Suchergebnisse für ‘henrico’

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Stadt Wiesbaden kürzt Arbeitslosenhilfe für Henrico Frank
(welt.de)
Weil er sich nicht um die angebotenen Stellen gekümmert hat, muss Henrico Frank nun mit weniger Hartz-IV-Hilfe auskommen. Ab dem 1.Februar wird die monatliche Leistung von derzeit 345 Euro um 30 Prozent gesenkt. Frank war durch seinen Streit mit SPD-Chef Kurt Beck in die Schlagzeilen geraten.

Kohle und Kies, Knete und Kröten
(jungle-world.com)
Wo gibt es Geld zu holen? Die Experten der Jungle World wissen Rat.

Intelligenz im Ohr
(sueddeutsche.de, Yvonne Göpfert)
Musik, Kultur, Forschung oder Politik – es gibt eigentlich nichts, wozu sich nicht ein Podcast im Internet findet. Seit gut einem Jahr kann man auch Fremdsprachen mit der neuen Technik lernen.

„Lieber nicht am Telefon“
(tagesspiegel.de, Marc Felix Serrao)
Thomas Roth, künftiger Leiter des ARD-Studios in Moskau, über Putin und russische Pressefreiheit.

Von Popmusik bis Politik
(berlinonline.de)
In eigener Sache: Über die Blogs der Berliner Zeitung.

Was Leser wirklich lesen!
(axel-springer-akademie.de, Video)
Ein kurzes Interview aus dem Jepblog der Axel-Springer-Akademie mit Christa D., 72, Berlinerin.

Verarschen kann „Bild“ uns alleine!

Einen der größten Erfolge unter Chefredakteur Kai Diekmann feierte die „Bild“-Zeitung im Jahr 2003 mit ihrer wochenlangen Berichterstattung über einen in den USA lebenden deutschen Sozialhilfeempfänger, den sie „Florida Rolf“ nannte. Die Kampagne erreichte nicht nur, dass der Mann nach Deutschland zurückkehrte, sondern auch, dass der Bundestag in kürzester Zeit die Gesetzeslage verschärfte. Dabei betraf die Regelung nicht einmal 1000 vermeintliche „Sozialschnorrer“ und bedeutete möglicherweise sogar höhere Ausgaben für die Steuerzahler.

In diesen Tagen arbeitet sich „Bild“ wieder an einem vermeintlichen „Abzocker“ ab: Henrico Frank, ein Arbeitsloser, der SPD-Chef Kurt Beck dafür verantwortlich machte, Hartz-IV-Empfänger zu sein, und dafür von ihm gesagt bekam, er solle sich erst einmal waschen und rasieren, dann bekomme er auch Arbeit. Frank ließ sich von Journalisten zu einem Friseurbesuch überreden, Beck vermittelte ihm darauf mehrere Stellenangebote, Frank ließ ein Treffen mit Beck jedoch platzen und lehnte auch die angebotenen Jobs ab. Seitdem ist er für „Bild“ „Deutschlands frechster Arbeitsloser“ und heute zum zweiten Mal großer Seite-1-Aufmacher:

Warum kriegt so einer Stütze?

Die Frage klingt, als wollte „Bild“, ähnlich wie bei „Florida-Rolf“, eine vermeintliche oder tatsächliche Ungerechtigkeit im Gesetz anprangern. In Wahrheit hat der Bundestag erst vor kurzem die Gesetzeslage für Menschen wie Henrico Frank drastisch verschärft. Wer innerhalb eines Jahres drei Angebote seiner Arbeitsagentur ohne guten Grund ablehnt, bekommt vom kommendem Jahr an für ein Vierteljahr sämtliche Zahlungen gestrichen, ist nicht krankenversichert, bekommt kein Geld für Unterkunft und Heizung. Nach Ansicht von Kritikern dieses Gesetzes kann das für viele hartnäckige Arbeitsverweigerer bedeuten, obdachlos zu werden. Die neue Regelung ist juristisch umstritten, weil eigentlich jeder Mensch einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf das Existenzminimum hat.

„Faulenzern“ und „Abzockern“ wie Henrico Frank droht also nach dem verabschiedeten Gesetz, nichts zu bekommen. Da es schwer ist, Menschen weniger als nichts zu geben, ist nicht ganz klar, auf welche Art Gesetzesverschärfung die „Bild“-Kampagne zielen könnte: Die Möglichkeit, „Faulenzer“ und „Abzocker“ aus dem Land zu jagen?

Aber vielleicht geht es der „Bild“-Zeitung hier auch nicht um das Gesetz. Vielleicht hat sie mit Henrico Frank eine persönliche Rechnung offen. Darauf deutet zum Beispiel der gestrige „Bild“-Artikel hin, der so begann:

ER HAT UNS ALLE VERARSCHT!

Die „Bild“-Zeitung lässt offen, ob sie mit „uns“ uns meint oder „Bild“-Mitarbeiter. Deren Gefühl, „verarscht“ worden zu sein, könnte aber daher rühren, dass die Geschichte so schön auf ein Happy-End hätte hinauslaufen können: Dank tatkräftiger Unterstützung der Medien wird aus nichtsnutzigem Hartz-IV-Suff-und-Schmuddel-Punk ein glückliches Mitglied der arbeitenden Gesellschaft. Henrico Frank wollte dieses Spiel, hinter dem er eine PR-Aktion von Beck vermutet, offenbar nicht mitspielen — ob er dabei klug vorging, ist eine andere Frage.

Die „Bild“-Zeitung jedoch erweckt den Eindruck, Frank habe sie in die Irre geführt. Dabei zeigte Frank von Anfang an wenig Bereitschaft, die ihm von dem Medien zugeteilte Rolle zu spielen — selbst den Frisurwechsel bereute er schnell. Dass Frank „vier Handys“ hat (nach eigenen Angaben alle Prepaid, ohne laufende Kosten), war „Bild“ ebenso bekannt, wie dass er weiter seinen Anstecker „Arbeit ist Scheiße“ trug. Erst im Nachhinein machte sie daraus Belege, um Frank zu „Deutschlands frechstem Arbeitslosen“ zu stempeln.

Die „Bild“-Berichte über den Arbeitslosen sind inzwischen voller bösartiger Interpretationen und einseitiger Verdrehungen. Aus dem Angebot, für „5,50 Euro / Stunde“ zu arbeiten, macht „Bild“ einen von acht „gut bezahlten Jobs“. Dass sich die Sprecherin Franks bei den Arbeitgebern erkundigte, ob sich die Stellen (u.a. Straßenbauarbeiter, Maurer, Maler) überhaupt eignen für jemanden, der „nur noch eine Niere, dazu einen Bandscheibenvorfall und eine Schulterprellung“ hat, nennt „Bild“ schlicht „dreist“: „Motto: Ich kann nicht, aber was gibt’s denn?“ Nebenbei fabriziert „Bild“ aus den Zitaten mehrerer Politiker der Linkspartei, die grundsätzlich begrüßen, wenn Arbeitslose in die Politik und die Parlamente gehen, eine mögliche Kandidatur Franks für den Bundestag.

Den CDU-Politiker Michael Fuchs hingegen zitierte „Bild“ gestern mit den Worten:

Was wirft das für ein Licht auf all die anderen Arbeitslosen! Henrico Frank bringt sie alle in Verruf.

Tut er das wirklich? Oder tun das nicht „Bild“ und die anderen Medien, die das Verhalten Franks in einer Breite diskutieren, die gar keinen Sinn ergäbe, wenn sie davon ausgingen, dass Franks Verhalten ein völliger Einzelfall wäre. Dadurch, dass sie den Fall seit einer Woche ausführlich begleiten, suggerieren sie erst, dass es sich um ein grundsätzliches Phänomen und Problem handelt.

Der Politologe Frank Oschmiansky hat vor einigen Jahren die Konjunktur der immer wiederkehrenden „Faulheitsdebatten“ untersucht und befand, sie folgten „zu einem guten Teil politischen Kalkülen“. Sie ließen bei den Bürgern den Eindruck entstehen, der „Missbrauch sozialer Leistungen“ sei eines der größten Probleme dieses Landes — dabei sei der Schaden rechnerisch „marginal“ gegenüber Delikten wie Schwarzarbeit, Subventionsmissbrauch, Korruption oder Steuerhinterziehung. Oschmianskys Fazit:

Zudem zielen die „Faulheitsvorwürfe“ darauf, das sozialpsychologische Klima zu schaffen, um Leistungseinschränkungen oder auch Zumutbarkeits- oder Sanktionsverschärfungen den Boden zu bereiten. (…) Durch die Skandalisierung des Leistungsmissbrauchs wird ein Klima erzeugt, in dem Kürzungen von Sozialleistungen leichter durchsetzbar sind.

  

Eins, zwei, drei, ganz Deutschland

Kennen Sie Frank Ficker? Oder die Zahnarzthelferin Stefanie K.? Doch, doch: Die kennen Sie! Garantiert! „Bild“ hat in diesem Jahr darüber berichtet, dass Sie über Ficker gelacht und die Zahnarzthelferin bedauert haben. Aber lesen Sie selbst:

5. Januar 2006:"Ganz Deutschland" diskutierte“ über ein ZDF-Interview mit der befreiten „Irak-Geisel“Susanne Osthoff, das „Bild“ übrigens „seltsam“ fand.

7. Januar 2006: In einem ostanatolischen „Geflügel-Dorf“ starben mehrere Kinder, über die „Bild“ zuvor berichtet hatte, „an Vogelgrippe“. Das „schockt ganz Deutschland

26. Januar 2006: Kaum vom Vogelgrippe-Schock erholt, „schockt“ die Nasa mit einer neuen Klima-Studie. Allerdings nicht etwa ganz Deutschland, sondern nur, „während ganz Deutschland über die Bibberkälte der letzten Tage spricht“.

27. Januar 2006: Ganz Deutschland diskutiert“ wieder. Diesmal: Ob es für ausländische Kinder eine Deutschpflicht auf dem Schulhof geben soll.

3. Februar 2006: Ganz Deutschland diskutiert über die Rente mit 67.“

18. Februar 2006: „Die Entführung der Gymnasiastin Stephanie (13) erschüttert ganz Deutschland.“

18. Februar 2006: Nachdem „ganz Deutschland“ über Susanne Osthoffs ZDF-Interview diskutiert hatte, reist sie wieder in den Irak. „Diese Nachricht macht ganz Deutschland fassungslos.“

21. Februar 2006: Ganz Deutschland spricht über die wilden Lebenserinnerungen von Top-Schauspiel-Star Heiner Lauterbach“, aus denen „Bild“ Auszüge vorabdruckt.

1. März 2006: In Greifswald verurteilt „Deutschlands gerechtester Richter“ einen jungen Mann wegen fahrlässiger Tötung zu vier Jahren Gefängnis, und „sein Urteil sorgt in ganz Deutschland für Anerkennung.“

4. März 2006: Weil „Bild“ berichtet, dass ein Minister seine Ehefrau bei einem Stop mit dem Dienstwagen an einer Autobahn-Raststätte „vergessen“ hatte, „lacht heute ganz Deutschland…“ Zwei Tage später „spricht die vergessene Ministergattin“, abermals zwei Tage später „wird Versöhnung gefeiert“.

24. März 2006: Ganz Deutschland diskutiert“ — diesmal über die gar nicht so leichte Frage: „Soll das Kindergeld gekürzt und sollen dafür Kindergärten gebührenfrei werden, um Deutschland familienfreundlicher zu machen?“

6. Juni 2006: Nachdem „Bild“ mehrere Tage lang fälschlicherweise behauptet hatte, Hape Kerkeling glaube, er habe schon mal gelebt, „diskutiert ganz Deutschland das Thema Wiedergeburt“.

19. Juni 2006: Ganz Deutschland bedauert Stefanie K. (21), die schöne Zahnarzthelferin aus Berlin.“ Warum, haben wir vergessen. Denn „Bild“ zeigte zur Aufmunterung die schönsten „erotischen Fotos der Zahnarzthelferin (Oberweite 80 D)“.

27. Juli 2006: „Bild“ hat mal wieder irgendwelche Lohn-Listen abgedruckt — und, siehe da: „Ganz Deutschland diskutiert, wer bekommt wieviel Geld für seine Arbeit.“

19. August 2006: Und wer taucht denn da hinter den dicken Mauern seines Ministeriums in der Berliner Wilhelmstraße ab? Der „Urlaub-Weg-Minister“ natürlich, „der ganz Deutschland gegen sich aufgebracht hat“.

28. August 2006: Ganz Deutschland diskutiert über die Renten“ — immer noch.

29. September: Ganz Deutschland diskutiert die Absetzung der Mozart-Oper ‚Idomeneo‘ in Berlin.“

17. Oktober 2006: Ganz Deutschland diskutiert über ein neues, brutales Wort: ‚UNTERSCHICHT!'“

21. Oktober 2006: „Bild“ kündigt den Vorabdruck von Gerhard Schröders Memoiren an und schreibt: „Über dieses Buch wird ganz Deutschland diskutieren!“

24. Oktober 2006: Vollzug! Na, fast: „Es ist das politische Buch, über das ganz Deutschland spricht“.

30. Oktober 2006: Offenbar gibt’s für ganz Deutschland gerade nichts zu diskutieren. Aber „Bild“ erinnert an Frank Ficker, denn „ganz Deutschland lachte vor knapp einem Jahr über den Mann mit dem komischen Namen.“

31. Oktober 2006: Noch nicht genug gelacht? „Bild“ hat noch einen: Überfällt ein Mann eine Videothek. Zieht der Angestellte eine Reizgaspistole und schießt. Und was macht der Mann? „Er rennt aus dem Laden, stolpert, fällt hin, rappelt sich hoch, Geldmünzen fallen aus seiner Jacke. Jetzt fahndet die Polizei nach ihm.“ Klarer Fall: „Über diesen Räuber lacht ganz Deutschland!“

1. November 2006: Im Hirschgrund bei Oberlungwitz wird ein weißes Reh entdeckt, („Bild“ berichtete), und „ganz Deutschland hat sich in Rehweißchen verliebt“.

1. Dezember 2006: Ganz Deutschland diskutiert die Rente mit 67.“

8. Dezember 2006: Ganz Deutschland diskutiert“ über ein paar Fotos von Günter Verheugen, obwohl ganz Deutschland die Verheugen-Fotos gar nicht kennt.

Gestern: Für ganz Deutschland hat die Aufregung um „Sozial-Punk“ Henrico Frank offenbar nicht gelangt. Aber immerhin war die „Bild“-Meinungsforschungsredaktion offenbar nicht untätig, denn:

Millionen Deutsche fragen sich: Wieso kriegt so einer überhaupt noch Stütze vom Staat?“

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Der Boxer und der Papst
(Berliner Zeitung, Klaudia Wick)
Die zwölf Menschen des Fernsehjahres 2006.

SpiegelOnline und die Netzeitung erzählen recht unterschiedliche Geschichten über Henrico Frank:
Henrico, das Beck-Gespenst
(Spiegel Online, Björn Hengst und Carsten Volkery)
SPD-Chef Beck hat acht Jobs für den arbeitslosen Henrico Frank gefunden. Doch der zeigt sich nicht dankbar, sondern schwingt sich zum Anwalt aller Arbeitslosen auf. Wird der Hartz-IV-Empfänger zum Schreckgespenst für den rheinland-pfälzischen Regierungschef?
Wiesbaden droht Rasiertem mit ALG-II-Kürzung
(Netzeitung)
Mitarbeiter von SPD-Chef Beck haben dem arbeitslosen Frank acht Stellenangebote überbracht. Die Staatskanzlei erklärte den Fall damit für erledigt. Das Sozialamt ermahnte den berühmten Erwerbslosen indes.
Fest steht, wenn man das Foto bei SpOn sieht: Das Waschen und Rasieren hat nicht lange vorgehalten.

60 Jahre „Der Spiegel“ – ein Gründungsmitglied erzählt
(Deutschlandfunk, Brigitte Baetz)
Leo Brawand ist der letzte lebende Gründungsredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, das in vierzehn Tagen seinen 60. Geburtstag feiern wird.

Hausfrauen ohne Werbepausen
(Der Tagesspiegel, Wilfried Urbe)
Von „24“ zu „Stalingrad“: Der DVD-Verkauf wird für TV-Produzenten immer wichtiger.

Im neuen Kleid
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Das Re-Design eines der führenden Nachrichten-Portale im deutschsprachigen Netz ist Auftakt einer breiten redaktionellen Offensive. sueddeutsche.de wird von nun an stärker als bisher mit der Redaktion der Süddeutschen Zeitung zusammenarbeiten.
sueddeutsche.de ist neu – und hat wie Spiegel Online auch die linke Navigationsleiste abgeschafft.

Veranwortung der Medien bei der Suizid-Berichterstattung
(Chefredaktor-Blog, Ueli Haldimann)
„20 Minuten“ und der „Tagesanzeiger“ berichten ausführlich über Suizide, mit Nennung der geeigneten Orte.