Schöner abschieben, MDR-Diskussion geplatzt, Börse für Andersdenkende

1. Ein PR-Coup des Innenministeriums: Schöner abschieben nach Kabul
(fr.de, Katja Thorwarth)
Die Deutsche Presse-Agentur hat auf Einladung des Innenministeriums einen Abschiebeflug nach Afghanistan begleitet und darüber recht einseitig berichtet, wie Katja Thorwarth kritisiert: „Natürlich kann man die Perspektive der Polizei wählen, nur trägt das zur Transparenz maximal 50 Prozent bei. Tatsächlich wird das für die abgeschobenen Menschen dramatische Ereignis auf den Routinealltag von Beamten heruntergebrochen, Emotionen werden mit dem Verweis auf „beklommene Blicke“ abgefrühstückt. Eigentlich im Fokus stehende Einzelschicksale der Flüchtlinge sind ausgeblendet, das Individuum inklusive Innenleben findet im ministeriell abgesegneten Propagandastück nicht statt.“

2. Lernen Sie jemanden kennen, der ganz anders denkt als Sie!
(zeit.de)
Beim großen Projekt „Deutschland spricht“ vermitteln „Zeit Online“ und die beteiligten Partnermedien allen interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen politisch anders denkenden Gesprächspartner. Das Projekt wurde erstmals 2017 initiiert und von 12.000 Personen genutzt. Im vergangenen Jahr waren es dann schon 28.000 Menschen.
Weiterer Lesetipp: Armin Falk hat das Projekt wissenschaftlich begleitet und kommt zu dem Ergebnis, „dass bereits ein zweistündiges Gespräch ­zwischen Menschen mit völlig unterschiedlichen ­politischen Ansichten reicht, um die Polarisierung abzuschwächen. Das Treffen hat Vorurteile gegenüber Andersdenkenden abgebaut: Nach dem Gespräch hielten Teilnehmer Menschen mit anderen Ansichten im Schnitt für weniger inkompetent, ­bösartig und schlecht informiert. Und sie hatten weniger den Eindruck, dass diese völlig andere Werte und Lebensvorstellungen ­haben.“

3. MDR-Diskussion mit Neonazi platzt nach heftiger Kritik
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Die geplante Diskussion des MDR zum Film „Chemnitz — Ein Jahr danach“, zu der auch ein Neonazi eingeladen war, findet nicht statt. Nachdem es einige Kritik gegeben hatte, und Diskussionspartner aus Protest ihre Teilnahme widerrufen haben, will der MDR das Publikum stattdessen mit den Machern des Films diskutieren lassen.

4. Gewalt gegen Journalisten eskaliert
(reporter-ohne-grenzen.de)
In Hongkong kommt es seit mehreren Wochen zu massiven Protesten. Auslöser war ein Gesetzentwurf, der die Auslieferung von Verdächtigen nach Festland-China erlaubt hätte. Nun wird die Lage auch für Medienschaffende gefährlich. Christian Mihr, Geschäftführer bei Reporter ohne Grenzen: „Die mittlerweile systematische Gewalt soll Journalistinnen und Journalisten abschrecken, über die Proteste zu berichten. Die Behörden in Hongkong müssen die Gewalt gegen Medienschaffende beenden und die brutalen Übergriffe untersuchen.“

5. Radio erlebt als Audio seinen x-ten Frühling
(fachjournalist.de, Ulrike Bremm)
Im Gespräch mit dem Portal „Fachjournalist“ verrät der stellvertretende Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks Walter Schmich, was aus seiner Sicht guten Radiojournalismus ausmacht, wie für ihn das Radio der Zukunft aussieht und was er vom Podcast-Boom hält. Um das Radio macht er sich keine Sorge: „Hörfunk hat beispielsweise in Bayern in 20 Jahren nicht einmal vier Prozent an Reichweite verloren — das ist gar nichts. Da ist der Vorteil, dass wir ein Nebenbei-Medium sind: Ich kann z.B. am Computer arbeiten und Radio hören. Ob man uns über UKW, DAB oder als Livestream am PC hört — völlig egal, wir erreichen die Leute.“

6. Warum Bibel TV der Werbemarkt egal sein kann
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Seit mittlerweile 17 Jahren behauptet sich der kleine Nischenkanal Bibel TV am Markt. Der gemeinnützig arbeitende Sender gehört mehrheitlich der Rentrop-Stiftung, die beiden großen Kirchen besäßen jedoch eine Sperrminorität. Timo Niemeier stellt den Sender vor, bei dem „die Ausrichtung am christlichen Wertekanon und an Gewaltfreiheit“ im Zentrum stehe.