Eilmeldungen, Aktivismus, Freiheitsmelder

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „EIL! BREAKING! Oder nicht?“
(udostiehl.wordpress.com, Udo Stiehl)
Obwohl der Sturz einige Tage zurückliegt und die Folgen überschaubar sind, verbreiten viele Medien die Nachricht von Angela Merkels Skiunfall als „Eilmeldung“. Für Udo Stiehl ist das symptomatisch: „Hat eine Information auch nur annähernd das Zeug dazu, rote Bauchbinden in ‚Nachrichtensendern‘ zu füllen – her damit. Das zieht Blicke, das bringt Klicks, das hält den Namen des Mediums im Gespräch.“ Er sieht es als Aufgabe der Medien an, substanzlose Eilmeldungen auszufiltern und nicht sofort weiterzureichen.

2. „If a tweet worked once, send it again — and other lessons from The New York Times’ social media desk“
(niemanlab.org, Michael Roston)
Das Twitter-Team der „New York Times“ beschreibt seine Arbeit mit den Eilmeldungen. „And while Twitter’s misuse in breaking news situations was well lamented in 2013, it is what readers are coming to us for more than anything else.“

3. „Die verlassenen Orte der Hauptstadt“
(tagesspiegel.de, Paula L. Pleiss)
Der Artikel stellt das Blog „Abandoned Berlin“ von Ciarán Fahey vor: „Er überwindet Absperrungen, verschließt die Augen vor den Betreten-verboten-Schildern der Stadt und des Umlands. Er sucht gezielt nach verlassenen Orten, die für die Öffentlichkeit normalerweise unzugänglich bleiben.“

4. „Das Jahr 2014 wird schlimm (für die Geschichte)“
(fyg.hypotheses.org, Jan Taubitz)
Die Medienberichterstattung zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs ist auf vollen Touren. Jan Taubitz warnt davor, Parallelen zur heutigen Situation zu ziehen: „Denn wer ist heute in der Rolle von Frankreich, Russland, Österreich-Ungarn, den Balkan-Ländern, dem Osmanischem Reich, den USA und so weiter? Ist Taiwan dann Serbien oder doch eher Japan?“

5. „Die Angst der deutschen Journalisten vor dem Aktivismus“
(carta.info, Wolfgang Michal)
In der Diskussion um Aktivismus und Journalismus wirft Wolfgang Michal einen Blick in die Vergangenheit: „Aktivistische Journalisten begnügen sich nicht mit neutralen Beschreibungen ‚dessen, was ist‘, sie streben Gesetzesänderungen, Politikwechsel, ja Umsturz an.“ Günter Hack hingegen beschreibt bei „Zeit Online“ eine Verschmelzung zwischen Aktivismus und Journalismus.

6. „‚Freiheits-Brandmelder‘ beschäftigen Polizei“
(wn.de, Joachim Edler)
In Warendorf werden von Unbekannten „Freiheitsmelder“ installiert — die Kästen sehen aus wie Brandmelder, enthalten aber jeweils nur ein Zitat zum Thema Freiheit. „Die Pseudo-Brandmelder beschäftigen allerdings jetzt die Polizei. Es wurde Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Der Kasten war mit Zweikomponenten-Kleber an der Hauswand einer Rechtsanwaltskanzlei platziert worden — beim Entfernen blieben Rückstände.“