Archiv für Mai 23rd, 2007

Kurz korrigiert (419)

Hach, Catherine Deneuve! Norbert Körzdörfer ist für “Bild” in Cannes, scheint ganz hingerissen von der Schauspielerin, nennt sie einen Oldie und schwärmt abschließend:

Die Franzosen meißelten ihren Kopf als Madeleine-Büste in jedes Rathaus.

Madeleine ist als Name eines in Portugal verschwundenen vierjährigen Mädchens gerade groß in den Medien. Körzdörfer meint bestimmt Marianne.

Danke an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 24. Mai. Bild.de hat aus Körzdörfers “Madeleine” nun eine “Marianne” gemacht.

Al-Masri: “Bild” gießt Benzin ins Feuer

“Bild” ist mit Khaled al-Masri noch nicht fertig. Heute fasst die Zeitung die Vorgeschichte des Mannes, der vermutlich von der CIA nach Afghanistan entführt und dort monatelang festgehalten wurde und der in der vergangenen Woche einen Brandanschlag auf einen Großmarkt verübt hat, in einem einzigen Satz zusammen. Er lautet:

Mit seiner widerlegten Behauptung, ein Deutscher namens “Sam” — angeblich BKA-Beamter — habe ihn während der Haft in Afghanistan vernommen, löste er eine Regierungskrise aus.

Es ist ein außerordentlich perfider Satz. Einerseits korrigiert “Bild” darin unauffällig einen eigenen Fehler: Vergangenen Samstag hatte sie noch geschrieben, dass al-Masri behaupte, bei “Sam” handele es sich um einen BND-Mann. In Wahrheit behauptet al-Masri nur, er sei von einem Deutschen namens “Sam” in Afghanistan vernommen worden. Er hatte allerdings geglaubt, in einem BKA-Beamten diesen “Sam” wiederzuerkennen.

Aber “Bild” verbindet die kleine, heimliche Korrektur mit einer noch größeren Lüge. Denn “widerlegt” ist al-Masris Behauptung, von einem Deutschen in Afghanistan verhört worden zu sein, keineswegs. Richtig ist nur, dass der BKA-Beamte, den Masri mit großer Wahrscheinlichkeit als “Sam” identifiziert hatte, für die fragliche Zeit anscheinend ein Alibi hat. Die Münchner Staatsanwaltschaft aber sucht bei ihren Ermittlungen im Fall al-Masri weiterhin nach einem Deutschen.

Kurz korrigiert (418)

Ob die Autorin des Bild.de-Textes über die “20 beliebtesten Touristen-Attraktionen der Welt” wohl den Trafalgar Square mit dem Piccadilly Circus verwechselt hat:

Es folgen weitere Hotspots der USA, auf Platz vier schließlich findet sich Londons Trafalgar Square (15 Millionen Besucher), den man mit seinen Werbetafeln fast für den kleineren Zwilling des Times Square halten könnte.
(Hervorhebung von uns)

Mit Dank an Marco R. und Michael B. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 12.25 Uhr: Inzwischen wurde der Times-Square-Vergleich ersatzlos aus dem Text gestrichen.

6 vor 9

Das sind die Verdächtigen
(taz.de)
Wer hat das Auto von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann angezündet? So viel ist sicher: Die taz war’s nicht. Wer aber dann? Wir präsentieren acht Verdächtige mit guten Gründen, Diekmann zu ärgern.

Umsonst und überflüssig
(sueddeutsche.de, Dirk Peitz)
Endlich den Überblick verlieren, über all die überflüssigen Musikmagazine. Die Blätter sind kaum noch journalistisch und erzählen dem Leser, was er ohnehin schon weiß. Die auflagenstärksten gibt es gratis.

Pornostar bloggt Cop aus dem Job
(spiegel.de, Felix Knoke)
Früher oder später kommt alles raus. Diese Lektion musste ein US-Polizist lernen, der einer Pornodarstellerin gegen Sex ihren Strafzettel erließ. Die berichtete ihr Erlebnis in einem Weblog. Das Resultat: Sie ist ein Star, er verliert seinen Job. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

“Gratiszeitungen sind mit der Trendgastronomie vergleichbar”
(persoenlich.com, Björn Zern)
er Erfolg von 20 Minuten hat mit Le Matin Bleu und “heute” bereits zwei weitere Wettbewerber im Gratiszeitungsmarkt auf den Plan gerufen — im Herbst erscheint wahrscheinlich ein neuer Titel von Sacha Wigdorovits. Hans-Peter Rohner, Generaldirektor der PubliGroupe ortet bei den Geschäftsmodellen der Gratiszeitungen Schwachstellen: “In meinen Augen ist der Gratiszeitungsmarkt eine Trendbranche.”

Die Freiheit nehm? ich dir
(jungle-world.com, Arian Fariborz)
Obwohl die Inhaftierungen von Journalisten in der Türkei rückläufig sind, wächst derzeit der Druck auf staatskritische Medienschaffende. Die zunehmende Medienkonzentration verschärft das Problem.

Peter Doherty queues for Oasis album
(youtube.com, Video, 0:51 Minuten)
It’s Pete.