Kanzlerkandidat, Genmais, Autorisierung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Die Dauer-Kampagne gegen jeden“
(notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
In der Medienmaschinerie werde jeder „nach dem fast gleichen Rezept verhackstückt“, schreibt Torsten Kleinz: „Die erste Welle von Meldungen greift einen vermeintlichen Skandal auf, dann kommen die vernichtenden Kommentare und Analysen, dann ein paar neue Artikel über neue Interviewäußerungen und schließlich die Gegenanalyse, die gegen den Strom schwimmt, die den Medienzirkus oder das jeweilige Establishment aufs Korn nimmt.“

2. „Cicero wird Kikeriki“
(fr-online.de, Tom Schimmeck)
Die Frage nach dem Kanzlerkandidaten ist die „Seifenoper der Saison“: „Arbeit, Lohn und Steuern, Außenpolitik, Umwelt, Bildung, Energie, Militär – alles öde, langweilig, herrje, und viel zu komplex. Dafür hat der wahre Hauptstadtjournalist nur ein todmüdes Lächeln.“

3. „Genmais-Studie: ZDF wie zweifelhaft“
(medien-doktor.de, Marcus Anhäuser)
Die Nachrichtensendung „ZDF heute“ berichtet über ein „höheres Krebsrisiko durch Genmais“ und präsentiert dabei „allein die Sicht der Studienautoren, als gäbe es die gesamte heftige Diskussion um die Studie gar nicht. Wer solche Zweifel an einer Studie ausblendet, betreibt zweifelhaften Journalismus“.

4. „In New Policy, The Times Forbids After-the-Fact ‚Quote Approval'“
(publiceditor.blogs.nytimes.com, Margaret Sullivan, englisch)
Die „New York Times“ überarbeitet ihre Haltung zur Autorisierung von Zitaten: „So starting now, we want to draw a clear line on this. Citing Times policy, reporters should say no if a source demands, as a condition of an interview, that quotes be submitted afterward to the source or a press aide to review, approve or edit.“ Siehe dazu auch „NYT stoppt Autorisierung von Zitaten“ (meedia.de).

5. „‚Satire reagiert nur auf Ereignisse'“
(taz.de, Julia Mateus)
„Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer zur Debatte über die Reaktionen auf den Film „Innocence of Muslims“: „Also ich kenne Muslime, die sich über Satire freuen und sie sehr wertschätzen. Das Bild vom säbelschwingenden Moslem, der bei jeder Gelegenheit aus der Haut fährt, finde ich rassistisch und unerträglich. Die Reaktionen westlicher Medien sind ein Akt, der gegen die Muslime gerichtet sind.“ Siehe dazu auch „Fischer: Muslime müssen Witze über sich aushalten“ (dradio.de, Silvia Engels).

6. „Neukölln Survivor“
(migazin.de, Roman Lietz)
Das Buch „Neukölln ist überall“ des Bürgermeisters von Berlin Neukölln, Heinz Buschkowsky, wird von „Bild“ vorabgedruckt. Roman Lietz macht sich auf Spurensuche nach den beschriebenen Zuständen.