Gegenverkehr, Rechtsdrift, Ausgebremst

1. Nachrichtenchef Froben Homburger von dpa: Warum wir Misstrauen mit Offenheit begegnen müssen
(kress.de, Froben Homburger)
Froben Homburger ist Nachrichtenchef der Deutschen Presse-Agentur. Im aktuellen Geschäftsbericht schreibt er, ohne mit selbstkritischen Worten zu sparen, über die Vertrauenskrise der Medien. Der in den sozialen Medien lautstark geäußerten Wut würden sich die Medien nicht mehr durch schlichtes Ignorieren entziehen können: „Die digitale Welt kennt keinen Papierkorb und kein Vergessen, und das ist gut so: Die sozialen Medien sind schließlich auch unsere Bühne. Und wie wir uns dort präsentieren, wird ganz besonders aufmerksam von jenen Menschen verfolgt, die zwar schon an uns zweifeln, aber noch erreichbar sind für unsere stärksten Antworten auf die „Lügenpresse“-Anklage: Differenzierung, Transparenz und Kritikfähigkeit.“

2. Ein neuer Ton
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm von der „Taz“ fragt sich, was mit dem Debattenmagazin „Cicero“ passiert sei. Seit Beginn der Flüchtlingsdebatte würden sich die Texte des „Cicero“ dem rechten Rand nähern. Dies sei den neuen Eigentümerverhältnissen geschuldet. Außerdem hätte sich seit Beginn der Flüchtlingsdiskussion im vergangenen Sommer, seit dem Terror von Paris und den sexuellen Übergriffen zu Silvester in Köln der gesamtgesellschaftliche Diskurs verschärft. Der neue Ton gefalle jedoch nicht allen. So haben sich einige Journalisten bereits vom Blatt verabschiedet. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Liane Bednarz mit ihrem Artikel Was im “Cicero” gesagt werden darf: „Kriegs- und Auschwitz-Komplex“. Sollten sich Historiker dereinst fragen, wo sich die immer rasanter verlaufende Rechtsdrift im Bürgertum besonders deutlich manifestierte, würden sie gewiss früher als später auf den „Cicero“ stoßen. Inzwischen werde dort sogar die These vom „Kriegs- und Auschwitzkomplex“ der Deutschen propagiert, so Bednarz.

3. „Welle der Verdrängung“
(zeit.de, Götz Hamann & Philip Faigle)
Eine von der Universität Oxford durchgeführte Studie über den digitalen Wandel in den Medien prognostiziert, dass Facebook zur Nachrichtenzentrale wird. Die „Zeit“ hat mit dem Autoren der Studie Nic Newman gesprochen. Dieser sieht vor allem den werbefinanzierten Onlinejournalismus bedroht: „Facebooks Strategie zielt aber darauf, die Menschen so lange wie möglich auf der Plattform zu halten, um seinerseits möglichst hohe Werbeerlöse zu erzielen. Die Einnahmen fehlen dann den Verlagen. Facebook und Google vereinen in den USA mittlerweile rund 60 Prozent aller digitalen Werbeerlöse auf sich. Selbst wenn der Kuchen der Werbeeinnahmen im Digitalen größer werden sollte, bekommen die Medienhäuser davon nur einen verschwindend geringen Teil.“

4. Facebook muss Sperrung von Konten erklären
(reporter-ohne-grenzen.de)
Facebook sperrt immer wieder Profile von Journalisten. „Reporter ohne Grenzen“ appelliert an deutsche und europäische Politiker, den Kampf gegen Hass- und Terrorpropaganda nicht allein den Betreibern von Internetplattformen und sozialen Netzwerken zu überlassen. „Über die Grenzen der Meinungsfreiheit muss öffentlich diskutiert werden. Wir dürfen eine so sensible Frage nicht undurchsichtigen Prozessen von Unternehmen überlassen, die in erster Linie wirtschaftlichen Interessen folgen und sich der Pressefreiheit im Zweifel nicht so stark verpflichtet fühlen, wie es in einer Demokratie der Fall sein müsste. In einem Rechtsstaat sollten unabhängige Gerichte entscheiden, was gesagt werden darf und was nicht – egal ob online oder offline.“

5. Live-Nachrichten vom Syrienkrieg – aus der Ukraine
(fm4.orf.at, Erich Möchel)
Erwin Möchel stellt fest, dass der Bürgerkrieg in Syrien seit Sperrung der Balkanroute aus den Breitenmedien nahezu verschwunden sei. Die Kämpfe dort gingen jedoch mit unvermittelter Brutalität weiter. Die derzeit einzige, aktuelle und verlässliche Quelle sei eine Website, die keinesweg aus Syrien stamme, sondern von einem kleinen Start-Up-Unternehmen aus Dnipr (ehemals Dnjepropetrowsk) in der Ukraine betrieben werde.

6. Erfolgsrezept
(sueddeutsche.de, Kathrin Hollmer)
Warum wir auf Facebook in Zukunft wohl noch viel mehr Koch-, Back- und Brutzel-Videos sehen werden. Und zwar im Zeitraffer.