Posts Tagged ‘BILD und Tokio Hotel’

BILDisch für Fortgeschrittene

Gut, gut: Die gestrige Falschmeldung der „Bild“-Zeitung über die Popgruppe Tokio Hotel war vielleicht wirklich zu falsch, um sie nur in der blatteigenen „Korrekturspalte“ zu berichtigen. Stattdessen steht die „Tokio Hotel“-Berichtigung heute auf Seite 4 und sieht so aus:

"Tokio-Tom trifft sein Kuss-Double"

„Bild“ schreibt:

Gestern zeigte BILD ein Foto von Tom Kaulitz (17), Gitarrist in Deutschlands erfolgreichster Rockband „Tokio Hotel“, und einer unbekannten Schönheit – beim zärtlichen Küssen.

Jetzt stellt sich heraus: Der junge Mann auf dem Bild ist gar nicht Tom – sondern ein (Kuss)–Doppelgänger. (…)

Und mal abgesehen davon, dass wir im ersten „Bild“-Satz nirgends die Wörter fälschlicherweise und vermeintlich finden können — haben wir wieder was gelernt: Wenn ahnungslose „Bild“-Redakteure in Europas größter Tageszeitung irgendwas veröffentlichen, ohne zu wissen, ob’s stimmt, dann heißt Entschuldigung auf BILDisch:

Jetzt stellt sich heraus

neu  

„Bild“ kennt Tokio Hotel schlecht

Suuuper Geschichte, die Bea Swietczak und Mark Pittelkau da für ihren Arbeitgeber „Bild“ aufgetan haben:

Tokio Hotel: "Der 1. öffentliche Kuss - Wer ist die zärtliche Freundin von Tokio-Tom?"
Die Geschichte hat nur einen kleinen Haken (eigentlich sogar drei):

  • Die „zärtliche Freundin“ ist keine „geheimnisvolle Schöne“, sondern eine gewisse Svenja, die laut Bravo.de „für Tokio Hotel-Fans keine Unbekannte“ sei.
  • Der junge Mann auf dem „Bild“-Foto ist nicht „Tokio-Tom“, sondern Svenjas Freund Chris.
  • Und die „Bild“-Geschichte ist darum nur eine Suuuper-Ente.

Mit Dank an Paul R., Anna K., Kessi und Claudia P.

Nachtrag, 15.29 Uhr: Viva.tv und Chart-king.de beispielsweise haben die Sache trotzdem blind aus „Bild“ abgeschrieben und weiterverbreitet, Letmeentertainyou.com auch, aber inzwischen immerhin richtiggestellt.
 
Nachtrag, 4.5.2007: „Bild“ hat die Ente heute, nun ja, berichtigt.

Tokio Hotel setzen Tokio-Hotel-Gerücht in die Welt

Man darf ja nicht alles glauben, was in irgendwelchen Internet-Foren so steht. Aber man muss deshalb auch nicht gleich annehmen, dass die Betreiber von Foren so schlecht informiert sind wie die Leute von Bild.de. Die schrieben am Montag:

Schon seit Mitte April stand kein „Tokio Hotel“-Forum mehr still — das Gerücht: Die Teenie-Stars bringen ein englischsprachiges Album auf den Markt!

Soso. Ein Gerücht also. In nicht-stillstehenden Foren. Seit Mitte April. Als wüssten echte Tokio-Hotel-Fans nicht, dass die Brüder Kaulitz am 28. Februar 2007, also vor gut zwei Monaten, zu Gast in der ZDF-Show „Johannes B. Kerner“ waren. Und sich dort folgender Dialog entwickelte:

Johannes B. Kerner: Wann singt ihr auf englisch?
Bill Kaulitz: Wir sind dabei. Wir machen immer so Eins-zu-eins-Übersetzungen von den Texten. Und wir sind jetzt dabei, das zu machen. Ich muss jetzt quasi ins Studio und singe alle Songs noch mal ein.
Kerner: Auf englisch?
Kaulitz: Auf englisch.

Da fragt man sich doch, wo sich das „Gerücht“ die nächsten sechs Wochen nach dieser quasi-offiziellen Bestätigung aufgehalten hat.

Vielleicht im Ausland? Schließlich schreibt Bild.de:

Deutschland, Österreich, Russland, Jugoslawien und zuletzt Frankreich — der Erfolg von Tokio Hotel kennt keine Grenzen.

Anscheinend nicht einmal die, die teils seit über 15 Jahren zwischen Ländern wie Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien und Montenegro existieren.

Danke an Leni für den sachdienlichen Hinweis.

Fällt die „Bild“-Redaktion jetzt auseinander?

  • Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?
  • Wer wird Millionär?
  • Darf’s ein bisschen mehr sein?
  • WIRD „BILD“ EINGESTELLT?

Es gibt so viele Fragen auf der Welt. „Bild“ hat sich für ihre heutige Ausgabe die folgenden ausgedacht:

  • LETZTE TOURNEE?
  • LETZTES ALBUM?
  • Holt die Polizei TOKIO-BILL zur Musterung?
  • Ist es jetzt vorbei mit dem wilden Rockstar-Leben?
  • Wollten sich Bill und Tom vor der Bundeswehr drücken?
  • Wie sollen Bill und Tom neun Monate Grundwehrdienst und ihre Musiker-Karriere unter einen Hut bringen?
  • WIRD IHRE BEVORSTEHENDE TOURNEE (AB 3. APRIL) IHRE LETZTE SEIN?
  • Werden sie überhaupt je wieder eine Platte aufnehmen?
  • Fällt die Band jetzt auseinander?
  • Wie wollen Bill und Tom jetzt weiter verfahren?

Anlass für all diese Fragen: ein sog. „Fragebogen zur Musterungsvorbereitung“ [pdf], der allen Deutschen, die wehrpflichtig werden, nach ihrer „Erfassung“ zugeschickt wird — und der laut „Bild“ von zwei 17-jährigen Mitgliedern der Popgruppe Tokio Hotel bislang nicht beantwortet wurde, weshalb sie ein weiteres Schreiben vom Kreiswehrersatzamt bekommen hätten, in dem es heiße: „Bitte beachten Sie, dass die Verweigerung der erbetenen Auskünfte als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße geahndet werden kann!“

Diese, öh, Nachricht nutzt „Bild“ heute für eine dramatische Titelschlagzeile (siehe Ausriss) und „Bild“-Redakteur Mark Pittelkau für die vielen aufgeregten Fragen — denen „Spiegel Online“ inzwischen noch zwei weitere hinzufügt:

Gab es die Drohung der Geldbuße gar nicht? Oder aber ist der Fall sogar gravierender (…)?

Laut „Spiegel Online“ erhält man das von „Bild“ zitierte Schreiben nämlich „erst nach zweimaligem Ignorieren eines Musterungsbescheids (…) Demnach wären die Kaulitz-Brüder bereits zur Musterung geladen worden, dort aber nicht erschienen.“ Dann ergäben zwar die „Bild“-Überschriften plötzlich mehr Sinn, dafür wäre aber dazugehörige Artikel irgendwie Murks.

Im Anschluss an die letzte „Bild“-Frage („Wie wollen Bill und Tom jetzt weiter verfahren?“) schreibt Pittelkau:

Die Zwillinge und ihr Management wollten sich gestern gegenüber BILD nicht äußern.

Er hätte auch schreiben können: „Fortsetzung folgt…“

(Fortsetzung folgt…)

Nachtrag, 16.35 Uhr: Anders als „Bild“ hat „Spiegel Online“ die eigenen offenen Fragen inzwischen in einer aktualisierten Fassung des Artikels beantwortet:

Eine Sprecherin der Wehrbereichsverwaltung Nord in Hannover bestätigte heute, dass die beiden den Fragebogen bekommen hätten. Ein Musterungsverfahren sei aber noch nicht eingeleitet worden.

Der aktuelle Zwischenstand lautet demnach:
„Bild“-Artikel bloß irreführend, „Bild“-Überschriften Murks.

(Fortsetzung folgt…)

Wird passend gemacht

„Es ist die Pop-Sensation des Jahres!“

Das waren die Worte der „Bild“-Zeitung vom 20. November, als das Blatt ankündigte, dass „Deutschlands angesagteste Band“ anderthalb Wochen später „exklusiv nur für BILD-Leser“ ein Gratis-Konzert in Neubrandenburg geben werde.

Am 22. November dann meldete „Bild“:

„Schon nach wenigen Stunden haben sich gestern zigtausend Fans für die Verlosung der 5000 Karten angemeldet.“

Und heute nun, drei Tage nach der „Pop-Sensation des Jahres“, meldet „Bild“ Vollzug (siehe Ausriss): „Super Stimmung und viele strahlende Gesichter“ haben die „Bild“-Reporter am Freitagabend in Neubrandenburg entdeckt: „Kein Weg war den kleinen Anhängern zu weit, um ihre Idole im ‚Jahn Sport Forum‘ live zu erleben (…).“

Merkwürdig nur, dass „Bild“ nun „3000 Kinder“ glücklich gemacht haben will, wiewohl doch, wir erinnern uns, „zigtausend Fans“ für die „5000 Karten“ angemeldet waren. Ein Tippfehler?

Eher nicht. Schon am Morgen nach dem Konzert meldete die Nachrichtenagentur dpa:

„Das Benefizkonzert der Pop-Band ‚Tokio Hotel‘ ist am Freitagabend ohne das befürchtete Chaos in Neubrandenburg über die Bühne gegangen. Statt der erwarteten 5000 Fans kamen nur rund 2500 meist 10 bis 14 Jahre alte Mädchen in elterlicher Begleitung in die Stadt (…), teilte die Polizei am Samstag mit.“

„Tokio Hotel: Fans, wo wart ihr?“ überschreibt denn auch Viva.tv einen Bericht über die vermeintliche „Pop-Sensation“. Und Bild.de? Feiert den bedauerlichen Charity-Flop mit einem großen „Seite 1“-Teaser unbeirrt als:

Pimp My Agenturmeldung

Es spricht alles dafür, dass kein eigener Mitarbeiter von Bild.de beim gestrigen Auftritt von Tokio Hotel in Trier war. Alle Zitate und Beschreibungen im Bild.de-Artikel über das Konzert stammen aus Meldungen von Nachrichtenagenturen. Bild.de hat die Geschichte nur ein bisschen ausgeschmückt. Um nicht zu sagen: Fehler eingebaut.

Denn richtig ist zwar, dass bei dem Konzert rund 240 Mädchen zusammengebrochen sind. Aber die Agenturen dpa und AP berichten übereinstimmend und in allen Meldungen, dass sich die meisten Kollapse „bereits vor dem Auftritt der Magdeburger Band“, „während noch Vorgruppen spielten“, „schon während des Vorprogramms“ ereigneten: „Die Mehrzahl der Teenager habe anschließend das Konzert verfolgen können“. Das Deutschlandradio formulierte: „Die Jungs aus Magdeburg hatten noch gar [nicht] angefangen zu spielen, da waren die Mädels schon hysterisch zusammengebrochen.“

Aber das fand Bild.de wohl nicht so aufregend. Und ließ deshalb diesen Teil der Agenturmeldungen einfach weg, beschrieb die Vorgänge nicht in chronologischer Reihenfolge und erfand über Tokio Hotel lieber Zusammenhänge wie diesen:

Sie kamen, rockten — und ließen es richtig krachen… So sehr, daß bei ihrem Konzert in Trier 240 Mädchen umkippten!

Danke an Jadawin für den sachdienlichen Hinweis.

Wer noch?

Aus gegebenem Anlass heißt’s auf Bild.de seit ein paar Tagen:

Alle wollen die E-Gitarre von Tokio Hotel ersteigern!“
(Hervorhebung von uns.)

Aus demselben Anlass schreibt uns BILDblog-Leser chakamoto:

„Dazu stelle ich fest: Ich nicht.“
(Hervorhebung von uns.)

Tokio Hotel — Die andere Hälfte der Wahrheit

Am Samstag berichtete „Bild“ (wir erinnern uns) über ein paar minderjährige Musiker (Tokio Hotel), die sich auf einer Party (Oberhausen) angeblich danebenbenommen hatten („kippen erste harte Drinks im Minutentakt“). Und am Montag stand’s schon wieder in „Bild“:

„Besonders Gitarrist Tom (16) kippte dabei hochprozentige Cocktails in Mengen, u. a. gemixt mit Wodka (BILD berichtete).“

Dazu später. Denn am Montag hieß es in „Bild“ auch exklusiv:

„Jetzt ermittelt das Jugendamt des Ohrekreises (Sachsen-Anhalt), in dem die jungen Popstars leben, wegen Verstoßes gegen das ‚Gesetz zum Schutz junger Menschen vor Gefahren des Alkoholkonsums‘. Dieses besagt, daß hochprozentige Getränke nicht an Personen unter 18 Jahren ausgeschenkt werden dürfen.“

Wahr ist das nicht: Das Gesetz heißt „Gesetz zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums“, kurz AlkopopStG, und besagt mitnichten, „daß hochprozentige Getränke nicht an Personen unter 18 Jahren ausgeschenkt werden dürfen“. Es besagt vielmehr, dass alkoholhaltige Süßgetränke „gewerbsmäßig nur mit dem Hinweis ‚Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz‘ in den Verkehr gebracht werden“ dürfen. (Das mit dem Verbot steht dementsprechend in § 9 Jugendschutzgesetz.)*

Doch die heutige „taz“ weiß sogar noch mehr über die PR-Aktion „die halbe Wahrheit“ der „Bild“ zu berichten, nämlich erstens:

„Ein Jugendamt kann nicht ermitteln.“

Und zweitens:

„Das Jugendamt in Sachsen-Anhalt hätte wohl nie von der Party Wind bekommen, wenn nicht die Besorgnis-Behörde, also die Bild-Zeitung, am heiligen Sonntag das Amt informiert hätte. Und schwupps, war die Geschichte im Kasten.“

Womit auch wir, schwupps, wieder bei „Bild“ angekommen wären. Denn während die „taz“ noch die Frage aufwirft, ob die „Pop-Rüpel“ („Bild“) bzw. „die vier Halbgaren“ („taz“) auf der Party denn überhaupt Alkohol getrunken haben, und darauf keine Antwort findet („Bei Universal Music wollte man sich dazu gestern nicht äußern.“), steht sie stattdessen… in „Bild“! Allerdings ist dort von den „Mengen“ „hochprozentiger“ „Cocktails“ „mit Wodka“ (Überschrift: „Suff-Orgie!“) plötzlich nur noch ein „Alkohol-Ausrutscher“ übrig geblieben, den der minderjährige Musiker in „Bild“ unwidersprochen — und ebenfalls exklusiv — „erklärt“:

„Ein hübsches Mädchen hat mir den bunten Drink in die Hand gedrückt. Ich war so in Feierlaune, daß ich gar nicht gemerkt habe, daß da Alkohol drin ist.“

Gut zu wissen also, was sich die täglich über 11 Millionen „Bild“-Leser unter einer „Suff-Orgie“ vorzustellen haben!

*) Der falsche Name des Gesetzes und dessen falsche Inhaltsbeschreibung fanden sich leider, nachdem sie exklusiv in „Bild“ erschienen waren, wörtlich (und ohne Angabe der Quelle) auch in einer Meldung der Nachrichtenagentur AP wieder, weshalb die Fehler von „Bild“ nun nicht nur dort stehen, wo man unbedacht aus „Bild“ abschreibt, sondern auch ganz woanders.

Pittelkaus Pop-Rüpel

„Bild“-Reporter Mark Pittelkau war in Oberhausen…

…und hat von da eine tolle Geschichte mitgebracht — über „diese jungen Pop-Rüpel“ von Tokio Hotel nämlich, Überschrift:

Fummel-Alarm bei Tokio Hotel

Pittelkau schreibt:

„(…) jetzt feierten sie einen peinlichen Party-, Knutsch- und Fummel-Marathon!“

Und wir zitieren auszugsweise:

„Musikpreis-Verleihung ‚Eins Live Krone‘ in Oberhausen: Georg (18), Gustav (17), Bill (16) und Tom (16) sind die Stars des Abends. Doch bei der anschließenden Party drehen die Jungs ab, kippen erste harte Drinks im Minutentakt, begrabbeln dann die weiblichen Fans.

Gitarrist Tom: ‚Ich teste erst mal 20 Hühner auf Brust und Lippen, bevor ich eine mitnehme.‘ Er knutscht die Blondinen Nike (18) und Marina (18), später gefallen ihm Ann-Kathrin (18) und Jasmin (18).

Doch ‚mitnehmen‘ konnte Tom letztlich keine: Sein Manager mußte den betrunkenen Teenager von der Party führen.“
(Hervorhebung von uns.)

Soweit Pittelkaus Geschichte aus Oberhausen.

Man kann sie natürlich auch ein wenig anders erzählen, aus der Sicht einer „Blondine“ zum Beispiel. Nike, eine von Pittelkaus „Blondinen“, hat das getan — auf der Jugendseite des „Remscheider General Anzeigers“. Und wir zitieren auch hier auszugsweise, nur mal so:

„(…) Am Ende der Show ziehen die ganzen Promis und Presseleute in Richtung Adiamo, wo die After-showparty stattfindet. (…) Wir sehen uns gerade in der Disko um, als uns Tom und Georg von Tokio Hotel über den Weg laufen. Die beiden Jungs sind echt lieb und lächeln für uns in die Kamera. Wenige Minuten später kommen die Zwei zu uns zurück und fragen: ‚Mädels, hättet ihr vielleicht Lust, mit uns ein Foto für die Bild-Zeitung zu machen?‘ Marina und ich sind von der Idee begeistert und nun beginnt ein richtiges Fotoshooting. Reporter Mark Pittelkau und Fotograf Jens Koch geben uns Anweisungen. ‚Ich will Küsschen sehen‘, sagt Jens und wir Vier posieren fleißig. Das macht echt Spaß und nach der ersten Runde geht’s auf der Tanzfläche direkt weiter. Immer weiter werden wir fotografiert und die Zeit vergeht wie im Flug. (…)“
(Links und Hervorhebungen von uns.)

Mit Dank an wildersueden für den Link.