Umstrittene Buh-Rufe, Fake Pornos, Plumper Verschwörungs-Schmöker

1. Buhrufe gegen Trump
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
„Bild“-Oberchef Julian Reichelt echauffierte sich auf Twitter: “Die @tagesschau hilft ein bisschen nach, damit Buh-Rufe gegen Trump lauter und deutlicher zu hören sind. Klare Grenzüberschreitung bei einer Nachrichtensendung, lieber @KaiGniffke. Und schwer vorstellbar, dass Sie dasselbe bei Applaus getan hätten.“ Der angesprochene Kai Gniffke (Erster Chefredakteur von „ARD-aktuell“ und „EinsExtra“) hat im Blog der „Tagesschau“ auf den Vorwurf von Wahrheitskämpfer Reichelt geantwortet.

2. Machtkampf um die Urheberschaft
(taz.de, Jens Mayer)
Die Macher des „Deutschen Fernsehpreis“ hatten zur Preisverleihung gebeten. Dabei wurde an viele gedacht: Regisseure, Produzenten, Redakteure, Schauspieler… Eine Berufsgruppe wurde jedoch übergangen: Die der Autoren. Angeblich aus „Platzmangel“. Die Einladungspolitik rief Proteste hervor. Die Teilnahme an einer Festveranstaltung ist das eine, die verweigerte Anerkennung und Missachtung der Kreativen das andere. Drehbuchautorin Annette Hess: „Ich habe gerade von einem erfolgreichen Kollegen gehört, dass ein Produzent allerorts fälschlich behauptet, die Idee zu einer Serie sei von ihm. Und gleichzeitig hat er dem Autoren geraten, keine Interviews zu geben. Mit sehr fadenscheinigen Begründungen. Es ist ein Machtkampf um die Urheberschaft, da darf man sich nichts vormachen.“

3. Auf Fake News folgt Fake Porn
(zeit.de, Eike Kühl)
Die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sind rasant, was einige Porno-Enthusiasten für sich nutzen. Mittels Software lassen sich beispielsweise Gesichter von Pornodarstellern durch die von Prominenten ersetzen. Das Ergebnis nennt sich dann „Deepfake“ und findet als Videoclip Verbreitung in entsprechenden Foren. „Zeit“-Autor Eike Kühl: „Pornografie mag einmal mehr der Katalysator für eine neue Technik sein und FakeApp die Spielerei eines Enthusiasten. Doch die Implikationen von maschinellem Lernen, neuronalen Netzwerken und künstlicher Intelligenz sind weit größer, wenn es um gefälschte Inhalte geht. Nach der Schrift und dem Foto muss im Zeitalter von Fake News und „alternativen Fakten“ immer häufiger auch die Authentizität von Ton- und Videoaufzeichnungen hinterfragt werden.“ Philipp Walulis hat sich in einem sehenswerten Video (6:49 Minuten) ebenfalls mit dem Thema beschäftigt.

4. Verschwörungstheorien bedrohen die Demokratie
(sueddeutsche.de, Alex Rühle)

Seit zwei Wochen steht ein angebliches Enthüllungsbuch des Kopp-Verlags im Sachbuchbereich auf dem dritten Platz der Spiegel-Bestsellerliste. Das „plumpe Buch voller scheinlogischer Argumente“ sei ein Symptom für eine tief liegende gesellschaftliche Krise, so Alex Rühle in der „Zeit“. Und in der Tat: Was man dort an pyramidalem Freimaurer-Verschwörungsunfug zu lesen bekommt, lässt einem die Haare zu Berge stehen.

5. Der „pseudo-kritische“ Böhmermann
(detektor.fm, Philipp Weimar, Audio, 8:29 Minuten)
Worin unterscheiden sich Satiresendungen wie „Die Anstalt“, das „Neo Magazin Royal“ und die „heute show“? Welches Format hat den größeren politischen Einfluss? Zwei Sozialwissenschaftler haben dafür 154 Sendungen mit mehr als 1.600 Beiträgen untersucht und ausgewertet. „Vor allem die „heute-Show“ hat uns überrascht. Denn sie hat hinsichtlich des Politik-Gehalts tatsächlich noch mehr Gewicht als „Die Anstalt“. Warum das „Neo Magazin Royal“ eher pseudo-kritische Satire bringt und dennoch nicht die schlechtere Sendung ist, erklärt der Mitautor der Studie, Dennis Lichtenstein, im Gespräch mit „detektor.fm“.

6. „Öffnen Sie Ihre Herzen und Ihre Geldbörsen!“
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der Dresdner Semperopernball war für den „MDR“ ein voller Erfolg: Die Live-Übertragung soll einen Marktanteil von stolzen 21,6 Prozent gehabt haben. Rund drei Millionen Zuschauer sollen mit Live-Übertragung und Wiederholung erreicht worden sein. Boris Rosenkranz hat eine dreiminütige Zusammenfassung des Ball-Spektakels geschnitten, aus der man einen Wettbewerb unter Freunden machen kann: Wer schafft es länger zuzusehen, ohne sich mit Grausen abzuwenden oder sich die Ohren mit Watte zuzustopfen. (Der „6vor9“-Kurator hat im ersten Anlauf gerade mal zwei Minuten geschafft.)