Pressefeinde, Klassismus, Im Namen der KI ergeht folgendes Urteil

1. Eine pressefeindliche Partei
(verdi.de)
Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verzeichne die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) einen massiven Anstieg von Übergriffen auf Medienschaffende im Umfeld von AfD-Veranstaltungen. Seit Mai 2026 seien über 30 Vorfälle mit mindestens 47 Betroffenen registriert worden. Die Gewerkschaft kritisiert eine passive, teils überforderte Polizei und wirft ihr verfassungswidrige Versäumnisse bei der Schutzpflicht sowie eine Täter-Opfer-Umkehr vor. Außerdem fordert die dju eine lückenlose dienstrechtliche Aufarbeitung sowie eine konsequente Strafverfolgung.

2. AfD ist Partei mit größter Sichtbarkeit auf TikTok
(netzpolitik.org, Rika Baack)
Eine Untersuchung der Universität Potsdam zeige, dass der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit rund 28 Millionen TikTok-Aufrufen der mit Abstand sichtbarste politische Akteur auf der Plattform ist. Auf sein Konto würden fast zwei Drittel aller Aufrufe politischer Accounts in dem Bundesland entfallen. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) erziele trotz deutlich höherer Beitragsfrequenz pro Video nur einen Bruchteil dieser Resonanz. Die Forscherinnen und Forscher würden jedoch betonen, dass Klicks lediglich reine Sichtbarkeit und keine Wählerzustimmung abbilden. Zudem würden die Empfehlungsalgorithmen reaktionsstarke, polarisierende Inhalte belohnen.

3. Freispruch für Geschäftsmann
(taz.de, Christian Jakob)
Eine Geschworenenjury auf Malta habe den Unternehmer Yorgen Fenech im Mordfall Daphne Caruana Galizia von den Vorwürfen der Beihilfe zum Mord und der kriminellen Verschwörung freigesprochen. Fenech galt laut Anklage als mutmaßlicher Auftraggeber des tödlichen Autobombenattentats von 2017, nachdem die Journalistin zu Bestechungs- und Offshore-Netzwerken rund um Fenechs Gaskraftwerk-Projekt recherchiert hatte. Die Familie der Getöteten sowie Pressefreiheitsorganisationen hätten auf die Entscheidung der Jury mit Bestürzung reagiert.

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4. Klassismus im Journalismus: Der blinde Fleck
(de.ejo-online.eu)
Eine empirische Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zeige, dass der Einstieg in den Journalismus weiterhin stark sozial selektiv sei. Über die Hälfte der Volontärinnen und Volontäre sowie rund zwei Drittel der Journalistenschülerinnen und -schüler würden aus akademischen Elternhäusern stammen. Nachwuchskräfte aus Nicht-Akademikerfamilien würden demnach häufig an fehlenden Netzwerken, unzureichend vergüteten Praktika sowie an unbewusst bildungsbürgerlich geprägten Auswahlverfahren scheitern. Studienautorin Tanja Köhler warnt im Interview mit dem “European Journalism Observatory” davor, dass eine homogene soziale Zusammensetzung der Redaktionen zu blinden Flecken in der Themenauswahl führe und das Vertrauen in Medien schwäche.

5. Netflix’ KI-Training: VDS forciert Prüfung durch Bundeskartellamt und Datenschutzaufsicht
(sprecherverband.de)
Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) habe eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingelegt und unterstütze zudem Eingaben betroffener Synchronsprecherinnen und -sprecher bei der Berliner Datenschutzbeauftragten. Hintergrund seien neue Lizenzverträge von Netflix, die zur Abtretung von Stimmrechten für KI-Trainingszwecke verpflichten würden, um überhaupt noch für Eigenproduktionen des Streamingdienstes engagiert zu werden. Der VDS wirft dem Konzern den Missbrauch seiner Marktmacht vor.

6. RTL testet das KI-“Strafgericht” kommende Woche
(dwdl.de, Timo Niemeier)
RTL starte kommende Woche eine Art TV-Experiment: Im Nachmittagsprogramm zeige der Sender fünf Folgen von “Ulrich Wetzel – Das Strafgericht”, bei denen alte Archivfolgen durch generative KI komplett umgearbeitet worden seien. Mit Hilfe von Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync habe man aus bestehendem Material neue Rollen, andere Verwandtschaftsverhältnisse, getauschte Geschlechter und gänzlich veränderte Urteile erzeugt. Laut RTL seien alle Persönlichkeits- und Urheberrechte vorab geklärt worden, die redaktionelle Kontrolle liege weiterhin beim Menschen.