Genmais, geistiges Eigentum, Tomaten-Schiris

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Der kalkulierte Genmais-Schock“
(spiegel.de, Nina Weber)
Nina Weber rollt auf, wie eine Studie über erhöhte Krebsraten bei Ratten, die genveränderten Mais konsumiert hatten, in die Medien gelangte: „Der Sustainable Food Trust, der die Öffentlichkeitsarbeit für diese Studie übernommen hatte, kontaktierte einige Journalisten: Sie könnten den Fachartikel vorab bekommen – aber nur, wenn sie schriftlich zusicherten, keine anderen Experten vor dem Ende der Sperrfrist dazu zu befragen.“ Zum Medizinjournalismus siehe auch „Medizinpresse: Schmieren oder recherchieren?“ (doccheck.com, Erich Lederer).

2. „North Sea cod: Is it true there are only 100 left?“
(bbc.co.uk, Hannah Barnes und Richard Knight, englisch)
„Just 100 cod left in North Sea“ ist auf telegraph.co.uk zu lesen. „Looking at the data, it seems a more accurate headline would read ‚Just 436,900,000 cod left in the North Sea‘.“

3. „Rassistische Kommentare: Wir bitten um Entschuldigung!“
(blogs.taz.de/hausblog)
Die „taz“-Redaktion sieht sich vom „Ausmaß an Häme und menschenverachtender Kommentare betroffen“ – in den eigenen Kommentarspalten. „Es ist auch nicht damit zu entschuldigen, dass wir immer wieder darauf hinweisen, dass wir zu wenig Personal haben, um dieses Forum angemessen zu betreuen.“

4. „Fotograf will elf schwule Profi-Fußballer kennen“
(queer.de)
Ein Berliner Fotograf erzählt einem Reporter des „Berliner Kuriers“, er könne „eine komplette Elf aufzählen mit Spielern aus der Bundesliga und sogar zwei aktuelle Nationalspieler, die schwul sind“: „Leider ist die Beweisführung ein wenig dürftig geraten.“

5. „Hanebüchene Verschwörungstheorien“
(kurzpass.ch, Christian Meier)
Schiedsrichter in der Schweizer Fußball-Liga werden von der Boulevardpresse als „Tomaten-Schiris“ bezeichnet. Verschiedene Trainer nehmen die Vorwürfe zustimmend auf und schmieden weitere Verschwörungstheorien.

6. „Missverständnisse zum ‚geistigen Eigentum‘ in der Presse“
(doener.blogage.de, Stephan Dörner)
Ex-Handelsblatt.de-Redakteur Stephan Dörner kritisiert nach seinem Ausscheiden die „Handelsblatt“-Aktion „Mein Kopf gehört mir“: „Den Artikel zu der Kampagne habe ich damals in der Redaktionskonferenz scharf kritisiert, worauf Chefredakteur Gabor Steingart mich bat, die Kritik schriftlich auszuführen. Das habe ich damals getan – ohne jede Reaktion.“