Snowdenappell, Einschüchterung, Medienverflechtungen

1. Snowden zu Journalisten: „Der Kampf um Privatsphäre wird auf euren Titelseiten gewonnen“
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Die „SZ“ hat im Rahmen des „Editor’s Lab“ mit NSA-Whistleblower Edward Snowden gesprochen und das Gespräch via Live-Schalte übertragen. In dem 70-minütigen Gespräch ging es um Verantwortung und Möglichkeiten des Journalismus. Snowden: „Journalisten trifft es zuerst. Sie werden immer mehr zu einer bedrohten Klasse, wenn wir an das Recht auf Privatsphäre denken. Ich kann Tipps geben, wie ihr eure Kommunikation schützen könnt, aber das ist ein Kampf, den ihr so nicht gewinnen könnt. Ihr müsst ihn auf den Titelseiten führen und ihr müsst ihn gewinnen, wenn ihr in der Zukunft in der Lage sein wollt, so zu berichten, wie ihr es bislang konntet.“
Dazu passend der Beitrag der „SZ“: Snowden rechnet mit Bundesregierung ab

2. Interview: Journalisten unter Druck
(ndr.de, Timo Robben)
Ein prominenter Medienanwalt geht wiederholt gegen eine Verbraucherschutzorganisation vor, die im Zuge des Dieselskandals nicht nur Messergebnisse, sondern auch das Anwaltsschreiben veröffentlicht hatte, in dem er für den Fall der Veröffentlichung rechtliche Konsequenzen ankündigte. „Zapp“ hat mit dem Geschäftsführer des Deutschen Journalisten Verbandes in Hamburg, Stefan Endter, gesprochen, der selbst Rechtsanwalt ist: „Solche Anschreiben können eine psychologische Wirkung erzielen. Journalisten könnten dann genauer darüber nachdenken, was sie wie veröffentlichen. Und genau darauf setzt diese Praxis auch. Solche Anschreiben, wie im vorliegenden Fall, sind von besonderer Qualität. Rechtsanwälte werden oft präventiv für ihre Mandanten aktiv und manchmal auch mit dem Versuch, Journalisten unter Druck zu setzen.“

3. Unwürdig und respektlos
(taz.de, Anne Fromm)
Der Verlag DuMont legt die Redaktionen von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ zusammen. Damit kommen Boulevard- und Qualitätsinhalte zukünftig aus einer Hand. Anne Fromm fragt sich in der „taz“, wie das funktionieren soll und prangert die Versäumnisse der Vergangenheit an: „Der Verlag hätte das verhindern können, wenn er früher umgebaut hätte. Die Berliner Zeitung ist nicht die einzige, die mit sinkenden Auflagen und der Konkurrenz im Internet kämpft. Andere haben schon lange ihre Onlineredaktionen aufgestockt, arbeiten multimedial, experimentieren mit Video und sozialen Medien, kurz: denken großen Journalismus online. Das hat die Berliner Zeitung verpasst.“

4. Und ewig sparen die Verleger
(jungejournalisten.ch, Karin Wenger)
In der Schweiz hat die Ankündigung eines neuen Medien-Startups vor kurzem für einigen Wirbel gesorgt. Der Journalist Constantin Seibt hatte angekündigt, den „Tages-Anzeiger“ zu verlassen und „Project R“ zu gründen, eine Plattform für „wachen und intelligenten Journalismus“, ein „digitales Magazin für aktuellen Hintergrund, Kontext und Diskurs“. Mit dabei: Der Medienjournalist und Bundeshausreporter Christof Moser. „jungejournalisten.ch“ hat mit Moser gesprochen und ihn im Kurz-Interview über die neuesten Sparmaßnahmen beim Medienkonzern „Tamedia“ befragt und sich erkundigt, ob „Project R“ auch junge Journalisten an Bord holen wird.

5. Wir Individualisten — wie die Medienwelt sich seinen Nutzern anpasst
(medium.com, Christian Simon)
Egal ob Chatbots, Viralvideo oder Virtual Reality: Die neue Publishingwelt gehört denen, die den Nutzern genau das geben können, was sie wollen. Dies sei die wichtigste Lehre aus einem Tag “New Publishing”, findet Christian Simon in seinem Bericht von den 30. Medientagen München.

6. Kontrolle durch wirtschaftliche Verflechtung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Im Rahmen des weltweiten Projekts „Media Ownership Monitor“ wurden über einen Zeitraum von drei Monaten die wirtschaftlichen Verflechtungen der türkischen Medien untersucht. „Reporter ohne Grenzen“ hat zusammen mit der türkischen Partnerorganisation „Bianet“ die detaillierten Ergebnisse veröffentlicht. Kurz zusammengefasst: „Lange vor der Repressionswelle seit dem Putschversuch im Juli hat die zunehmende Medienkonzentration in der Türkei die Freiräume für unabhängigen Journalismus immer weiter eingeengt. Die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen vieler wichtiger Medienbesitzer ersticken eine kritische Berichterstattung im Keim.“