Posts Tagged ‘Korrekturspalte’

„Bild“ führt Korrekturspalte wieder ein

Ende Mai traf sich Springer-Vorstand Mathias Döpfner mit dem Schriftsteller Günter Grass zum Gespräch. Es ging darin auch um die „Bild“-Zeitung und darum, dass Opfern journalistischer Berichterstattung Genugtuung verschafft werden müsse. Döpfner sagte u.a.:

„Ja, wenn falsch berichtet worden ist, muss das korrigiert werden. Und zwar nicht nur durch eine Gegendarstellung, sondern auch durch einen redaktionellen Widerruf. Ich finde die amerikanische Einrichtung der Korrekturspalte am festen Ort ausgesprochen sinnvoll. Das begrüße ich sehr.“

Es gab so etwas ja schon mal in „Bild“. Udo Röbel hatte in seiner Zeit als Chefredakteur eine Korrekturspalte eingeführt. Unter seinem Nachfolger, Kai Diekmann, gab es sie nicht mehr. Aber: Offenbar hat man mittlerweile auch bei „Bild“ ihre Notwendigkeit wiederentdeckt und heute die Gelegenheit genutzt, schon mal einen Fehler auf der Seite 1 zu korrigieren und die Korrekturspalte ab morgen als feste Einrichtung anzukündigen (siehe Ausriss).

In einer Pressemitteilung des Axel Springer Verlags heißt es:

Auf Seite 2 der Zeitung werden zukünftig Fehler in der Berichterstattung, die der Redaktion unterlaufen, aufgelistet und korrigiert.

Und entweder „Bild“ braucht noch etwas Übung im Fehler-Korrigieren oder, wenn die Redaktion Fehler ungeprüft übernimmt, gelten die nicht als Fehler, „die der Redaktion unterlaufen“. Aus dem heutigen Text wird jedenfalls gar nicht deutlich, dass auch „Bild“ gestern behauptet hatte, Andrea Kempter sei die „Sat.1-Wetterfee“.

Und was bedeutet eigentlich „solche oder ähnliche Fehler“? Dass „Bild“ nur Geschichten korrigiert, die sich mit einer nackten Frau bebildern lassen?

„Bild“ macht mit Korrekturspalte auf

Hey, gleich zwei Richtigstellungen heute in „Bild“. Die eine Sache korrigiert „Bild“ freiwillig, das steht klein auf Seite 2: Ein von Mäusen befallener Supermarkt liegt nicht in dem Ort Westerwald in Niedersachsen, sondern im Westerwald in Rheinland-Pfalz.

Die andere Sache korrigiert die „Bild“-Zeitung nicht freiwillig, sondern weil sie muss. Dafür steht die Richtigstellung nicht klein auf Seite 2, sondern groß auf Seite 1.

Und zwar so:

Gegendarstellung. Zu der Überschrift in Bild vom 2. 5. 2006 "Heide Simonis jetzt ins Dschungel TV?" stelle ich fest: Ich habe stets erklärt, daß ich zur Teilnahme an einer solchen TV-Show nicht zur Vergügung stehe. 2. Mai 2006 RA Johannes Eisenberg für Heide Simonis. Anmerkung der Redaktion: Frau Simonis hat stets erklärt, daß sie zur Teilnahme an einer solchen TV-Show nicht zur Verfügung stehe.

Gegendarstellung
Zu der Überschrift in Bild vom 2. 5. 2006 „Heide Simonis jetzt ins Dschungel TV?“ stelle ich fest: Ich habe stets erklärt, daß ich zur Teilnahme an einer solchen TV-Show nicht zur Verfügung stehe.
2. Mai 2006 RA Johannes Eisenberg für Heide Simonis

Darunter steht folgende „Anmerkung der Redaktion“:

Frau Simonis hat stets erklärt, daß sie zur Teilnahme an einer solchen TV-Show nicht zur Verfügung stehe.

Mit anderen Worten: „Bild“ muss einräumen, dass die Antwort auf die von ihr gestellte Frage „Heide Simonis jetzt ins Dschungel-TV?“ bereits vorher feststand. Sie lautete: Nein.

Die Gegendarstellung ist deshalb so groß, weil auch die Überschrift, auf die sie sich unmittelbar bezieht, so groß war:

Der Artikel war Teil einer längeren Kampagne von „Bild“ gegen Simonis. Bereits zwei Tage nach der Veröffentlichung hatte Simonis vor dem Landgericht Berlin eine (vorläufige) einstweilige Verfügung erwirkt, wonach „Bild“ diese Gegendarstellung auf der Titelseite drucken muss. Offenbar hat „Bild“ sich seitdem juristisch gegen den Beschluss gewehrt.

(„Bild“ veröffentlicht solche und ähnliche Gegendarstellungen traditionell meistens samstags, weil dann die Auflage ohnehin niedriger ist als an Werktagen.)

Post für Streiter!

Georg Streiter, bisher nur Leiter des Politik-Ressorts, ist nun auch für die neue Korrekturspalte bei „Bild“ zuständig. Er hat eine zusätzliche, entsprechend lautende E-Mail-Adresse bekommen und seine Redaktionskollegen in einer internen E-Mail aufgefordert, ihm „künftig alles, was in BILD falsch und deshalb korrekturbedürftig ist, ausschließlich an diese Adresse zuzumailen“:

Und noch mal: Es ist dabei völlig egal, wo der Fehler steht, Hauptsache in BILD (und nicht bild.de!). Also bitte auch übers eigene Ressort hinausschauen. Falsches Alter, falscher Name, falscher Ort, falsch gerechnet, falsches Foto — alles gilt.

Keine Post für Streiter

Na, da freut sich aber die „Bild“-Redaktion. In der gestrigen Ausgabe hat sie gar „keinen Fehler gefunden“, weshalb sie in der Korrektur-Spalte von heute „den eigentlich unfehlbaren Kollegen von der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung'“ einen Hinweis schenkt:

Jaha, auch seriöse Zeitungen machen nämlich Fehler, nicht immer nur „Bild“.

Zur Feier des Tages wollen wir natürlich auch nicht zurückstehen und schenken „Bild“ unsererseits noch einen Hinweis: Liebe „Bild“-Mitarbeiter, anders als gestern in „Bild“ zu lesen war, ist Mainz-05-Trainer Jürgen Klopp NICHT 34, sondern am 16.6.1967 geboren. Folglich, liebe „Bild“, ist er tatsächlich schon 39 Jahre alt.

Mit Dank an Falk H. und Leif S. für den sachdienlichen Hinweis.
 
Nachtrag aus der „Bild“-Korrekturspalte vom Mittwoch, dem 19.7.2006:

Die Montag-Ausgabe von BILD war doch nicht fehlerfrei, wie wir gehofft hatten.

In dem Artikel „Wir sagen ja zum Duzen“ war das Alter des Trainers des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, Jürgen Klopp, mit 34 angegeben.

Das ist falsch: Klopp ist schon 39 Jahre alt.

Kurz korrigiert (249 – 250 251 252)

„Big Big World“ sang nicht „Amelia“, sondern Emilia. Und der „Nacktsängerin Jazmin Jennewein“ hatte sogar der Ziehungsbeamte von „Bild“ vor drei Wochen schon mal das (anscheinend zutreffende) Alter 27 zugelost.

Vielleicht sollte „Bild“ doch Hilfe von außen annehmen?

Nachtrag, 6. August, 1.40 Uhr. Unser Leser Johannes M. hat sich den kleinen Ausriss oben angesehen und mit der Hilfeseite für „Bild“ verglichen und so einen weiteren Fehler gefunden: Auch Dieter Bohlens Alter kennt „Bild“ nicht. Er ist längst 52.

Nachtrag, 10.55 Uhr. Bild.de hat die drei Fehler korrigiert. Aber auch das Alter von Heinz Henn hat „Bild“ falsch angegeben. Er ist 51 Jahre alt. — Das wird eine eindrucksvolle Korrekturspalte morgen in der Zeitung.

Nachtrag, 14.35 Uhr. Hoppla: Aus „Amelia“ hat Bild.de „Emelia“ gemacht. Richtig wäre: Emilia.

Nachtrag, 16.40 Uhr. So, nun stimmt die Emilia, aber das Alter von Heinz Henn noch nicht.

Danke an Eva K., Sabine B., MrB., Micka und die vielen anderen!

Nachtrag, 7. August:

Kurz korrigiert (255)

So wie wir „Bild“ kennen, steht dort in der „Korrekturspalte“ von morgen bestimmt:

"Berichtigung: In dem Artikel "Das Bohlen-Fotoalbum der BILD-Leser-Reporter" (BILD vom 16.8.) wird das Alter von Dieter Bohlens jüngstem Kind aus erster Ehe mit 6 Jahren angegeben. Das ist falsch: Das Kind ist 16."

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 17.8.2006
Sorry, wir haben uns geirrt. Tatsächlich steht in der „Korrekturspalte“ heute dies:
"Berichtigung: In dem Artikel „Das Bohlen-Fotoalbum der BILD-Leser-Reporter“ (BILD vom 16. 8.) wird das Alter von Dieter Bohlens Kindern mit 21, 17 und 6 Jahren angegeben. Das ist falsch. Sie sind 21, 17 und 16 Jahre alt."

Lammert und der Boy von Seite 2

Dieter Bohlen (52) ist für die „Bild“-Zeitung vielseitig verwendbar: als Motiv für „BILD-Leser-Reporter“, als „Bild“-Schlagzeile — aber auch für ihre tolle „Korrekturspalte“. Heute findet er sich dort bereits zum vierten Mal in vier Wochen wieder. Denn nachdem „Bild“ nicht nur Bohlens Alter, sondern auch das seines jüngsten Kindes aus erster Ehe und zuletzt gar den angeblichen Anfangsbuchstaben des angeblichen Vornamen seiner angeblichen neuen Freundin berichtigte, schafft es Bohlen auch heute auf Seite 2 der „Bild“:

Weil Christiane „Ich weiß es!“ Hoffmann am Samstag zu berichten wusste, dass die Trennung von Dieter Bohlen und seiner bisherigen Lebensgefährtin Estefania (eigentlich Stefanie Küster) „schon neun Monate“ zurückliege, heißt es nun:

„Richtig ist: Die Trennung erfolgte am 9. Juni.“

P.S. Falls „Bild“ für die morgige Ausgabe nichts Besseres einauffällt, hätten wir da noch einen Vorschlag:

„Bild“ behauptet heute nämlich, Bundestagspräsident Norbert Lammert (57) habe „einen Brief an Polens Parlamentspräsident Marek Jurek“ geschrieben. In einer längeren Fassung heißt es sogar stolz, es handle sich dabei um einen „offenen Brief“, „der BILD vorliegt“.

Nach Angaben des Deutschen Bundestages handelt es sich dabei aber peinlicherweise lediglich um einen Artikel Lammerts für die größte polnische Tageszeitung „Fakt“ (mehr dazu z.B. hier und hier), wo der angebliche Lammert-„Brief“, der „Bild“ vorliegt, bereits am vergangenen Freitag in einer Auflage von mehreren hunderttausend Exemplaren erschienen ist.

Mit Dank an Hyp Nom für den Hinweis.
Danke auch an Matthäus W. für die Unterstützung!

Nachtrag, 5.9.2006: Was Millionen „Fakt“-Leser schon seit vergangenem Freitag wissen, erfahren heute nun auch Millionen „Bild“-Leser.

Dieter Bohlen irrt

Unser Vorschlag für die morgige Korrekturspalte in „Bild“:


Weil wir wieder einmal keinen Fehler in „Bild“ gefunden haben, berichtigen wir diesmal Dieter Bohlen. Der behauptete gestern bei RTL, er und Estefania seien „jetzt seit ’nem Dreivierteljahr auseinander“. Das ist falsch. In Wahrheit erfolgte die Trennung bekanntlich am 9. Juni.

Verlierer des Tages (Wiedervorlage)

Man könnte meinen, eine Korrekturspalte sei dazu da, Fehler zu korrigieren. Außer bei „Bild“ natürlich. Denn bei „Bild“ ist die Korrekturspalte auch dazu da, Fehler zu wiederholen.

Vor zwei Wochen hatte „Bild“ Jürgen Rüttgers (CDU) zum „Gewinner“ des Tages gemacht, weil er in einer von der SPD bezahlten Umfrage von der Mehrheit der Nordrhein-Westfalen als beliebtester SPD-Politiker genannt worden sei.

Tatsache aber ist: Rüttgers war in einer nicht von der SPD bezahlten Umfrage von einer Minderheit der Nordrhein-Westfalen am dritthäufigsten als SPD-Politiker genannt worden.*

Zwei Wochen später ist es „Bild“ nun gelungen, eine „Berichtigung“ zum Thema abzudrucken:

Unter der Rubrik "Gewinner" hatte BILD am 7. Dezember 2006 berichtet, dass die SPD die Forsa-Umfrage nach dem beliebstesten SPD-Politiker, aus derer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) als Sieger hervorging, bezahlt hat. Dies hat sich als unzutreffend erwiesen. Die SPD hat diese Forsa-Umfrage nicht bezahlt.
Man mag sich nicht vorstellen, welches juristische Hin und Her hinter den Kulissen der Formulierung „hat sich als unzutreffend erwiesen“ vorangegangen ist, damit nun endlich, zwei Wochen später, auch in „Bild“ steht, was sich doch eigentlich bereits am Tag der Veröffentlichung als unzutreffend erwiesen hatte. Die SPD jedenfalls möchte sich dazu nicht mehr äußern.

Und dass die heutige „Berichtigung“ den dritt(!)bekanntesten(!) „SPD-Politiker“ weiterhin fälschlicherweise als Beliebtheits(!)sieger(!) dastehen lässt, korrigiert „Bild“ garantiert morgen nach Weihnachten im nächsten Jahr nie.

*) Ein Teil der „Bild“-Fehler stammte aus der „FAZ“. Zufälligerweise fand sich dort an Tag vor dem heutigen „Bild“-„Berichtigung“ folgende „Richtigstellung“:

„Am 5. Dezember hat diese Zeitung (…) über eine Meinungsumfrage aus dem vergangenen Sommer berichtet, die den Bekanntheitsgrad nordrhein-westfälischer SPD-Politiker untersucht. Dabei war behauptet worden, die SPD selbst habe die Umfrage in Auftrag gegeben. Dies hat sich als unzutreffend erwiesen. (F.A.Z.)“

FAZ.net hat den Hinweis auf die SPD als vermeintlichen Auftraggeber der Umfrage ersatz- und kommentarlos gestrichen.

Blättern: 1 2