Bringt Julian Reichelt die Familien der Gewerkschafts-Bosse in Gefahr?

Würde man Julian Reichelt fragen, ob die Gehälter von einzelnen Personen öffentlich bekannt sein sollten, müsste der „Bild“-Chef zwei Antworten geben:

1) Wenn es alle Menschen betrifft, nur nicht ihn selbst: „Auf jeden Fall!“
2) Wenn es nur ihn betrifft: „Bloß nicht!“

Reichelt ist bekanntermaßen der Meinung, dass die Veröffentlichung einer Schätzung seines Gehalts das Risiko finanziell motivierter Straftaten gegen seine Familie erhöht. So argumentierte er jedenfalls gegen eine Veröffentlichung im Medienmagazin „kress pro“, als dieses über die Jahresgehälter von Verlagsmanagern und Chefredakteuren schreiben wollte.

Bei Familien anderer Personen ist der „Bild“-Chef hingegen nicht so rücksichtsvoll. Und so hat sich gestern, nach Julian-Reichelt-Logik, das Risiko finanziell motivierter Straftaten gegen die Familien deutscher „Gewerkschafts-Bosse“ deutlich erhöht:

Screenshot Bild.de - Bild verrät es - Was kassiert eigentlich ein Gewerkschafts-Boss?

Schön in Gold gehalten und nicht „verdient“, „erhält“ oder „bekommt“, sondern: „kassiert“.

Die Redaktion nennt hinter ihrer „Bild plus“-Bezahlschranke die Monats- beziehungsweise Jahresgehälter von Reiner Hoffmann (Deutscher Gewerkschaftsbund), Ulrich Silberbach (DBB Beamtenbund), Klaus-Dieter Hommel (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft), Guido Zeitler (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten), Oliver Malchow (Gewerkschaft der Polizei), Jörg Hofmann (IG Metall), Frank Werneke (Ver.di), Michael Vassiliadis (IG Bergbau, Chemie, Energie), Robert Feiger (IG Bauen-Agrar-Umwelt) und Marlis Tepe (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft). Sie schreibt, dass nur die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer nicht auf die Anfrage zum Gehalt des Vorsitzenden Claus Weselsky geantwortet habe.

Auffällig ist, dass einer, der sonst ständig in „Bild“ und bei Bild.de auftaucht, in dieser Liste komplett fehlt: der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Merkwürdig.

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Wen Julian Reichelt nach Julian-Reichelt-Logik sonst noch in Gefahr gebracht haben könnte:

Mit Dank an Stefan E. für den Hinweis!