Putins Panzerpropaganda oder: Brrrrum! Wrrrrom! Wahnsinn!

Dieser Putin schon wieder. Russlands Präsident soll in der Nähe von Moskau einen Freizeitpark voller Militärgerät planen, einen „Kriegs-Vergnügungspark“, schreibt Bild.de und findet das gar nicht gut:


(Unkenntlichmachung von uns)

Im sogenannten „Patriot Park“ sollen die Besucher ab 2017 „Panzer fahren, Helikopter fliegen und Waffen ausprobieren“ können. Bild.de kramt schon mal ein paar Archivfotos raus, um zu zeigen, wie es da dann aussehen könnte:



Dem russischen Priester Sergej Privalov zufolge ist das neue Putin-Projekt eine spitzenmäßige Idee:

Der Priester: „Kinder sollten herkommen, mit den Waffen spielen und auf die Panzer klettern und all diese moderne Technologie kennenlernen, von der sie noch nie ihn ihrem Leben etwas gehört haben.“

Wladimir Putin selbst sehe das Projekt „als einen wichtigen Bestandteil seiner ‚militärisch-patriotischen Arbeit mit jungen Leuten'“.

Kinder an die Knarren? Gar nicht in Ordnung, findet Bild.de:

Dass Krieg kein Spiel ist und nicht vor Kindern verherrlicht werden sollte, spielt in Russland anscheinend keine große Rolle.

Und:

Statt Micky Maus und Donald Duck propagiert Russland das Spiel mit Waffen

Man kann von der Eröffnung eines solchen Militär-Kinderparks halten, was man will. Wie großartig die „Bild“-Medien Panzerklettern und Helikopterfliegen allerdings dann finden, wenn nicht Putin und Russland dahinterstecken, sondern Ursula von der Leyen und ihre Bundeswehr, konnte man vor zwei Wochen sehen:

Hier, wo sonst die Feldjäger ihr strenges Regiment führen, tobten Kinder über einen 62,5 Tonnen schweren Leopard-2-Kampfpanzer. Der Transporthubschrauber „CH-53“ kreiste über der Stadt, Fallschirmjäger stürzten sich zur Erde, legten zwischen staunenden Besuchern eine punktgenaue Landung hin. In mehr als 20 gepanzerten Fahrzeugen konnte man Probe sitzen.


Das Fazit für die Veranstaltung in Hannover:

6000 Besucher, Volksfeststimmung in der Kaserne.

Mindestens genauso begeistert war Bild.de von einem anderen „Highlight“ am gleichen Tag, diesmal im hessischen Fritzlar beim „Kampfhubschrauber-Regiment 36 Kurhessen“:

Da gab es „Hammer-Loopings und Luft-Stunts“, „Klatschkonzerte für die kühnen Piloten“ und „spektakuläre Nahkampf-Vorführungen“.

Zehntausende krabbeln durch den Transporthubschrauber CH-53, Eurocopter & Co. Kinder ballern mit Papp-Panzern auf Ziele.

Um mit Waffen spielen, auf Panzer klettern und all die moderne Technologie kennenlernen zu können, von der sie noch nie ihn ihrem Leben etwas gehört haben, müssen Kinder also gar nicht in Putins Propagandapark. Gibt’s alles schon in Deutschland.

Gruselig? Nein: „Gut so“, findet „Bild am Sonntag“-Chefin Marion Horn. Der „Tag der Bundeswehr“ war „längst überfällig“, wenn man bedenke, „was es bei uns für idiotische Ehrentage gibt“:

Kritiker haben gestern moniert, mit den Feierlichkeiten dringe die Bundeswehr „dreist in den öffentlichen Raum“ ein. Gut so! Da gehört sie hin!

Und wenn die Bundeswehr mal nicht selbst in den öffentlichen Raum drängt, holt Bild.de sie dort hin:

Blaumann an, dann endlich darf ich Panzer fahren!

Die distanziert-kritische Berichterstattung zum Kriegsgerät liest sich dann so:

Brrrrrrum!

Und:

Wrrrrrrrrrom!

Und:

Wahnsinn!

Und:

Mein Brecher und ich donnern durchs Gelände, fliegen über Sand-Piste, Brettern durchs Wasser. Auch anfahren bei 60 Grad Steigung — kein Problem.

Wie würde Bild.de sagen? Dass Krieg kein Spiel ist und nicht verherrlicht werden sollte, spielt in den „Bild“-Medien anscheinend keine große Rolle.

Mit Dank an Michael W.!