Özil-Berichterstattung, Predatory Journals, Flämische Nacktpolizei

1. Hauptsache publiziert
(spektrum.de, Alexander Mäder)
Vielfach werden Wissenschaftler danach bewertet, wie viel sie publiziert haben. Das setzt die Wissenschaftler einerseits unter Druck und verleitet andererseits dazu, in Magazinen zu veröffentlichen, die kein wissenschaftliches Renommee haben. Ein eigener Industriezweig sogenannter „Predatory Journals“ (Raubjournale/Pseudo-Magazine) hält mittlerweile für die ungeprüfte Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels in einer der zahlreichen Fake-Postillen die Hand auf. Der Philosoph Alexander Mäder überlegt, was man gegen die Veröffentlichung von ungeprüften Fachartikeln unternehmen kann.
Dazu zwei aktuelle TV-Tipps: Reporter haben sich als Wissenschaftler ausgegeben und dafür gezahlt, dass ihre sinnfreien Gaga-Inhalte einen wissenschaftlichen Anstrich bekommen haben. Sie durften sie sogar auf „Konferenzen“ vorstellen:
Raubverlage: Dunkle Geschäfte mit dubiosen Studien (ORF, 5:36 Minuten) und Fake Science – Die Lügenmacher (Das Erste, 29 Minuten).

2. „Bild missbraucht ihre Machtposition“: Medienethikerin Jessica Heesen über die Berichterstattung im Fall Özil
(meedia.de, Felix Buske)
„Meedia“ hat mit der Medienethikerin Jessica Heesen über die Berichterstattung im Fall Özil gesprochen. Dabei geht es auch um die Abgrenzung kritischer Berichterstattung von Hetze: „Eine „Hetz-Kampagne“ fängt da an, wo die Medienberichterstattung einen Menschen persönlich herabwürdigt, einseitig berichterstattet, im privaten Umfeld recherchiert und eine Sprache benutzt, die unnötig skandalisiert und den Standards einer Sensationsberichterstattung entspricht — der wichtigste Punkt ist jedoch, dass hier ein Thema in den medialen Fokus gerückt wird, das aktiv insbesondere von der Bild-Zeitung „aufgebauscht“ wurde, es also einen aktiven Willen der Redaktion gab, insbesondere Özil an den Pranger zu stellen und damit viele rassistische Ressentiments zu bedienen.“

3. Özil – Von wegen #zsmmn
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker, Audio)
Das Format „Deutschlandfunk — Der Tag“ hat am 23. Juli mal wieder eindrucksvoll Werbung für sich gemacht. Dort ging der Brüssel-Korrespondent Peter Kapern nicht nur mit den Medien allgemein, sondern auch dem eigenen Sender hart ins Gericht. Anlass waren Steve Bannons Europapläne, die von deutschen Medien, aber eben auch dem eigenen Haus geradezu hysterisch aufgegriffen worden seien (Beginn ab Minute 11:02). Eine substantiierte Selbstkritik mit Seltenheitswert und ein erneuter Beleg, warum die Sendung auf keinem Podcast-Player fehlen sollte.

4. Schauen Sie sich dieses Bild nicht an, zu Ihrer Sicherheit!
(faz.net, Andrea Diener)
Das Fremdenverkehrsbüro Visit Flanders hat sich zusammen mit verschiedenen Museen an Facebook-Chef Mark Zuckerberg gewandt: „Brüste, Hintern und Peter Paul Rubens‘ Putten werden als anstößig eingeordnet. Nicht von uns, aber von Ihnen … Auch wenn wir uns insgeheim darüber amüsieren, so macht Ihre kulturelle Zensur uns das Leben ziemlich schwer.“ Um der Sache einen gewissen viralen Nachdruck zu verleihen, haben die Flamen ein kurzes Video aus dem Rubenshaus gepostet. Dort greift die „Nude Police“ ein, wenn sie der Meinung ist, Besucher müssten vor Nacktheit geschützt werden.

5. Weiß, männlich, Wikipedia
(zeit.de, Julia Jaki)
Wikipedia-Autoren sind ganz überwiegend weiß, männlich und stammen aus Europa und Nordamerika. Dies wird besonders auf der diesjährigen Wikimania-Konferenz in Kapstadt deutlich, wie Julia Jaki berichtet. Als sie mit den circa 600 Teilnehmern im Konferenzraum zusammensitzt, schätzt Jaki die anwesenden Frauen und People of Color auf maximal zehn Personen. In ihrem Artikel führt sie mit vielen Beispielen und Zahlen aus, welche nachteiligen Folgen ein derartiges Ungleichgewicht für die Online-Enzyklopädie hat.

6. Der Hashtag #ITSchlager ist genau die Dosis Wortwitz, die du heute brauchst
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Auf Twitter machte gestern das Hashtag #ITSchlager die Runde. „Buzzfeed“ hat eine Hitliste der IT-Schlager zusammengestellt: „Weine nicht, wenn die Leistung fällt — RAM, RAM — RAM, RAM.“