Das Drogengeständnis der eingeweihten Kreise (2)

Der Artikel, den Reinhard Breidenbach am Montag über den unter Drogenverdacht stehenden SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann geschrieben hat, ist nicht mehr online. Die Mainzer „Allgemeine Zeitung“, deren Politikchef Breidenbach ist, hat ihn durch einen anderen Artikel zum selben Thema ersetzt. Die „Allgemeine Zeitung“ hat nicht kenntlich gemacht, dass sie den Text komplett überarbeitet und an entscheidenden Stellen verändert hat. Sie hat das auch nicht erklärt. Sie hat einfach die erste Version klammheimlich verschwinden lassen (BILDblog berichtete)

Das ist an sich schon schlechter Stil. Nun aber tut die „Allgemeine Zeitung“ auch noch so, als hätte es die erste Version nie gegeben.

Sie tut, als hätte sie von Anfang an geschrieben, dass bloß irgendjemand aus dem Umfeld des Politikers ihr gegenüber gesagt hat, Hartmann habe „geringe Mengen Crystal Meth“ genommen, und nicht Hartmann selbst. Hartmann hat den Drogenkonsum am Mittwoch über seine Anwälte öffentlich zugegeben. Aber den Eindruck, dass er sich schon am Montag gegenüber der „Allgemeinen Zeitung“ offenbarte, den ließ er sofort dementieren.

Den Ablauf schilderte Breidenbach in der „Allgemeinen Zeitung“ gestern wie folgt:

Seit dem 2. Juli: Warten auf eine Erklärung Hartmanns. Am 7. Juli sagt jemand aus Hartmanns engstem Umfeld gegenüber dieser Zeitung dies: Es sei davon auszugehen, dass Hartmann eine sehr geringe Menge Crystal Meth konsumiert, dann aber die Finger davon gelassen habe. Hartmann dementiert sofort, was nie behauptet worden war: dass er persönlich gegenüber irgendeinem Medium eine Erklärung abgegeben habe; er rede zuerst mit der Staatsanwaltschaft. Das ist nun geschehen. Der wichtigste Satz seiner Erklärung: Er bedauert und bereut.

Hartmann dementierte, „was nie behauptet worden war“?

Wie sonst hätte man etwa Breidenbachs Formulierung verstehen sollen: „Hartmann wies gegenüber unserer Zeitung auch Gerüchte zurück, …“ ? Oder Halbsätze wie: „Hartmann ließ gegenüber unserer Zeitung auf Anfrage erklären“ oder: „Hartmann trat auch Spekulationen entgegen“? Oder die Überschrift seines Artikels, die mit Doppelpunkt und Anführungszeichen keinen Zweifel daran ließ, dass es sich um ein wörtliches Zitat Hartmanns handelte?

Die „Allgemeine Zeitung“ hat am Montag den falschen Eindruck erweckt, der SPD-Politiker habe ihr gegenüber eine Art Geständnis abgelegt. Nun erweckt sie auch noch den Eindruck, sie hätte nie diesen falschen Eindruck erweckt.

Mit Dank an Boris R.!