Bild  

Foto: Privat

Wenn die „Bild“-Zeitung unverpixelte Fotos von Opfern oder Tätern abdruckt (was ja hin und wieder vorkommen soll) und man am Rand entweder gar keine Quellenangabe oder nur „Foto: Privat“ liest, kann man das in der Regel so übersetzen: Foto bei Facebook beschafft, Urheber nicht gefragt, Zustimmung der Abgebildeten nicht eingeholt, uns doch egal, alles geben, alles zeigen.

Vorgestern, „Bild“-Zeitung, Seite 3:

Gesicht entstellt! Nahm ihr Ex grausame Rache? - SÄURE-ATTENTAT AUF VANESSA (27) [dazu ein riesiges Doto des Opfers und ein kleineres Foto des Tatverdächtigen]

(Unkenntlichmachung von uns. Für den Verdächtigen unten rechts hat „Bild“ einen kleinen Augenbalken springen lassen, für die Frau auf dem großen Foto nichts. Quelle: „Privat“.)

Man darf wohl davon ausgehen, dass die Leute von „Bild“ auch in diesem Fall keine Erlaubnis der Abgebildeten vorliegen hatten, denn der abgebildete Mann sitzt in U-Haft — und die abgebildete Frau hat überhaupt nichts mit der Sache zu tun. Da haben sie mal wieder das falsche Foto geklaut.

Inzwischen wurde die Seite aus dem ePaper entfernt und in der Ausgabe von gestern eine Korrektur veröffentlicht versteckt, drei Seiten weiter hinten und sechsmal kleiner als das falsche Foto:

Korrektur - In dem Bericht über den Säureanschlag auf Vanessa (27) vom 16. Februar ist es bedauerlicherweise zu einer Verwechslung gekommen. Das von BILD veröffentlichte Foto zeigt nicht das Opfer des Angriffs, sondern eine unbeteiligte Person. Dafür bitten wir um Entschuldigung.

Und sie haben es sich nicht nehmen lassen, bei der Gelegenheit auch gleich noch mal den Verdächtigen zu zeigen. Und das (angeblich diesmal richtige) Opfer. Ohne jede Verpixelung.

So geht es Säure-Opfer Vanessa [dazu ein Foto des Opfers und ein Foto des Verdächtigen]

Klein am Rand steht: „Foto: Privat“.

Mit Dank an Gabriel M.