Influencer in Uniform, Altbrunnen WDR, Facebook-Ausstieg

1. Influencer in Uniform: Wenn die Exekutive viral geht
(netzpolitik.org, M. Reuter & A. Fanta & M. Bröckling & L. Hammer)
Kaum zu glauben, aber in Deutschland sind mittlerweile mehr als 100 Polizeien rund um die Uhr auf Twitter aktiv. netzpolitik.org hat sich genauer angeschaut, wie sich die Polizei in dem sozialen Netzwerk eine neue Form der Öffentlichkeit schafft. Mit dem Datenjournalisten und Medienwissenschaftler Luca Hammer zusammen wurden 97 verifizierte Twitter-Accounts von deutschen Länderpolizeien und der Bundespolizei ausgewertet. Das Fazit der umfangreichen Datenanalyse: Die Polizei werde zum Influencer mit all den damit verbundenen Gefahren: „Tweets landen häufig ungeprüft in den Artikeln der Journalisten. Das ist eine problematische Gratwanderung, denn die Polizei wird auf Twitter damit selbst zum politischen Player. Und Twitter zu ihrem Machtverstärker.“
Weiterer Lesetipp: Der elektrische Türknauf und die Molotowcocktails: Falschmeldungen der Polizei auf Twitter (netzpolitik.org, Markus Reuter)
. Und: Kriminologe: „Sichtbarkeit der Polizei in sozialen Medien bedeutet, dass das Gewaltmonopol greift“ (netzpolitik.org, Alexander Fanta).

2. Warum ARD und ZDF sich weiter Sorgen machen müssen
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm kann dem Schweizer Votum für die Rundfunkgebühr Gutes abgewinnen, sieht aber im Hinblick auf das öffentlich-rechtliche System Deutschlands auch Gefahren: „Die Schweizer Rundfunkkollegen haben echte, umfassende Reformen angekündigt. ARD und ZDF bleiben bisher bei kosmetischen Anpassungen und mehr technischer Kooperation – und wollen ab 2021 mehr Gebühren. Das ist nicht der richtige Weg, um die angeknackste Glaubwürdigkeit auch bei ihren Gegnern wiederherzustellen. Man wolle auf keinen Fall an die Programme heran, heißt es unisono bei allen Sendern. Eine Frage: Warum nicht?“
Weiterer Lesetipp: Schweizer Fingerzeig für ARD und ZDF (taz.de, Jürn Kruse).

3. Wie läuft es mit der Verjüngung des WDR, Herr Schönenborn?
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Vor zweieinhalb Jahren hatte der WDR unter dem Motto „#WDRmachtan“ Innovationswochen ausgerufen, um sich zu verjüngen. Beim Durchschnittsalter des Publikums hat sich allerdings nichts geändert: 2014 war der durchschnittliche WDR-Zuschauer 63 Jahre alt. 2017 ebenso. Thomas Lückerath hat sich mit WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn über lange Wege bei der Verjüngungskur, erste Etappen und Hochwasser am Niederrhein unterhalten.

4. Gemeinsam stark gegen die Geräteindustrie?
(vginfo.org)
Ist eine gemeinsame Verwertungsgesellschaft von Autoren und Verlegern durchsetzungsstärker gegenüber Internetplattformen und der Geräteindustrie? Ist eine einzelne Verwertungsgesellschaft effizienter und wirtschaftlicher als zwei getrennte? Die „VG-Info“-Autoren erklären, was dran ist an den Argumenten der Befürworter eines solchen Verbunds.

5. Dorothee Bär wird Staatsministerin für Digitales
(horizont.net, David Hein)
Dorothee Bär (CSU), ehemals Staatssekretärin im Verkehrsministerium, wird Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt. Digitalverbände begrüßen die Schaffung des Ministerpostens, FDP-Chef Lindner spricht von einem Trostpflaster.

6. „Folha de Sao Paulo“ steigt aus
(deutschlandfunk.de, Grit Eggerichs, Audio, 4:45 Minuten)
Die größte Zeitung Brasiliens „Folha de Sao Paulo“ hat auf Facebook fast sechs Millionen Follower und will sich trotzdem aus dem Netzwerk verabschieden. Der Grund: Facebooks neuer Newsfeed, der Beiträge von Freunden und Verwandten zum Nachteil von Medieninhalten bevorzugt. Von den knapp sechs Millionen Followern hätten zum Schluss nur 180.000 die redaktionellen Inhalte in ihrer Timeline zu sehen bekommen.