Autoren-Archiv

AfD-Journalisten-Rauswurf, Funks Verlade, Undercover Boss

1. Mut zur Lücke: Medien-Reaktionen auf den Journalisten-Rauswurf
(flurfunk-dresden.de, Andreas Szabo)
Am vergangenen Samstag haben die Delegierten des AfD-Landesparteitages Sachsen einen Journalisten der “Sächsischen Zeitung” rausgeschmissen. Der Vorwurf: Der Journalist sei angeblich für “Hetzartikel” verantwortlich. Dies sorgte für viel Kritik an der Partei und ihrem Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit. Die “Morgenpost Sachsen” reagierte mit einem Boykott der Berichterstattung und druckte eine leere Seite mit Infokasten ab. Andreas Szabo hat nun das Medienecho auf den Vorfall zusammengefasst.

2. Are you FUNKing kidding me?
(fettlogik.wordpress.com)
Man muss zweimal hinschauen, weil man es nicht glauben mag: “Funk”, das Online-Medienangebot der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene, hat mehreren jungen Frauen vorgegaukelt, sie hätten ein „Ernährungscoaching“ gewonnen und sie zum Videodreh in einen Supermarkt eingeladen. Statt sie zu beraten, hat eine falsche Ernährungsberaterin die Teilnehmer jedoch vor laufender Kamera bloßgestellt und wüst beschimpft („viel zu fett“) bis diese genug hatten oder weinend zusammenbrachen. Darauf erschien ein zuvor versteckter Flashmob-Chor, der den Opfern der fragwürdigen Aktion vorträllerte, dass sie toll seien und bloß bleiben sollen, wie sie sind. (Überschrift auf Facebook: “Lasst euch nicht verbiegen, Mädels! Kuss-Smiley #bleibdu”)
Nadja Hermann hat auseinandergedröselt, was alles an der Aktion misslungen ist. In den Kommentaren hat sich mittlerweile eine Teilnehmerin gemeldet, die von dem für sie furchtbaren Erlebnis berichtet. Und auch “Funk” hat dort Stellung bezogen: Eine “grundpositive Botschaft” habe man vermitteln wollen.

3. „Bloggen ist eine Kulturtechnik“
(goethe.de, Ula Brunner & Klaus Lüber)
Das Goethe-Institut hat sich an die seiner Ansicht nach wichtigsten deutschen Medienblogger gewandt: Inwiefern kann und will ein Medienblog erfolgreich eine Gegenöffentlichkeit etablieren, welche Ziele verfolgen die Macher?
Es gibt Kurzinterviews mit “Carta”, “Netzpolitik”, “Fit für Journalismus”, “Übermedien”, “iRights”, “Franziskript”, “Indiskretion Ehrensache”, “Inge Seibel” und last not but least, dem “BILDblog”.

4. Deutsches Doku-TV “verkrustet in der Erzählweise”
(dwdl.de, Christian Fahrenbach)
Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen hat für „Watani: My Homeland“ über Jahre hinweg eine syrische Familie auf ihrem Weg aus Aleppo nach Deutschland begleitet. Nun ist der Film im Gespräch für einen Oscar. “DWDL” hat mit dem Filmer über die Doku-TV-Branche, Journalisten mit Haltung und den schwer zu beeinflussenden Oscar-Zirkus gesprochen. Der Weg war steinig und schwer: Mettelsiefen hat den Film über drei Jahre selbst vorfinanziert und ist viele Risiken eingegangen.

5. Verdeckte Verbindungen
(taz.de, Felix Krebs)
Andreas Speit berichtet in der “taz” über das neurechte “Institut für Staatspolitik” (IfS) um Götz Kubitschek und Ellen Kositza. Trotz aller Bemühungen der Neuen Rechten um Distanz zur alten Rechten, gäbe es Hinweise auf Verbindungen zu einem NPD-Bundesvorstandsmitglied.

6. Die erfolgreichste Dauerwerbesendung im deutschen TV
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier hat sich die aktuelle Folge von RTLs oftmals quotenbringenden “Undercover Boss” angesehen, bei der sich ein Kreuzfahrtchef angeblich undercover unter seine Belegschaft mischt. Das Ganze gleiche einer einstündigen Dauerwerbesendung: “Ungehemmt dürfen Geschäftspartner und Investoren erzählen, wie toll die Zusammenarbeit mit Nicko Cruises läuft. Die Insolvenz von vor zwei Jahren? Längst vergessen! Heute läuft alles bestens. Und auch die Frau des Firmenchefs darf in die Kamera trällern, wie toll der Undercover-Einsatz für ihren Mann sei. Das ist alles so berechenbar, dass sich die Zehennägel biegen.”

VK-Druiden-Netz, Chinas TV-Pranger, Herausgeberbeef

1. Übergriffe und Wirkungen
(correctiv.org, David Schraven)
“Correctiv”-Gründer David Schraven berichtet von zunehmenden Angriffen auf das journalistische Portal. Nicht alle Attacken seien offen und fair. Bisweilen werde kampagnenartig versucht, die Arbeit des Investigativprojekts zu stören. Das reiche von übler Nachrede bis hin zu konkreten Bedrohungen. Mittlerweile stehe die Redaktion unter polizeilichem Objektschutz und Personenschützer würden in den Redaktionsräumen ein und ausgehen.

2. Es fehlt also der Innenausbau
(faz.net, Jürgen Kaube)
Recht scharfe Kritik eines Herausgebers (Jürgen Kaube, “FAZ”) an einem Herausgeberkollegen (Gabor Steingart “Handelsblatt”). Steingart würde wiederholt gegen den Kanzlerkandidaten der SPD Martin Schulz wettern. Einer der Vorwürfe: Martin Schulz habe kein Abitur. Ein Vorwurf, den Kaube nicht gelten lassen will und Steingart am Ende des Artikels gepflegt um die Ohren haut: “Aber was manches Abitur wert ist, wenn jemand, der eines hat, die Qualifikation für politische Führungsrollen an seinen Besitz knüpft, das wissen wir jetzt schon.”

3. Ö24.tv stellt Chef vom Dienst frei – Der wollte Betriebsrat gründen
(derstandard.at)
Zoff bei “oe24.tv”, dem Online-Portal der Tageszeitung “Österreich”. Dort wurde der Chef vom Dienst rausgeschmissen und mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt. Angeblich eine halbe Stunde nachdem dieser einen Betriebsrat gründen wollte.

4. Im VK-Netz des Druiden
(tagesschau.de, Mareike Aden & Arndt Ginzel)
Hetzer und Rechtsextreme nutzen offenbar das russische Facebook-Pendant “VK” zum ungehinderten Austausch. Hier war auch der selbst ernannte Druide “Burgos von Buchonia” aktiv, der seit kurzem wegen des Verdachts der Gründung einer rechtsextremen Organisation in Untersuchungshaft sitzt. Der Moskauer Journalist Roman Dobrochotow, Chefreporter des investigativen, kremlkritischen Internetportals “The Insider”, glaube, dass es an Sanktionsmöglichkeiten nicht mangele: “Wenn der russische Staat wirklich wollen würde, dass bei ‘Vkontakte’ keine Neonazis aktiv sind, dann wäre alles innerhalb von einem Tag blockiert oder gelöscht.”

5. Das Staatsfernsehen als öffentlicher Pranger
(zeit.de, Kai Biermann)
Finsterstes Mittelalter mit den Methoden der Neuzeit: Die chinesische Regierung erpresst Geständnisse und zeigt sie im Staatsfernsehen einem Millionenpublikum. Um Gegner in der Öffentlichkeit zu erniedrigen und sie ohne einen ordentlichen Prozess zu verurteilen. Und um Kritiker, Dissidenten und Beamte einzuschüchtern.

6. How the media should be covering Donald J. Trump.
(facebook.com/GQ, Keith Olbermann, Video, 2:12 Minuten)
Der amerikanische Moderator Keith Olbermann hat sich mit einer vielbeachteten Videoansprache an die Medien gerichtet. Olbermann schlägt vor, die Liveberichterstattung von Trumps Reden einzustellen: “Use a delay, employ a team of fact checkers, play his rants, and each time he lies, stop the tape and state the facts. Do not participate in Trump’s propaganda game.”

Trumps Mann fürs Grobe, Springer vs. Burda, Pufpaffs treue TV-Hasser

1. Trump-Berater über US-Medien: Ihr seid die Opposition
(sueddeutsche.de, Matthias Kolb)
Donald Trump hat bekanntermaßen den früheren Breitbart-Chef und Rechtsausleger der Republikaner Steve Bannon zum “Counselor to the President” ernannt. Bannon ist damit der ranghöchste Berater im Weißen Haus. Nun holzt er entsprechend los, behauptet, dass die Medien “zu 100 Prozent” falsch berichtet hätten und nennt dabei ausdrücklich die “Washington Post” und die “New York Times”. Matthias Kolb erklärt die Hintergründe und weist am Ende auf eine pikante Meldung der “Washington Post” hin, nach der Bannon sowie vier andere Mitglieder des engsten Trump-Zirkels in zwei Bundesstaaten in den Wählerlisten auftauchen: “Dies ist genau jener angebliche “Wahlbetrug”, über den sich Trump beschwert und den er – ohne jegliche Grundlage – als Erklärung ausführt, wieso Hillary Clinton knapp drei Millionen mehr Stimmen erhielt.”

2. Ein schmaler Grat: Springer gegen Burda
(irights.info, Till Kreutzer)
Schon seit einiger Zeit wirft der Springer Verlag den Leuten von “Focus Online” vor, sich systematisch beim Bezahlangebot “Bildplus” zu bedienen, sprich Meldungen zu übernehmen. Juristisch ist das Ganze nicht einfach wie iRights-Anwalt Till Kreutzer schreibt. In dem Fall ginge es weniger um Fragen des Urheberrechts als um solche des Wettbewerbsrechts. Dem gegenüber stünde die Freiheit von Informationen. Egal wie die Klage Springers gegen Burda ausginge, sei es jedoch eine Frage von (Doppel)Moral: “Solange es nicht verboten ist, können Verlage oder ihre Redaktionen das vielleicht so machen. Aber die andere Frage ist: Sollte man es machen? Insbesondere, wenn man zu einem Verlag wie dem Burda-Verlag gehört, der für sich reklamiert, Qualitätsmedien herzustellen.”

3. Konstruktive Glückwünsche
(taz.de)
“Emma” wird 40 und die “taz” lässt zu diesem Anlass sieben Frauen zu Wort kommen, die mit der Zeitschrift groß geworden sind. Neben den zu erwartenden Geburtstagsglückwünschen gibt es auch einiges an Kritik. Und apropos Kritik: Für “turi2” hat Tatjana Kerschbaumer die aktuelle Jubiläumsausgabe der Emma einer Blattkritik unterzogen.
Und Kommunikationswissenschaftlerin Martina Thiele spricht in der “taz” unter anderem über die Gefahr, dass die “Emma” vor lauter Antiseximus rassistisch werden könnte: “Auf dem rechten Auge blind”

4. War on Facts
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Adrian Lobe schreibt über die Gefahren von Trumps Politik als Reality-Show: “Trumps Krieg gegen die Wirklichkeit besteht darin, dass er seine Politik der Logik der Reality TV unterwirft, in der etablierte und bewährte Spielregeln des politischen Betriebs (Verfassungstreue, Respektierung der Grundrechte, Achtung von Minderheiten) nicht mehr gelten und Medien nur noch Zuschauer sind. Die Folge ist, dass die Lüge gar nicht mehr sanktioniert wird, weil sie als akzeptiertes Stilmittel und Schmiermittel seiner Show-Politik quasi mit dazugehört.”

5. Türkei sperrt neues Onlinemedium “Özgürüz”
(spiegel.de)
Die Türkei hat das kritische Onlinemedium “Özgürüz” gesperrt. Und zwar bereits bevor es richtig losgehen sollte, wie “Correctiv”-Verantwortlicher und “Özgürüz”-Herausgeber Markus Grill auf Twitter meldete.

6. Die treuesten Zuschauer sind oft die, die einen hassen.
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Sebastian Pufpaff ist ein deutscher Kabarettist, Moderator und Entertainer. In der „Heute-Show“ bekommt er meist die „Arschloch-Rolle“, während er in „Pufpaffs Happy Hour“ als gut gelaunter Gastgeber Comedy- und Kabarett-Kollegen auf die Bühne holt. Im Interview spricht Sebastian Pufpaff über seine Anfänge im Shopping-TV, Sendeplätze für Satire, empfindliche Zuschauer und seine „Schleimfrisur“.

Tabubruch-AfD, Fake News, Ausgeloggt

1. Wie der Tabubruch für Aufmerksamkeit sorgt
(heute.de, Dominik Rzepka)
Gerade in den sozialen Medien kann man mit provozierenden Tabubrüchen viel Aufmerksamkeit erzeugen. Besonders die AfD macht in dieser Hinsicht immer wieder von sich reden, zuletzt ein bayerischer Kreisverband mit einer Bildtafel mit einem Foto der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Darauf der Werbeslogan: “Sophie Scholl würde AfD wählen”. Wie mit derartigen Dingen umgehen: Widerspruch und damit der Sache eventuell unnötig Gewicht geben oder mehr Gelassenheit und die Provokation ins Leere laufen lassen?

2. Wie real ist Fake News? Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Datenanalyse im Zeichen der Statistical Correctness.
(herrfischer.net, Martin Fischer)
Die Macher von “Hoaxmap.org” sammeln falsche Gerüchte und Meldungen zum Thema Flüchtlinge zusammen und tragen diese in eine Landkarte ein. Martin Fischer hat den etwa 450 Falschmeldungen der letzten beiden Jahre eine Stichprobe von 50 entnommen und statistisch ausgewertet. In seiner Stichprobe seien nur vier Fake News-Beiträge, so Fischer. Man mache mit dem Begriff Fake News für ein relativ kleines Problem ein sehr großes Fass mit vielen Nebenwirkungen auf.

3. Jeder Fünfte hält “Lügenpresse”-Vorwurf für berechtigt
(horizont.net, Marco Saal)
“infratest dimap” hat im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks (WDR) eine repräsentative Befragung zur Glaubwürdigkeit der Medien durchgeführt: Jeder fünfte Deutsche halte den Begriff “Lügenpresse” im Zusammenhang mit Medien für richtig. Dreiviertel der Deutschen würden das dagegen nicht so sehen.

4. Wir gegen sie
(sueddeutsche.de, Pia Rauschenberger)
Noch ist nicht bekannt, wann und ob die populistische US-Website “Breitbart” einen Deutschland-Ableger startet. Trotzdem haben sich unter dem Projektnamen “Schmalbart” Gegner in Berlin zu einer Tagung getroffen.

5. ARD erwägt Klage gegen AfD – und lädt Parteichefin Petry ein
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Am Samstag wollen sich führende Vertreter rechtspopulistischer Parteien in Koblenz treffen, darunter Marine Le Pen, Geert Wilders sowie AfD-Chefin Frauke Petry. Medienvertreter sind ausgeschlossen. Die ARD behält sich rechtliche Schritte gegen den Ausschluss vor – und lädt unverdrossen Parteichefin Petry in Talkshows ein.

6. Geldstrafe für früheren taz-Redakteur
(taz.de, Martin Kaul & Sebastian Erb)
Das Amtsgericht Berlin hat den früheren “taz”-Redakteur Sebastian Heiser wegen seines Keylogger-Einsatzes zur Zahlung von 160 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Nach seinem Auffliegen im Februar 2015 hatte sich Heiser in ein Land in Südostasien abgesetzt, das mit Deutschland kein Auslieferungsabkommen abgeschlossen hat. Sollte Heiser, der dem Gerichtstermin ferngeblieben war, nicht innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen, würde ein Urteil ergehen und er wäre dann vorbestraft. Sollte er den Strafbefehl nicht akzeptieren und einer weiteren Verhandlung erneut fernbleiben, könne ein Haftbefehl erlassen werden. Nach spätestens zehn Jahren wäre der Fall jedoch verjährt.

Faktenprüfer, Reporterfabrik, Selbstinteressen-Vertreter

1. Umgang mit Falschmeldungen
(de.newsroom.fb.com)
Facebook kündigt an, gegen Fakenews vorgehen zu wollen. In den kommenden Wochen sollen entsprechende Updates in Deutschland erfolgen. Dabei wolle man sich auf die Verbreitung von eindeutigen Falschmeldungen, die durch Spammer erstellt wurden, konzentrieren. Außerdem will Facebook externe Faktenprüfer einbinden. In Deutschland sei dies zunächst “Correctiv”. Man arbeite jedoch daran, in Zukunft noch weitere Organisationen aus der Medienbranche als Partner zu gewinnen.
Ob dem netzpolitischen Sprecher von Bündnis90/Die Grünen Konstantin von Notz Facebooks Ankündigungen reichen, ist fraglich. Er fordert im Interview mit dem “Deutschlandfunk” die Bundesregierung auf, ihren Ankündigungen zur Bekämpfung von Hasskommentaren im Netz endlich Taten folgen zu lassen. Die Große Koalition habe viel zu lange nichts getan, während der Kultur- und Debatten-Verfall immer weiter vorangeschritten sei: “Ich kann nur sagen, der Justizminister sagt seit vielen Monaten, Facebook, wir müssen reden, aber irgendwann ist auch mal Schluss mit Reden. Wir müssen Gesetze machen und aktennotierte Internetunternehmen müssen sich an Gesetze halten. Und wenn man dann eben bei Überprüfungen uns Sich-diese-Dinge-Anschauen feststellt, dass nicht genug Leute dort beschäftigt sind, dass die Zeiten nicht eingehalten werden, bei denen diese Beanstandungen auch zu Löschungen führen, dann müssen eben auch Sanktionen ziehen…”
Weitere Leseempfehlung dazu: Julia Krügers ausführlicher und mit vielen Querverweisen unterfütterter Beitrag auf “Netzpolitik.org”
Warum der bisherige Kampf gegen #hatespeech und #fakenews auf Facebook irreführend ist – und welche Alternativen sich bieten

2. Polizist am Abgrund
(zeit.de, Thomas Fischer)
Rainer Wendt ist seit mittlerweile zehn Jahren Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), die als zweitstärkste Gewerkschaft der Polizei mit der “Gewerkschaft der Polizei” konkurriert. Nach unzähligen populistischen und polarisierenden Statements in den Medien hat er nun ein Buch geschrieben: “Deutschland in Gefahr”. Thomas Fischer, “Zeit”-Kolumnist und Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof, hat sich das Werk angeschaut: “Das Buch von Rainer Wendt verstärkt Ängste und Vorurteile. Wer den Autor kennt, weiß, dass er ein intelligenter und schnell denkender Sprecher ist. Anders wird man nicht, was er ist, und erst recht nicht, was er noch werden will. Doch Deutschland in Gefahr ist nicht bloß ein inhaltlich unzutreffendes und literarisch schlechtes Buch. Bedauerlich ist, dass der Autor behauptet, Sprachrohr der deutschen Polizei zu sein. Dass er deren Interessen vertritt, ist zu bezweifeln. Sicher ist nur eines: Er vertritt die Interessen des Rainer Wendt.”

3. Der Troll an der Macht
(faz.net, Mark Siemons)
Mark Siemons hat sich in der “FAZ” Gedanken über das Twitter-Verhalten des zukünftigen US-Präsidenten gemacht: “Während Obama seinen Twitter-Account von einem Team verwalten lässt, das seine in den üblichen Verfahren und Institutionen entwickelte Politik der Öffentlichkeit zu vermitteln versucht, ist Twitter für Trump zugleich der Entwickler, das Medium und der Vollstrecker der Politik selbst – gleich, ob es um China, um Guantanamo, General Motors oder die unabhängige Ethikbehörde des Kongresses geht. All die Sicherungen der Institutionen, von denen man sich nach Trumps Wahl noch zur Beruhigung versichert hatte, wie stark sie seien, werden durch dieses Verfahren umgangen. Trumps Tweets sind so unpresidented wie unprecedented. Sieht es so aus, wenn eine loose cannon über das Deck der Weltpolitik zu rollen beginnt?”

4. Im Berliner Verlag gilt Kontaktverbot zu den neuen Chefs
(horizont.net)
Das Kölner Medienunternehmen DuMont baut sein Zeitungsgeschäft um. In Berlin hat das weitreichende Folgen für die Mitarbeiter: DuMont legt die Redaktionen von “Berliner Zeitung” und “Berliner Kurier” zusammen. Viele Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz oder müssen weiterhin um ihren Arbeitsplatz bangen. Wie Ulrike Simon berichtet, verläuft das gesamte Procedere alles andere als schön.

5. Reporterfabrik, WebAkademie des Journalismus
(facebook.com, Cordt Schnibben)
“Spiegel”-Redakteur Cordt Schnibben und “Correctiv”-Gründer David Schraven wollen eine Web-Akademie des Journalismus aufbauen, die sich an Nicht-Journalisten und Journalisten wendet. Dabei ginge es um vier Ziele: Grundlagen des journalistischen Handwerks vermitteln, die Funktionsweise von sozialen und klassischen Medien durchschaubar machen, Versuche der Desinformation erkennbar machen, Fortbildung und Erfahrungsaustausch von Journalisten. Das Projekt wird von vielen Promis der Journalistenszene unterstützt. Wie das Ganze funktionieren soll, kann man dem beim Reporterforum veröffentlichten Paper entnehmen.

6. Die Macht der Kunst
(taz.de, Nora Bossong)
Die Schauspielerin Meryl Streep hat bei der Golden-Globe-Verleihung eine vielbeachtete, emotionale Rede gehalten, in der sie mit deutlichen Worten den künftigen US-Präsident Donald Trump kritisierte. Sie erinnere uns daran, dass Kunst kein berieselndes Wunderland sein soll, sondern Empathie lehrt und Verantwortung trägt, so Nora Bossong in der “taz”.

Rabiator Trump, Stiftungsbeistand, Feindbild Köppel

1. “Ihr seid Fake News!”
(spiegel.de, Marc Pitzke)
„Trumps erste Pressekonferenz als designierter US-Präsident versinkt im Chaos, noch bevor sie anfängt. Dutzende Reporter keilen sich im Trump Tower um Plätze. Es stinkt nach Schweiß und den Toiletten, die dem Andrang nicht gewachsen sind.“ Marc Pitzke über ein verstörendes Event mit dem großen amerikanischen Rabiator.

2. Körber Stiftung verteidigt Somuncu-Auftritt
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Kabarettist Serdar Somuncu hat Ende 2015 bei einer Podiumsdiskussion der Körber Stiftung mit deutlichen Worten Kritik an TV-Sendern geübt und ihnen vorgeworfen, seine Beiträge zu zensieren. Dabei sind auch Beleidigungen gefallen, gegen die eine Redakteurin mit Unterstützung des WDR juristisch vorgehen will. Die Stiftung hat die strittigen Passagen nun aus dem Videomitschnitt entfernt, verteidigt aber den Auftritt des Kabarettisten: „Da wir den vielen weiteren klugen und richtigen Aussagen im Gespräch gern weiterhin eine Plattform geben wollen, haben wir uns entschieden, das Video um die strittige Passage zu beschneiden und wieder einzustellen.”

3. Ich guck’ Sponsoren-TV
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Das erste Spiel bei der Handball-WM – übertragen von einem Sponsor im Internet, auf Youtube. Warum eigentlich nicht, fragt Markus Ehrenberg im „Tagesspiegel“ und konstatiert: „Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel. Egal, wer hier wen sponsert. Kein großes Gedöns vorher und hinterher, Handball pur.“

4. Wie mache ich mir ein Feindbild?
(medienwoche.ch, René Zeyer)
In letzter Zeit erschienen verschiedene Porträts des Schweizer Journalisten Roger Köppel, der vor allem durch seinen Rechtspopulismus von sich reden macht. René Zeyer hat sich die Porträts von „NDR“, „Spiegel“, Süddeutsche“, „Zeit“ und „Blick“ angeschaut und Noten vergeben.

5. Von starken Frauen … und Kerlen in Redaktionen
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Eigentlich wollte Ulrike Simon in dieser Woche über Kai Diekmann schreiben. Doch dann starb die langjährige „Brigitte“-Chefin Anne Volk. Ein Grund für Kolumnistin Simon ihren Beitrag dieser Frau zu widmen, die sie als eine Ausnahmeerscheinung bezeichnet. Zum Schluss gehts dann doch nochmal um die Causa Diekmann und das ihr merkwürdig erscheinende Datum der angeblichen sexuellen Belästigung durch den Ex-Bild-Chef: „Sollte dieses Datum stimmen, muss die Frage erlaubt sein, warum die Journalisten an diesem Abend nicht längst dort waren, wo sie hingehört hätten: in der Redaktion. Am 22. Juli 2016 schoss im OEZ in München ein Amokläufer um sich.“

6. Fotoveröffentlichung – wann darf ohne Einwilligung des Abgebildeten veröffentlicht werden?
(fachjournalist.de, Frank C. Biethahn)
Medien leben von Fotoveröffentlichungen. Diese können aber schnell mit dem Persönlichkeitsrecht kollidieren. Wann ist eine Einwilligung erforderlich und wann nicht? Rechtsanwalt Frank C. Biethahn beschreibt anhand von Beispielen, in welchen Fällen eine Einwilligung entbehrlich ist.

7. Übermedien abonnieren
(uebrmedien.de, Boris Rosenkranz & Stefan Niggemeier)
Die Kollegen von “Übermedien” feiern heute ihr einjähriges Bestehen. Dazu erstmal: herzlichen Glückwünsch! Wenn Sie den beiden — Medienjournalist Boris Rosenkranz und BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier — an diesem besonderen Tag eine Freude machen wollen, hätten wir einen Geschenktipp: Schließen Sie doch ein “Übermedien”-Abonnement ab. Das kostet 3,99 Euro im Monat und lohnt sich. Wirklich.

Schmalbart, rechte Korrektheit, Tierfilmspektakel

1. “Breitbart ist eigentlich nur der Aufhänger”
(deutschlandfunk.de, Tanja Runow, Audio, 10:42 Minuten)
Nachdem das amerikanische News-Portal “Breitbart” angekündigt hat, auch in Deutschland einen Ableger der rechtslastigen Seite zu eröffnen, hat sich Widerstand geformt: Unter “Schmalbart” wollen rund 200 Medienexperten ein Aufklärungsportal gründen. Der “Deutschlandfunk” hat mit Initiator Christoph Kappes über das Vorhaben gesprochen. Das Interview gibt es auch zum Nachlesen.

2. Wir müssen sagen dürfen – alle anderen nicht
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Kaum etwas ärgert Rechte so sehr wie der Begriff “Political Correctness”, findet Sascha Lobo in seiner Kolumne beim „Spiegel“. Dabei hätten die Rechten längst ein Gegenkonzept entwickelt: die rechte Korrektheit: „Bei näherem Hinsehen wird jeder Vorwurf, der der linken Political Correctness gemacht wurde, von rechts aggressiver und ungebremster in der öffentlichen Debatte vorgetragen als je zuvor. Rechte Political Correctness streicht die positiven, mäßigenden Elemente der politischen Korrektheit weg und streift sich den antiliberalen Rest auf rechts gewendet über.“

3. „Wir sind es leid“
(taz.de, Jürgen Gottschlich)
Es ist schon bitter: Die Türkei hat nun auch den türkischen Vertreter der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ Önderoğlu angeklagt. Die Türkei wirft ihm vor, gemeinsam mit anderen bekannten Journalisten, Publizisten und Menschenrechtlern „Propaganda für eine Terrororganisation“ betrieben zu haben. Der Grund: Er hat sich dafür eingesetzt, dass die prokurdische Tageszeitung „Özgür Gündem“ nicht geschlossen wird.

4. Uwe Kopf
(facebook.com, Jens Meyer-Wellmann)
Jens Meyer-Wellmann erinnert auf Facebook an den jüngst verstorbenen Hamburger Journalist und Autor Uwe Kopf und zeigt eine Seite mit Schreibregeln des ehemaligen „Tempo“-Textchefs. Regeln und Schreibhinweise, die teilweise auch heute noch Bestand hätten.
Im „Rolling Stone“ gibt es einen Nachruf auf Uwe Kopf: Der Verzauberer

5. Fauna im Actionstress
(tagesspiegel.de, Ariane Bemmer)
Warum werden Tierfilme mit Musik überladen und sparen mit Informationen, fragt Ariane Bemmer in ihrem Beschwerderuf. Sie ärgert sich nicht nur über die überfrachtete Musik, sondern auch über die gesprochenen Texte der Tier-Dokus: „Nicht nur den Zuschauern gegenüber, auch gegenüber den Tierfilm-Crews, die größte Mühen investieren, um die Bilder zu bekommen, ist das blöde Spektakelsprech überaus unfair.“

6. ARD findet beinahe eine Antwort auf die K-Frage
(uebermedien.de, Video, 1:41 Minuten)
Die ARD hat ihre besten Leute zum supersupergeheimen Geheimtreffen der SPD geschickt und beinahe eine Antwort auf die K-Frage gefunden. Beinahe …

Audio-Photoshop, Sieg der Anstalt, Somuncus Wutattacke

1. O-Töne aus der Maschine? Adobes „Project VoCo“ könnte Radiowelt auf den Kopf stellen
(blmplus.de, Sandra Mueller)
Softwareriese Adobe arbeitet an einem Programm, das die einen begeistert und die anderen entsetzt. Noch ist “VoCo” nur ein Projekt, doch bald schon soll es als eine Art Photoshop für Audio auf den Markt kommen. Es sind viele Einsatzmöglichkeiten denkbar: Computerstimmen könnten zum Beispiel Radionachrichten vorlesen. Doch es geht auch anders: Mit der Software kann man einen Text auch mit der Stimme der Kanzlerin vorlesen lassen. Und schnell wird klar, dass Radiomacher bald in Erklärungsnöte hinsichtlich der Echtheit ihrer Aufnahmen geraten könnten. Laut einer Umfrage wünschen sich daher viele Befragte Transparenzregeln oder fordern sogar einen vollständigen Verzicht auf die neue Technologie.

2. “Zeit”-Journalisten scheitern mit Klage gegen ZDF-Satire
(spiegel.de)
Im Jahr 2014 ging es in der ZDF-Satiresendung “Die Anstalt” um die Frage der Unabhängigkeit von Journalisten beim Thema Sicherheitspolitik. Dabei wurden die Namen von zwei Journalisten ins Spiel gebracht: “Zeit”-Herausgeber Josef Joffe sei Mitglied, Vorstand oder Beirat in acht transatlantischen Organisationen, “Zeit”-Journalist Jochen Bittner Mitglied in drei entsprechenden Thinktanks. Dagegen hatten sich die beiden Journalisten mit einstweiligen Verfügungen und Unterlassungsklagen gewehrt. Nun hat der BGH zu Gunsten der “Anstalt” entschieden: Die Angaben zu den Interessenkonflikten der wegen unstreitiger Mitgliedschaften in Lobbyorganisationen würden grundsätzlich stimmen. Die Aussage, dass es “Verbindungen zwischen den Klägern und in der Sendung genannten Organisationen” gäbe, sei zutreffend.

3. Unter Verdacht (1)
(zeit.de, Thomas Fischer)
Nichts gerate im Strafverfahren so leicht und endgültig verloren wie die Unschuld. Wer schuldig sei und wer nicht, würden Justiz, Medien und Öffentlichkeit oft anders sehen, so BGH-Richter Thomas Fischer in seiner Kolumne “Fischer im Recht”. Es geht um drei konkrete Fälle von Anfangsverdacht, Betrugsverdacht und Migrationsverdacht, aber auch die abstrakten Rechtsbegriffe. Nicht mal so nebenbei zu lesen, aber eine wie immer lohnende, da klüger machende Lektüre mit Unterhaltungskomponente.

4. „Lügenpresse“ all’italiana
(de.ejo-online.eu, Heiner Hug)
Der italienische Politiker, Komiker, politischer Kabarettist und Schauspieler Beppe Grillo macht mal wieder von sich reden. Der Initiator der Bewegung “MoVimento 5 Stelle” (deutsch: Fünf-Sterne-Bewegung) will einen „Volksgerichtshof“ schaffen. Dieser soll aus Bürgerinnen und Bürgern bestehen, die Zeitungsartikel und Fernsehberichte auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Dies sei insofern verwunderlich, so der Autor Heiner Hug, da Grillo selbst ein bloggender Hitzkopf und Populist: “Und was er da fast täglich von sich gibt und behauptet, erfüllt die Kriterien „postfaktisch“ und „Fake News“ oft bei weitem. Zudem publiziert er – nachweisbar – Meldungen, die Putins Trolle verfassen.”

5. Nach Wutattacke im Interview: WDR-Mitarbeiterin geht wegen Beleidigung gegen Kabarettist Serdar Somuncu vor
(meedia.de, Marvin Schade)
Der für seine direkte und unverblümt bis ruppige Art bekannte Kabarettist Serdar Somuncu soll Ende 2015 in einem Interview den Sendern vorgeworfen haben, ihn und seine Programme zu zensieren und in beleidigender Weise eine konkrete Redakteurin genannt haben. Diese habe nun erst Kenntnis von dem Videomitschnitt und den Äußerungen Somuncus über sie erhalten und wolle, mit Unterstützung ihres Arbeitgebers, dem WDR, wegen schwerer Beleidigung gegen Somuncu vorgehen.

6. So schauen die Fans die Handball-WM
(haz.de)
Die heute beginnende Handball-WM ist in gewisser Weise ein Novum: Erstmals soll eine sportliche Großveranstaltung in Deutschland nur von einem Sponsor im Internet gezeigt werden. Die “Haz” erklärt, wie es zu der merkwürdigen Situation kam und verrät wie und wo man die Spiele sehen kann.
Alternative für Kulturliebhaber: Ab 18.30 Uhr kann man live via Youtube bei der Einweihung der Elbphilharmonie und dem Eröffnungskonzert dabei sein. Das Besondere: Es soll einen spektakulären 360°-Livestream geben!

Weggang, Doppelstrategie, Abwehrzentrum

1. Tichy & Co: Warum es legitim ist, Unternehmen zu einer politischen Positionierung zu zwingen
(metronaut.de, Mikael in den Fahrt)
Roland Tichy, auf dessen Portal ein Autor “grün-linke Gutmenschen” als “geistig-psychisch krank” bezeichnet hatte, gibt seinen Posten als Herausgeber von XING News ab. Ursache waren vor allem der lautstarke Twitter-Protest und die vielen Kündigungsankündigungen. Nun gibt es kritische Stimmen wie die von Fefe, die sich gegen eine “Existenzvernichtung als Mittel des politischen Diskurses” wenden. War es also legitim, wenn Menschen von Unternehmen wie Xing eine politische Positionierung einfordern? Eine ähnliche Frage stellt sich Johnny Haeusler bei Wired: “War die „Abstimmung mit den Konten“ hilfreich?”

2. Zuckerbrot und Twitter
(tagesspiegel.de, Thomas Seibert)
Donald Trump fährt in Sachen Öffentlichkeitsarbeit eine Doppelstrategie: Wichtige Stellungnahmen posaunt er über Twitter direkt an seine rund 19 Millionen Follower raus. Und nur, wenn es ihm ausdrücklich passt, redet er mit Zeitungen und Fernsehen. Die Presse hätte noch kein Konzept gefunden, wie sie mit dieser Doppelstrategie umgehen soll, schreibt Thomas Seibert im “Tagesspiegel”. Die Vorteile von Trumps Vorgehens lägen auf der Hand: Auf Twitter braucht sich der zukünftige US-Präsident keinen kritischen Fragen zu stellen.

3. Der Rockstar-Finanzminister
(de.ejo-online.eu, Dominik Speck)
Dominik Speck hat sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit die Berichterstattung über den ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in deutschen und französischen Qualitätszeitungen angeschaut. Varoufakis galt während seiner kurzen Amtsperiode von Januar bis Juli 2015 als eine Art “Rockstar Finanzminister” und erlangte zusätzliche Berühmtheit durch die Causa Stinkefinger.

4. Von ganz links nach ganz rechts
(blog.zeit.de, Jürgen P. Lang)
Im Störungsmelder-Blog der “Zeit” und ihren Partnern schreiben Autoren aus allen Regionen Deutschlands über Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Im aktuellen Beitrag von Jürgen P. Lang geht es um Jürgen Elsässer, den Chefredakteur des rechtspopulistischen Monatsmagazins “Compact”. Der Autor diskutiert gleich zu Beginn Elsässers politische Wandlung, die so überraschend dann doch nicht sei: “Wer die Rechts-Links-Brille beiseitelegt, wird allerdings erkennen, dass Elsässers Vita mehr Brücken als Brüche aufweist. Im Kern war er schon immer Nationalist.”

5. Her mit der Wahrheit!
(mdr.de)
In Tschechien hat man 20 Mitarbeiter des Innenministeriums zu einem sogenannten “Abwehrzentrum” zusammengefasst, in dem Falschmeldungen in sozialen Netzwerken aufgedeckt, gekennzeichnet und entkräftet werden sollen. Doch das Projekt ist umstritten. Tschechiens Präsident Miloš Zeman sagte in seiner Weihnachtsansprache: “Wir brauchen keine Zensur, keine Ideenpolizei, wir brauchen kein Amt für Presse und Information, solange wir in einem freien, demokratischen Staat leben wollen.”

6. Jetzt geht’s rund
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Entertainer Thomas Gottschalk feiert sein Radio-Comeback: Einmal im Monat drei Stunden bei Bayern 1. Eine “Radio-Sendung, in der er vor allem seinen Ruf als größte Ich-AG Deutschlands pflegt”, so Hans Hoff in seiner Kritik.

Sandsäcke, Silvesternacht, Kristallkugel

1. Sandsäcke gegen pseudo-psychologisches Blabla
(schräglage.org, Peter Teuschel)
Auf der rechtslastigen Seite “Tichys Einblick” erschien ein Artikel, der für breites Entsetzen und Empörung sorgte. Die “psychopathologisch gestörten grün-linken Gutmenschen”, so die Schmähung des Autors, seien Kranke, mit denen man nicht reden solle. Auf Twitter kündigten daraufhin viele Nutzer an, ihre Xing-Mitgliedschaften zu kündigen (Roland Tichy ist dort Herausgeber der News). Mittlerweile ist der Artikel auf dem Tichy-Portal zwar gelöscht, wegen der Brisanz des Vorgangs lohnt dennoch ein Blick in die Erwiderung von Peter Teuschel. Und auch Blogger stefanolix hat sich den Beitrag näher angeschaut und stellt am Ende die Frage: “Wie kann ein Mann so viele wunderbare Fachgebiete (inklusive Philosophie und Ethik!) studieren und dann so eine Scheiße schreiben?”

2. „Wir wissen nichts. Alles ist möglich“
(taz.de, Malte Göbel)
“Herr Kachelmann, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie im Spiegel lesen, dass dem Noch-Herausgeber der Bild-Gruppe Kai Diekmann von einer Springer-Mitarbeiterin vorgeworfen wird, sie im Sommer beim Baden belästigt zu haben?” Die “taz” hat mit dem Meteorologen Jörg Kachelmann über die Causa Diekmann gesprochen.

3. Warum wir über Racial Profiling reden müssen
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Der Jurist Thomas Stadler hat sich mit den Kontrollen der Kölner Polizei in der Silvesternacht beschäftigt. “Das Verhalten der Kölner Polizei rüttelt an den Grundfesten unserer Verfassung. Wenn wir den Gleichheitssatz unseres Grundgesetzes ernst nehmen, dürfen wir derartige polizeiliche Maßnahmen nicht dulden.” Auch der Jurist Heinrich Schmitz findet bei den Kolumnisten, dass Fragen zum Verhalten der Polizei erlaubt seien.

4. Bunte-Nachbarschaft.de: „Man konnte Wahrheit und Lüge kaum noch unterscheiden“
(flurfunk-dresden.de)
Anfang 2015 startete Jan Pötzscher einen Nachbarschaftsblog, ein “Tagebuch über meine persönlichen Erfahrungen zum Vorhaben der Einrichtung eines Asylbewerberheims, zu den Diskussionen mit Politik und Behörden und dem Für und Wider der Unterbringung von Asylbewerbern – so wertfrei und objektiv wie möglich!” Im Interview mit “Flurfunk” berichtet er über seine Erfahrungen, die Reaktion der Nachbarn, Höhe- und Tiefpunkte und zieht eine persönliche Bilanz.

5. Drei Jahre Moscow Times – sowas wie ein Fazit
(kscheib.de, Katrin Scheib)
Fünf Jahre will Journalistin Katrin Scheib in Moskau arbeiten. Die ersten drei Jahre hat sie bei der “Moscow Times” verbracht. Nun zieht sie ein Zwischenfazit, das neugierig auf das Weiter macht. Aber auch der Blick zurück lohnt: Auf ihrem Blog gibt es viele interessante Beiträge über ihr Leben als Journalistin in Russland.

6. Was Social-Media-Experten von 2017 erwarten
(joca.me, Jörgen Camrath)
Jörgen Camrath hat Social-Media-Experten um einen Blick in die Kristallkugel gebeten und sie gefragt, was uns im neuen Jahr in Bezug auf die sozialen Medien erwartet. Die Antworten gehen erfreulicherweise oft über die üblichen Allgemeinplätze hinaus. Und einer der Befragten hat das Ganze etwas getrollt. Aber auch das liest sich ganz nett.

Blättern:  1 ... 247 248 249 ... 271