Morgenwerbemagazin, Hamsterkäufe, Rabaukenjäger

1. Werber-Werbung im „Morgenmagazin“
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Eine Woche lang gab es im ARD-„Morgenmagazin“ in Anlehnung an die großen Sommerinterviews Gespräche mit „ganz normalen Wählern“, die „sonst kaum zu Wort kommen“. In einer der Sendungen plaudert die Reporterin mit drei dieser vermeintlich ganz normalen Gäste, die ihr jedoch bestens bekannt sein müssten. Sie gehören nämlich zu der Film- und Videofirma „gretchen“, die sie mitgegründet hat und an der sie beteiligt ist (Werbeclaim: „gretchen ist zu allem bereit“). Boris Rosenkranz berichtet auf „Uebermedien.de“ über einen ganz besonderen Fall von Schleichwerbung.

2. Wie durch das Bohei um die Hamsterkäufe Panik entsteht
(wiwo.de, Niklas Dummer)
Seit 2004 existiert das „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“. Katastrophenschutzpläne gibt es jedoch schon viel länger. Seit nun bekanntgeworden ist, dass das neue Zivilschutzkonzept Empfehlungen zur Bevorratung enthält, hyperventilieren Netz und Medien. Die „Wirtschaftswoche“ hat mit dem Medienwissenschaftler Hans-Bernd Brosius über das Phänomen gesprochen: „Die intensive Thematisierung des Zivilschutzkonzepts schürt Ängste. Die sozialen Netzwerke verstärken solche Tendenzen. Auf einmal können alle etwas zum Thema sagen, so entsteht noch stärker der Eindruck von Panik. Zudem werden in den sozialen Netzwerken vor allem kurze Artikel weitergeleitet, in denen keine Beurteilung über die Relevanz des Themas stattfindet – in dem Fall des Zivilschutzkonzepts.“

3. Innovationen: Sechs Lektionen für Redaktionen
(de.ejo-online.eu, Ville Seuri)
Ville Seuri hat mit Redakteuren von mehreren Nachrichtenredaktionen in Großbritannien darüber gesprochen, wie es gelingen kann, im journalistischen Alltag Innovationen umzusetzen. Die Ergebnisse hat er in einem Paper festgehalten, das nun auch verkürzt und in deutscher Sprache vorliegt.

4. „Lügenpresse – auf die Fresse“
(taz.de, Michelle Sensel)
Für Journalisten wird die Arbeit in Zeiten der „Lügenpresse-Rufer nicht einfacher. Auf rechten Demonstrationen müssen sie Anfeindungen und teilweise körperliche Attacken fürchten. Michelle Sensel berichtet vom seit Januar existierenden Blog „augenzeugen.info“, das derartige Vorgänge dokumentiert und für das Thema sensibilisieren will.

5. Hoher TV-Konsum kann Blick auf die Realität verstellen
(derstandard.at)
Für eine Medienstudie an der Wiener Universität haben Sozialmediziner 322 Personen nach ihrem TV-Konsum befragt und sich bei ihnen erkundigt, ob sie glauben würden, dass es in Österreich noch immer die Todesstrafe gebe. Je höher der TV-Konsum, umso höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Studienteilnehmer das glaubten. Hoher TV-Konsum könne den Blick auf die Realität verstellen, so das Ergebnis der Studie.

6. Angriff auf die Pressefreiheit: Deutscher Generalstaatsanwalt will Berichterstattung lenken
(kress.de, Jochen Zenthöfer)
Die mittlerweile zwei Jahre alte Geschichte um den „Rabaukenjäger“ mag man anfangs als lokales Bauerntheater abgetan haben. (Ein „Nordkurier“-Journalist hatte einen Jagdpächter mit diesem Wort belegt, weil dieser ein totes Reh an sein Auto gebunden und hinter sich her geschleift hatte. Der so Benannte hatte daraufhin Strafanzeige wegen Beleidigung erstattet.) Doch was als Beleidigungsposse in Mecklenburg-Vorpommern begonnen hätte, entwickle sich zum Generalangriff der Generalstaatsanwaltschaft gegen die Pressefreiheit. Jochen Zenthöfer sieht nun die Justizministerin in der Pflicht.