„Bild“ macht Wladimir Putin zum Stasi-Mitarbeiter

Große Freude heute bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Nach Bild-Enthüllung - Die Welt staunt über Putins Stasi-Ausweis

Gut, „Nach BILD-Enthüllung“ wäre es nur dann, wenn man eine Entdeckung der Stasi-Unterlagenbehörde in Dresden, über die die „Bild“-Medien gestern berichteten, wirklich als „BILD-Enthüllung“ sieht. Aber von solchen Details wollen sie sich in der „Bild“-Redaktion nicht bremsen lassen:

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein geheimer Stasi-Ausweis!

Die Entdeckung von BILD ging um die Welt.

Die „Washington Post“, die Londoner „Times“ und selbst russische Medien berichteten über die bisher unbekannten Dokumente, die der einstige KGB-Offizier „Major Wladimir Putin“ von den Spitzeln der DDR-Stasi 1985 ausgestellt bekam.

Bereits gestern schrieb „Bild“-Redakteur Jürgen Helfricht:

28 Jahre nach DDR-Ende dachte selbst die Stasi-Unterlagenbehörde (BStU), alle Geheimnisse zu kennen. Doch jetzt entdeckte Dokumente belegen: der einstige KGB-Offizier und heutige Kremlchef Wladimir Putin (66) war bis zum Fall der Mauer auch Mitarbeiter des berüchtigten Staatssicherheitsdienstes!

Auf der gestrigen Titelseite geht es erstmal nur um Putins „Stasi-Ausweis“:

Ausriss Bild-Titelseite - Als KGB-Spion in Dresden - Putins geheimer Stasi-Ausweis entdeckt!

Zwei Seiten später ist der heutige Präsident Russland bereits „Stasi-Mann“ gewesen:

Ausriss Bild-Zeitung - KGB-Spion Putin - Seine Tarnung als Stasi-Mann

Und im Text von Helfricht dann eben „Mitarbeiter des berüchtigten Staatssicherheitsdienstes!“

An der Folgerung, der nun aufgetauchte Ausweis belege, dass Wladimir Putin Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gewesen ist, haben manche Leute allerdings erhebliche Zweifel. Zum Beispiel die Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde, die ja immerhin „Putins geheimen Stasi-Ausweis“ entdeckt haben. Noch gestern Abend veröffentlichten sie eine entsprechende Mitteilung, in der unter anderem steht:

Wer als Verbindungsoffizier des russischen Geheimdienstes KGB seinen Dienst in der DDR versah, wurde mit einem Hausausweis der zuständigen MfS-Dienststelle ausgestattet. Dies trifft auch auf den MfS-Hausausweis von Wladimir Putin zu, der in Dresden von 1985-1990 seinen Dienst als ein dem KGB-Verbindungsoffizier untergeordneter Offizier verrichtete. (…)

In den Bezirken der DDR erhielten die KGB-Vertreter damit Zugang zu den Bezirksverwaltungen des MfS. Das war auch der Fall bei Wladimir Putin, der damals für die KGB-Dienststelle im Bezirk Dresden tätig war und aus diesem Grund einen Hausausweis von der MfS-Bezirksverwaltung bekam. Nach bisherigem Forschungsstand ist die Ausstellung eines Hausausweises auf der oben beschriebenen Basis kein Hinweis darauf, dass Wladimir Putin für das MfS gearbeitet hat. Der Ausweis war Teil der Ausstattung für die Erledigung der Aufgaben des KGB in der Zusammenarbeit mit dem MfS. Welche Aufgaben zu erledigen waren, sind dem Hausausweis nicht zu entnehmen und auch in der Existenz eines solchen Ausweises nicht zu erkennen.

Und Konrad Felber, der die Stasi-Unterlagenbehörde in Dresden leitet, und den „Bild“ als Entdecker des Ausweises präsentiert, sagt auch noch mal: „Das heißt aber nicht automatisch, dass Putin für die Stasi gearbeitet hat“.

Damit geht die sagenhafte Erfolgsgeschichte von „Bild“-Redakteur Jürgen Helfricht weiter: Nachdem er das Katzenbenzin erfunden, die seit Jahrzehnten bekannte „Wahrheit über den Dresdner Feuersturm“ enthüllt, Hitlers Cognac entdeckt und den Sandmann in den Westen verkauft hat, hat er nun auch noch Wladimir Putin zum Stasi-Mitarbeiter befördert.

Mit Dank an Benjamin J. für den Hinweis!