Wo ein Glaube ist, ist auch ein Wille

Bild.de hat beim INSA-Institut eine Umfrage zum Ausgang der Bundestagswahl in Auftrag gegeben. Das angeblich repräsentative Ergebnis:

Jeder vierte Wahlberechtigte (25 %) denkt, dass es nach der Bundestagswahl zu einer großen Koalition kommt. Mit einer Fortsetzung der jetzigen Regierungskoalition aus Union und FDP rechnet jeder Fünfte (21 %). Deutlich geringere Chancen werden einem rot-grünen Bündnis (15 %), Schwarz-Grün (6 %), Rot-Rot-Grün (5 %). Eine Ampel-Koalition (SPD, FDP, Grüne) oder eine schwarze Ampel (CDU/CSU, FDP, Grüne) erwarten jeweils 2 % der Wahlberechtigten. Und jeder vierte Befragte (24 %) kann oder will dazu keine Angaben machen.

Zusammengefasst „glauben 54 Prozent der Befragten“, dass Angela Merkel „ihre Arbeit als Kanzlerin fortsetzen“ wird.

Oder, wie Bild.de in der Überschrift schreibt:

BUNDESTAGSWAHL 2013: Jeder 2. Deutsche will Merkel-Fortsetzung

Um den semantischen Unterschied zwischen „glauben“ und „wollen“ zu verdeutlichen, werfen wir einfach mal einen Blick auf eine andere aktuelle Umfrage:

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich im aktuellen ARD-DeutschlandTrend, dass Borussia Dortmund das Champions League-Finale gewinnt, glaubt aber, dass Bayern München den Titel holen wird.

Ein Satz, der in der Welt von Bild.de unmöglich wäre.

Allerdings scheint Bild.de nicht ganz von allein auf den Holzweg gekommen zu sein:

INSA-Chef Hermann Binkert erklärte BILD.de: „Die eindeutige Mehrheit der Bundesbürger erwartet, dass Angela Merkel – in welcher Konstellation auch immer – Bundeskanzlerin bleibt. Die Deutschen fühlen sich bei ihr aufgehoben. Die Bürger vertrauen der Kanzlerin und wollen aus diesem Grund, dass sie ihren Job fortführt.“

Wir haben bei Hermann Binkert (bisherige Stationen: „wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU-Bundestagsabgeordneten Claudia Nolte“, „Persönlicher Referent für Herrn Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel“, „Staatssekretär in der Thüringer Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaates Thüringen beim Bund“) nachgefragt, ob Bild.de ihn richtig zitiert hat und wie er gegebenenfalls aus einer „Erwartung“ einen „Willen“ ableite, haben aber noch keine Antwort erhalten.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.