Crowdfunding rettet kremlkritisches Magazin, Kältebus, Göttinger Rätsel

1. Politisches Crowdfunding
(taz.de, Klaus-Helge Donath)
Ende Oktober wurde das kremlkritische Magazin „The New Times“ mit einer Geldstrafe von 22 Millionen Rubel (umgerechnet 300.000 Euro) belangt, dem höchsten Zahlungsbefehl, der jemals über ein russisches Medium verhängt wurde. Normalerweise hätte dies das Aus für das Nachrichtenmagazin bedeutet, doch dann war da noch die Sache mit dem Internet: Mehr als 20.000 Menschen spendeten via Crowdfunding und sorgten dafür, dass der Betrag innerhalb von vier Tagen zusammen war.

2. Kaeser muss Reise nach Saudi-Arabien absagen
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ („ROG“) fordert den Siemens-Chef Joe Kaeser auf, seine für den 26. November geplante Reise zu einer Konferenz in Saudi-Arabien abzusagen. Hintergrund ist der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi, der allem Anschein nach von der saudischen Regierung beziehungsweise von Kronprinz bin Salman persönlich beauftragt wurde: „Der Mord an Khashoggi im Konsulat in Istanbul ist in seiner Brutalität wie Dreistigkeit ein Ausnahmefall. Zudem ist immer noch unklar, wer die Verantwortlichen sind und inwiefern Kronprinz bin Salman persönlich in den Fall verstrickt ist. Dass einer der wichtigsten internationalen Investoren in Saudi-Arabien in dieser Situation zur Tagesordnung übergeht, ist zynisch“, sagte „ROG“-Geschäftsführer Christian Mihr: „Jetzt das Gespräch zu suchen, ist nicht in erster Linie ein Zeichen an das saudische Volk, wie Siemens betont. Es zeigt vor allem dem Regime, dass es wirtschaftlich nicht viel zu befürchten hat, wenn es Journalisten inhaftiert, auspeitscht, entführt und ermordet.“

Weiterer Lesehinweis: Das Länderdossier der „Reporter ohne Grenzen“ zu Saudi-Arabien.

3. Kältebus-Aufruf mit falscher Nummer
(hinzundkunzt.de, Simone Deckner)
„The same procedure as every year, James.“ Jedes Jahr kursieren auf Facebook und Co. die unterschiedlichsten Bildtafeln („Sharepics“) mit Telefonnummern von Kältebussen, die Obdachlosen helfen sollen. Das Problem: Oftmals sind die Nummern veraltet oder schlicht falsch wie man am Beispiel Hamburg sehen kann. Das Hamburger Straßenmagazin „Hinz und Kunzt“ hat einen Tipp: Wer in kalten Nächten einen Obdachlosen sehe und es unklar sei, ob sich dieser in Gefahr befindet, solle zunächst herausfinden, ob die Person ansprechbar ist: „Reagiert sie nicht mehr auf Ansprache, sollte man die 112 anrufen. Braucht sie Hilfe, dann ebenfalls die 112 wählen! Wenn sich aber herausstellt, dass die Person in der akuten Situation keine Unterstützung will, sollte man dies auch akzeptieren.“

4. Polizei überwacht möglicherweise Journalisten
(amnesty-polizei.de)
Nur durch einen Irrtum der Polizei ist herausgekommen, dass diese anscheinend einen Journalisten überwacht hat. Wie das Ganze ans Licht gekommen ist? Die sächsische Polizei hatte versehentlich ein für die Göttinger Polizei vorgesehenes Schreiben an den Anwalt des Journalisten adressiert.
Weitere Einzelheiten zu dem unter vielerlei Aspekten bemerkenswerten Fall gibt es beim „Göttinger Tageblatt“: Weitere Klage gegen Polizei bei Datenpanne (Matthias Heinzel & Michael Brakemeier).

5. Sächsische.de: Ein Besuch im neuen Newsroom
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Der Dresdner „Flurfunk“ hat sich auf Einladung der „Sächsischen Zeitung“ auf der Baustelle des neuen Newsrooms umgesehen, einer hippen Bürofläche mit Brickwall-Elementen und Coffeeshop-Atmosphäre. Die Einrichtung des Newsrooms liege am grundlegenden Konzeptwechsel der Zeitung zu „online first“ bis zu einem möglicherweise „online only“.

6. Frankreich beschließt Gesetz gegen „Fake News“
(zeit.de)
Die französische Nationalversammlung stimmte in letzter Lesung für zwei Gesetze gegen die Verbreitung von Falschnachrichten im Wahlkampf. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte angekündigt, „das demokratische Leben“ schützen zu wollen. Kritiker sähen in den Gesetzen einen Versuch Macrons, missliebige Informationen zu unterbinden.