Lichterkette, Pirinçci, VfL Bochum

1. Früher war auch mehr Lichterkette: Wie alte Aufnahmen in einen aktuellen „Tagesschau“-Film kamen
(stefan-niggemeier.de)
Am Wochenende sollte sich eine Menschen- und Lichterkette quer durch Berlin ziehen, als Solidaritätsbekundung mit den Flüchtlingen in Deutschland. Statt mehrerer Zehtausend kamen nach Polizeiangaben allerdings „nur sieben– bis achttausend Leute“; die Lichterkette war recht lückenhaft. In einem Beitrag der „Tagesschau“ sah es trotzdem nach viel mehr Teilnehmern aus, was vor allem daran lag, dass die Redaktion Bilder einer ähnlichen Aktion von 2003 untermischte. Stefan Niggemeier klärt die Frage: „Wie können in eine aktuelle Nachrichtensendung zwölf Jahre alte Archivaufnahmen rutschen?“

2. „Bild“ bei den Facebook-Hetzern
(tagesspiegel.de, Sonja Álvarez und Joachim Huber)
„Der ‚Bild‘-Gerichtshof tagt weiter“, schreibt der „Tagesspiegel“: Nach dem „Pranger der Schande“ haben „Bild“-Reporter die Facebook-Hetzer zu Hause besucht und nennen diesmal „neben den echten Namen auch noch die Wohnorte. Damit sind die Betroffen sehr leicht zu identifizieren, eine Tatsache, die die ‚Bild‘-Leute nicht im Mindesten zu stören scheint.“ Der „Bild“-„Pranger“ werde „Hass und Hetze im Netz nicht stoppen“, die Springer-Zeitung müsse sich aber „fragen, zu welchem Klima sie mit ihrer Berichterstattung beiträgt“.

3. 7 Medien, denen Akif Pirinçci nicht menschenverachtend genug war
(schantall-und-scharia.de, Fabian Köhler)
Seit seiner „Pegida“-Rede mit dem KZ-Spruch empören sich die Medien über Akif Pirinçci. „Gut so“, meint Fabian Köhler, allerdings viel zu spät: „Denn menschenverachtend sind die Auftritte und Bücher Pirinçcis schon seit Jahren. Hier sind sieben Medien, denen sie offenbar nicht menschenverachtend genug waren.“ Siehe auch unseren Eintrag von gestern.

4. Freie Berichterstattung unmöglich
(freelens.com, Roland Geisheimer)
Ein Jahr rechte Parolen — „Pegida“ feierte am Montag Geburtstag. Fotograf Roland Geisheimer hat seit Start der Kundgebungen immer wieder aus Dresden und von Ablegern in anderen Städten berichtet. So schlimm wie am Montagabend war es bisher nie: „Ich bekam Schubse und auch Tritte zu spüren, gepaart mit der Ansage, dass ich mich sofort verpissen solle, wenn ich heil nach Hause kommen wolle.“ Geisheimers ernüchterndes Fazit: „Der Artikel 5 Grundgesetz ruht montagabends in der Landeshauptstadt Sachsens.“ Dazu auch: „Reporter ohne Grenzen“ verurteilt die Angriffe auf Journalisten.

5. Warum der Algorithmus der Retter des Qualitätsjournalismus ist
(journalist.de, Andreas Moring)
Der Medienwissenschaftler Andreas Moring findet die Skepsis vieler Journalisten gegenüber Algorithmen übertrieben. Statt die Medienwelt zu bedrohen, könnten sie den „Qualitätsjournalismus“ fördern — denn Leser würden den Unterschied zwischen handgemacht und der Maschine leicht erkennen. Moring analysiert, woher die Ablehnung kommt.

6. Man muss nach vorne denken
(dirkvongehlen.de)
Bochum-Fan Dirk von Gehlen freut sich über die jüngsten Nachrichten von seinem VfL. Erst die Absage an die „Bild“-Aktion „Wir helfen“, dann eine Brandrede des Trainers gegen die Boulevardzeitung, und nun spricht eben jener Gertjan Verbeek im FAZ.net-Interview auch noch darüber, wie Journalisten mit dem Medienwandel umgehen könnten. Nunja, zumindest fast.