Rechte Likes, gefährliche Links, gesperrte Satire

1. Rechtes Netz
(web.br.de, Niels Ringler, Kira Schacht, Oliver Schnuck & Robert Schöffel)
„Junge Freiheit“, „RT Deutsch“, „Focus Online Politik“ — das sind die drei beliebtesten Medien-Facebookseiten der Anhänger von „Pegida Nürnberg“. Ein Team des „BR“ hat die Daten von 5880 Facebook-Nutzern ausgewertet, die in dem Sozialen Netzwerk die Seite des bayerischen „Pegida“-Ablegers geliked haben: Wie sind Vertreter des Rechtspopulismus vernetzt? Welchen Nachrichtenseiten folgen die „Pegida Nürnberg“-Fans? Welche Politiker sind bei ihnen am beliebtesten? Das Ergebnis in Hinblick auf Medien: „An die Schlagkraft der Politiker selbst kommen sie in der von uns untersuchten Gruppe (…) nicht heran. Hier wird deutlich, dass die politische Kommunikation nicht mehr auf klassische Nachrichtenmedien als Vermittler angewiesen ist — die direkte Ansprache ist der neue Weg.“

2. LG Hamburg verschärft Linkhaftung
(spiritlegal.com, Jonas Kahl)
Wir können nur hoffen, dass auf keiner der hier verlinkten Seiten ein geklautes und illegal veröffentlichtes Foto zu finden ist. Denn das könnte juristische Folgen haben — für uns! Rechtsanwalt Jonas Kahl berichtet über eine Entscheidung des Landgerichts Hamburg, „dass auch die bloße Verlinkung auf eine nicht lizenzierte Fotografie eine eigene Urheberrechtsverletzung sein kann.“ Bisher habe immer den Grundsatz gegeben: „Ein Link kann keine Urheberrechte verletzen.“ Obwohl der Beschluss des Landgerichts für Kahls Kanzlei „Spirit Legal“ ein Erfolg bedeutete, sieht er ihn sehr kritisch: „Diese Entwicklung der Rechtsprechung zur Linkhaftung erschüttert das Internet in seinen Grundfesten. (…) Diese ‚Schere im Kopf‘ wird mittelfristig massive negative Auswirkungen auf die Informations- und Kommunikationsfreiheit im Internet haben.“

3. „Er ist kein Journalist“
(taz.de, Anne Fromm)
Die Reaktionen auf Jakob Augsteins Entscheidung, den Publizisten Jürgen Todenhöfer zum Herausgeber der Wochenzeitung „der Freitag“ zu machen, bewegten sich zu weiten Teilen zwischen Erstaunen und Entsetzen. Im Interview mit Anne Fromm erklärt Augstein seine Wahl und verrät, was er sich von Todenhöfer erhofft (Spoiler: Es geht auch um die „Freitag“-Auflage).

4. Abgehängt
(medienwoche.ch, Jens Mattern)
Viel hört man aktuell nicht über Weißrussland. Jens Mattern interpretiert die „relative Ruhe“ als gutes Zeichen, bedeute sie doch eine „gewisse Entspannung“, auch für den unabhängigen Journalismus in der „letzten Diktatur Europas“. Die verbesserte Lage bestätigt ihm Aleksej Dzikawicki: Es gebe derzeit keine Prügel und kein Gefängnis mehr für Journalisten, sagt der Nachrichtenchef eines von Warschau aus betriebenen weißrussischen TV-Senders. Bedroht seien die nicht-staatlichen Medien dennoch, finanziell. Mattern hat sich ihre Lage angeschaut — damit man mal wieder was über Weißrussland hört.

5. Wir müssen endlich über sexuelle Gewalt in Videospielen reden
(broadly.vice.com, Lisa Ludwig)
Über die tatsächlichen und vermeintlichen Auswirkungen von Ego-Shootern auf Gamer und Gesellschaft wird regelmäßig diskutiert. Lisa Ludwig sieht ein ganz anderes Problem mancher Spiele: sexuelle Gewalt. „Deswegen müssen wir nach all den ‚Ego-Shooter‘-Diskussionen auch endlich über eine Form der Gewalt reden, die bisher gerne als emotionalisierende Backstory genutzt wird — deren traumatisierendes Potential aber nicht unterschätzt werden darf. Egal für wen.“ Ludwig hat einen Anfang gemacht und mit Psychologen und Spieleentwicklern gesprochen.

6. „Facebook ist komplett ironieunfähig“
(faz.net, Andrea Diener)
Wie viele andere (und wir auch) hat sich Tim Wolff am Mittwoch über die „Bild“-Schlagzeile zum „Frauenbild von Flüchtlingen“ gewundert. Der „Titanic“-Chefredakteur hat daraufhin eine Collage aus „Bild“-Titelseite, „Nacktmodels, Paparazzi-Fotos und dergleichen“ gebastelt und bei Facebook hochgeladen. Die Folge: Er wurde nach eigener Aussage von Facebook gesperrt. Im Gespräch mit Andrea Diener sagt Wolff: „Facebook ist komplett ironieunfähig, während sehr hetzerische Inhalte ganz gut funktionieren. Da muss man auch nicht länger drüber nachdenken. Offenbar darf man nicht mehrdeutig sein, Eindeutigkeit wird verlangt. Selbst wenn die Eindeutigkeit dann sexistisch oder rassistisch ist, bleibt sie stehen.“ Die „Titanic“ hat zu Wolffs Facebook-Sperre auch eine Pressemitteilung rausgegeben.