Berliner Mauer, Piraterie, Unwörter

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Desinformation: Mauer in Geiselhaft“
(taz.de, Sebastian Heiser)
Haben Bauarbeiter damit begonnen, einen der letzten Reste der Berliner Mauer niederzureißen, „damit dort Luxuswohnungen entstehen können“? „An dieser Botschaft stimmt so gut wie nichts. Aber sie zündet. Und sie wird von Journalisten inzwischen weltweit weiterverbreitet.“

2. „Zweierlei Maß?“
(dradio.de, Audio, 43:40 Minuten)
Walter van Rossum vergleicht Berichte und Kommentare deutscher Medien über Russland und die USA (auch als PDF-Datei oder Text): „In den deutschen Mainstream-Medien, die über das russische Adoptionsverbot berichten, macht sich kein Journalist die Mühe, die offizielle russische Version darzustellen, um sie anschließend zu überprüfen. Fast alle Medien erzählen bis in die Details der Formulierungen dieselbe Geschichte, mit denselben unbelegten Behauptungen, denselben Auslassungen, einseitigen und simplen Stereotypen: hier die eisige russische Nomenklatura, da der freundlich lächelnde american way of life.“

3. „Gezielt vorbei: Mein Problem mit dem ZEIT-Dossier ‚Filmpiraten: Aufnahme läuft!'“
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi kritisiert den „Zeit“-Artikel „Aufnahme läuft!“ von Kerstin Kohlenberg: „So, wie ich das sehe, bastelt Produzent Stefan Arndt an seiner eigenen Legende, um das Versagen von ‚Cloud Atlas‘ zu rechtfertigen – und eine Journalistin hat sich für den intimen Einblick in die Szene genau diese Narrative füttern lassen, ohne sie je zu hinterfragen.“

4. „Im publizistischen Würgegriff“
(mspr0.de)
Am 1. März verabschiedete der Bundestag das Leistungsschutzrecht für Presseverleger: „Während beinahe alle Verbände, Aktivisten, Experten und Wissenschaftler kein gutes Haar an den Gesetzesentwürfen zum Leistungsschutzrecht ließen, ignorierte die Presse diese Stimmen eisern und hörte nicht auf, das Gegenteil zu verkünden. Und noch schlimmer als das journalistische Totalversagen: es gab nur wenige Politiker, die sich trauten, dieser interessengeleiteten Kampagne öffentlich zu widersprechen.“

5. „Wer darf das Wort ‚Zensur‘ im Munde führen?“
(alexanderlasch.wordpress.com)
Mitglieder der Nationalen Armutskonferenz sammeln „irreführende und abwertende Begriffe“ – und stellen eine „Liste der sozialen Unwörter“ zusammen. Die FAZ greift die Liste auf und stuft sie als Zensurvorhaben ein. „Die Entstehungsgeschichte der ‚Liste‘ wird mit keiner Silbe erwähnt, statt dessen werden die einzelnen Begriffe kurz aufgegriffen und hinsichtlich ihres Diskriminierungspotentials als unbedenklich eingestuft.“

6. „Blogger, Sponsoren und die Transparenz – Kommentar“
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
„Persönlich bis ins Mark“ treffen Sascha Pallenberg Vorwürfe wie „du schreibst doch den Artikel nur um deine Amazon Links unterzubringen“ oder „der Testbericht fällt so positiv aus weil Firma XYZ dich zu einem Event eingeladen hat“, weshalb er nun „sämtliche Zuwendungen und Sponsorings“ öffentlich macht.