Archiv für April 7th, 2006

“Bild” behauptet, MeckPomm werde schwul

So stand’s am 27. März im Raum Mecklenburg-Vorpommern in der “Bild”-Zeitung. Und sollten Sie aus Mecklenburg-Vorpommern stammen, können wir Sie beruhigen: Sie werden dadurch nicht schwul. Der Greifswalder Wissenschaftler hat das auch nie behauptet.

Im Text wird als Beleg für die These dennoch Dr. Wolfgang Weiß angeführt, Privatdozent an der Universität Greifswald, der unter anderem Bevölkerungsstrukturen untersucht. Er war der erste, der feststellte, dass in den ostdeutschen Bundesländern vor allem junge und gut qualifizierte Menschen abwandern und dass darunter sehr viele Frauen sind. Dadurch ergibt sich, wie inzwischen auch andere Forscher bestätigt haben, ein Männerüberschuss.

Bei “Bild” wollte man dem offensichtlich mal auf den Grund gehen und befragte Weiß. Der sagte während des Gesprächs das hier:

“Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wohin der männliche Testosteron-Überschuß in Zukunft führt.”

Und weil nicht viel Phantasie dazugehöre, schrieb “Bild”:

“Heißt im Klartext: Der akute Frauenmangel könnte die Männer — auf ihrer Suche nach Gefühl und Liebe — in die Homosexualität treiben.”

Als Beleg für die “Bild”-Behauptung zitiert das Blatt den Wissenschaftler noch ein zweites Mal:

“‘Sie [die Männer] isolieren sich. Dadurch verändert sich ihre Sprache. Gewaltbereitschaft und Brutalität steigen, da die Frauen, die oft als Schlichter fungieren, fehlen. Sie geben Anerkennung und Zufriedenheit. Ohne dies wachsen Wut und Frust. Und die werden dann höchst unterschiedlich kompensiert.'”

Weiß sagt uns jedoch, er habe etwas völlig anderes gemeint und gegenüber “Bild” auch gesagt. Nämlich, dass die frustrierten Männer immer gewaltbereiter werden und dass es unter ihnen dadurch immer mehr Rechtsradikale gibt.

Und irgendwie muss auch “Bild”-Autor Mathias Saretz seinem eigenen “Klartext” misstraut haben. Er beendet den Artikel (der ja, wir erinnern uns, mit “Meckpomm wird schwul” überschrieben ist) mit einem dritten Weiß-Zitat. Es lautet:

“Das bedeutet allerdings nicht, daß automatisch jeder schwul wird. (…)”

PS: Weiß hat übrigens nach Erscheinen des Textes von “Bild” eine Richtigstellung verlangt, die am 1. April in der Mecklenburg-Vorpommern-Ausgabe erscheinen sollte. Ob sie tatsächlich erschienen ist, kann Weiß nicht sagen. Er lese keine “Bild”. Wir schon, wissen es aber trotzdem nicht: Die MeckPomm-Redaktion von “Bild” wollte uns den Abdruck einer Richtigstellung jedenfalls auf Anfrage nicht bestätigen.

Mit Dank an chriskoeln.de für Hinweis und Scan.

Kurz korrigiert (92)

Anders als Bild.de behauptet, flog am 11. September 2001 kein “Jumbo” in das World Trade Center, sondern sowohl in den Nord- als auch in den Südturm je eine Boeing 767.

Mit Dank an Rainer D. für den Hinweis.

Nachtrag, 14.35 Uhr: Bild.de hat den Fehler korrigiert.

In The Ghetto

In Hamburgs Süden gibt es unbestreitbar einige Stadtviertel mit hohem Ausländeranteil. Als Beispiel für Ghettoisierung hat sich die “Bild”-Zeitung in ihrem aufrüttelnden und “ehrlichen” Aufmacher “7 Wahrheiten über Ausländer-Politik” allerdings ausgerechnet Steinwerder ausgeguckt:

Die Suche nach all den Ausländern, die sich hier abschotten und “oft nach ihren eigenen Gesetzen” leben, dürfte etwas länger dauern. Verstecken sie sich vielleicht zwischen den zehntausenden Containern am Terminal Tollerort? Im riesigen Trockendock Elbe 17? Oder auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft?

Offensichtlich, denn die Statistiker haben 2004 (siehe Ausriss) gerade einmal 16 Ausländer auf Steinwerder entdecken können (von 57 gemeldeten Einwohnern insgesamt).

Und die deutschsprachige Wikipedia weiß noch mehr über das neu entdeckte Ghetto:

Steinwerder ist fast vollständig als Freihafen ausgewiesen. Der Stadtteil besteht aus Hafen-, Industrie- und Gewerbeflächen. Wohngebiete gibt es hier nicht.

Computerspiel, auch für Papis geeignet

Schon erstaunlich: Eine Zeitung, die glaubt, dass Menschen Computerspiele nutzen, um reale Morde zu üben, empfiehlt ein Computerspiel, in dem man die Rolle eines Mafiaboss übernimmt:

Spielen Sie doch mal Mafia-Pate!

Der “Bild”-Artikel vom Dienstag vergangener Woche beginnt mit den treuherzigen Worten:

Eigentlich spielen ja hauptsächlich Kids Videospiele, dieses könnte auch eins für die Papis sein!

Und am Ende steht:

Freigeben ab 14 Jahren

Gemeint ist sicher: Freigegeben ab 14.

Dabei ist 14 gar keine Altersgrenze. 14 ist der Paragraph im Jugendschutzgesetz, in dem es um Altersfreigaben geht.

Und “The Godfather — Der Pate” hat nach diesem Paragraphen von der Unterhaltungssoftware SelbstKontrolle (USK) keine Jugendfreigabe erhalten und darf an Jugendliche unter 18 Jahren nicht verkauft werden. Das Urteil der USK bedeutet:

Der Inhalt ist geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen.

Danke an Raymond für den Hinweis!