4000 Arbeitsplätze entstehen. Und weil es zum Anderen Zweifel daran hat, dass der Landebahn-Ausbau überhaupt notwendig ist.

„Bild“ hingegen hat offenbar keine Zweifel, dass der „Prozeßhansel“ Cord Quast derjenige ist, der bloß an sich denkt und nicht an die Allgemeinheit.

„Bild“ entwürdigt und verletzt

Aus einer heute veröffentlichten Pressemitteilung des Deutschen Presserats (Hervorhebungen von uns):

„(…) Öffentlich gerügt wurde die Berichterstattung der ‚Bild‘-Zeitung über die Schauspielerin Sibel Kekilli. Die Zeitung hatte nach der Verleihung des Goldenen Bären mehrfach über die Vergangenheit der Schauspielerin berichtet, die vor ihrer Rolle in dem ausgezeichneten Film ‚Gegen Die Wand‘ in Pornofilmen mitgespielt hat. Natürlich kann über die Vergangenheit einer Schauspielerin berichtet werden. Dabei ist aber zu beachten, dass in der Berichterstattung die Persönlichkeit der Betroffenen nicht mit den Rollen, die sie gespielt hat, identifiziert wird. Der Beschwerdeausschuss ist der Überzeugung, dass die Berichterstattung über Sibel Kekilli insbesondere durch die Kombination von Text und Bild diese Grenze deutlich überschreitet. Solche Berichterstattung entwürdigt nach Meinung des Ausschusses die Betroffene und verletzt damit die in Ziffer 1 des Pressekodex geforderte Wahrung der Menschenwürde:

Ziffer 1:
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.

Das öffentliche Interesse deckt eine Form der Berichterstattung nicht, in der die Persönlichkeit der Betroffenen auf das reduziert wird, was man über diese in den Klappentexten von Pornofilmkassetten lesen kann.“

PS: Laut Pressekodex (Ziffer 16) entspricht es “ fairer Berichterstattung, vom Deutschen Presserat öffentlich ausgesprochene Rügen abzudrucken, insbesondere in den betroffenen Publikationsorganen.“ In der Richtlinie zu Ziffer 16 heißt es außerem: „Für das betroffene Publikationsorgan gilt: Der Leser muss erfahren, welcher Sachverhalt der gerügten Veröffentlichung zugrunde lag und welcher publizistische Grundsatz dadurch verletzt wurde.“

(Weitere Texte zum Thema: „Bild“ verletzt Menschenwürde, „Bild“ versteht Rüge nicht, Sensation: „Bild“ druckt Kekilli-Rüge, Presserat: Mehr Rüge muss nicht sein.)

„Exklusiv“

Ja, Exklusivität ist eine feine Sache: Da hat man was, das nicht jeder hat. Und nicht zuletzt im Journalismus ist Exklusivität ein geradezu exklusives Gut. Zu oft, ach, sind andere schneller, haben die besseren Kontakte oder einfach nur mehr Glück oder Geld. Weshalb, wenn irgendwer irgendwas exklusiv hat, auch gerne das Wort exklusiv dazugeschrieben wird. Und insofern ist es nicht mal gelogen, wenn am gestrigen Dienstag auch auf der Titelseite der „Bild“-Zeitung (ungefähr so lang wie ein deutscher Durchschnittspenis) das Wörtchen exklusiv geschrieben stand: Denn das sog. „Schock-Video“ der verstorbenen Prinzessin Diana, aus dem „Bild“ auf ihrer gestrigen Titelseite gleich mehrere Standbilder und O-Töne abdruckte, darf mit Fug und Recht „exklusiv“ genannt werden – allerdings nicht (wie die „Bild“-Titelseitengestaltung den Eindruck erwecken könnte) von „Bild“, sondern vom US-Sender NBC, der es am Montagabend (Ortszeit) weltexklusiv ausgestrahlt hatte…

Stille Post

In der „Welt“ stand gestern die etwas seltsame „Geschichte einer wundersamen Freundschaft“. Anlass war der 15. Jahrestag des tödlichen RAF-Attentats auf den Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen. „Welt“-Autor Ulli Kulke war nämlich damals, am 30. November 1989, Wirtschaftsredakteur bei der „taz“ und erinnerte sich nun, 15 Jahre später, für die „Welt“ an Herrhausens Todestag – und an Tanja Neumann. Denn Neumann (damals 27 Jahre alt, Studentin und „taz“-Autorin) hatte Kulke unmittelbar nach dem Attentat erzählt, dass sie Herrhausen bereits 1982 als Schülerin bei einer TV-Diskukussion kennengelernt hatte. Und was Neumann vor 15 Jahren noch erzählt hatte, fasste Kulke gestern in der „Welt“ zusammen:

„Drei, vier Mal wöchentlich hatte sie mit dem Bankenchef telefoniert, mal länger, mal kürzer. Seit sieben Jahren. Sie schrieb ihm Briefe, 300, 400 lange Briefe; er rief sie an, tagsüber, abends. (…) Während Tanja über all die Jahre den Kontakt geheim hielt (…), scheute sich Herrhausen nicht, sein Umfeld über seinen Draht zur Szene auf dem Laufenden zu halten. Die Sekretärin stellte durch; die Ehefrau Traudl Herrhausen zu Hause ebenso. (…) Seine Neugier war eben unbändig, wenn es um die nachwachsenden Köpfe ging, egal ob 68er oder 86er, Generation Käfer oder Golf.“

So, und was macht „Bild“ heute? Erzählt die irgendwie rührende Erinnerung an Herrhausen nach und macht daraus:

Und die ebenso schwüle wie irreführende Überschrift zu der Nacherzählung lautet in „Bild“ natürlich:

Eigenanzeige

Diese Anzeige stand heute in „Bild“ (Berlin-Ausgabe, Seite 12).

Wir haben unseren Lösungsvorschlag einfach mal eingetragen:

Informationsvorsprung mit vier Buchstaben: BLOG

Allgemein  

Abwegige Überschrift

Man kann darüber streiten, wie aufregend es ist, dass der Schauspieler Hugh Grant dabei fotografiert wurde, wie er mit seiner Freundin Jemina Khan Auto fuhr. Aber die Klatschspalte auf der letzten Seite von „Bild“ will gefüllt werden, und zur Not halt eben mit der aufregenden Geschichte, dass der Schauspieler Hugh Grant dabei fotografiert wurde, wie er mit seiner Freundin… wie gesagt.

Auto, dachte sich die Autorin, die die undankbare Aufgabe hatte, daraus einen kurzen „Artikel“ zu machen, Auto? Hugh Grant? Da war doch was? Und richtig: Sie stellt eine Verbindung her zu der fast zehn Jahre alten Geschichte, dass Grant sich von einer Prosituierten in einem Auto oral befriedigen ließ und dabei von der Polizei erwischt wurde. Ist das nicht ein Zufall? Der gleiche Typ wird fast zehn Jahre später wieder erwischt, nur diesmal ohne Prostituierte und ohne Sex und ohne Polizei und eigentlich auch ohne jede Geschichte, aber mit Auto? Ist doch der Hammer!

Jedenfalls hat „Bild“ es geschafft, über diesen ohnehin merkwürdigen Bericht darüber, dass Hugh Grant mit seiner Freundin Auto fuhr, keine der schätzungsweise 283.291 möglichen sinnvollen Überschriten zu setzen, sondern die Worte:

Hugh Grant wieder auf Abwegen?

Implizit missverständlich

In der vergangenen Woche brachte „Bild“ diese interessante Schlagzeile:

Hat da also eine rachsüchtige Bestie das Haus seines hilflosen Herrchens in Brand gesteckt, weil nicht genug Futter im Napf war? Nein, nein:

„Eine Frau aus Bendorf (Rheinland-Pfalz) füllte ihrem Hund Futter ein, begeistert sprang er am Herd hoch – und drehte dabei unbemerkt den Schalter einer Kochplatte an. Später brach dadurch ein Feuer aus!“

Eine Woche darauf schreibt „Bild“:

Puh! Drei Jahre Knast wegen einer Beleidigung? Muss ja was ziemlich Fieses gewesen sein, oder? Na ja – laut „Bild“ sagte der Verurteilte vor Gericht:

„Mit Ihnen rede ich nicht. Sie haben meinen Befangenheitsantrag abgelehnt.“

Finden Sie nicht so schlimm? Tja, verurteilt wurde der Mann ja auch, weil er eine Kreditkarte gestohlen, damit eine Hotelrechnung in Höhe von 800 Euro und eine Goldkette im Wert von 1400 Euro bezahlt hat, anschließend einen Wagen mietete, einen Anhalter mitnahm und diesem in einer Pinkelpause an der Raststätte auch noch dessen Rucksack mopste.

„Urteil (unter Einbeziehung anderer Strafen): 3 Jahre, 4 Monate Haft.“

Und mal abgesehen davon, dass „übergeigte Überschriften, die vom Text nicht gehalten werden, (…) in BILD nichts zu suchen“ haben, wäre es doch fein, wenn in Berichten tatsächlich auch das stünde, was in der Schlagzeile bloß impliziert wird. Oder?

Mon cher ami

Franz-Josef Wagner schreibt heute einen Brief an Klaus Wowereit, und wir müssen ein bisschen ausholen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin musste sich nämlich gestern im Abgeordnetenhaus dafür rechtfertigen, dass er bei einer öffentlichen Veranstaltung Désirée Nick geküsst hat. Einige Fotos von diesem Moment machten in Berlin und in „Bild“ Schlagzeilen. Nachdem ein CDU-Abgeordneter gefragt hatte, ob das mit der Würde seines Amtes vereinbar sein, rechtfertigte sich Wowereit ausführlich.

Franz-Josef Wagner fühlte sich bei dieser Rede an die Sätze von Willy Brandt und Richard von Weizsäcker im Abgeordnetenhaus erinnert, bzw.: nicht erinnert. Denn die hätten die Freiheit verteidigt, Wowereit aber sein „Fundi-Schwulsein“.

Unter „Fundi-Schwulsein“ versteht Wagner dem Anschein nach das, was gemeinhin „Homosexualität“ genannt wird: Männer, die nicht schwach werden, wenn plötzlich, sagen wir, Paris Hilton vor ihnen steht. Das ist ein bisschen unflexibel, aber das gibt es. „Fundi“ ist natürlich alles andere als ein positiv besetzter Begriff in der Welt von „Bild“.

Wagner weiter:

Sie verwahrten sich gegen Unterstellungen, Désirée Nick habe Sie umgedreht.

Das ist typisch, riefen Sie in den Plenarsaal, da ist ein schwuler Mann und eine schöne Frau (na, na, der Kolumnist) und schon heißt es „umgedreht“. Das sei wie bei Frau Schavan, die als lesbisch diskriminiert wird. Es sei gegen die Menschenwürde, ereiferten Sie sich.

Mon cher ami, ist es wirklich so schrecklich, in den Verdacht zu geraten, nicht 150prozentig schwul zu sein?

„Nein“, rufen natürlich an dieser Stelle die „Bild“-Leser im Chor, die nicht aufgepasst haben. Denn darum ging es Wowereit nicht. Als diskriminierend bezeichnete er die Annahme, dass man Schwule nur mit einer schönen Frau konfrontieren müsse, und schon könne man sie ändern.

Das ist genau, was „Bild“ mit seiner Titel-Schlagzeile getan hat, und das ist in der Tat diskriminierend. Es ist auch mehr als nur ein lustiger Boulevardzeitungswitz, wie man zum Beispiel hier nachlesen kann.

Wagner suggeriert weiter, Wowereit hätte sich mit dem Thema in die Öffentlichkeit gedrängt, anstatt wichtigere Dinge zu verhandeln. Jedenfalls ist zu vermuten, dass er das suggerieren will, wenn er diese Sätze hintereinander schreibt:

Mon cher ami, ist es wirklich so schrecklich, in den Verdacht zu geraten, nicht 150prozentig schwul zu sein? Ist es nicht viel schrecklicher, daß 40 Prozent unserer Berliner Türken arbeitslos sind. Die Quote der türkischen Sozialhilfeempfänger ist dreimal so hoch. Ist es nicht schrecklich, daß ein Türke, der Deutsch lernen will, in Berliner Volkshochschulen abgelehnt wird – kein Geld, keine Lehrer.

Nach Darstellung verschiedener Medien hat Wowereit wohl tatsächlich sehr, sehr lange zu dem Thema geredet. Tatsache ist aber auch, dass Wowereit das Foto und das Thema nicht groß in die Öffentlichkeit gebracht hat (das war „Bild“) und dass er es auch nicht auf die Tagesordnung im Berliner Abgeordnetenhaus gesetzt hat (das machte die Opposition durch ihre Frage danach).

O-Ton Wagner:

Die Würde der Schwulen geht mir langsam auf den Keks – und Ihr Markenzeichen schwul auch. Schwulsein ist nicht besser.

Noch einmal zum Mitdenken: „Bild“ stellt ein Foto vom knutschenden Wowereit auf die Titelseite und bringt es in absurder Weise in Verbindung mit seinem Schwulsein. Und wenn Wowereit sich darüber beschwert, schreibt „Bild“, er soll doch aufhören, dauernd sein Schwulsein in den Vordergrund zu stellen.

Den Satz „Die Würde der Schwulen geht mir langsam auf den Keks“ muss man sich merken. Das ist ungefähr so, als würde sich ein Schläger darüber beklagen, dass die Schreie seiner Opfer immer so einen ruhestörenden Lärm verursachen.

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