Mehrheitsmeinungen, Tilo Jung, PGP

1. „‚Es entsteht eine grell ausgeleuchtete Welt, ein monströses Aquarium, in dem kaum noch etwas verborgen bleibt'“
(zeit.de, Bernhard Pörksen)
Medienmacher und das Publikum müssen „ihre Maßstäbe zur Beurteilung des politischen Personals überdenken“, fordert Bernhard Pörksen: „Sie müssen lernen, mit Normalsterblichen zu leben, die Schwächen haben, eitel sind und manchmal erschöpft, übellaunig und unbeherrscht und deren Frisur, Vorleben oder Gesamtpersönlichkeit einem nicht notwendig gefällt. Perfektionsideale und infantile Ursehnsüchte nach Heiligen und Lichtgestalten sind ein robustes Indiz dafür, dass man die aktuelle Medienwirklichkeit nicht begriffen und das vielschichtige, moralisch schillernde Wesen des Menschen nicht verstanden hat.“

2. „Wo bleiben die abweichenden Meinungen?“
(deutschlandfunk.de, Audio, 3:57 Minuten)
Charlotte Wiedemann sieht den „lebendigen Kern der Meinungsfreiheit“ in der Realität der deutschen Medienlandschaft sehr wenig praktiziert, nämlich „dass man Meinungen äussern kann, die mächtigen Interessen widersprechen und auch, dass man Minderheiten davor schützt, von Mehrheitsmeinungen erdrückt zu werden.“

3. „Dax-Konzerne starten Initiative gegen verdeckte Manipulation von Medien“
(manager-magazin.de, Sven Clausen)
Ein Arbeitskreis aus der deutschen Wirtschaft wehrt sich gegen „verdeckte Einflussnahme werbender Unternehmen auf die redaktionelle Berichterstattung“ und erstellt einen „Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen“ (PDF-Datei).

4. „Der kleine Unterschied: Ahnung und Haltung“
(falk-steiner.de)
Einige Fragen von Tilo Jung bei der Bundespressekonferenz stossen auf Kritik von Kollegen. Falk Steiner versucht, den Fall zu erklären: „Manche seiner Fragen sind hilfreich, weil sie relativ undiplomatisch und direkt sind. Aber: sie sind in aller Regel auch ohne jede ernsthafte Vorbereitung gestellt. So kommt es regelmäßig vor, dass Tilo mehrfach Dinge fragt, die zwei Tage vorher in epischer Breite bereits behandelt wurden. Nur hat Tilo sie dann nicht im Video, weil er da mal nicht da war (was häufiger so ist).“

5. „The Great SIM Heist“
(firstlook.org/theintercept, Jeremy Scahill und Josh Begley, englisch)
Die Geheimdienste NSA und GCHQ verschafften sich Zugriff auf die Rechner der Firma Gemalto, welche SIM-Karten für Mobiltelefone herstellt. Und entwendeten Schlüssel, welche die Privatsphäre der weltweiten Kommunikation via Mobilfunk sicherstellten: „Privacy advocates and security experts say it would take billions of dollars, significant political pressure, and several years to fix the fundamental security flaws in the current mobile phone system that NSA, GCHQ and other intelligence agencies regularly exploit.“

6. „Editorial: Lasst PGP sterben!“
(heise.de/ct, Jürgen Schmidt)
Jürgen Schmidt schreibt über das Verschlüsselungsprogramm PGP: „Es sei Experten unbenommen, dass sie komische Codes austauschen, um Schlüssel zu checken. Aber für Erika und Max Mustermann muss das zwingend die Kommunikationsinfrastruktur übernehmen. Und hier versagt PGP völlig.“