Täterbilder, Neonazi-Presseausweise, Netzreaktionen

1. „Das Internet kann nicht alles besser“
(faz.net, Harald Staun)
Nach dem Amoklauf in München entschloss sich die Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“, nicht mit dem Bild des Täters aufzumachen, sondern titelte „Dein Foto kommt nicht auf unseren Titel!“ Die „FAZ“ hat mit „B.Z.“-Chefredakteur Peter Huth über Boulevardjournalismus in Zeiten von Terror und digitaler Panik gesprochen.

2. Falsche Journalisten
(br.de, Jonas Miller )
Von einer perfiden Methode der rechtsextremen Szene berichtet Jonas Miller. Neonazis würden sich Polizeibeamten gegenüber als Journalisten ausgeben, könnten so Absperrungen durchlaufen, Gegendemonstranten sowie Polizisten fotografieren und die Einsatztaktik der Polizei ausforschen. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) beobachte dieses Vorgehen seit einigen Jahren. Abhilfe könnte ein bundeseinheitlicher Presseausweis schaffen, der von Verleger- und Journalistenverbänden gegen entsprechende Nachweise ausgestellt wird.

3. Abschaltung einer Welt
(taz.de, Clemens Setz)
Google hat den vielgelobten Blog „DC’s“ des Schriftstellers Dennis Cooper gelöscht und dabei gleich auch noch dessen E-Mail-Adresse deaktiviert. Die Gründe dafür sind unbekannt. Der Konzern schweigt. Clemens Setz über den Vorgang: „Viele Künstler lieben die Cloud, und das zu Recht. Aber all das bedeutet nicht, dass sich das gigantische Datenwesen, das sich von unseren Erzeugnissen ernährt, auch in irgendeiner Weise für uns interessiert oder auf das Wohlergehen unserer Erzeugnisse achtet. Es kann sich ohne nachvollziehbare Motivation dazu entscheiden, unsere Kunst, unsere Welten und Museen, die wir mit seiner Hilfe errichtet haben, in einer Sekunde zu verschlucken und danach auf keine Anfragen mehr zu reagieren. Es besitzt das Recht der absoluten Gleichgültigkeit, der interesselosen Verwandlung seiner selbst in was immer es zu sein wünscht. Wir sind nur sein Rohstoff. Das kann uns ehren oder erniedrigen, man weiß es nie so genau.“

4. Vormoderner Bann
(carta.info, Franz Sommerfeld)
In Frankreich haben einzelne Medien wie „Le Monde“ vor einigen Tagen angekündigt, keine Fotos oder Namen von terroristischen Tätern zu veröffentlichen. Doch die Vorstellung, Bilder oder Texte zu bannen, um eine Gesellschaft zu beruhigen, sei falsch, findet Franz Sommerfeld. „Medien haben ihr Publikationsverhalten natürlich verantwortlich zu gestalten, aber sie sind keine Lehranstalten oder Erzieher der Nation. Es wäre eine neue Variante des Betroffenheits-Kults, wenn die mögliche im Zweifel post-mortale Selbsterregung von Terroristen zur Zensur von Berichten führt.“

5. Wie sich Jugendliche im Netz informieren
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs & Jörg Wagner)
Junge Menschen informieren sich mehr denn je über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. Doch die Herausforderung, aus dem digitalen Sammelbecken, die richtigen und relevanten Informationen herauszufiltern ist immens. Daniel Bouhs und Jörg Wagner haben für den Deutschlandfunk versucht, sich dem Thema zu nähern und u.a. mit Christian Jakubetz gesprochen, einem erfahrenen Journalisten und Social-Media-Kenner. Jakubetz war in der Nacht des Amoklaufs selbst in die Berichterstattung involviert und musste auf das Netz als Informationsquelle zurückgreifen, doch „der Informationscocktail in den sozialen Netzwerken war kaum genießbar“.

6. Wie das Netz auf Anschläge reagiert
(br.de, Lisa Altmeier)
Lisa Altmeier hat für „Puls“ die 12 Phasen im Netz nach einem Anschlag zusammengefasst. Sie reichen von „1. Entsetzen: OMG und WTF“ bis zu „12. Zurück zur Normalität: „Wow, ein Turtok!“