Hass benennen, Kneifzangen-Institut, „Labaule & Erben“

1. Den Hass benennen
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Anlässlich der beiden jüngsten Gewaltverbrechen aus rassistischen beziehungsweise frauenfeindlichen Motiven kritisiert Margarete Stokowski die Medien. Diese würden oft die Taten verharmlosen und den Hass und die Opfer ausblenden: „In beiden Fällen wurden Taten, die ohne Rassismus und Sexismus nicht passiert wären, verharmlost, entpolitisiert, psychologisiert. Es ist ein Geschenk an die Täter und Gleichgesinnte, ihren Hass auszuklammern und ihre Gewalt als Sonderfall darzustellen. Auch wenn es hart ist, in einer Welt zu leben, die immer noch von Rassismus und Frauenhass geprägt ist, hilft es nicht, wenn Journalistinnen und Journalisten die Taten, die daraus entstehen, kleinreden.“

2. „Bild“ freut sich zu früh
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die „Bild“-Zeitung feiert sich aktuell als „meistzitiertes Medium“. 1.203-mal sei das Blatt laut des „angesehenen Zitate-Rankings von Media Tenor“ im vergangenen Jahr mit Nachrichten, Berichten, Interviews von anderen Medien zitiert worden und damit häufiger als die Zweit- und Drittplatzierten „Spiegel“ und „New York Times“. Problematisch ist jedoch eben jenes Zitate-Ranking besagter Firma, so Steffen Grimberg: „Denn bei Media Tenor handelt es sich um einen Laden, der mit der Kneifzange anzufassen ist.“

3. Einschalten zum Gebet
(sueddeutsche.de, Carolin Werthmann)
Sind angesichts des dramatischen Rückgangs von Kirchenmitgliedern kirchliche Verkündigungssendungen überhaupt noch zeitgemäß? Mit diesen und anderen Fragen zur medialen Präsenz von Kirchen beschäftigt sich Carolin Werthmann bei Süddeutsche.de.

4. Türkisches Gericht verurteilt Journalistin wegen Diffamierung
(faz.net)
Die türkische Journalistin Pelin Ünker war an der internationalen Recherche über Briefkastenfirmen und Steueroasen („Paradise Papers“) beteiligt. Ihre Arbeit an dem Projekt führte unter anderem dazu, dass der damalige Ministerpräsident Binali Yildirim aufflog. Nun ist Ünker in der Türkei zu rund einem Jahr Haft verurteilt worden — wegen „Beleidigung“.

5. Nach mir die Sintflut
(kontextwochenzeitung.de, Willi Germund)
Der Journalist und Auslandskorrespondent Willi Germund wundert sich nicht über den Fall „Claas Relotius“: „Die Relotius-Methode ist zumindest in der Auslandsberichterstattung weder neu noch eine Erfindung des tiefgestürzten Lieblings der deutschen Lobpreisungs-Industrie und Talkshows. Sie wurde spätestens an dem Tag geboren, an dem Printmedien beschlossen, Reporter aus der Heimatredaktion bei Krisenfällen oder speziellen Geschichten loszuschicken.“

6. „Niveau ist kein Maßstab“
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf, Audio: 8:24 Minuten)
Für die satirische TV-Serie „Labaule & Erben“ hat Harald Schmidt die Welt der fiktiven Verlegerfamilie Labaule ersonnen (zu sehen in der ARD-Mediathek). Im „Deutschlandfunk“ spricht Schmidt über sein Erfolgsrezept als TV-Unterhalter und erzählt, wie er reagierte, als er vom Betrugsfall „Claas Relotius“ hörte (der Ähnlichkeiten mit einem Betrugsfall in Schmidts Miniserie hat): „Ich sank auf die Knie, entzündete eine Kerze und dankte dem Seriengott für dieses einmalige Geschenk.“
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