Pegida-Lügen, Journalisten als Aktivisten, Ai Weiwei

1. Warum macht ihr nicht den Mund auf?
(jetzt.sueddeutsche.de, Friedemann Karig)
Im Jahr 2015 gab es bereits mehr als 150 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, andere Quellen sprechen von 200. Das ist „unfassbar schlimm. Es ist eine Schande. Es darf nicht sein“, schreibt Friedemann Karig in einem Brandbrief, der mit drei wütenden Fragen endet: „Was ist mit Dir, lieber Politiker? Was machst Du so im Sommer 2015? Worauf verfickt noch mal wartest Du?“ Auch die Kolumnisten von „Spiegel Online“ haben sich am Wochenende damit beschäftigt, wie Medien über Flüchtlinge berichten: Sibylle Berg wirft Journalisten unnötige Panikmache vor, während Georg Diez dazu auffordert, sich endlich von der „gläserne[n] Wand der Objektivität“ zu verabschieden und zu Aktivisten zu werden: „Um auf die neue Gegenwart zu reagieren, braucht es auch einen anderen Journalismus, analytischer, individualistischer, klarer, härter, aktivistischer, mutiger, offener, verständlicher, entschlossener, leidenschaftlicher.“

2. Mit Lügen gegen die „Lügenpresse“: Pegida fälscht „Spiegel Online“-Überschrift
(stefan-niggemeier.de, Stefan Niggemeier)
„Asylbetrüger besteigen Eurocity aus Mazedonien Richtung Germany“ – so lautete ein „Spiegel Online“-Artikel, den „Pegida“ gestern bei Facebook geteilt hat. Diese Überschrift kam aber nicht von „Spiegel Online“, sondern von „Pegida“, wie Stefan Niggemeier schreibt: „Die Pegida-Leute aber sind nicht nur Lügner, sondern auch Stümper. Denn die falsche Überschrift, die sie ‚Spiegel Online‘ untergeschoben haben, kann schon formal gar keine ‚Spiegel Online‘-Überschrift sein. ‚Spiegel Online‘-Artikel-Überschriften enthalten immer einen Doppelpunkt.“ Siehe dazu auch: „Wie Rechtsaußen-Desinformanten gegen Flüchtlinge hetzen“ (netz-gegen-nazis.de).

3. Wie Putin in Russland den Journalismus abschafft
(welt.de, Oliver Bilger)
Oliver Bilger schreibt über die Situation der Presse in Russland: Seit Maidan und der Krim-Krise habe Putin „die Daumenschrauben noch einmal schmerzhaft angezogen. Strengere Gesetze erschweren die Arbeit der Journalisten, Propaganda und gezielte Desinformation flutet das ganze Land“, was vor allem die kritischen Journalisten der „Nowaja Gaseta“ zu spüren bekommen.

4. Die posthume mediale Vergewaltigung der Gabriele Z.
(rheinneckarblog.de, Hardy Prothmann)
Vergangene Woche druckte der „Mannheimer Morgen“ das Foto einer Studentin, die 2013 in Mannheim vergewaltigt und ermordet wurde. Das Foto ist Teil des „MM-Sommerrätsels“: Wer unter anderem das Herkunftsland der ermordeten Frau kennt, kann einen von „drei attraktiven Hauptgewinnen“ gewinnen. Für Hardy Prothmann sind die verantwortlichen Redakteure „journalistische Schwerverbrecher“: „Das Andenken an die junge Frau wird auf ordinärste Art und Weise geschändet, indem man sie zum Teil eines ‚Rätselspaßes‘ macht.“

5. Die fehlenden Worte des Ai Weiwei
(tagesspiegel.de, Christiane Peitz)
Der chinesische Künstler Ai Weiwei wirft der „Zeit“ vor, ein Interview mit ihm sinnentstellend gekürzt zu haben. Die Autorinnen verwehren sich gegen die Anschuldigungen und veröffentlichen ihrerseits die chinesische, englische und deutsche Version des Gesprächs.

6. Flucht
(zoebeck.wordpress.com, Zoë Beck)
Ein Freund von Zoë Beck hat einen Text über die Situation in Syrien geschrieben, den man als Antwort verwenden könne, „wenn sich, wie gerade immer wieder geschieht, auf Facebook Menschen melden, die der Meinung sind, dass Flüchtlinge noch viel zu gut in unserem Land behandelt werden“ und „dass die doch alle nur herkommen, um was vom Kuchen abzubekommen“.