Echo-Kammern, Konjunktive, 1 Life

1. Wie sich eine Lüge trotz Dementi rasant verbreitet
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Am Tag nach der amerikanischen Präsidentenwahl machte eine ungeheuerliche Meldung die Runde: Angeblich würden in Austin bezahlte Trump-Gegner für Proteste mit Bussen in die Innenstadt gekarrt. Urs P. Gasche beschreibt Entstehung und Verbreitung der Lügengeschichte: Vom Erst-Tweeter mit lediglich 40 Followern bis hin zum Tweet von Donald Trump höchstpersönlich. Das Erschreckende: Weder Dementi noch spätere Richtigstellung konnten die Verbreitung stoppen.

2. Ein Chefredakteur für Facebook? Auf keinen Fall!
(welt.de, Christian Meier)
Facebook hat dauerhafte Probleme mit dem Umgang mit Hasskommentaren und Falschnachrichten. Diese Woche forderte die Medienkolumnistin der „Washington Post“, Margaret Sullivan, das Netzwerk auf, einen mit Macht, Finanzmitteln und Personal ausgestatteten Chefredakteur anzuheuern.
„Welt“-Medienredakteur Christian Meier hält dies für den falschen Weg: „Was Facebook und alle seriösen Medien brauchen, ist kein Ober-Chefredakteur für die Plattform. Sondern eine intensive Arbeit an einem Netzwerk, das Presse- und Meinungsfreiheit als höchstes Gut behandelt, die redaktionelle Hoheit seiner Medienpartner achtet und dabei Desinformation und Ressentiments effektiv aussortiert.“

3. Justizberichterstattung: „Eine große Kiste Konjunktive“
(fachjournalist.de, Katharina Pencz)
Der langjährige Gerichtsreporter der „Berliner Morgenpost“ Michael Mielke spricht im Interview über ethische Grundsätze, den Journalisten als Übersetzer und jede Menge Konjunktive: „Man muss wirklich bei allen Sachen, bei denen es Zweifel gibt, wo etwas nicht sicher ist, den Konjunktiv benutzen. Wenn der Angeklagte aber ein umfassendes Geständnis ablegt, dann schreibe ich nicht mehr “er soll das getan haben”, auch wenn es noch nicht vom Gericht festgelegt wurde. Wenn er es vor Gericht selbst sagt, dann schreibe ich auch, dass er die Tat begangen hat.“

4. Der Kampf gegen Fakenews – und die Ideen, die es bisher gibt
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Konzerne wie Facebook ziehen sich gerne auf den Standpunkt zurück, sie seien reine Infrastrukturanbieter und wollen die Verantwortung für Inhalte gerne auf die Nutzer abwälzen. Bei Hasskommentaren sollen die Nutzer zum Beispiel von der Gegenrede Gebrauch machen. Für Facebook ist diese Empfehlung mehr als praktisch: Sie spart Arbeit und sorgt für weiteren gewinnbringenden Traffic. Was Fake-News anbelangt, gibt es jedoch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Dennis Horn liefert einen übersichtlichen Abriss der bisherigen Ideen.

5. Fuchs: Die AfD umgeht kritische Nachfragen
(ndr.de, Liane Koßmann, Audio, 5:32 Minuten)
„Lügenpresse“, „Systempresse“, „Pinocchiopresse“: Die AfD geht auf Distanz zu den etablierten Medien und setzt stattdessen auf eigene Verbreitungskanäle. Mit Erfolg: Auf Facebook hat sie mehr Fans als CDU und SPD zusammen. Der Politikberater Martin Fuchs analysiert auf „NDR Info“ die Abkapselungsstrategie: „Auf Facebook und in sozialen Netzwerken gibt es das Phänomen der sogenannten Echo-Kammern. Das bedeutet, wenn man Menschen jeden Tag mit denselben Nachrichten bespielt, teilweise auch Fake-Nachrichten, dann glauben die das irgendwann.“

6. Wir haben den Satz „Was ist das für 1 Life?“ mit Sprach-Experten untersucht
(vice.com, Lea Albring)
Lea Albring stellt ihrem sprachanalytischen und sprachkritischen Beitrag über die derzeit alles beherrschende Frage „Was ist das für 1 life?“ eine Warnung voran: „Wenn euch wegen der 1fältigen Schreibweise schon jetzt das Kotzen kommt: Aussteigen. Dieser Text wird den Scheiß—all1ne schon aus metareflexiven Gründen—richtig hart durchexerzieren!!!!eins11“