Türkei, Vorratsdaten, Lügenpresse

1. Sätze, die nicht vergessen werden
(zeit.de, Özlem Topçu)
Gestern stürmten in Istanbul Polizisten die Redaktionsräume Erdoğan-kritischer Medien. Eine erneute Einschränkung der Opposition des türkischen Präsidenten — und das wenige Tage vor der Parlamentswahl. In ihrer Kolumne wirft Özlem Topçu einen generellen Blick auf die türkische Presse: „Es gäbe viel zu kritisieren an der türkischen Presse, nicht nur an jenen, die nicht viel Interesse an Demokratie zeigen, sondern eher an Gewalt (…). Auch die regierungskritischen Medien könnten sich manchmal mehr schämen.“ Die „Reporter ohne Grenzen“ verurteilen die „staatlichen Einschränkungen einer freien Berichterstattung“, Protest kommt auch vom DJV.

2. Der Tagesspiegel macht sich frei
(freischreiber.de)
Der „Tagesspiegel“ will sparen. Heißt konkret: Die Redaktion hat all ihren freien Mitarbeitern die Aufträge gekündigt, bis Jahresende gibt es keine neuen. „Da wird mit Freien umgegangen wie mit Leiharbeitern. Dass sie aber oft die Experten für bestimmte Themen sind, das scheint den Sparfüchsen im Verlag keiner gesagt zu haben“, so die „Freischreiber“ über die „Unverschämtheit“. „taz“-„Kriegsreporterin“ Silke Burmester ist etwas deutlicher: „ein grober Scheiß.“

3. Vorratsdatenspeicherung gefährdet Informanten
(ndr.de, Caroline Ebner, Video, 5:18 Minuten)
Die Vorratsdatenspeicherung ist beschlossene Sache. Und könnte für Journalisten und ihre Informanten weitreichende Folgen haben: Durch aufgezeichnete Standortdaten, Verbindungsdaten von Telefonaten, gespeicherte IP-Adressen könnten Behörden sehr genau nachvollziehen, woher welche Information stammt. Caroline Ebner hat den Journalisten Daniel Moßbrucker besucht, der die Vorratsdatenspeicherung im Selbstversuch simuliert hat.

4. Die Geschichte von Blogs, Teil 1
(basicthinking.de, Robert Basic)
„Als Blog-Opa werde ich euch also etwas erzählen, wie das damals mit der Bloggerei war.“ Robert Basic blickt zurück auf die Zeit kurz nach der Jahrtausendwende, als in Deutschland das große Bloggen begann.

5. Der Lügenpresse Konsens? Mögliche Entschlüsselung der medialen Vertrauenskrise
(blog.karlshochschule.de, Patrick Breitenbach)
Laut einer Forsa-Studie stimmt fast jeder zweite Deutsche dem Satz zu, dass die Medien „von ganz oben gesteuert“ werden. Patrick Breitenbach sucht nach Ursachen für die Vertrauenskrise der Medien. Beim „European Journalism Observatory“ können sich geplagte Journalistenseelen dann wieder erholen: Zwei Wissenschaftler finden nämlich, dass die Medien differenzierter berichten, als viele wahrhaben wollen.

6. Mittendrin statt nur dabei
(krautreporter.de, Dominik Wurnig)
Ist „Virtual Reality“ das nächste große Ding im Journalismus? Das wissen die „Krautreporter“ auch nicht. Dominik Wurnig hat sich das Thema aber mal genauer angeschaut.