Terroristen-Propaganda, Jon Stewart, Hass im Netz

1. „Bild“ erliegt der „dunklen Faszination“ der IS-Bilder
(stefan-niggemeier.de, Stefan Niggemeier)
Immer wieder verbreiten die „Bild“-Medien die grausamen Propagandabilder des „Islamischen Staats“, sie zelebrieren „jede neue Gräueltat, jedes besonders abscheuliche Video, nicht nur in großen Buchstaben, sondern auch in großen Bildern und ausführlichen Videosequenzen“ — und wer das kritisiert (so wie wir gestern), wird von den „Bild“-Verantwortlichen als „gestört“ oder Terroristenfreund bezeichnet. Stefan Niggemeier über die Macht der Bilder, das Dilemma der Redaktionen und die Selbstblindheit der „Bild“-Chefs.

2. Wie die Krone für den Islamischen Staat wirbt
(nzz.at, Christoph Zotter)
Auch die Online-Ausgabe der österreichischen „Kronen Zeitung“ verbreitet IS-Propagandamaterial, neulich etwa ein Video, in dem ein Mann per Kopfschuss hingerichtet wird. „Für die Dschihadisten kann es nicht besser laufen“, schreibt Christoph Zotter. „So hilft eines der größten Medienhäuser Österreichs für ein paar Klicks der Gruppe Islamischer Staat, ihre Propaganda ins Land zu tragen.“ Siehe dazu auch: Zur Manipulation der Angst – Ein Plädoyer für Statistik und gegen Bilder (nachdenkseiten.de).

3. Ist Publikums-Bashing hilfreich?
(deutschlandradiokultur.de, Stephan Karkowsky)
Am Mittwoch wünschte sich Anja Reschke in den „Tagesthemen“ einen „Aufstand der Anständigen“ gegen rassistische Hetze im Netz — und sprach damit vielen Menschen aus dem Herzen. „Mehr als 12 Millionen Menschen bekommen das Thema mit, etwa vier Millionen mal wird das Video des Kommentars geklickt“, schreibt Kai Gniffke im Tagesschau-Blog. Doch ist es gerechtfertigt, den Zuschauern Untätigkeit vorzuwerfen und sie dazu aufzufordern, Hetzer an den Pranger zu stellen? Stephan Karkowsky hat darüber mit der Publizistin Mely Kiyak gesprochen, die bei der antirassistischen Leseshow „Hate Poetry“ vor Publikum die Hassmails vorträgt, die sie geschickt bekommt. Siehe dazu auch: Die Reaktionen auf den Flüchtlings-Kommentar der ARD nach Dummheit sortiert (vice.com).

4. Facebook, das Netzwerk mit dem Herz für Hass
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Thomas Lückerath meldet seit einiger Zeit hasserfüllte und fremdenfeindiche Aussagen bei Facebook ans dort zuständige Community-Management. „Das schockierende Ergebnis: Bis heute war jedes von mir gemeldete Posting, soweit ich das noch überblicken kann, mit den Gemeinschaftsstandards von Facebook vereinbar.“ Ihn mache es wütend, dass das größte soziale Netzwerk „gänzlich verantwortungslos“ agiere und nicht einmal dann handele, wenn er die Mitarbeiter auf problematische Beiträge aufmerksam macht. Dass Facebook „wissentlich die Vergiftung des öffentlichen Raums mit Hassbotschaften“ toleriere, könnte laut Lückerath bald als Boomerang zurückkommen.

5. Jon Stewart’s Final Episode
(thedailyshow.cc.com, Video, 49:10 Min.)
Jon Stewart hat in der Nacht seine letzte Ausgabe der Daily Show moderiert — und Medien und Kollegen sagen Danke. Nils Minkmar schreibt in seiner Ankündigung auf „Spiegel Online“: „Stewart wird mit Ehrfurcht verabschiedet, ein Held der populären Kultur, wie es früher die großen Sportler waren, oder die Raumfahrer — und ohne jede Häme. (…) Das Lob ist nicht übertrieben.“ Die „New York Times“ hat ihre Leser gefragt, was ihre Lieblingsmomente von Jon Stewart waren: Der Monolog in der ersten Sendung nach dem 11. September wurde dabei am häufigsten genannt. Jahrelang war Stewart das komödiantische Gewissen Amerikans. Schon im Februar hatte Matthias Kolb, USA-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“, in einem lesenswerten Stück geschrieben, wie ihm Stewart Amerika erklärte. In seiner letzten Sendung wurde Stewart nun von Stephen Colbert verabschiedet — er selbst sagte ganz leise auf Wiedersehen: „I’m just gonna say, I’m going to get a drink. And I’m sure I’ll see you guys before I leave.“

6. Jetzt lernen Sie meine Oma kennen – und meine Meinung
(kurzhaarschnitt.wordpress.com, Kurt Saar-Schnitt)
In der Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen erinnert sich „Kurt Saar-Schnitt“ an seine Oma, die 1945 aus ihrem Heimatort in Pommern vertrieben wurde und ohne Hab und Gut in Schleswig-Holstein landete. Er erzählt ihre Geschichte und schließt mit einer Bitte: „Falls Sie nicht in der Lage dazu sind, zu spenden, so teilen Sie einfach anderen mit, warum Sie für die Aufnahme von Menschen ohne Heimat und Besitz sind, auch das kann eine Hilfe sein. Schweigen Sie nicht. Und bitte werden Sie kein ‚besorgter Bürger‘, bitte zünden Sie keine Unterkünfte für Hilfsbedürftige an.“