Autorisierungsprobleme, Himmel und Hölle, Millionensiegel

1. Sehr geehrte Tanit Koch…
(carta.info, Julia Thurnau)
Die Schauspielerin Julia Thurnau wendet sich mit einem offenen Brief an die Chefredakteurin der „Bild“. Nach wie vor propagiere „Bild“ ein sexistisches Zerrbild von Frauen. Dass die Objektifizierung nicht die Realität spiegele, sondern reine Männerphantasien, müssten Frauen meist einzeln im Rahmen einer Zurückweisung erklären. Dabei stünde dann das Wort einer einzelnen gegen die Narration eines Massenmediums. Es sei deshalb Zeit, dass die Zeitung den „Sprung auf die Höhe unserer egalitären Zeit“ wage. Thurnaus Wunsch an die „Bild“-Chefin: „Bitte bilden Sie Frauen als (angezogene) gleichberechtigte Menschen ab und würdigen Sie deren Leistung losgelöst von Aussehen und Sexualität.“

2. „Zur Not auch vor Gericht“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Über die Autorisierung von Interviews gibt es immer mal wieder Streit, und manche Journalisten wünschen sich diese Regelung ganz abgeschafft. Die erfahrene Presserechtlerin Tanja Irion spricht im ABZV-Interview über erfundene Interviews, journalistische Ego-Trips, wegen der sie „zur Not auch vor Gericht“ ziehen muss, und über die Interviewautorisierung als Streitvermeidungsstrategie.

3. Auszeichnungen für Martin Vogel und den Tagesspiegel
(freischreiber.de)
Der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten „Freischreiber“ vergibt jedes Jahr den Himmel-und-Hölle-Preis für besonders fairen oder fiesen Umgang mit freien Journalisten. In den Freischreiber-Himmel wurde Martin Vogel gewählt, der durch seinen langen Weg durch die Instanzen dafür gesorgt hat, dass die VG Wort ihre Einnahmen ausschließlich an die Urheber und nicht mehr an die Verleger ausschütten darf. In die Freischreiber-Hölle kommt der Tagesspiegel für sein „besonders schäbiges Verhalten gegenüber Freien“. Dieser habe im Oktober 2015 von jetzt auf eben die Zusammenarbeit mit seinen freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Eis gelegt. „Ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung, ohne Übergangsfrist wurden bereits erteilte Aufträge für nichtig erklärt und auch langjährigen Freien die Zusammenarbeit ab sofort aufgekündigt.“

4. Sedat Ergin erhält „Freedom of Speech Award“
(faz.net)
Die „Deutsche Welle“ setzt ein Zeichen für die Pressefreiheit in der Türkei und vergibt den diesjährigen „Freedom of Speech Award“ an den türkischen Journalisten Sedat Ergin. Dieser ist Chefredakteur der auflagenstärksten unabhängigen Tageszeitung der Türkei „Hürriyet“ und sieht sich wegen eines Erdogan-kritischen Artikels mit einer Haftstrafe von fünf Jahren bedroht.

5. Sprachlust: Wer Krieg sagt, soll Krieg meinen
(infosperber.ch, Daniel Goldstein)
Daniel Goldstein ist Redakteur der Schweizer Zeitschrift „Sprachspiegel“. Auf der Webseite „Infosperber“ ist er für die „Sprachlust“-Kolumne zuständig. In der neuesten Ausgabe beschäftigt er sich mit besonders blumiger Sprache und Metaphern. „Sprachbilder soll man nicht allzu wörtlich nehmen, außer wenn sie so krass sind, dass man nicht anders kann. „Krieg“ ist so eins.“

6. Computerbild Top-Shop Siegel: Sinnvoll oder nicht?
(getdigital.de, Philipp Stern)
Eine Firma für Geek-Spielzeug und Nerdbedarf erhält einen Brief von der „Computer Bild“. Freudig teilt man darin mit, die Webseite des Onlinehändlers gehöre zu den „Top 750 Onlineshops Deutschlands“ und könne sich nun mit dem „Computer Bild“-Qualitätssiegel schmücken. Warum wird nicht so recht klar, der Einblick in Detailergebnisse kostet etwa 1000 Euro (zzgl. Mwst.). Und wer sich das Siegel auf die Webseite bappen will, muss schlappe 3.500 Euro berappen. Aus Sicht der Zeitschrift eine kaufmännisch vorteilhafte Aktion: Wenn alle Shops mitmachen, kommen Einnahmen von über zweieinhalb Millionen Euro zusammen. Was eine ziemlich coole Rendite für ein wenig Praktikanten-Excel, Photoshop und Porto ist, um es etwas salopp zu formulieren.