Skandal um angeblichen Skandal, Falsche AfD-Zahlen, ORF-Rückzug

1. BAMF-„Skandal“ wird immer kleiner
(daserste.ndr.de, Christine Adelhardt & Stella Peters, Video: 10:12 Minuten)
Vor einem Jahr erschütterte die sogenannte „BAMF-Affäre“ die Republik. Unter einer angeblich korrupten Chefin habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Bremen angeblich Tausende Asylsuchende ohne Rechtsgrundlage durchgewunken. Auch der Innenminister sprach damals öffentlich von einem „Skandal“. Ein Skandal, von dem am Ende nicht viel übrig bleibt, wie Recherchen von „Panorama“ und „SZ“ ergeben. Dies musste auch das Innenministerium zugeben, nachdem es 18.000 positiv beschiedene Asylbescheide aus Bremen überprüft hatte.

2. Die Meinungsfreiheit der anderen
(evangelisch.de, Christian Bartels)
Die deutsche Sektion der „Reporter ohne Grenzen“ feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Für den Medienjournalisten und Kollegen des stets lesenswerten Medien-Watchblogs „Altpapier“ Christian Bartels ein guter Anlass, die verdienstvolle Arbeit der rund 30 „ROG“-Mitarbeiter zu würdigen.

3. Warum das ZDF die News-Dosis erhöht – und die ARD nicht
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Während das ZDF dem „heute journal“ mehr Sendezeit am Sonntag spendiert, wurde bei der ARD am Freitag sogar noch gekürzt. Timo Niemeier fragt sich, wie das unterschiedliche Vorgehen zu erklären ist.

4. Relaunch der FAZ-App als papierner Irrweg: Nicht das Layout, sondern die Arbeitskultur muss sich ändern
(meedia.de, Franz Sommerfeld)
Die „FAZ“ hat ihre Zeitungs-App relauncht. Man habe sich dabei noch stärker an die gedruckte Zeitung angelehnt, was von Publizist Franz Sommerfeld kritisiert wird: „(D)ie Rückbesinnung auf die papierne Vergangenheit ist ein Irrweg. Eine solche App kann sich nur auf die mobilen Leser fokussieren, denn die journalistische Zukunft findet auf mobilen Geräten statt. Statt dessen wird hier dieselbe Papierzeitung neben dem E-Papier nun ein weiteres Mal, allerdings in einer digitalen App präsentiert“.

5. Wie die AfD mit einer falschen Zahl durchkommt
(deutschlandfunk.de, Panajotis Gavrilis)
Mehrere Medien und Agenturen übernahmen die AfD-Mitteilung, nach der in Integrationskursen angeblich 45 Prozent aller Einwanderer durchfielen. Eine irrtümliche oder absichtliche Fehlinterpretation der offiziellen Zahlen. Oder wie es der Direktor des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung ausdrückt: „Die AfD kann offensichtlich nicht richtig rechnen. Sie hat verglichen zwei Zahlen, die miteinander überhaupt nichts zu tun haben. Diejenigen, die solche Kurse angefangen haben in einem bestimmten Zeitraum und die Zahl derjenigen, die sie abgeschlossen haben — die in einem anderen Zeitraum. Beide Gruppen haben überhaupt nichts miteinander zu tun, sodass man keine Quoten berechnen kann, sodass diese Zahlen völlig aus der Luft gegriffen sind und keinerlei Substanz haben.“
Weiterer Lesetipp: Unser Beitrag vom 8. Januar 2018: „Bild“-Medien lassen Flüchtlinge durch Deutsch-Tests fallen (bildblog.de, Moritz Tschermak).

6. ORF.at verabschiedet sich von Facebook
(orf.at)
Der österreichische Fernsehsender ORF zieht sich (zumindest mit seiner Hauptseite) von Facebook zurück. Das hat vielerlei Gründe, von grundlegenden Bedenken gegenüber dem Netzwerk als solchem bis hin zu pragmatischen Erwägungen.

Nachtrag: Am 6. März 2019 empfahlen wir den Beitrag „Bild“-Chef im Delirium zur Lektüre, in dem ein Autor der „Kontext Wochenzeitung“ auch den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma für seine Veranstaltung mit „Bild“-Chef Julian Reichelt kritisierte. Am gestrigen 28. März hat der Zentralrat eine Replik des Moderators der Veranstaltung und wissenschaftlichen Leiters veröffentlicht.