Kurz- und Mehrarbeit, Auszeichnung für Drosten, Alkoholisierte Medien

1. Kurzarbeit trotz hoher Nachfrage
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Durch das wegbrechende Anzeigengeschäft verzeichnen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage derzeit hohe Einnahmeverluste. Die Medienhäuser verfallen daher oft auf das Mittel der Kurzarbeit. Dabei hätten Arbeitsaufwand und Nachfrage in Zeiten von Corona zum Teil deutlich zugenommen, so Christoph Sterz im Deutschlandfunk. Der Deutsche Journalisten-Verband habe darauf hingewiesen, dass „viele Kolleginnen und Kollegen derzeit mehr arbeiten als vor Corona, weil die digitalen Angebote erheblich ausgeweitet wurden und gewohnte Abläufe umgestellt werden mussten“.
Weiterer Lesehinweis beziehungsweise Hörtipp: Kurzarbeit beim „Tagesspiegel“: „Müssen sehen, dass wir wirtschaftlich überleben“, ein Gespräch mit der „Tagesspiegel“-Geschäftsführerin Ulrike Teschke im Deutschlandfunk.

2. Besondere Auszeichnung für herausragende Kommunikation in der Coronavirus-Pandemie
(dfg.de)
Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, erhält den „Sonderpreis für herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid19-Pandemie“. Der Preis wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Stifterverband vergeben und ist mit 50.000 Euro dotiert. Drosten erkläre den Menschen „auf anschauliche, transparente und faktenbasierte Weise, was die Wissenschaft weiß, wie sie arbeitet und welche Unsicherheiten bestehen.“
Hörtipp: „Das Coronavirus-Update“, der vielgelobte NDR-Podcast mit Christian Drosten.

3. Medien im Corona-Rausch: Finger weg vom Alkohol
(uebermedien.de, Frederic Servatius)
Laut Gesellschaft für Konsumforschung habe der Einzelhandel in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr alkoholische Getränke verkauft. Es gehe um Steigerungsraten von 31 Prozent für klare Spirituosen und 34 Prozent bei Wein. Einige Medien sahen die Republik bereits im coronabedingten Vollrausch, unterschlugen dabei jedoch einen wichtigen Aspekt, so Frederic Servatius: „Natürlich verlagert sich in einer Zeit, in der Bars und Restaurants geschlossen haben, der Einkauf von Alkohol auf den Einzelhandel. Gibt ja quasi keine Alternative mehr. Die Folge ist aber nicht, dass insgesamt mehr Alkohol gekauft wird. Es wird bloß im Einzelhandel mehr gekauft.“

4. Zensurheberrecht: Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Das Informationsfreiheitsgesetz gewährleistet den Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen gegenüber Bundesbehörden und sonstigen Bundesorganen. Doch was nützt ein Rechtsanspruch, wenn er von behördlicher Seite mit oftmals zweifelhaften Begründungen („Urheberrecht“) unterlaufen und abgewimmelt wird? Das Portal „FragDenStaat“ kennt dieses Problem nur zur Genüge — es wurde wegen der Veröffentlichung eines Gutachtens zu Krebsrisiken von Glyphosat sogar von Behördenseite verklagt. Eine Kleine Anfrage der Grünen habe nun ergeben, dass das klagende Bundesamt für dieses und ähnliche Verfahren bereits mehr als 100.000 Euro ausgegeben habe.

5. Wie die Tagesschau auf TikTok junge Leute erreicht
(anchor.fm, Levin Kubeth, Audio: 1:04:34 Stunden)
Als die „Tagesschau“ ihr Angebot auf die Kurzvideo-Plattform TikTok ausdehnte, um dort mit eigenen Inhalten ein junges Publikum zu erreichen, wurde dies von vielen belächelt und bespöttelt. Doch das Angebot wird von den TikTok-Userinnen und -Usern sehr geschätzt: Rund 450.000 Follower freuen sich über die Info-Schnipsel, die kurzen Erklärvideos und das Behind-the-scenes-Material. Im „Unter zwei“-Medienpodcast hat sich Levin Kubeth mit Antje Kießler unterhalten, die im „Innovationslabor“ der „Tagesschau“ arbeitet und verschiedene Formate auf TikTok und Instagram moderiert.

6. Schlechtes Timing für den Abgang
(sueddeutsche.de, Cathrin Kahlweit)
Die britische Boulevardpresse kann es anscheinend nur schwer verwinden, dass sich die beiden nunmehr Ex-Royals Harry und Meghan dem Yellow-Press-Zirkus entziehen und wettert und geifert ihnen noch einmal hinterher. Das Paar dürfte sich deshalb in seinem Entschluss bestätigt fühlen, den Kontakt mit vier großen britischen Boulevardmedien („Sun“, „Daily Mirror“, „Daily Mail“, „Express“) abgebrochen zu haben. Cathrin Kahlweit berichtet aus London über den Konflikt, der auch auf juristischem Weg ausgetragen wird: Demnächst beginnt ein Prozess wegen eines privaten Briefs von Meghan an ihren Vater, der ohne ihre Erlaubnis von der „Mail on Sunday“ abgedruckt worden war.