“Bild” schrumpft sein TV-Angebot, KI-Pornos, “Mieses Medien-Spiel”

1. 80 Stellen betroffen: Bild TV stellt tägliche Live-Strecken ein
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Was sich vor zwei Wochen bereits abzeichnete (“Bild” will TV-Angebot schrumpfen, spiegel.de), werde nun laut dem Branchendienst “Medieninsider” (nur mit Abo lesbar) zur Gewissheit: Der Springer-Konzern verabschiedet sich anscheinend von seinem Plan, mit “Bild TV” einen Nachrichtensender zu etablieren. Der Ausstieg aus dem Live-Betrieb soll schätzungsweise 80 Personen und deren Stellen betreffen. Der Deutsche Journalisten-Verband hat bereits mit einer Pressemitteilung reagiert und fordert einen sozialverträglichen Stellenabbau: “Springer muss seiner Verantwortung als Arbeitgeber gerecht werden und den betroffenen Kolleginnen und Kollegen alternative Arbeitsplätze im Konzern anbieten”.

2. “Spiegel” nimmt mehrere Beiträge von der Webseite
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der “Spiegel” habe nach eigenen Angaben mehrere Beiträge zum Todesfall eines fünfjährigen syrischen Flüchtlingsmädchens vorläufig von der eigenen Website entfernt. Stattdessen ist dort ein redaktioneller Hinweis zu lesen: “Mittlerweile gibt es Zweifel an der bisherigen Schilderung der damaligen Geschehnisse. Wir haben daher mehrere Beiträge zu diesem Thema vorläufig von unserer Website entfernt. Wir überprüfen unsere Berichterstattung und entscheiden nach Abschluss der Recherchen, ob die Beiträge gegebenenfalls in korrigierter und aktualisierter Form erneut veröffentlicht werden.”

3. Juso-Vorsitzende und weitere Politikerinnen fordern Vorgehen gegen KI-Pornos
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Deepfake-Pornografie ist laut Wikipedia ein “Pornografie-Segment, das das durch Computer berechnete Einfügen von Gesichtern realer Personen in pornografische Bilder oder Filme zum Inhalt hat”. Opfer von derartigen Videofälschungen sind oftmals Politikerinnen und Prominente. Wie Max Hoppenstedt berichtet, hätten sich Betroffene an Digitalminister Volker Wissing gewandt und Maßnahmen gegen die Fakes gefordert.

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4. Das miese Medien-Spiel mit der Fußball-WM
(georgstreiter.de)
“Zwölf Jahre nach der skandalösen Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Katar am 2. Dezember 2010 entdecken die Medien, dass die Vergabe ein Skandal war. Dabei ist die Skandal-WM auch ein Medien-Skandal. Vor allem ein öffentlich-rechtlicher.” Georg Streiter über das “miese Medien-Spiel” mit der Fußball-WM.

5. Denkfabriken – nicht immer unabhängig
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 2:50 Minuten)
Denkfabriken beziehzungsweise Thinktanks werden in Medien überraschend oft als Quellen zitiert. Dabei bleibe oft unklar, wie neutral sie wirklich sind und vom wem sie finanziert werden. Es reiche daher nicht, den Namen einer Denkfabrik zu nennen. In der Berichterstattung müsse klar werden, für welche Interessengruppen die jeweilige Organisation stehe, so Annika Schneider im Deutschlandfunk.

6. Social-Media-Benimmkolumne: Wie man sich unmöglich macht – Nonmentions und Snitchtagging
(54books.de, Franziska Reuter)
Franziska Reuter erklärt zwei Kommunikationsphänomene, die typischerweise auf Social Media anzutreffen sind: Die sogenannten Nonmentions und das sogenannte Snitchtagging. Unterhaltsam, anschaulich und lehrreich beschrieben.

Das Schweigen der Fußballer, Generalamnestie?, Studien-Inflation

1. WM in Katar: Das Schweigen der Nationalmannschaft
(ndr.de, Fritz Lüders & Alexander Kobs, Video: 21:03 Minuten)
Fußball-Profis haben – auch dank ihrer Social-Media-Präsenz – einen enormen medialen Einfluss auf Millionen von Fans. In Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Katar seien die Erwartungen an die Spieler der deutschen Nationalmannschaft entsprechend hoch. Doch bislang hätten diese sich nur sehr verhalten geäußert. Das Medienmagazin “Zapp” hat sich auf die Suche nach den Gründen dafür gemacht und dabei auch Sponsoren und Verbände mit einbezogen.

2. Elon Musk lässt über »Generalamnestie« für gesperrte Accounts abstimmen
(spiegel.de)
Twitter kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach dem inszenierten Einzug des Neu-Eigentümers Elon Musk ins Firmengebäude, einem radikalen Stellenabbau, allerlei Chaos um verifizierte Konten und weiteren Pleiten, Pech und Pannen habe Musk mal wieder eine Online-Umfrage gestartet. Nun wolle der Tech-Milliardär wissen, ob die Nutzer und Nutzerinnen für oder gegen eine “Generalamnestie für suspendierte Konten” seien. Zuvor hatte er bereits das gesperrte Konto von Donald Trump reaktivieren lassen.

3. Kampagne vor Gericht
(taz.de, Christian Rath)
Am heutigen Donnerstag verhandelt das Landgericht Frankfurt am Main über einen Eilantrag des Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg gegen Twitter. Christian Rath erklärt die Hintergründe des Verfahrens, dessen Ausgang mit einiger Spannung erwartet wird.

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4. “Tagesspiegel” bekommt Haustarifvertrag
(verdi.de)
Nach langen Verhandlungen haben die Gewerkschaften ver.di und DJV einen Tarifvertrag für die etwa 600 Beschäftigten des Berliner “Tagesspiegel” unterschrieben: “Damit verpflichtet sich das Medienhaus, ab dem 1. Januar 2023, die Mantel- und Gehaltstarifverträge für Redaktion und Verlag sowie den Tarifvertrag über die Altersversorgung für Redakteur*innen an Tageszeitungen anzuwenden.”

5. Die inflationäre Verwendung des Begriffs “Studie”
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 2 Minuten)
Annika Schneider wünscht sich von Medien mehr Differenzierung. So sei nicht alles, was Redaktionen in ihrer Berichterstattung leichthin als “Studie” bezeichnen, auch tatsächlich eine: “Sobald zu einem Thema irgendwelche Auswertungen vorliegen, werden sie in manchen Medien zur ‘Studie’ geadelt – selbst wenn es nur Zahlen aus einer Online-Umfrage mit wenigen Hundert Teilnehmenden sind.”

6. Deckel
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl werfen im Rahmen ihres Projekts “Floskelwolke” einen sprach- und medienkritischen Blick auf vielbenutzte Formulierungen. Diesmal widmen sie sich dem Sprachbild des “Deckels”.

Springer meidet Prozess, Thema Queer, Versprechen mit Bundesadler

1. Axel Springer kann US-Prozess um Julian Reichelt vermeiden
(spiegel.de)
Eine ehemalige “Bild”-Mitarbeiterin hatte an einem kalifornischen Gericht Klage gegen “Bild” sowie gegen eine Tochterfirma des Axel-Springer-Verlags eingereicht. Unter anderem sei es darin um den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegangen (siehe die Berichterstattung des “Spiegel” aus dem Oktober 2021). Anscheinend wollte es der Konzern nicht auf einen Prozess ankommen lassen. Man habe sich für eine “einvernehmliche Lösung” entschieden, so ein Konzernsprecher.

2. Was (israelische) Journalisten bei der WM in Katar erleben
(stern.de, Christine Leitner)
Dass ausländische Journalisten und Journalistinnen in Katar nicht wirklich willkommen sind, sei keine Überraschung. Besonders gelte dies jedoch für Medienschaffende aus Israel, wie Christine Leitner im “Stern” schreibt und mit einigen Beispielen unterfüttert.
Weiterer Lesehinweis: Paradiesische Bedingungen für Sportjournalisten: “Vier Spiele pro Tag und beste Bedingungen für Sportjournalisten mit kurzen Wegen zu allen WM-Stadien. Die FIFA versucht, ihr Kernprodukt perfekt zu vermarkten, um politischen Themen den Raum zu nehmen.” (freitag.de, Günter Klein)
Und noch ein Hörtipp: Beim RBB geht es um die Frage: “Wie reden wir über diese kontroverse Fußball-WM?” Besprochen wird sie mit dem Investigativjournalisten Jens Weinreich (rbb-online.de, Audio: 7:01 Minuten).

3. Wann Medien über queere Themen berichten – und wann nicht
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Anlässlich des Gerangels um das Tragen einer Armbinde bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist das Thema Queerfeindlichkeit in den medialen Fokus gerückt. Etwas, was sich Johannes Kram auch außerhalb von Sportevents wünschen würde: Es gebe auch in Deutschland dauernd Übergriffe auf LGBTQIA+-Personen, aber darüber werde nicht berichtet. “Wir haben ein Sicherheitsproblem, wir haben ein Problem am Arbeitsplatz. Es wird so getan, als ob wir in Deutschland schon alles erreicht hätten. Die Medien hätten die Aufgabe dort genauer hinzuschauen”, so Kram.

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4. Versprechen mit Bundesadler
(taz.de, Christian Rath)
Das für seine subversive Aktionskunst bekannte “Peng! Kollektiv” hat 2018 ein vermeintliches Video des Bundesinnenministeriums produziert und veröffentlicht (hier auf Facebook zu sehen), in dem die Aufnahme von Geflüchteten garantiert wird. Dagegen ging das Innenministerium vor und verlangte vom Plattformbetreiber Youtube die Löschung. Christian Rath erklärt die Argumentationslinien der beteiligten Parteien und die möglichen juristischen Aspekte.

5. Cem und die Tiere
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Ist Cem Özdemir, Bundeslandwirtschaftsminister von den Grünen, vielleicht auch deshalb einer der beliebtesten Politiker des Landes, weil er Polizeipferde streichelt und Tierheime besucht? Anna Hunger hat ihren Text mit einigen Aufnahmen des Ministers unterlegt, für den Tierliebe anscheinend auch Teil seiner Medienarbeit ist.

6. Die reichsten Verleger 2022
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Medienportal “kress” hat nachgeschaut, welche Medienunternehmer und -unternehmerinnen es in die Liste der 500 reichsten Deutschen des “Manager Magazins” (nur mit Abo lesbar) geschafft haben. Eine Sonderrolle spielt dabei der Koblenzer Medizinsoftware-Unternehmer Frank Gotthardt, der Medien als Nebengeschäft betreibe und als Finanzier von Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt gehandelt werde.

Umfrage-Chaos, Twitter-Chaos, Geschönte Bilder vom Eröffnungsspiel

1. Umfrage unter “Bild”-TV-Teilnehmern belegt: Keiner versteht was von Umfragen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei “Bild TV” war man mit einer Umfrage aus dem aktuellen ZDF-“Politbarometer” unzufrieden, nach der Außenministerin Annalena Baerbock derzeit die beliebteste Politikerin des Landes sei, gefolgt von Wirtschaftsminister Robert Habeck, Kanzler Olaf Scholz und Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, zweifelte man pauschal die Umfrage samt ihrer Methodik an. Medienkritiker Stefan Niggemeier erklärt die Grundlagen der Meinungsforschung und schließt mit den Worten: “Man kann über den Sinn und die Methodik all dieser Umfragen streiten. Aber viel billiger und wirkungsvoller ist es natürlich, Leute einfach in ihrem Eindruck zu bestätigen, dass das ZDF irgendwelche hanebüchenen Zahlen veröffentlicht, die im Sinne der Bundesregierung sind und niemand nachvollziehen kann.”

2. Nicht anzusehen
(sueddeutsche.de, Harald Hordych)
Während des Auftaktspiels der Fußball-WM in Katar (Katar vs. Ecuador, Ergebnis: 0:2) verließen die Zuschauer und Zuschauerinnen in Scharen das Stadion. Die Fans der Heimmannschaft hatten offenbar keine Lust mehr auf das Spiel und wollten die Staus zu Spielende vermeiden. Fernsehbilder davon gab es jedoch nicht, dafür zahlreiche Aufnahmen von “siegestrunkenen Ecuadorianern und Jubel-Katarern”. Harald Hordych erklärt, woran das liegt, und welche organisatorische Konstruktion dem zugrunde liegt.

3. Twitter-Chaos: Copyright-geschützte Filme in voller Länge hochgeladen
(derstandard.de, Jonas Heitzer)
Die Massenentlassungen bei Twitter sorgen anscheinend dafür, dass auch das automatische Copyright-Schutzsystem der Plattform nicht mehr richtig funktioniert. Ein User habe den Film “The Fast and the Furious: Tokyo Drift” in voller Länge hochladen können, ohne dass die Videodateien automatisch offline genommen wurden. Der Film sei einen ganzen Tag online geblieben, bis der User – offenbar manuell – gesperrt worden sei.

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4. Woran liegt Journalismusmüdigkeit?
(de.ejo-online.eu, Marlis Prinzing)
Laut einer Studie scheinen junge Frauen nur halb so interessiert an Journalismus zu sein wie Männer. Das müsse Medien, Wissenschaft und Politik aufrütteln, findet Marlis Prinzing: “Gerade mal 5,4 Minuten täglich widmen sich Frauen im Alter von 19 bis 24 Jahren journalistischen Inhalten auf ihrem Smartphone, Männer immerhin fast doppelt so lange – 10,7 Minuten.” Wissenschaft und Medien sollten ergründen, wann die jüngere Generation wie und für welche Themen erreichbar ist, sich engagiert und Journalismus “cool” findet, so Prinzing.

5. “El País” wächst digital
(faz.net, Hans-Christian Rößler)
Die spanische Tageszeitung “El País” kann auf beeindruckende Wachstumszahlen im Digitalen verweisen, berichtet der in Madrid ansässige Auslandskorrespondent der “FAZ”, Hans-Christian Rößler. Einer der Gründe: “Bei ‘El País’ setzt man auf anspruchsvolle Berichterstattung mit einer Redaktion mit mehr als 400 Mitgliedern und einem Korrespondentennetz, das sich im Ukrainekrieg bewährte, in dem spanische Medien von Anfang an mehr Präsenz zeigten als die deutschen.”

6. “DB Mobil” erscheint ab 2023 nicht mehr gedruckt
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach über 20 Jahren verabschiedet sich “DB Mobil”, das Kundenmagazin der Deutschen Bahn, von der Papierform. Wie das Unternehmen mitgeteilt habe, soll “DB Mobil” ab 2023 ausschließlich digital weitergeführt werden.

Goldener Handschlag, Macht der Klischeebilder, Eingeknickter Podcast

1. Goldener Handschlag für Ex-Chefredakteur des rbb
(rbb24.de, Marcus Engert & René Althammer & Jo Goll)
Wie Recherchen von NDR und RBB sowie vertrauliche Dokumente zeigen, gab der RBB seinem scheidenden Chefredakteur Christoph Singelnstein ­einen gut dotierten Beratervertrag mit auf den Weg – zusätzlich zur gesetzlichen Rente und einem lebenslangen Anspruch auf ein jährliches Ruhegeld von mehr als 100.000 Euro. Ein Sprecher des RBB habe auf Anfrage erklärt, man könne sich “zu Vertragseinzelheiten aus vertragsrechtlichen Gründen (Verschwiegenheitsklausel) nicht äußern”.

2. Beschäftigte wehren sich juristisch gegen Kündigungen
(golem.de, Ingo Pakalski)
Alle Twitter-Beschäftigten in Deutschland, die von einer Kündigung durch den neuen Eigentümer Elon Musk betroffen sind, sollen in die Gewerkschaft eingetreten sein. Die Kündigungsschutzklagen würden sie nun mit gewerkschaftlicher Unterstützung führen. Außerdem solle ein Betriebsrat gegründet werden.

3. Wie Behörden, Medien und NGOs Mastodon für sich entdecken
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Twitter laufen die Nutzerinnen und Nutzer weg, und selbst Behörden, Medien und NGOs sehen sich nach Alternativen um. Als Ausweichmöglichkeit bietet sich derzeit Mastodon an. Sebastian Meineck erklärt, welche Politiker und Politikerinnen, Institutionen und Akteure der Zivilgesellschaft es bereits dorthin gezogen hat und was bei einem möglichen Umzug zu beachten ist.

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4. Böll-Stiftung nimmt Podcast vom Netz: Eingeknickt vor Anthroposophen
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung in Baden-Württemberg und ihre bayerische Schwesterorganisation Petra-Kelly-Stiftung haben einen etwa 45-minütigen Podcast zum Thema Anthroposophie offline genommen. Dem sei eine Intervention der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland vorausgegangen. Matthias Meisner führt aus, worum es bei der Auseinandersetzung im Einzelnen geht.

5. Massive Kritik an Einsparplänen bei der Ostsee-Zeitung
(verdi.de)
Wie die Gewerkschaft ver.di berichtet, soll es bei der “Ostsee-Zeitung” Pläne für größere Einsparungen geben. So soll zum Jahresende der “Ostsee-Anzeiger” eingestellt werden. Außerdem sähen die Sparpläne die Schließung des Druckstandortes, des Anzeigensatzes und der Bildbearbeitung vor. “Die Überrumpelungstaktik, mit der die Unternehmensführung die geplanten Maßnahmen kommuniziert hat, ist zeitlich wie inhaltlich unakzeptabel und wird von uns so nicht hingenommen”, so eine Gewerkschaftsvertreterin.

6. Die Macht der Klischeebilder
(deutschlandfunk.de, Sandro Schroeder, Audio: 28:44 Minuten)
Im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss” geht es um die oftmals klischeebehaftete Bebilderung von Themen wie Rente und Alter. Es diskutieren eine Hörerin des Deutschlandfunks (Dlf), Andi Weiland (freier Fotograf und Projektleiter beim Verein “Sozialhelden”) Tatjana Blobel (Redaktionsleiterin von “Brigitte Wir” und “Brigitte Woman”) und Sandro Schroeder aus der Dlf-Medienredaktion.

KW 46/22: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Chez Krömer – Zu Gast: Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt
(youtube.com, Kurt Krömer, Video: 29:51 Minuten)
Der Komiker Kurt Krömer begrüßt in der aktuellen Ausgabe von “Chez Krömer” Julian Reichelt. Passend zum Setting des kargen Verhörraums geht Krömer den ehemaligen “Bild”-Chefredakteur mit konfrontativer Schärfe an.
Lesetipp: Bei kress.de hat Marc Bartl einige Pressereaktionen des viel diskutierten Schlagabtauschs zusammengestellt: “Verbal-blutiger Gladiatorenkampf”: Was Medienprofis zum Krömer-Reichelt-Rededuell sagen. Außerdem hat “journalist”-Chefredakteur Matthias Daniel auf Twitter eine lesenswerte Einordnung veröffentlicht.

2. Iran-Proteste; Medienarbeit der Mullahs
(ndr.de, Zapp, Video: 30:53 Minuten)
Im Medienmagazin “Zapp” spricht Shahrzad Eden Osterer, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk, über die Nachrichtenlage in Iran und die Rolle der Exil-Medien. Außerdem geht es in der Sendung um die “Medienarbeit der Mullahs”, die Social Media für Propagandazwecke nutzen.

3. Al Jazeera – katarisches Machtinstrument oder wichtige Stimme der arabischen Welt?
(br.de, Linus Lüring, Audio: 25:14 Minuten)
Al Jazeera ist ein Nachrichtensender mit Sitz in Doha, der Hauptstadt Katars, der bei vielen die Hoffnung auf einen neuen arabischen Journalismus auslöste. Manche sprachen in den Anfangsjahren von einer “journalistischen Revolution”. Doch wofür steht der Sender heute? Darüber spricht Linus Lüring mit Anne Allmeling (ARD-Korrespondentin Naher Osten), Carola Richter (Professorin für internationale Kommunikation an der FU Berlin) und Stephanie Doetzer (ehemalige Journalistin bei Al Jazeera).

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4. Melanie Amann, Leiterin des SPIEGEL Hauptstadtbüros
(ndr.de, Norbert Grundei, Audio: 59:27 Minuten)
Der Journalist und Medienmanager Norbert Grundei hat sich mit Melanie Amann unterhalten, die das “Spiegel”-Hauptstadtbüro leitet: “Wie lange hält die Koalition? Wie gut gehen Regierung und Opposition mit den vielen aktuellen Herausforderungen um? Wer kann gut mit wem in Berlin? Wie authentisch kann und sollte ein ein Politiker sein? Wie hat es sich angefühlt, mit Richard David Precht und Harald Welzer bei Markus Lanz über ihr Buch zum Thema Journalismus zu diskutieren?”

5. Elon Musks Twitterübernahme: Folgen für die Wissenschaft
(podcast.hans-bredow-institut.de, Johanna Sebauer, Audio: 43:27 Minuten)
Im “Bredowcast”, dem Podcast des Leibniz-Instituts für Medienforschung, geht es um Elon Musks Twitterübernahme und die daraus resultierenden Folgen für Wissenschaft und Medienforschung. Johanna Sebauer hat sich dazu den Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt eingeladen. Twitter biete der Wissenschaft bislang großflächigen Zugang zu seinem bis ins Jahr 2006 zurückreichenden Archiv. Schmidt hofft, dass dies unter Musk weiterhin der Fall bleibt, wenn auch zu anderen Konditionen: “Plausibel erscheint mir, dass er die Wissenschaft zur Kasse bittet und den Zugang zum Archiv nur gegen Bezahlung gewährt.”

6. Ein Urteil des LG Frankfurt am Donnerstag könnte Twitter zwingen Recht zu beachten oder zu schließen
(youtube.com, Anwalt Jun, Video: 13:12 Minuten)
“Twitter ist kaum noch handlungsfähig. Ein Urteil des LG Frankfurt könnte die Betriebseinstellung bedeuten, wenn Programmierer die nötigen Auflagen nicht rechtzeitig umsetzen könnten.” Chan-jo Jun erklärt, warum eine Betriebseinstellung von Twitter nicht ausgeschlossen sei, egal, ob durch eine Verfügung eines deutschen Gerichts (“Ja, das ist nicht so sehr wahrscheinlich, das wäre eine Sensation. Aber gleichwohl juristisch ist das nicht völlig ausgeschlossen”) oder durch eine Verbraucherschutzbehörde in den USA initiiert.

Notfallplan, Sich blamierende Medien, Untersuchungsausschuss zum RBB

1. Experten warnen: Twitter wird zum Sicherheitsrisiko
(br.de, Georg Schmalzried)
Experten sorgen sich um die Sicherheit bei Twitter. Nach den Massenentlassungen durch den neuen Chef Elon Musk könnte es bei Twitter zu Ausfällen und Datenlecks kommen, so die Befürchtung. In den vergangenen Tagen hatte es bereits einige technische Probleme bei der Plattform gegeben. “Es ist egal, ob ihr diese Seite verlasst oder nicht”, sagt Cybersicherheitsspezialist Ian Coldwater auf Twitter und empfiehlt: “Macht einen Notfallplan und kümmert euch um eure Kontakte, denn es kann gut sein, dass die Seite euch verlässt.”

2. Sorry, ich habe den dritten Weltkrieg ausgerufen
(spiegel.de, Sabine Rennefanz)
“Die Ereignisse vom Dienstagabend bestätigen mich darin, dass es sinnvoll ist, sich nicht nur in deutschen Medien über den Krieg zu informieren, und schon gar nicht auf Twitter. Englischsprachige Nachrichtenseiten wie die BBC oder Reuters oder die ‘New York Times’ berichten oft vorsichtiger, distanzierter, oft genauer.” Sabine Rennefanz kritisiert in ihrer “Spiegel”-Kolumne das Verhalten vieler Medien anlässlich des Raketeneinschlags auf polnischer Seite an der polnisch-ukrainischen Grenze (siehe dazu auch unseren Beitrag: “Bild” und “die unwahrscheinliche dritte Möglichkeit”).

3. Verzicht auf Vertrag und Ruhegeldanspruch
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Im Gespräch mit dem “Tagesspiegel” bestätigte Jan Schulte-Kellinghaus, dass er seinen Posten als Programmdirektor des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) aufgeben werde. Nun soll über den Preis verhandelt werden, und das könnte für den RBB sowie die Gebührenzahler, trotz eines möglichen Verzichts auf den Ruhegeldanspruch, teuer werden.

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4. Landtag setzt Untersuchungsausschuss zum RBB ein
(sueddeutsche.de)
Auf Betreiben der AfD-Fraktion hat der Brandenburger Landtag einen Untersuchungsausschuss zum RBB-Skandal eingesetzt. Für den Linken-Abgeordneten Thomas Domres komme dieser Ausschuss verfrüht, man hätte zunächst die die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft abwarten sollen.

5. Neues Satellitensystem für sicheres Internet
(tagesschau.de)
Die EU investiert einen Milliardenbetrag in den Aufbau eines neuen Satellitenverbundes für ein sicheres Internet: “Unterhändler des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten einigten sich auf den Aufbau einer sogenannten Satellitenkonstellation namens Iris² (Infrastructure for Resilience, Interconnection and Security by Satellites). Dafür sollen in den kommenden Jahren 2,4 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt kommen.”

6. ARD-Teamchef: “Keine einfache Aufgabe”
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider & Isabelle Klein)
Am Sonntag beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer stellt sich damit die Frage: einschalten oder boykottieren? Die TV-Sender haben diese Frage für sich bereits beantwortet: Sie übertragen die Spiele, wollen aber auch kritisch berichten. Keine einfache Aufgabe, wie Harald Dietz, ARD-WM-Teamchef, im Deutschlandfunk ausführt.

“Tagesthemen Extra”, Wie Elon Musk Twitter ruiniert, Stille Post gone bad

1. Das “Tagesthemen Extra” war trotz unsicherer Nachrichtenlage richtig
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Trotz unsicherer Informationslage strahlte Das Erste am Dienstagabend eine außerplanmäßige “Tagesthemen”-Ausgabe zum Raketeneinschlag in Polen aus. Eine gute Entscheidung, findet Markus Ehrenberg: “Den öffentlich-rechtlichen Sendern wird öfters vorgeworfen, sich vor allen in ihrem Hauptprogrammen zu wenig auf ihre Nachrichten- und Informationskompetenz zu besinnen. Wenn es irgendwo auf der Welt brenzlig wird, laufen auch schon mal Quizshows, Krimis oder Krankenhausserien durch (oder man muss digital auf den Spartensender Tagesschau24 gehen). Das war am Dienstagabend nicht so. Und trotz der unsicheren Nachrichtenlage richtig.”

2. Wie Elon Musk Twitter ruiniert
(socialmediawatchblog.de)
Das “Social Media Watchblog” hat sich die Mühe gemacht, Elon Musks chaotisch wirkende Twitter-Entscheidungen zu sortieren und einzuordnen. Bei Musk sei es ähnlich wie bei Trump – er sei zu mächtig, um ihn zu ignorieren: “Er spuckt nicht nur große Töne, er handelt auch, und seine Entscheidungen haben reale Konsequenzen für eine Plattform, die trotz ihrer überschaubaren Größe politisch und gesellschaftlich wichtig ist.”
Weiterer Lesehinweis: Elon Musk stellt Twitter-Angestellten Ultimatum: “Bis Donnerstag um 17 Uhr sollen Twitters verbliebene Mitarbeiter erklären, ob sie für das Unternehmen extreme Belastungen auf sich nehmen wollen – oder kündigen. Das verlangt der Firmenchef in einer geleakten E-Mail.” (spiegel.de)

3. Stille Post gone bad: Wie Medien einen Fehler zu Elektroautos abschreiben
(kobuk.at, Thomas Pichler)
Dem österreichischen Medienwatchblog “Kobuk” ist eine fehlerhafte Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aufgefallen, die anscheinend ungeprüft von zahlreichen Redaktionen übernommen wurde: “Sämtliche Medien hätten diesen Fehler erkennen und korrigieren können, wenn sie sich die Grafik der Original-Quelle angeschaut hätten. Ein Aufwand von nicht einmal einer Minute. Augenscheinlich ist aber auch das schon zu viel verlangt.”

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4. Auskunftsanspruch gegen Verteidigungsministerium
(urheberrecht.org)
Laut einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen müsse das Verteidigungsministerium der Presse Auskunft geben zu Details eines Fotos, das den Sohn der Ministerin Christine Lambrecht in einem Hubschrauber der Bundeswehr zeigt. Das ist inzwischen passiert, eine Sprecherin des Ministeriums sagte gegenüber dem “Tagesspiegel”: Das Foto, um das es geht, habe Lambrecht selbst aufgenommen.

5. Jeder Artikel der SPIEGEL-Gruppe auch zum Hören
(devspiegel.medium.com)
Die “Spiegel”-Gruppe will ihre Inhalte “zugänglicher und alltagstauglicher” machen, dazu gehören auch Audioinhalte “zum barrierefreien Konsum von Nachrichten”. Im “Spiegel”-Entwicklerblog wird der Weg vom geschriebenen Artikel zum Audio erklärt, und der ist dank “Text-to-Speech”-Technologie überraschend kurz: “Der neue Prozess zur Vertonung ist vollautomatisiert. Von der Veröffentlichung des geschriebenen Artikels bis zur Einbindung des Audios im Artikel vergeht in der Regel weniger als eine Minute.”

6. Diese Katar-Dokus sollten Sie vor dem WM-Start gesehen haben
(dwdl.de, Alexander Krei)
Anlässlich der bald beginnenden Fußballweltmeisterschaft stellt Alexander Krei bei “DWDL” die seiner Ansicht nach besten Katar-Dokus vor. Darunter ist auch eine vor mehreren Jahren erschienene Reportage des inzwischen verstorbenen CDU-Politikers Norbert Blüm, die nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren habe.

“Bild” und “die unwahrscheinliche dritte Möglichkeit”

Die russische Armee hat Polen bombardiert!

So beginnt der Kommentar von “Bild”-Chefredakteur Johannes Boie, den man heute in der gedruckten “Bild” lesen kann und der bereits gestern Abend bei Bild.de erschienen ist. Überschrieben ist er mit “Putin spielt mit dem Weltkrieg”:

Ausriss Bild-Zeitung - Kommentar - Putin spielt mit dem Weltkrieg - von Johannes Boie

Auch die heutige “Bild”-Titelseite lässt wenig Zweifel am Ursprung der Rakete (oder Raketen), die gestern im polnischen Dorf Przewodów eingeschlagen ist und zwei Menschen getötet haben soll:

Ausriss Bild-Titelseite - Nach amerikanischen Angaben - Zwei Tote - Putin feuert Raketen nach Polen - Nationaler Sicherheitsrat einberufen

Genauso deutlich auf Seite 2:

Ausriss Bild-Zeitung - Gezielter Angriff oder verirrte Geschosse? Polen in höchster Alarmbereitschaft - Putin-Raketen auf Nato-Gebiet

Und bei Bild.de hieß es schon gestern Abend eindeutig:

Screenshot Bild.de - Nationaler Sicherheitsrat einberufen - Zwei Tote! Russen-Raketen in Polen eingeschlagen

Heute berichtet Bild.de:

Screenshot Bild.de - Nach Explosion in Polen - Hinweise auf ukrainische Flugabwehrrakete

Denn so klar, wie die “Bild”-Medien es erscheinen ließen, war die Lage gestern Abend nicht. Inzwischen sollen die USA davon ausgehen, dass die Rakete nicht von Russland aus gestartet wurde, sondern dass es sich um eine Flugabwehrrakete handelt, die ukrainische Soldaten abgefeuert haben. Gestern wurde die Ukraine erneut heftig von Russland mit Raketen beschossen. US-Präsident Joe Biden antwortete auf die Frage, ob es zu früh sei, um sagen zu können, ob die Rakete von Russland abgefeuert wurde, dass es vorläufige Informationen gebe, die dagegensprächen. In Anbetracht der Flugbahn der Rakete sei es unwahrscheinlich, dass sie von Russland abgefeuert wurde, so Biden. Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte, es gebe keine Beweise dafür, dass die Rakete von Russland abgefeuert wurde. “Höchstwahrscheinlich” stamme sie von der ukrainischen Luftabwehr, so Duda, “absolut nichts deutet darauf hin, dass dies ein absichtlicher Angriff auf Polen war”. Und auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte heute in einer Pressekonferenz, dass die bisherigen Untersuchungen darauf hinweisen, dass es sich um eine Flugabwehrrakete der Ukraine gehandelt hat.

“Bild” und Johannes Boie meinten hingegen, mehr zu wissen.

Auf der heutigen Titelseite hat die Redaktion über ihrer riesigen Überschrift zwar noch klein “NACH AMERIKANISCHEN ANGABEN” geschrieben. Aber das ist ein etwas merkwürdiger Versuch, die Tatsachenbehauptung jemand anderem zuzuschreiben. Es gab durchaus eine Meldung der Nachrichtenagentur AP, in der ein um Anonymität bittender “U.S. official” von russischen Raketen spricht, die nach Polen geflogen seien. Es gab gestern Abend aber auch eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, in der ein namentlich genannter Sprecher des Pentagon sagt, dass man bislang keine Informationen habe, mit denen man Medienberichte bestätigen könnte, dass es sich um Raketen Russlands handelt.

Einen Hinweis auf “die Nachrichtenagentur AP mit Berufung auf einen US-Geheimdienstbeamten” hat auch Chefredakteur Johannes Boie bei Bild.de noch nachträglich in seinen Kommentar geschrieben. Und nicht nur das. In der Ursprungsversion, die heute auch in der “Bild”-Zeitung zu lesen ist, legt Boie sich fest, dass es sich um “einen bewaffneten Angriff auf Nato-Territorium” handelt, erörtert die politischen Folgen, sollte es sich dabei um ein Versehen Russlands handeln, und schreibt anschließend:

Oder Putin hat die Nato mit Absicht angegriffen. Dann muss das Militärbündnis hart zurückschlagen. Denn die Nato kann ihr Territorium nicht einfach bombardieren lassen, ihre Bürger nicht im russischen Bombenhagel sterben lassen. Putin reagiert nur auf Gewalt.

Der irre Tyrann bringt uns immer näher an einen dritten Weltkrieg.

Inzwischen findet man bei Bild.de an dieser Stelle einen weiteren Absatz. Die Passage lautete nun:

Oder Putin hat die Nato mit Absicht angegriffen. Dann muss das Militärbündnis hart zurückschlagen. Denn die Nato kann ihr Territorium nicht einfach bombardieren lassen, ihre Bürger nicht im russischen Bombenhagel sterben lassen. Putin reagiert nur auf Gewalt.

Sollte die unwahrscheinliche dritte Möglichkeit zutreffen, dass die Explosion die Folge der ukrainischen Flugabwehr war, dann sind – tatsächlich – auch die Russen schuld. Denn sie spielen an der Nato-Grenze mit dem Feuer.

Der irre Tyrann bringt uns immer näher an einen dritten Weltkrieg.

In üblicher “Bild”-Manier fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass an dem Text nachträglich etwas verändert wurde.

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Biometrische Überwachung, Becker – Pocher 0:1, Erfolg von “7 vs. Wild”

1. RSF fordert Verbot biometrischer Überwachung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (RSF) hat sich zusammen mit 23 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen in einem offenen Brief (PDF) an die Bundesregierung gewandt. Diese solle sich für ein Verbot biometrischer Identifizierungsverfahren einsetzen. Ein Verbot wirke der “Normalisierung von Überwachungspraktiken im öffentlichen Raum entgegen”, so die zuständige RSF-Referentin für Internetfreiheit: “Zudem entspricht es dem Verbot biometrischer Überwachung, das die Ampelparteien im Koalitionsvertrag vereinbart haben.”

2. Boris Becker mit Klage gegen Oliver Pocher geschei­tert
(lto.de)
Der frühere Tennisstar Boris Becker, der derzeit in einem englischen Gefängnis einsitzt, ist mit seiner Unterlassungsklage gegen den TV-Komiker Oliver Pocher vor Gericht gescheitert. Das Landgericht Offenburg habe am gestrigen Dienstag entschieden, dass Becker durch einen Fernsehbeitrag des Comedians nicht in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt wurde. Das Urteil sei jedoch noch nicht rechtskräftig.

3. Anforderungen an Medienschaffende
(journalistik.blogs.uni-hamburg.de, Jonathan Deupmann, Audio: 44:08 Minuten)
“Durch die Digitalisierung entwickeln sich die Produktion, Vermarktung und Auswertung von Medieninhalten weiter – wie verändert das die Anforderungen an Medienschaffende von morgen?” In der aktuellen Folge des “JKW”-Podcasts (“Journalistik und Kommunikationswissenschaft” der Universität Hamburg) erzählt Berater Matthias Rieger von seinen Erfahrungen bei einer Unternehmens- und Personalberatung und gibt dabei Einblicke in typische Projekte.

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4. Gegen Desinformation und für Demokratie
(de.ejo-online.eu, Paula Hammerschmidt)
Paula Hammerschmidt hat sich mit Hendrik Sittig unterhalten, dem Leiter des Medienprogramms Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung. Welche Rolle erfüllt das Medienprogramm auf dem Balkan? Und mit welchen konkreten Themen beschäftigt es sich inhaltlich? Was sind derzeit die wichtigsten Herausforderungen für die Pressefreiheit in Südosteuropa? Und welche Mechanismen braucht es, um demokratische Stabilität und freie Medien in der Region zu stärken?

5. Grow-Stipendien 2022: Das sind die Gewinner:innen
(netzwerkrecherche.org)
Erneut haben das Netzwerk Recherche und die Schöpflin Stiftung verschiedene Projekte aus dem Bereich des gemeinwohlorientierten Journalismus ausgezeichnet. Die Förderungen in Höhe von jeweils 3.000 Euro gehen in diesem Jahr an das Lokalmagazin “bloq” aus der Rhein-Neckar-Region, an das “Reporterslam”-Team, das gemeinnützigen Live-Journalismus auf die Bühne bringen möchte, sowie an die inklusive Redaktion des Online-Magazins “andererseits” aus Österreich.

6. 7 Gründe, warum #7vsWild so erfolgreich ist
(youtube.com, Jannis Schakarian, Video: 5:48 Minuten)
Der Outdoor-Wettbewerb “7 vs. Wild” war die Youtube-Überraschung des vergangenen Jahres. Nun schickt sich Youtuber Fritz Meinecke an, mit einer neuen Staffel die Rekorde des Vorjahres zu knacken. Jannis Schakarian, selbst erfahrener Formatentwickler, wollte das Erfolgsgeheimnis der Youtube-Serie ergründen und hat, wie könnte es anders sein, sieben Erfolgsfaktoren identifiziert.

7. Eine (fast wahre) Begegnung mit Giovanni di Lorenzo
(uebermedien.de, Lorenz Meyer)
Zusätzlicher Bonus-Link, weil den “6-vor-9”-Kurator betreffend: Bei “Übermedien” gibt es einen exklusiven Auszug aus dem Bericht über eine (fast wahre) Begegnung mit “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Der Text stammt aus der gestern erschienenen satirischen “Kreuzfahrt durch die Republik”.

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BILDblog-Klassiker

Stasi-Unterlagenbehörde, Wirercard-Story, Hackerangriff auf Madsack

1. Wie die Stasi-Unterlagenbehörde dem rbb und “Bild” half, Dutzende Journalisten auszuforschen
(uebermedien.de, Marcus Engert)
Einen wahren Krimi hat Marcus Engert für “Übermedien” und “BuzzFeed News” aufgeschrieben. Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde hätten offenbar dem rbb und der “Bild”-Zeitung geholfen, Mitglieder und Funktionäre der größten deutschen Journalistengewerkschaft auszuforschen. Mehr als 1.000 Seiten seien herausgegeben, Unterlagen über 164 Menschen dafür durchleuchtet worden. Rechtswidrig, wie die Behörde selbst einräume.

2. Verbände legen Beschwerde gegen Apple beim Bundeskartellamt ein
(zeit.de)
Seit Apples neuestem Betriebssystem-Update können Nutzerinnen und Nutzer es ablehnen, wenn Apps sie tracken, also ihr Verhalten für Werbezwecke nachverfolgen wollen. Spitzenverbände der deutschen Medien- und Werbewirtschaft sehen durch die “App Tracking Transparency” ihre Geschäfte bedroht und haben eine Missbrauchsbeschwerde beim Bundeskartellamt eingelegt.

3. Gericht stoppt Wirecard-Film von RTL
(faz.net, Corinna Budras)
Vergangenen Donnerstag sendete RTL den Film “Der große Fake – Die Wirecard-Story”. Trotz einer einstweiligen Verfügung des Oberlandesgerichts München, das dem Sender verboten hatte, über den Kronzeugen Oliver B. “identifizierend zu berichten”. Corinna Budras ordnet den Fall ein, der aller Voraussicht nach ein juristisches Nachspiel haben wird.

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4. Reichelt verliert Geschäftsführer-Posten
(sueddeutsche.de)
Bei “Bild” wird am Führungs-Organigramm gebastelt: Julian Reichelt verliere seinen Posten als Geschäftsführer der “Bild”-Gruppe. Er solle sich zukünftig zusammen mit Claus Strunz verstärkt um den Ausbau von “Bild TV” kümmern. Bei der “Welt”-Gruppe dagegen bleibe die personelle Zusammensetzung der Geschäftsführung unverändert.

5. Warum ging diese Aktion nach hinten los?
(freitag.de, Sabine Nuss)
Sabine Nuss beschäftigt sich mit der Aktion #allesdichtmachen. Das Videoprojekt und die Kritik daran würden den zentralen gesellschaftlichen Widerspruch in der Pandemie zeigen. Der lesenswerte Beitrag ist ein Versuch, den verschiedenen Aspekten der komplexen Thematik gerecht zu werden.

6. “Unternehmen investieren zu wenig in IT-Sicherheit”
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth & Constanze Kurz & Isabelle Klein, Audio: 4:30 Minuten)
Im vergangenen Dezember war die Funke-Mediengruppe das Ziel eines Hacker-Angriffs, der weitreichende Konsequenzen hatte. Nun hat es die Madsack-Gruppe erwischt – mit schweren Auswirkungen auf das Erscheinen von Titeln wie “Hannoversche Allgemeine Zeitung”, “Göttinger Tagblatt” oder “Ostsee-Zeitung”. Der Deutschlandfunk hat sich mit Constanze Kurz vom Chaos Computer Club unterhalten, die Versäumnisse bei den Opfern der Angriffe feststellt.

Tarnen und Täuschen, Keine 220 Millionen, Künast vs. Facebook

1. 220 Mio Euro schwere Presseförderung vorerst gescheitert
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Lange sah es so aus, als könnten sich die Verlage über eine 220 Millionen Euro schwere Presseförderung zur Finanzierung der “digitalen Transformation” freuen. Nun habe das zuständige Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, das Vorhaben sei vorerst gescheitert. Timo Niemeier erklärt die Hintergründe des Subventions-Pokers.

2. Werbung getarnt als Artikel
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Anzeigen, die absichtlich nicht wie Werbung aussehen, werden im Fachjargon als “Native Advertising” bezeichnet. Die eingebettete Werbung ist bei den Werbetreibenden beliebt, weil sie von vielen als redaktioneller Inhalt und damit als wahr und richtig wahrgenommen wird. Umso wichtiger ist eine deutliche Kennzeichnung, aber auch hier operieren viele Medien mit optischen und sprachlichen Verschleierungstricks.

3. “Wiener Zeitung”: Aus oder doch Rettung?
(verdi.de, Danilo Höpfner)
Vor über drei Jahrhunderten, im Jahr 1703, wurde die “Wiener Zeitung” als “Wiennerisches Diarium” gegründet und ist damit die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Damit könnte es jedoch bald zu Ende sein: Die im Eigentum der Republik Österreich stehende Zeitung soll in ein Wochenblatt oder in ein reines Onlinemedium umgewandelt werden. Mit einer Kampagne versuchen einige Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft, das Blatt zu retten: “Es wäre nicht nur ein schwerer Schlag gegen die im internationalen Vergleich ohnehin wenig ausgeprägte Medienvielfalt in diesem Land, sondern auch das Ende einer Kulturinstitution in Zeiten von Fakenews und Intransparenz.”

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4. Renate Künast verklagt Facebook
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Die Grünen-Politikerin Renate Künast verklagt Facebook. Sie wolle erreichen, dass nicht nur ein einzelner Beitrag mit einem ihr fälschlicherweise zugeschriebenen Zitat gelöscht wird, sondern dass auch alle identischen und “sinngleichen Inhalte auf der ganzen Plattform” entfernt werden. Es gehe dabei um eine Bild-Text-Kachel, in der neben einem Foto Künasts der Satz steht: “Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal Türkisch lernen”. Das Zitat ist jedoch frei erfunden.

5. Traditioneller Machtkampf
(taz.de, Steffen Grimberg)
Barbara Hans beendet zum Monatsende ihre Tätigkeit als “Spiegel”-Chefredakteurin. Nach Ansicht vieler sei sie aus der “Spiegel”-Führung herausgedrängt worden. Ist der “Spiegel” noch immer “das alte, testosterongesteuerte Flaggschiff wie zu Augstein-Zeiten”? Ganz so leicht sei es nicht, findet Steffen Grimberg.

6. Die Goldenen Blogger 2021 – Das sind die Preisträger*innen
(die-goldenen-blogger.de)
Die diesjährige Verleihung des Social-Media-Preises “Die goldenen Blogger” erfolgte wegen der Corona-Pandemie erstmals im Rahmen eines Online-Events. Bloggerin des Jahres wurde Teresa Bücker, als Newcomer des Jahres wurde das “RosaMag” ausgezeichnet. Sonderpreise gingen an “maiLab” und das Team vom NDR “Coronavirus-Update”.

“Vorzensur” beim “Presseclub”?, Sat.1 räumt auf, “Corona-Infobox”

1. Nichts als Schweigen? Jörg Schönenborn, die AfD und der Vorwurf der “Vorzensur”
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Bei “Presseclub nachgefragt” (ARD) können Menschen anrufen und sich zum Thema der gerade stattgefundenen Hauptsendung, dem “Presseclub”, äußern. Als sich dort jüngst ein Herr Fischer meldete, startete dieser mit einer “grundsätzlichen Anmerkung”: Er werde nie durchgestellt, wenn er sich positiv zur AfD äußern wolle. Deshalb habe er mit einem Trick gearbeitet und sich als AfD-Kritiker ausgegeben. Boris Rosenkranz hat sich angeschaut, wie Moderator Jörg Schönenborn auf diese Vorhaltung reagiert hat: “Jörg Schönenborn hat Herrn Fischer viel Raum gegeben, Vorwürfe zu formulieren, um diese dann unwidersprochen so stehen zu lassen. Aber wie wirkt das, wie sieht das aus? Es sieht so aus, als hätte es Schönenborn kalt erwischt – und Herr Fischer recht.”

2. Rosemann räumt auf: “Promis unter Palmen” ist Geschichte
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nach heftigen Vorwürfen eines Protagonisten (“Gewissenlose Quotenjagd”) hat sich Sat.1 erst neulich von seinem TV-Format “Plötzlich arm, plötzlich reich” getrennt. Nun ist das nächste Reality-Format dran: Daniel Rosemann, der neue Chef des Senders, schmeißt “Promis unter Palmen” aus dem Programm. Das sei eine wirtschaftlich weitaus gewichtigere Entscheidung, findet Thomas Lückerath.
Weiterer Lesehinweis: Peer Schader hat sich das RTLzwei-Format mit Daniela Katzenberger angeschaut und stellt gleich zu Beginn fest: “Wenn sich das deutsche Fernsehen irgendwann selbst einen Preis für Effizienz verleiht, wird der unweigerlich in Grünwald bei München landen: Daniela Katzenberger hat sich die Brüste straffen, die Haare ein klitzekleines bisschen weniger blond färben lassen – und RTLzwei hat’s geschafft, alleine daraus eine komplette Staffel ihrer Dokusoap zu machen.” Der Beitrag ist aber auch darüber hinaus lesenswert, weil er das Phänomen Katzenberger gut entschlüsselt.

3. Die FAZ im Krieg der Sterne
(queer.de, Jan Bambach)
Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” macht nach Jan Bambachs Beobachtung immer häufiger und heftiger Stimmung gegen eine geschlechtergerechte Sprache. Bambach hat die “FAZ”-Berichterstattung des vergangenen Jahres ausgewertet und 37 Artikel ausgemacht, bei denen es sich mehr oder weniger um das Konzept des Genderns drehe. Die absolute Mehrheit der Artikel stehe dem Thema ablehnend gegenüber und, so eine weitere Erkenntnis Bambachs, stamme weitgehend aus männlicher Feder.

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4. Corona-Infobox, 20-Uhr-tagesschau schneller online und andere neue Features auf tagesschau.de
(blog.tagesschau.de, Juliane Leopold)
Juliane Leopold, Chefredakteurin Digitales bei der ARD, erzählt im “Tagesschau”-Blog von den kürzlich durchgeführten Neuerungen, darunter die “Corona-Infobox”: “Seit wenigen Tagen haben wir nun für unsere Nutzerinnen und Nutzer in Web und App ein neues Feature im Angebot: die Corona-Infobox. Sie beantwortet auf einen Blick Fragen wie: Wie hoch ist die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder in einem Landkreis? Wie viele Menschen sind dort gestern positiv gemeldet worden? Gab es neue Todesfälle, die sich auf Covid-19 beziehen? In die Corona-Infobox können Sie einfach eine Postleitzahl eingeben und diese Informationen ‘auf Knopfdruck’ erhalten.”

5. Weglassen für mehr Freiraum
(taz.de, Leonie Gubela)
In Münster sorgt seit etwas mehr als einem Jahr ein neues Digital-Angebot namens “Rums” für mehr journalistische Vielfalt in der Region. Vor einiger Zeit hat das Stadtmagazin den Sprung vom Gratisangebot zum Abo-Modell gewagt. Die “taz” hat sich mit Redaktionsleiter Ralf Heimann über die bisherigen Erfahrungen mit dem Münsteraner Lokaljournalismus-Projekt unterhalten.
Transparenzhinweis: Die “Rums”-Redaktion wird von Ralf Heimann und Constanze Busch geleitet. Ralf Heimann ist auch BILDblog-Autor und hat bei uns beispielsweise die Serie “Kleine Wissenschaft des Fehlers” über die Fehlerkultur in Medien veröffentlicht.

6. Wie ich einmal 5.000 Menschen mein Doppelkinn zeigte
(zeit.de, Vicky Isabelle Bargel)
“Immer wieder klatsche ich mit der Hand auf die Selfiekamera meines Smartphones. Das macht man jetzt so, die Hand als Blende. Im Hintergrund dudelt ein Sound: BUMM, BUMM, BUMM, BUMM, BUMM, BUMMBUMMBUMMBUMM”. Vicky Isabelle Bargel hat versucht, einen Viral-Hit für TikTok zu produzieren und ist, nun ja, gescheitert.
Weiterer Lesehinweis: Warum TikTok in den USA biometrische Daten sammeln dürfen will: “TikToks Datenschutz-Richtlinie für die USA erwähnt jetzt die Erhebung biometrischer Daten von Gesichtern und Stimmen. Hintergrund dürfte ein juristischer Streit sein, der das Unternehmen 92 Millionen Dollar kostet.” (spiegel.de, Patrick Beuth)

Rechte Hetze beim Kirchenschloss, Balders Abschied, Erzwingungshaft

1. Duldet das Bistum Augsburg völkisches Denken?
(br.de, Johannes Reichart)
BR-Reporter Johannes Reichart ist einem äußerst verstörenden Fall nachgegangen: Ein im Besitz der katholischen Kirche befindliches Schloss werde zur Verbreitung von rechter Hetze und völkischem Denken genutzt. Unter anderem werde dort das sogenannte “Schloss-Kultur-Magazin” publiziert. Darin mische sich unter allerlei Artikel über Gartenarbeit und Strickkleidung auch abstruses Gedankengut und Esoterik, das Magazin verbreite Weltverschwörungserzählungen und traditionalistisch-religiöse Extrempositionen: Ein Erzbischof warnt vor dem “Great Reset”, der von den “Dienern Satans” betrieben werde, Priester der erzkonservativen Piusbruderschaft hetzen gegen Abtreibung, Homosexualität und Klimaschutz. Das Bistum bemühe sich als Vermieterin der Immobilie seit Längerem “um Klärung”.

2. “Viel konsequenter digital ausrichten”
(journalist.de, Anna Paarmann)
Anna Paarmann ist Online-Chefin bei der “Landeszeitung” für die Lüneburger Heide und dort für Redaktionsprojekte zuständig. In einem Gastbeitrag für den “journalist” macht sie sich Gedanken darüber, wie der Journalismus widerstandsfähiger gemacht werden kann. Wer noch nicht auf “Digital First” setze, möge dies schleunigst tun: “Es gilt, historisch gewachsene Strukturen und Denkweisen ad acta zu legen: feste Ressortgrenzen, Einzelbüros, die Skepsis gegenüber Online, autonome Themenplanung, den Anspruch, dass ein guter Redakteur von 10 bis 19 Uhr ‘den Laden hüten muss’.”

3. Neues aus der Anstalt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Bei den Gegnern des Rundfunkbeitrags wird derzeit ein Mann gefeiert, der seit drei Monaten in Erzwingungshaft sitzt. Dort befinde er sich jedoch nicht wegen ausstehender Gebühren, sondern wegen einer verweigerten Vermögensauskunft, erklärt Steffen Grimberg. Derlei Details scheinen den Leuten, die immer noch auf die (längst abgeschaffte) GEZ schimpfen oder die sich, wie die AfD, mit der Forderung “ARD abschaffen” an den Fall hängen, jedoch egal zu sein. Grimberg rät: “Damit endlich Ruhe im Erzwingerclub einkehrt, müssen alle Anstalten und die Vollstreckungsbehörden zu besseren Lösungen kommen. Denn pro 100 Euro, die ARD, ZDF und Deutschlandradio geschuldet werden, entsteht ein Imageschaden von locker 100.000 Euro.”

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4. Newsletter Netzwerk Recherche, Nr. 198 vom 24.6.2021
(netzwerkrecherche.org, Daniel Drepper & Albrecht Ude)
Pflichtlektüre, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des “Netzwerk Recherche”. Die neueste Ausgabe liefert wie immer einen guten Überblick über aktuelle Nachrichten, Veranstaltungen Seminare, Stipendien und Preise. Im Pressespiegel gibt es zudem wertvolle Lesetipps zu ausgesuchten Themen.

5. Gute Medienpraxis für städtische Quartiere der Vielfalt
(netzwerk-medienethik.de, Jessica Heesen)
Das “Netzwerk Medienethik” weist auf einen interessanten Forschungsbericht der Initiative “Migration und Sicherheit in der Stadt” hin. In dem Papier geht es um “Aspekte einer guten Medienpraxis für städtische Quartiere der Vielfalt” (PDF). Der Forschungsbericht gebe einen Überblick “über die rechtlichen und normativen Anforderungen an den Journalismus, die mit dem öffentlichen Integrationsauftrag der Medien verbunden sind.”

6. “Sender in die Grütze gefahren”: Hugo Egon Balder nimmt Abschied von Sat.1
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Hugo Egon Balder kann auf eine lange Zusammenarbeit mit dem TV-Sender Sat.1 zurückblicken. Anfang der 2000er-Jahre fing es für Balder dort mit “Genial daneben” an, einer Sendung, die sich erstaunlich lange hielt und nach einer Sendepause 2017 neu aufgelegt wurde. Doch nun steigt der mittlerweile 71-jährige Balder aus. Im Interview spricht er offen über seine Gründe und erzählt, welche Versäumnisse er beim Sender sieht. Außerdem kommentiert er den angestrebten Imagewandel des Sat.1-Konkurrenten RTL: “Es scheint mir so, als wollte man hier eher den Öffentlich-Rechtlichen Konkurrenz machen. Vermutlich kein ganz falscher Schritt: Zuletzt war die Devise bei den Sendern immer ‘Wir müssen verjüngen’. Das ist aus meiner Sicht aber ein Trugschluss. Von den Jungen kommt keiner mehr zurück. Wer seinen Sender verjüngt, hat irgendwann gar keine Zuschauerinnen und Zuschauer mehr.”

WDR lässt Westen im Stich, “Fake-News”-Eigentor, Sportwetten

1. Unterlassene Hilfeleistung: WDR lässt den Westen im Stich
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Als es in weiten Teilen des WDR-Sendegebiets zu Unwettern mit dramatischen Folgen kam, habe der Sender die Menschen weitgehend im Stich gelassen, kommentiert Thomas Lückerath: “Man kann dem WDR nur raten, sich in der Verteidigung dieses Totalausfalls in Radio und TV nicht zu viel auf einen einsamen Live-Ticker auf der Website oder Twitter einzubilden. Wenn sich die gesamte Kompetenz des mächtig ausgestatteten Westdeutschen Rundfunk in einer Krisensituation, die weite Teile des Landes erfasst hat, in einem banalen Text-Ticker erschöpfen soll, dann ist das ein Armutzeugnis, aber nicht nur: Wenn Angebote im Netz das Angebot im Rundfunk ersetzen soll, dann untergräbt man damit selbst die Legitimation eines bis heute über TV und Radio definierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks.”

2. Wo endet Berichterstattung, wo beginnt Werbung?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:00 Minuten)
Bremens Innensenator Ulrich Mäurer wirft “Bild” eine “besorgniserregende, da gezielt verharmlosende” Berichterstattung über Sportwetten vor und hat sich deswegen an den Presserat gewandt. Der Axel-Springer-Konzern gibt sich unschuldig und weist alle Vorwürfe zurück. Was ist dran an den Vorwürfen? Und welche Rolle spielt der neue Glücksspielstaatsvertrag? Darüber hat der Deutschlandfunk mit Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht gesprochen.

3. Springers neue “Welt”-Strategie ist ein Frontalangriff gegen die “FAS”
(meedia.de, Gregory Lipinski)
Der Axel-Springer-Verlag will die “Welt am Sonntag” mit einer Frühausgabe bereits am Samstag an die Kioske bringen. Ein schlauer Schachzug, wie Gregory Lipinski findet, der sich vor allem gegen die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” richte. Profiteur der neuen “Welt”-Vertriebsstrategie sei Springer-Chef Mathias Döpfner, der sich vor den Investoren von KKR für die schwache Sparte rechtfertigen müsse.

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4. Plädoyer für die Plagiatsjagd
(medienwoche.ch, Lothar Struck)
Lothar Struck hält ein Plädoyer für die Plagiatsjäger, die er als Korrektive für schläfrig gewordene Institutionen bezeichnet: “Sie werden immer dann aktiv, wenn ein Versagen vorliegt. Wenn Promotionsausschüsse ihren Prüfungspflichten nicht ausreichend nachkommen, Lektorate in Verlagen nur oberflächlich ausgeführt werden oder Journalisten in politischer Sympathie Bücher von Mandatsträgern nicht genau untersuchen – dann schlägt ihre Stunde.”

5. Antisemitismus-Eklat um Corona-Bestsellerautor
(t-online.de, Lars Wienand)
Der umstrittene Wissenschaftler Sucharit Bhakdi ist so etwas wie ein Held der Corona-Leugner-Szene. Nun sorgt er mit Äußerungen für Aufsehen, die als antisemitisch wahrgenommen werden können. Der Goldegg-Verlag, der auch Bhakdis letzten Corona-Verharmlosungs-Bestseller veröffentlichte, geht auf vorsichtige Distanz und verlangt von seinem Autoren eine Erklärung. “T-Online”-Redakteur Lars Wienand weist in seinem Beitrag auf einen interessanten Umstand hin: “Bhakdi selbst fasste seine Äußerungen in dem Interview möglicherweise nicht antisemitisch auf: Er sagte in dem Interview auch, er habe Juden verehrt und sei jüdischen Künstlern nachgereist. Marina Weisband, Jüdin, Psychologin und heute bei den Grünen aktive frühere Geschäftsführerin der Piratenpartei, ordnete das auf Twitter ein: ‘Ich glaub ihm das’, schrieb sie. ‘Philosemitismus [jemanden verehren, weil er Jude ist, Anm. d. Red.] ist die kleine Schwester des Antisemitismus. Niemand, der sich als ‘Juden-Verehrer’ bezeichnet, hat ein sauberes Verhältnis.”

6. Fake News Eigentor
(twitter.com, Tilo Jung, Video: 7:07 Minuten)
Tilo Jung dokumentiert auf seinem Youtube-Kanal regelmäßig Veranstaltungen der Bundespressekonferenz. Von der gestrigen Sitzung hat Jung etwas mitgebracht, das er als “Fake News Eigentor” bezeichnet: “Ein ‘Reporter’ von Russia Today hat es heute in der Bundespressekonferenz geschafft, gleich zweimal bei der Verbreitung von Desinformation live entlarvt zu werden.”

“Bild live”, Nicht ohne Grund sperren, OnlyFans wird züchtig

1. “Zweifellos orientiert am amerikanischen Nachrichtenfernsehen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Gestern startete die “Bild”-Redaktion ihren Fernsehkanal “Bild live”. Man habe sich dabei am US-amerikanischen Nachrichtenfernsehen orientiert, wie Programmchef Claus Strunz ganz unumwunden zugibt. Ob sich damit auch in Deutschland Quote machen lässt? Alexander Krei ist sich nicht sicher: “Das werden die kommenden Monate zeigen.”
Weiterer Lesehinweis: Zum Start von “Bild TV” hat sich t-online.de mit BILDblog-Leiter Moritz Tschermak unterhalten. Es geht unter anderem um die möglichen Gefahren des TV-Starts, die Konkurrenz mit den Öffentlich-Rechtlichen und ein bedenkliches Vorbild aus dem US-Fernsehen.
Außerdem gibt es bei “Übermedien” zum Start von “Bild live“ in leicht gekürzter Form das Kapitel aus dem “Bild”-kritischen Buch “Ohne Rücksicht auf Verluste”, das sich mit dem “Bild”-Fernsehen befasst, zu lesen.
Und Arno Frank hat beim “Spiegel” eine erste Kritik zur “Bild-TV”-Premiere verfasst: Die Falle mit der Deutschlandfahne.

2. Im Visier des Agentengesetzes
(sueddeutsche.de, Silke Bigalke)
Die Repressionen gegen unabhängige russische Medien nehmen weiter zu. Am Freitagabend wurden zwei weitere auf die sogenannte “Agentenliste” gesetzt: der unabhängigen Online-TV-Sender Doschd (russisch für Regen) und das Portal iStories, dessen Chefredakteur Roman Anin als einer der erfahrensten Investigativjournalisten des Landes gilt.

3. “Provinz” im besten Sinne
(taz.de, Steffen Grimberg)
Eine Fotografie-Ausstellung im sächsischen Grimma zeigt Bilder des Fotografen Bernhard Weber, und das an einem ungewöhnlichen Ort: “Denn mitten an der Straße hängen am langen Zaun rund um das ziemlich große Polizeirevier Fotos von Bernhard Weber. ‘Der Provinzfotograf, der die Zeit im Bild anhält’, hat die Lokalzeitung über Weber geschrieben. Wobei Provinz hier ausdrücklich positiv gemeint ist. Denn auf den Fotos aus sechs Jahrzehnten ist zu sehen, was woanders oft fehlt.”

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4. “Tagesschau”-Sprecherin Judith Rakers: “Ich überlege immer privat, ob eine Flugreise sein muss”
(rnd.de, Hannah Scheiwe)
“Tagesschau”-Sprecherin Judith Rakers ist beim WDR gerade mit Reisereportagen in der Reihe “Wunderschön!” zu sehen. Im Interview spricht sie über ihr eigenes Reiseverhalten, das Altern als Frau im Fernsehen und sie verrät, warum für sie ein Wechsel zu einem Privatsender zurzeit nicht in Frage kommt: “Ich habe vor, noch lange bei der ‘Tagesschau’ zu bleiben. Ich fühle mich sehr wohl in der Aufstellung, die ich jetzt habe. Solange man mir die Möglichkeit gibt, mich zu verwirklichen, bin ich zufrieden.”

5. Nicht ohne Grund
(lto.de, Ruben A. Hofmann)
Immer wieder entsteht Streit darüber, ob Soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram bestimmte Posts löschen oder Profile stilllegen durften. In einem Gastbeitrag für lto.de gibt Ruben A. Hofmann einen Überblick über die aktuelle Rechtsprechung. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) habe einiges, aber nicht alles geklärt. Die Auseinandersetzungen über die Entscheidungen der Plattformen würden daher weitergehen: “Insbesondere mit dem aktuellen Urteil des BGH wurden wichtige, wegweisende Pflöcke hinsichtlich der Meinungsfreiheit von Nutzern der sozialen Netzwerke eingeschlagen; manches wurde aber auch offengelassen. Gerade die Grenzen der Meinungsfreiheit der Nutzer können nur durch eine Vielzahl von Einzelfallentscheidungen skizziert werden.”

6. »Es fühlt sich wie Verrat an«
(spiegel.de, Matthias Kreienbrink)
Die Plattform OnlyFans will ab dem 1. Oktober dieses Jahres kein “sexuell explizites Verhalten” in Bildern und Videos mehr dulden. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die Vermarktung derartiger Inhalte bislang zum Kerngeschäft von OnlyFans gehörte: Viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie Anbieter von erotischem Content hatten sich dort große Fangemeinden aufgebaut, mit denen sie teilweise erhebliche Summen verdient haben. Doch damit sei nun Schluss, und der Grund dafür liegt wohl vor allem an den Vorgaben der Zahlungsdienstleister.

“Bild” hetzt durchs Programm, Lob des Zweifels, Klimakrise und Medien

1. Fernsehen ohne Ruhepuls: Bild hetzt durchs Programm
(dwdl.de, Alexander Krei & Thomas Lückerath)
Alexander Krei und Thomas Lückerath haben ihre ersten Eindrücke vom neuen “Bild”-Fernsehsender aufgeschrieben. Zur Ruhe gekommen sind sie beim TV-Gucken nicht: “In einem Moment beschimpft CDU-Generalsekretär Ziemiak den SPD-Kanzlerkandidaten Scholz als politischen Hütchenspieler, im nächsten Moment wird über eine blutige Auseinandersetzung berichtet, in die die Influencerin Georgina Fleur involviert ist. Mal fabuliert Meinungschef Filipp Piatov über das ‘Inzidenz-Regime’ der Regierung, dann leitet Detlef Soost plötzlich zu Sit-Ups im Studio an, und im Gespräch mit einem Augenarzt geht es schließlich um die Tatsache, dass Fußball-Trainer Jürgen Klopp neuerdings keine Brille mehr trägt – mitsamt der wichtigen Abschlussfrage: ‘Ist das eine Kassenleistung?'”

2. Die Klimakrise ist nicht ein weiteres Problem auf der Bühne. Sie bedroht die ganze Bühne.
(uebermedien.de, Sara Schurmann & Lea Dohm)
In einem Gastbeitrag für “Übermedien” setzen sich Sara Schurmann und Lea Dohm für mehr Klimaberichterstattung ein: “Wenn Menschen viel und oft von der Klimakrise lesen, können sie das Problem besser verstehen. Dafür müssen alle Medien ganz oft darüber berichten. Das Problem muss auch immer wieder als erstes in den Nachrichten kommen. Um die Klimakrise gut zu verstehen, ist es wichtig, sie zu fühlen. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender können uns dabei helfen.” Der Text ist ein Vorabdruck aus dem heute erscheinenden Buch “Climate Action – Psychologie der Klimakrise”.

3. “Die Taliban haben mir alles genommen”
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 9:01 Minuten)
Fast zwei Jahrzehnte lang hat der Fotojournalist und Pulitzer-Preisträger Massoud Hossaini aus Afghanistan berichtet, doch nun muss er seine Heimat verlassen. Den Taliban sei es gelungen, die Welt zu blenden, so Hossaini: “Sie selbst stiften das Chaos, das wir gerade erleben, und erklären dann: Seht her, was der Westen angerichtet hat, gemeinsam mit einem Präsidenten, den der Westen unterstützt hat. Die Situation am Flughafen von Kabul haben die Taliban orchestriert – und instrumentalisieren jetzt die Medien dafür, darüber zu berichten. Die Taliban lenken damit von einer Wirklichkeit ab, außerhalb vom Flughafen, außerhalb von Kabul – einer Wirklichkeit, über die die internationale Gemeinschaft unbedingt mehr erfahren müsste.”

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4. Lobbytransparenz schaffen
(netzwerkrecherche.org)
Mehr als 50 zivilgesellschaftliche Organisationen fordern in einem gemeinsamen Appell strengere Lobbyregeln. Als zentrale Maßnahmen von der Politik nennen sie, Einflussnahmen transparent zu machen, die Parteienfinanzierung zu reformieren und Lobbykontakte offenzulegen. “Wir brauchen eine politische Kultur, in der alle Teile der Gesellschaft gehört werden und in der Integrität, Unabhängigkeit und Transparenz von Politik und Verwaltung selbstverständlich sind.” Auch das Netzwerk Recherche schließt sich den Forderungen an. Eine Umsetzung hätte sicher positive Auswirkungen auf die mediale Berichterstattung über parlamentarische Entscheidungen oder Gesetzesvorhaben.

5. Lob des Zweifels
(journalist.de, Christian Meier)
In der Reihe “Wie wir den Journalismus widerstandsfähiger machen” meldet sich “Welt”-Medienredakteur Christian Meier mit einem Plädoyer für den Zweifel zu Wort: “Die schöne Regel, dass man bei jedem Thema für einen Moment davon ausgehen sollte, dass die ‘andere Seite’ (schon wieder so ein problematischer Begriff, denn auf welcher Seite sollte ein Journalist überhaupt stehen?) Recht haben könnte – gilt sie noch? Ist sie in den Redaktionen akzeptiert? Und wie selbstverständlich ist es, eine auch in der eigenen Redaktion unpopuläre Position zu vertreten, notfalls gegen Kritik und Widerstände? Ich glaube, der Zweifel sollte unser ständiger Begleiter sein. Und das ist, ich merke es schon beim ersten Nachlesen, schon wieder so ein Besserwissersatz. Ich kann nur um Verzeihung bitten, wir sitzen alle im Glashaus.”

6. Impfgegner stürmen Foyer von TV-Nachrichtenproduzent ITN in London
(rnd.de)
Dutzende Impfgegnerinnen und -gegner haben gestern die Zentrale des britischen Nachrichtenproduzenten ITN in London gestürmt. Dabei skandierten sie Parolen gegen Impfungen und Corona-Maßnahmen, belegten einen Nachrichtensprecher mit wüsten Beschimpfungen und widersetzten sich Polizisten, die versuchten, die Menschen von einem weiteren Eindringen in die Redaktionsräume abzuhalten.

Empörung über Aussagen, die “Bild” aus dem Zusammenhang reißt, ist am billigsten

In den vergangenen Tagen konnte man gut beobachten, wie die “Bild”-Redaktion manipuliert, um an eine Geschichte zu kommen, und wie sehr sie Aussagen aus dem Zusammenhang reißt und verdreht, um skandalisieren zu können.

Es sei ein “DREISTER SPARTIPP VON KATARINA BARLEY”, empörte sich “Bild” am Dienstag. Die Aussage der SPD-Politikerin in der Talkrunde “Hart aber fair” scheine “mehr als weltfremd”, es handele sich um einen “Arroganz-Anfall”:

Screenshot Bild.de - Hammerpreise fürs Heizen - Arroganz-Anfall von SPD-Politikerin Katarina Barley - Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist am billigsten

In dem Artikel schreibt das “Bild”-Trio Peter Tiede, Sebastian Ahlefeld und Lou Siebert:

Mit einer dreisten Äußerung überraschte SPD-Politikerin und EU-Vizepräsidentin Katarina Barley (52) bei “Hart aber fair” (ARD). Am Montagabend diskutierte sie mit zum Thema Inflation und Energiepreise.

Tanken, Heizen und Lebensmittel sind deutlich teurer geworden – das stieß auch einem Zuschauer übel auf. Barley hielt ihm einen dreisten Tipp entgegen: “Die Kilowattstunde, die ich nicht verbrauche, ist am billigsten.”

Was die Politikerin damit offenbar sagen wollte: Wir sind selbst schuld, wenn wir zu hohe Rechnungen bekommen! Einfach mal die Heizung abdrehen und Licht ausschalten, um unter dem Strich angeblich noch Geld zu sparen?

Oder zusammengefasst in der Artikel-Überschrift:

Screenshot Bild.de - Dreister Spartipp von Katarina Barley - Strom zu teuer? Einfach weniger Energie verbrauchen

So viel schon mal jetzt: Katarina Barley hat bei “Hart aber fair” nicht derartige Tipps gegeben.

Aber erstmal weiter mit der großen Empörung. Die “Bild”-Redaktion konnte auch einen Politiker einspannen:

Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei (48) zu BILD: “Die Menschen haben begründete Sorge vor steigenden Energiepreisen. Wer diese Sorgen mit einem Aufruf zu mehr Sparsamkeit beantwortet, behandelt die Menschen abfällig und verächtlich. Frau Barley scheint zu glauben, dass die Menschen aus dem Fenster heizen und noch beträchtliche Einsparmöglichkeiten hätten. Wer das annimmt, hat die Bodenhaftung verloren.”

Gestern legte “Bild” nach:

Ausriss Bild-Zeitung - So verhöhnt die Politik den einfachen Bürger

Nikolaus Harbusch, Hans-Jörg Vehlewald und Peter Tiede schrieben dazu:

Deutschland stöhnt unter dramatisch steigenden Strom-, Heiz- und Spritkosten! Rentner, Geringverdiener und Pendler wissen nicht, wie sie über den Winter oder zur Arbeit kommen sollen!

Und was sagt die einstige Arbeiterpartei SPD dazu?

Spitzengenossin Katarina Barley (52) glänzt im WDR-Talk “Hart aber fair” mit Luxus-Ratschlägen: “Die Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist die, die man nicht verbraucht.” Wer sich “neue Fenster” einbaut oder “gedämmt hat”, der komme “voll in den Genuss” staatlicher Förderung und könne jubeln: “Hey, jede Stunde, die jetzt teurer ist, habe ich mehr gespart” (…)

Für die Bürger, die sich vor dem teuersten Winter seit Jahrzehnten sorgen, müssen solche Sprüche wie Hohn klingen. Sollen sie sich nach der Corona-Krise noch verschulden für Solartechnik, Heizungssanierung oder Wärmedämmung?

Auch wenn die bis hierher erschienenen Artikel zu dem Thema nicht gerade meinungsschwach waren, veröffentlichte “Bild” zusätzlich auch noch einen Kommentar zu Barleys “Hart-aber-fair”-Auftritt:

Screenshot Bild.de - Der blanke Hohn

Julius Böhm schrieb über die “hochnäsigen Sprüche” der SPD-Politikerin:

Geht’s noch abgehobener? (…)

“Die Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist die, die man nicht verbraucht”, empfahl Katarina Barley. Ihre Spar-Tipps: neue Fenster, Wärmedämmung.

Natürlich sparen Modernisierungs-Maßnahmen langfristig Geld. Doch für Millionen Normalverdiener sind solche Tipps der blanke Hohn. Und Rentner kriegen für solche Investitionen ohnehin keinen Kredit von der Bank.

Für alle, die am Monatsende jeden Euro umdrehen müssen und kein Geld für Dämmung, eine neue Heizung oder stromsparende Elektrogeräte haben, heißt Barleys Spar-Tipp übersetzt: Dann heizt weniger und macht das Licht aus!

Und auch bei “Bild TV” regen sie sich über Katarina Barley auf. Moderator Kai Weise sagt mit Blick auf die derzeit steigenden Energiepreise:

Es gibt immer mehr, die sagen: “Ist doch gut so. Ist doch genau das, was wir wollten.” Und auch die SPD-Politikerin, frühere Justizministerin Katarina Barley, heute in Europa unterwegs, hat diesen Satz bei den Kollegen von “Hart aber fair”, bei Frank Plasberg gesagt.

Es folgt eine Szene aus der “Hart-aber-fair”-Sendung. Weise im Anschluss:

Also das ist die Haltung von vielen Politikern aktuell. Die sagen: “Genau das wollten wir doch. Und jetzt, wenn’s euer Problem ist, dass ihr es euch nicht leisten könnt, dann verbraucht doch einfach weniger.”

“Bild”-Parlamentsbüro-Leiter Ralf Schuler, der ebenfalls im “Bild-TV”-Studio steht, ergänzt:

Absolut. Und wenn’s kein Brot gibt, kann man Kuchen essen. Also, die Sozialdemokratie an der Seite zu haben, da hat man aber echt ein Pfund. Ich mein’, da spricht wirklich eine Blinde von der Farbe.

Soweit die große “Bild”-Aufregung. Zwei Dinge haben die Empörten gemeinsam: Sie sind ganz doll aufgebracht. Und sie haben sich die “Hart-aber-fair”-Folge, wenn überhaupt, nicht besonders aufmerksam angeschaut (oder noch schlimmer: Sie haben sie sich aufmerksam angeschaut und behaupten bewusst Falsches).

Für die Einordnung von Barleys Aussage zur Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist der Kontext wichtig, den man in der “Bild”-Berichterstattung an keiner Stelle korrekt wiedergegeben findet: “Hart-aber-fair”-“Zuschaueranwältin” Brigitte Büscher liest gerade eine Reaktion eines Zuschauers vor (ab Minute 50:07):

Screenshot Hart aber fair

Das ist noch eine sehr spannende Geschichte von Joop van Zee. Er hat uns nämlich geschrieben: Er hat versucht, alles richtig zu machen. Er hat mehrere Beispiel genannt. Er hat gesagt, er hat ein Haus, da hat er eine neue Gasheizung eingebaut. Dann hat er mehrere hundert Euro sparen können und, bums, jetzt gehen die Preise hoch, und kommt für sich dann zu diesem Schluss. Er sagt: “Kostenexplosionen mit Einsparungen zu begegnen, ist so das dämlichste Argument, was ich kenne.”

Moderator Frank Plasberg übernimmt:

Haben Sie das eigentlich im Auge, Frau Barley oder Herr Ramsauer oder auch Frau Neubaur als aktive Politiker, dass man tatsächlich, wenn Menschen das begriffen haben und auch in die Energiewende wirklich investiert haben, jetzt gucken und sagen: “Schwupp, ist weg durch gestiegene Preise.” Was macht das mit der Bereitschaft für andere, denen dann auch zu folgen?

Erst antwortet CSU-Politiker Peter Ramsauer:

Es hätte deswegen auch “Schwupp” gemacht, ganz genauso hätte es “Schwupp” gemacht. (…) Deswegen, weil es “Schwupp” gemacht hat, kann es ja im Nachhinein nicht unbedingt falsch sein, dass zum Beispiel der Umstieg von alten Ölheizungen auf moderne Wärmepumpen-Anlagen massiv gefördert wird.

Anschließend rechnet der Finanzjournalist Hermann-Josef Tenhagen vor:

Ich hätte 1500 Euro bezahlen müssen, habe eine Energiesparmaßnahme gemacht, jetzt zahle ich nur 1000. Jetzt bezahle ich [durch die Preissteigerrungen] künftig vielleicht 1200. Wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre ich bei 1800 gewesen. Das ist eine Milchmädchenrechnung, wenn man sagt: “Das rechnet sich nicht.” Natürlich rechnet sich das.

Und dann klinkt sich Katarina Barley ein:

Ja, und man muss ja auch sagen: Die Kilowattstunde, die am billigsten ist, ist die, die man nicht verbraucht. Also wenn man zum Beispiel sich neue Fenster hat einbauen lassen. Oder gedämmt hat. Also …

Ramsauer grätscht rein:

Wird auch gefördert.

Wieder Barley:

… wird alles gefördert, genau. Also weniger verbraucht, dann kommt man voll in den Genuss, dann kann man sogar sagen: “Hey, jede Stunde, die jetzt teuerer ist, habe ich mehr gespart.” Klingt jetzt ein bisschen zynisch, ist nicht so gemeint. Aber Investitionen in Energieeinsparen, die sind immer richtig.

Katarina Barley reagiert also auf einen ganz konkreten Fall, in dem ein Mann sagt, dass seine bereits getätigten Energiesparmaßnahmen nichts brächten. Dem entgegenet Barley, dass es sehr wohl etwas gebracht habe, schließlich habe er dadurch Kilowattstunden eingespart, und die kosten nichts und sind dadurch am billigsten. Diese simple Erkenntnis ist eigentlich auch schon alles. Die SPD-Politikerin sagt nicht, dass all jene, denen das Heizen nun zu teuer ist, künftig einfach die Heizung runterdrehen oder groß investieren sollen (sie spricht ja offensichtlich von bereits erfolgten Energiesparmaßnahmen: “… neue Fenster hat einbauen lassen. Oder gedämmt hat.”). “Bild” gibt sie falsch wieder – sowohl im größeren Zusammenhang als auch im Kleinen bei einzelnen wörtlichen Zitaten.

Es gibt aber solche Tipps, die “Bild” Katarina Barley unterzuschieben versucht und die der Redaktion zufolge “weltfremd” und “DREIST” sind, “abgehoben” und “der blanke Hohn” für “Millionen Normalverdiener” – bei “Bild”. Am Dienstag, also am selben Tag wie der “Arroganz-Anfall”-Artikel, veröffentlichte Bild.de diesen Beitrag:

Screenshot Bild.de - Kälte-Knall schon im Oktober - So senken Sie ganz einfach Ihre Heizkosten

Darin steht:

Der Winter kommt – und die Energiekosten explodieren. Stefan Materne (44), Referent Versorgungstechnik von der Energieberatung des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes gibt Tipps, wie man beim Heizen Geld sparen kann.

“Zu den größten Fehlern zählen zu hohe Temperaturen in den Innenräumen. Bei 24 Grad im Raum anstatt 20 Grad kommt es zu einem Mehrverbrauch von fast 25 Prozent Heizenergie”, erklärt der Experte.

Also: weniger heizen. Und:

Ein Problem gerade in älteren Häusern: schlechte Dämmung. “Dicke Vorhänge und Zugluftstopper vor Fenstern und Türen können den Kaltlufteinfall zwar nicht verhindern, aber mindern”, sagt Versorgungstechniker Materne. “Am besten hilft jedoch eine intakte Dichtung bei Fenster und Türen. Sind die Bauteile zu alt, sollte über einen Austausch nachgedacht werden. Dafür gibt es bei der KfW-Förderbank umfangreiche Förderungen.”

Also: kräftig investieren.

“Bild”-Poltiktchef Jan Schäfer spricht in diesem ganzen Zusammenhang von einer “großen Heuchelei, die wir da sehen”. Er meint damit allerdings nicht die Berichterstattung seiner eigenen Redaktion.

Mit Dank an Jonas L. für den Hinweis!

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Feldbett ade, Döpfners autoritärer DDR-Staat, Wetten, dass nicht

1. Ende der Feldbett-Geschichten
(taz.de, Erica Zingher)
Der Axel-Springer-Konzern hat sich von “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt getrennt (offizielle Pressemitteilung). Der Entscheidung vorausgegangen war ein Beitrag in der “New York Times” über die zweifelhafte Unternehmenskultur im Hause Springer und der “Bild”-Redaktion. Auch das Investigativteam der Ippen-Verlagsgruppe, zu der unter anderem die “Frankfurter Rundschau” und der “Münchner Merkur” gehören, hatte zu den Vorwürfen gegenüber Reichelt recherchiert. Die Veröffentlichung war jedoch von Verleger Dirk Ippen gestoppt worden (einige der Ergebnisse flossen in einen neuen Beitrag beim “Spiegel” (nur mit Abo lesbar) mit ein). Erica Zingher fasst den Vorgang zusammen, der viele bemerkenswerte Nebenaspekte hat.

2. BDZV-Präsident hält Deutschland für neuen autoritären DDR-Staat
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der Rauswurf Reichelts bei “Bild” dürfe nicht ablenken von dem, was für die “New York Times” der eigentliche Grund für ihre Berichterstattung gewesen sei: Das zwielichtige Bild, das der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner an der Spitze von Axel Springer abgebe. Von diesem war eine Nachricht bekanntgeworden, in der er Reichelt wie folgt verteidigt hatte: “Er ist halt wirklich der letzte und einzige Journalist in Deutschland der noch mutig gegen den neuen DDR Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda Assistenten geworden.” Lückeraths Kommentar: “Der Kapitän lässt den für ihn wichtigsten Mann über die Planke laufen und alle grölen vor Freude über das Spektakel. Dabei sollte man nicht vergessen, wer auf dem Schiff das Sagen hat.”

3. Offener Brief an die Intendanten, Geschäftsführer und Chefredaktionen von ARD, ZDF, PRO7/SAT1, RTL und N-TV
(klimajournalismus.de)
Das “Netzwerk Klimajournalismus” wendet sich mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen von ARD, ZDF, ProSieben/Sat.1, RTL und n-tv, in dem es die Trielle kritisiert: “Wir haben die von einem Millionenpublikum verfolgten und vermutlich die Wahlen mitentscheidenden Trielle analytisch ausgewertet und kommen zu dem Schluss, dass kein Moderator und keine Moderatorin den Ernst der Lage adäquat dargestellt hat.”

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4. Statement zur Frankfurter Buchmesse 2021
(twitter.com, Jasmina Kuhnke)
Die Autorin und Schriftstellerin Jasmina Kuhnke sieht sich als Schwarze Frau seit Längerem Bedrohungen durch Rechtsextreme ausgesetzt. Bei der Frankfurter Buchmesse 2021 sollte sie, wie sie auf Twitter schreibt, als Überraschungsgästin bei der ARD-Buchnacht und der Diskussionsrunde “Die Streiterinnen” auftreten. Nun habe sie erfahren, dass in unmittelbarer Nähe ein Verlag ausstelle, dessen Leiter bereits verkündet habe, sie “gehöre abgeschoben”. Kuhnke sieht angesichts dieses Umfelds und des möglichen Bedrohungspotenzials keinen anderen Weg, als der Buchmesse fernzubleiben: “Ich möchte den Verantwortlichen damit aufzeigen, dass die hier getroffene Entscheidung, Nazis den Raum zu bieten sich darzustellen, vor allem Konsequenzen für Betroffene wie mich hat.”

5. Mörder endlich zur Rechenschaft ziehen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Kurz vor dem vierten Jahrestag der Ermordung der Journalistin Daphne Caruana Galizia sind Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen nach Malta gereist: “Wir fordern umfassende Reformen im Bereich der Pressefreiheit, die Anerkennung des Journalismus als vierte Säule der Demokratie und die Schaffung eines sicheren Umfelds für alle in Malta arbeitenden Journalistinnen und Journalisten – durch Gesetze und in der beruflichen Praxis.”

6. Zweitverwertung
(sueddeutsche.de, David Denk)
Am 6. November strahlt das ZDF eine neue Folge der eigentlich lange verabschiedeten Sendung “Wetten, dass..?” mit Thomas Gottschalk aus. In seiner Kolumne kritisiert David Denk: “Wer keine Abos verkaufen muss, sondern sich aus zuverlässig sprudelnden Gebührengeldern bedienen kann, sieht offenbar nicht die Notwendigkeit einer Erneuerung, die diesen Namen auch verdient. So wenig Ehrgeiz kann sich noch nicht mal ein Kommissar im Ruhestand am Bodensee erlauben.”

KW 49: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Hinter den Kulissen von “Slahi”
(viertausendhertz.de, Maren Fußwinkel , Audio: 37:15 Minuten)
Im investigativen Dokumentarfilm “Slahi und seine Folterer” (ARD) geht es um Mohamedou Slahi, der 14 Jahre lang im Gefangenenlager Guantanamo saß und dort schwer gefoltert, aber schließlich von einem US-Gericht freigesprochen wurde. Der Film handelt von Slahis Suche nach den Personen, die an seiner Folter beteiligt waren, und bringt ihn mit seinen einstigen Peinigern zusammen. Zu dieser Geschichte gibt es auch einen zwölfteiligen Podcast von Bastian Berbner. Im oben verlinkten Interview spricht Maren Fußwinkel mit ihm über die Entstehung von “Slahi”, über Überraschungsmomente in Interviews und über die redaktionelle Arbeit beim US-Podcast “This American Life”.

2. Ballaballa-Balkan spricht….mit Sebastian Leber (Tagesspiegel)
(ballaballa-balkan.de, Danijel Majić, Audio: 31:55 Minuten)
Ende November wurde der “Tagesspiegel”-Reporter Sebastian Leber bei Recherchen zu illegalen Push-Backs an der bosnisch-kroatischen Grenze von der kroatischen Polizei festgenommen. “Ballaballa-Balkan”-Podcaster Danijel Majić hat sich mit Leber über die Festnahme, die gegen ihn erhobenen, absurden Vorwürfe, seine Recherchen und über die Hintergründe der Push-Backs unterhalten.

3. Der Berliner Verlag mit der Berliner Zeitung: Holger Friedrich zwei Jahre nach dem Besitzerwechsel
(radioeins.de, Daniel Bouhs & Jörg Wagner, Audio: 1:28:36 Stunden)
Vor zwei Jahren übernahm das Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich den Berliner Verlag mitsamt der “Berliner Zeitung”. Diese Übernahme sorgte damals für viel Aufsehen in der Medienbranche, weil das Ehepaar Friedrich branchenfremd war und damit aus dem üblichen Schema herausfiel. Wie ist es seitdem weitergegangen, und wie sehen die nächsten Schritte aus? Darüber haben sich Daniel Bouhs und Jörg Wagner mit Holger Friedrich unterhalten. Ein, trotz einiger Tonprobleme, hörenswertes Gespräch.

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4. Shanghai (China)
(ardaudiothek.de, Holger Klein, Audio: 42:07 Minuten)
Einmal im Monat bittet radioeins-Moderator Holger Klein Auslandskorrespondenten oder -korrespondentinnen aus aller Welt zum Gespräch. In der aktuellen Folge ist Steffen Wurzel zu Gast, der seit fast sechs Jahren aus Shanghai über China berichtete. Hörenswert, weil es einen Einblick in den Alltag eines Journalisten im totalüberwachten China bietet.

5. Fritz Pleitgen – sein Leben
(ardaudiothek.de, Jochen Rausch, Audio: 7 Episoden)
Fritz Pleitgen war in den 1970er- und 1980er-Jahren Fernsehjournalist. Er berichtete als ARD-Korrespondent aus Moskau, Ost-Berlin, Washington und New York. Beim WDR wurde er später Chefredakteur, Hörfunkdirektor und Intendant. In einer siebenteiligen Podcastreihe erinnert sich Pleitgen an die wichtigsten Stationen seines beruflichen Lebens, ein halbes Jahrhundert Rundfunkgeschichte.

6. Wie die Literatur bei Fake News helfen kann
(deutschlandfunknova.de, Sibylle Salewski, Audio: 47:52 Minuten)
Bei Deutschlandfunk Nova geht es um die “Kunst des Erzählens”. Der Literaturwissenschaftler Thomas Strässle von der Hochschule der Künste Bern erklärt, welche Stilmittel in falschen Geschichten und “Fake News” zum Tragen kommen, und wie wir sie erkennen können. Sein Vortrag hat den Titel “Faketionales Erzählen. Über die Erfindung von Wahrheit”. Strässle ist der Überzeugung, “dass die Literaturwissenschaft eine politische Funktion bekommen kann, weil sich an der Literatur ein unendliches Reservoir an Strategien, Techniken, Verfahren aufzeigen lässt, wie man so erzählen kann, dass es einem jemand glaubt.”