Freizügigkeit im Internet

Es gab mal eine Zeit, da bedeutete der Begriff „Onlinejournalismus“, dass man im Internet über das schrieb, was sonst in der Zeitung stand.

Heute bedeutet „Onlinejournalismus“ vor allem, dass man im Internet über das schreibt oder redet, was anderswo im Internet zu sehen ist.

Zum Beispiel so:

Auf sozialen Netzwerken wie Instagram und Co. geht es häufig sehr freizügig zu. Wer einen schönen Körper hat, möchte schließlich zeigen, was er hat.

Auch die 15-jährige Tochter des Millionär-Ehepaars Geiss hat jetzt ein Bikini-Foto gepostet. Aber ist Davina Geiss dafür nicht noch zu jung? Wie viel Freizügigkeit ist okay bei Jugendlichen in den sozialen Netzwerken?

Bild.de hat deshalb bei Julia von Weiler vom Verein „Innocence in Danger e.V.“ (frühere Präsidentin: „Bild“Liebling Stephanie zu Guttenberg) nachgefragt:

Screenshot Bild.de - Kinder auf Instagram – wie viel nackte Haut ist ok?

Wobei: Das stimmt so nicht. Ursprünglich sah die Überschrift so aus:

Screenshot Bild.de - Kinder nackt auf Instagram - muss das sein?

Das war grob irreführend, weil Davina Geiss auf dem Foto (natürlich) nicht „nackt“ ist, hätte aber im Zweifelsfall Leute auf Bild.de gebracht, die im Internet nach „Kinder nackt“ gesucht hätten.

Also solche Leute, von denen Julia von Weber vom Verein „Innocence in Danger e.V.“ direkt in ihrer ersten Antwort spricht:

„Die traurige Realität ist, dass privat gepostete Bikini- und Posenbilder von Kindern und Jugendlichen — auch solche, die stolze Eltern posten — zwischen Missbrauchsdarstellungen und Sextingbildern in pädokriminellen Sammlungen landen. Dort dienen sie der sexuellen Erregung.“

Solche Bilder landen allerdings auch noch ganz woanders: Zum Beispiel bei Bild.de, wo der Artikel, in dem die Expertin eindringlich aus verschiedenen Gründen davor warnt, „freizügige“ Fotos von Kindern und Jugendlichen ins Internet zu stellen, mit einem Foto bebildert ist, auf dem die 15-jährige Davina Geiss neben ihrer Mutter im Bikini in einem Whirlpool zu sehen ist.

Auch in einem über zweiminütigen Video aus der „Bild Boxx“ (ein Videoformat, das sich offenbar an junge Leute richten soll, und deshalb so aussieht wie Musikfernsehen in der Zeit, als die Eltern der jungen Leute jung waren) wird das Foto thematisiert (allerdings nicht warnend, wie im Interview mit der Frau von „Innocence in Danger“, sondern eher herablassend) und mehrfach gezeigt.

Mit Dank an @ballschwabing, @Kathy_Kolumna und @herrmausbp!