Mal wieder ein X-Exodus, Digitalabgabe, Nachrichtenmüde

1. SPD, Grüne und Linke verlassen X
(tagesschau.de)
SPD, Grüne und Linke hätten angekündigt, ihre Aktivitäten auf X (vormals Twitter) in einer gemeinsamen Aktion zu beenden, weil die Plattform aus ihrer Sicht zunehmend von Chaos und Desinformation geprägt sei. Betroffen seien sowohl Partei- und Fraktionsaccounts als auch viele Profile führender Politikerinnen und Politiker. Die Konten sollen zunächst stillgelegt, aber nicht gelöscht werden. Auf Bluesky kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Liebe SPD, Grüne und Linke: Ihr habt Euch Zeit gelassen, X zu verlassen. Zu viel Zeit, sagen manche und sie haben nicht ganz unrecht. Aber ihr habt Euch entschieden, immerhin. Ein kleiner Trost, falls es schmerzt: Ihr habt nichts verloren. Ihr habt nur aufgehört, so zu tun, als wär’s noch was wert.”

2. Kulturstaatsminister Weimer will Digitalabgabe auf den Weg bringen
(zeit.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wolle noch vor der Sommerpause eine Digitalabgabe für große Internetplattformen wie Google, Meta oder TikTok voranbringen. Die Einnahmen sollen, anders als in Österreich, gezielt der Medienförderung dienen und vor allem den wirtschaftlich unter Druck geratenen klassischen Journalismus stärken. Weimer begründe diesen Schritt damit, dass Werbegelder und Aufmerksamkeit zunehmend zu den großen Plattformen abwandern würden. Dadurch seien besonders Lokal- und Regionalmedien gefährdet.

3. Soziale Medien ersetzen Lokalzeitungen – die zunehmend sterben
(handelsblatt.com)
In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien in den USA fast 40 Prozent aller lokalen Zeitungen verschwunden. In vielen Gemeinden bleibe nur noch eine einzige klassische Nachrichtenquelle übrig, rund 50 Millionen Menschen hätten nur noch eingeschränkten oder gar keinen Zugang zu verlässlichen lokalen Nachrichten. Diese Entwicklung führe zu sogenannten “news deserts”, also Nachrichtenwüsten, die vor allem die demokratische Kontrolle vor Ort schwächen würden.

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4. Wie Medien nach Lösungen gegen die Nachrichtenmüdigkeit suchen
(horizont.net)
Immer mehr Menschen würden Nachrichten zumindest zeitweise bewusst meiden. Gründe seien vor allem die psychische Belastung durch negative Themen, die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten und bei Jüngeren oft auch das Gefühl, dass viele Meldungen für das eigene Leben wenig relevant seien. Expertinnen und Experten würden warnen, dass diese Nachrichtenmüdigkeit problematisch für Öffentlichkeit und Demokratie werden könne. Als Gegenstrategie käme unter anderem ein stärkerer Lokaljournalismus in Frage.

5. Meta-Prozess in den USA: Was sich für soziale Medien ändern könnte
(euronews.com, Theo Farrant)
Ein Prozess im US-Bundesstaat New Mexico gegen den Social-Media-Konzern Meta könnte weitreichende Folgen für Soziale Netzwerke haben. Eine Jury habe Meta bereits schuldig gesprochen und hohe Strafzahlungen verhängt, weil das Unternehmen Kinder mit seinen Plattformen und Geschäftspraktiken unzureichend schütze. In der nun laufenden zweiten Phase gehe es um die Frage, ob Meta zu grundlegenden Änderungen gezwungen werden kann.

6. News-Charts: Traue keiner Statistik, die nicht viral ging
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pychas April-Auswertung der TikTok-News-Charts zeigt, welche Publisher mit einzelnen Themen besonders viel Reichweite erzielt haben. Auffällig sei, dass “Nius” trotz früherer Sperren mit einem neuen Account auf TikTok zurück sei, bislang aber noch ohne ganz großen Durchbruch. Gleichzeitig werde am Beispiel von “BR24” deutlich, dass die Videoplattform Medien für eigene Effekte und Filter inzwischen mit sichtbaren Statussymbolen und Bonusfunktionen belohne. Inhaltlich erfolgreich seien im April vor allem Videos zu Gewalt, Unfällen, Blaulichtlagen, Krisen und stark emotionalisierenden Nachrichtenmomenten gewesen.