Künasts Teil­er­folg, Verklagter Seehofer, Täuschende Politwerbung

1. Künast mit Teil­er­folg gegen Hass­pos­tings im Netz
(lto.de, Markus Sehl)
Die Grünen-Politikerin Renate Künast hat einen juristischen Teilerfolg erzielt: Das Landgericht Berlin ist zu der (späten) Einsicht gekommen, dass bestimmte Äußerungen über Künast keinen Sachbezug haben, sondern Beleidigungen sind. Darunter so hübsche Aussagen wie „Schlampe“, „Drecks Fotze“ und „Diese hohle Nuß gehört entsorgt, aufe Mülldeponie, aber man darf ja dort keinen Sondermüll entsorgen“. Die Bezeichnung „Stück Scheisse“ sei ebenfalls eine Beleidigung, jedoch keine Formalbeleidigung, da im Nachsatz ein „Sachzusammenhang“ hergestellt werde. Nun ja.

2. Die E-Mails des Ministers: Wir verklagen Innenminister Seehofer
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
Es geht um nichts weniger als eine Grundsatzfrage: Bezieht sich das Informationsfreiheitsgesetz auch auf E-Mails von Ministern? Das Transparenzportal „FragDenStaat“ verklagt Innenminister Horst Seehofer, nachdem dieser sich weigere, E-Mails aus einem bestimmten Zeitraum herauszugeben. Hintergrund ist eine Pressekonferenz im Juni 2018, in der der Minister von einem Artikel gesprochen habe, den er im Internet gelesen habe und in dem „die Bundesrepublik Deutschland so richtig ironisch eine Hinrichtung erfährt.“ In der ersten Instanz seien für die Klage rund 2.000 Euro fällig, die man auch über Spenden abdecken wolle.

3. Die „Mopo“ vor ungewisser Zukunft
(deutschlandfunk.de, Axel Schröder, Audio: 5:24 Minuten)
Die „Hamburger Morgenpost“ ist schwer angeschlagen: Dramatischer Auflagenschwund, ein reduzierter Mitarbeiterstab und über all dem die Sorge, von Eigentümer DuMont abgewickelt beziehungsweise verkauft zu werden. Deutschlandfunk-Landeskorrespondent Axel Schröder hat das Hamburger Traditionsblatt mit der über 70-jährigen Geschichte besucht.

4. Neonazis verprügeln deutschen Korrespondenten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Als Thomas Jacobi, freier Korrespondent für die Deutsche Welle, über eine Neonazi-Demo in Athen berichten wollte, wurde er brutal angegriffen und verprügelt. Dabei sei sein Handy zerstört und das Aufnahmegerät geraubt worden. Die anwesende Polizei sei nicht eingeschritten. Der Vorstandssprecher der Reporter ohne Grenzen kommentiert: „Rechtsextreme Angriffe auf die Medien werden in Griechenland viel zu oft ignoriert. Die Regierung muss dafür sorgen, dass die Polizei Journalistinnen und Journalisten auf Demonstrationen besser schützt und dass derartige Angriffe wirksam verfolgt werden.“

5. Native Advertising bei Tamedia: Politwerbung mit Täuschungspotenzial
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Der Schweizer Medienkonzern Tamedia übertreibt es mit dem Native Advertising derart, dass sich sogar die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter per offenem Brief (PDF) dagegen aussprechen. Die Verschleierung von kommerziellen Inhalten schade der Glaubwürdigkeit der Medien. „Medienwoche“-Redakteur Nick Lüthi schreibt dazu: „Der kurzfristige Nutzen liegt auf der Hand: Werbung bringt Geld. Doch langfristig riskiert der Verlag, seinen Medien zu schaden.“

6. Wir dürfen Twitter und Facebook nicht dem Mob überlassen!
(journalist.de, Nicole Diekmann)
In der empfehlenswerten Serie „Mein Blick auf den Journalismus“ kommt diesmal die couragierte ZDF-Hauptstadtjournalistin Nicole Diekmann zu Wort. Diekmann wünscht sich mehr Social-Media-Kompetenz in den Redaktionen: „Wenn an Wahlabenden in Sendungen Sätze fallen wie ‚Hat bei Facebook getwittert‘, können wir ‚diese jungen Leute‘ noch so sehr becircen — sie nehmen uns nicht für voll.“