“Im Fall der Kreuzberger Sozialarbeiterin Fatma Celik, die laut Bild-Zeitung eine von einem Schüler geschlagene Lehrerin in der taz ‘verhöhnt’ haben soll, hat das Berliner Landgericht dem Axel Springer Verlag untersagt, diese Behauptung weiter zu verbreiten. Zudem muss die Zeitung eine Gegendarstellung veröffentlichen, wie Celiks Anwalt Johannes Eisenberg gestern mitteilte.”
(Zitiert aus der “taz” vom 16.6.2006, Link von uns.)
“Die EU-Kommission schlägt jetzt vor, das Mindestalter für den Kauf von Alkohol von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen — eine entsprechende Verordnung ist in Vorbereitung!”
Schlägt sie nicht, ist sie nicht. In einer aktuellen Pressemitteilung der Kommission heißt es:
“Die Europäische Kommission plant keine EU-weit gültige Altersgrenze für den Alkoholverkauf. Medienberichte, dass die EU-Kommission das Verkaufsalter für Bier und Wein von 16 auf 18 Jahre anheben will, entbehren jeglicher Grundlage. (…)”
Außerdem heißt es in einer dpa-Meldung zum Thema unter Berufung auf den EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou:
“Eine EU-weite Anhebung des Mindestalters für den Alkoholkauf von 16 auf 18 Jahre, von der die ‘Bild’-Zeitung am Donnerstag berichtete, sei aber nicht geplant.
Die Kommission wolle im Sommer Leitlinien zum Thema Alkohol und Gesundheit veröffentlichen, sagte Kyprianous Sprecher Philip Tod. Dabei handele es sich jedoch nur um Empfehlungen in Form einer so genannten Kommissionsmitteilung. ‘Bild’ hatte von einer Verordnung berichtet, die rechtlich bindend wäre. Kyprianou sehe keine Notwendigkeit für eine EU-Gesetzgebung, betonte Tod.”
In diesem Zusammenhang sei den “Bild”-Rechercheuren vor der Abfassung weiterer EU-Falschmeldungen ein Blick auf die Website eu-kommission.de empfohlen. Zum Thema “Alkohol erst ab 18!” etwa stand dort nämlich bereits im Januar:
“Was Beschränkungen für den Verkauf von Alkohol an Minderjährige angeht, so hat die EU-Kommission hier keine Kompetenzen und strebt folglich auch keine EU-weite Regelung an.”
Kurzum: Wir sind gespannt, wann und wie “Bild” ihre heutige Falschmeldung “unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtigzustellen” gedenkt, wie es der Pressekodex empfiehlt. Denn (nur zur Erinnerung) beim letzten Mal, als “Bild” falsch über die EU-Kommission berichtet hatte, sah die angemessene Richtigstellung in “Bild” so aus:
Mit Dank an Oliver-Sven L. und Michael B. für die Anregungen.
Nachtrag, 17.40 Uhr: Mittlerweile habe wir auch die mutmaßliche Quelle für die mutmaßlich falschen “Bild”-Behauptungen ausfindig gemacht. So stand gestern im Handelsblatt, die EU-Kommission wolle “gegen den Alkoholmissbrauch vorgehen” und “dazu ein Bündel von Vorschlägen machen, etwa die Heraufsetzung des Mindestalters für den Verkauf von Bier und Wein auf 18 Jahre”. Und ein Sprecher der EU-Kommission sagt uns deshalb, die heutige Pressemitteilung beziehe sich durchaus auch auf den “Handelsblatt”-Artikel — in dem sich übrigens auch mehrfach das von “Bild” so fälschlich verwendete Wort Verordnung findet, allerdings, wie man vielleicht dazusagen sollte, in völlig anderem Zusammenhang (“Gestern verabschiedete das EU-Parlament eine Verordnung, welche die nährwert- und gesundheitsbezogene Werbung für Lebensmittel stark einschränkt.”).
“Ein schöner Beleg für die bekannte Reiselust unserer Politiker: Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn ist gerade von einer hochoffiziellen Dienstreise zum Amazonas aus Brasilien zurückgekommen. Einzige Begleitung: die Kuhn-Mitarbeiterin Marianne Tritz , eine ehemalige Bundestagsabgeordnete. Mittwoch gab’s dann ein streng vertrauliches Gipfeltreffen in einem Hinterzimmer der Pizzeria ‘Cinque’. (…) Doch um die Dienstreise an den Amazonas ging es dem Vernehmen aus der Grünen-Spitze nach mit keinem Wort. So wichtig kann die ja dann nicht gewesen sein…”
Und sagen wir’s so: Was auch immer uns “BamS”-Chefkolumnist Martin S. Lambeck mit diesem kleinen Textchen mitzuteilen gedachte über Fritz Kuhn — Kuhns “einzige Begleitung” war Marianne Tritz nicht. Mit dabei waren zumindest Kuhns Parteikollege Winfried Hermann und die Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung, Barbara Unmüßig, die gemeinsam mit Kuhn am 4. Mai um 19 Uhr (und mehrere tausend Kilometer vom Amazonas entfernt) an einer Diskussionsveranstaltung im Goethe-Institut Sao Paulo teilnahmen.
Allein deshalb kann man durchaus nachvollziehen, dass Kuhn heute bekanntgeben ließ, “eine Gegendarstellung und eine Unterlassungserklärung” gegen die “BamS” durchsetzen zu wollen, deren Meldung, wie es in einer Pressemitteilung heißt, “offensichtlich mit gezielten Falschinformationen den Eindruck einer ‘Vergnügungsreise’ erwecken” sollte.
Mit anderen Worten: Eine Gegendarstellung beweist tatsächlich nicht, dass eine Zeitung falsch berichtet hat. Aber wozu gibt’s schließlich Fakten?
Nachtrag, 22.5.2006: Martin S. Lambeck hat sich nun, eine Woche später, in seiner “BamS”-Kolumne selbst korrigiert. Er schreibt:
“In Sachen Brasilien-Dienstreise des Grünen-Fraktionschefs Fritz Kuhn muß ich mich korrigieren: Kuhn war nicht nur mit der für Außenpolitik zuständigen Referentin Marianne Tritz nach Brasilien gereist, sondern der Delegation gehörten insgesamt sechs Personen, darunter auch der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann, an. Übrigens ging es auch nicht zum Amazonas, sondern in die Hauptstadt Brasilia, nach Rio de Janeiro und São Paulo, wo die Delegation unter Leitung von Kuhn intensive Gespräche über außen-, wirtschafts- und umweltpolitische Themen führte. Die Reise war also politisch doch wichtig.”
Die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin hat vor dem Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung erwirkt. “Bild” muss nach dem Beschluss, der BILDblog vorliegt, folgende Gegendarstellung auf der Titelseite drucken:
Zu der Überschrift in Bild vom 2.5.2006 “Heide Simonis jetzt ins Dschungel TV?” stelle ich fest: Ich habe stets erklärt, daß ich zur Teilnahme an einer solchen TV-Show nicht zur Verfügung stehe.
Über Wochen hatte sich “Bild” über die Teilnahme von Frau Simonis an der RTL-Show “Let’s Dance” in Rage berichtet. Vorläufiger Höhepunkt war dieser gewaltige Aufmacher am Dienstag*:
Die Frage hätte “Bild” selbst aus vielerlei Gründen mit “Nein” beantworten können — nicht zuletzt, weil Frau Simonis selbst die Teilnahme an solchen Sendungen längst ausgeschlossen hatte, auch gegenüber “Bild”. Am 11. April hatte die Zeitung schon nachgefragt: “Frau Simonis, haben Sie keine Angst, sich lächerlich zu machen?” Und Heide Simonis hatte den Unterschied erläutert zwischen Tanzen (nicht peinlich) und Ameisen-Essen (peinlich) und erklärt: “Es gibt auch Grenzen. Ich würde z.B. nicht ins Big-Brother-Haus einziehen.”
Mit Fotomontagen illustrierte die “Bild”-Zeitung am Dienstag gleich ihre Fantasie und zeigte Frau Simonis mit Maden, halbnackt im “Big Brother”-Haus, beim Promiboxen. Auch diese Abbildungen will Simonis verbieten lassen, weil damit ihre “Menschenwürde und die Bild- und Persönlichkeitsrechte” verletzt würden. Weil “Bild” freiwillig keine Unterlassungserklärung abgeben wollte, entscheidet darüber nun das Landgericht Berlin. (Bei Bild.de ist der entsprechende Artikel bereits jetzt nicht mehr vorhanden.)
Das ist interessant, was “Bild” unter Berichterstattung versteht: Fragen stellen, die bekannten Antworten ignorieren und das Gegenteil suggerieren. Auch am Mittwoch. “Bild” schrieb:
Bereut Heide Simonis ihre Teilnahme am RTL-Spektakel bereits? Gestern teilte die Deutschland-Vorsitzende von “Unicef” mit: Nach “Let’s Dance” hängt sie ihre Tanzschuhe an den Nagel. Weitere TV-Show mit ihr soll es nicht geben. Simonis: “Noch drei Runden tanzen, dann ist das Thema erledigt.”
Man könnte denken, die Zitate von Simonis seien die Antwort auf die “Bild”-Frage, ob sie ihre Teilnahme an der Show bereue. Und es klingt, als bereute sie es. Dabei gab Simonis gegenüber dpa eine klare Antwort auf die Frage von “Bild”:
Ihre Teilnahme an “Let’s Dance” bereue sie trotz der teils hämischen Kommentare nicht, sagte Simonis (…)
Am vergangenen Samstag behauptete “Bild”, Alexandra Neldel habe sich “angeblich von ihrem Freund getrennt”(siehe Ausriss). Weiter hieß es über die beiden:
“Laut Gerüchten sollen sich der Kameramann und die schöne Schauspielerin kürzlich getrennt haben.”
Nur zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr hatten “Bild” und Bild.de Alexandra Neldel mal Worte in den Mund gelegt, die sie offenbar gar nicht gesagt hatte, woraufhin “Bild” und Bild.de eine Gegendarstellung abdrucken mussten, in der Neldel darauf hinwies, dass sie sich weder wörtlich noch sinngemäß so geäußert, sondern einer “Bild”-Mitarbeiterin ausdrücklich erklärt habe, dass sie sich zu ihrem Privatleben nicht äußere. Die Gegendarstellung erschien bei Bild.de mit einem redaktionellen Zusatz (“Sie hat recht.”), den “Bild” ihren Lesern vorenthielt.
Heute nun hat Neldel abermals eine Gegendarstellung durchsetzen können, in der sie — entgegen der obigen (unter Berufung auf “Gerüchte” verbreiteten) Behauptung — feststellt, sie sei mit ihrem Freund “nach wie vor liiert”. Und die Redaktion der GEDRUCKTEN* “Bild”-Zeitung muss dazu anmerken:
Schon vor dem Beginn der Leipziger Buchmesse hatte “Bild” den ersten “Buchmesse-Skandal” ausgemacht. Der Gryphon-Verlag hatte eine Lesung mit Suzanne von Borsody und Karsten Speck abgesagt, und “Bild” glaubte auch zu wissen, warum: Weil Speck wegen Betrugs im Gefängnis sitzt (allerdings als Freigänger tagsüber raus darf). Die Zeitung zitierte die Verlagsmitarbeiterin Angelika Ruge am 16. März 2006 mit den Worten:
“(…) Herr Speck ist in der letzten Zeit nicht gerade positiv in Erscheinung getreten. Das paßt einfach nicht in unser Konzept.”
Frau Ruge sagt allerdings, sie habe sich nie so geäußert, weder wörtlich noch sinngemäß. Speck sei auch “nicht ausgeladen worden”. Die Hörbuch-Präsentation sei “in gegenseitigem Einvernehmen abgesagt” worden, und das habe “nichts mit der aktuellen persönlichen Situation” von Herrn Speck zu tun.
All das sagt nicht nur Frau Ruge, es bestätigen auch Kurt Stellfeld, der Inhaber des Gryphon-Verlages, und Karsten Speck selbst. Und so steht es auch in einer Gegendarstellung in der heutigen “Bild”, die alle gemeinsam durchgesetzt haben.
“Das ist in dieser Form reiner Schwachsinn”, sagt Joachim Fuchsberger gegenüber BILDblog. “Das ist eine ‘Bild’-typische Übertreibung für eine gute Schlagzeile.” Und auch die markigen Sätze, mit denen er im Artikel von “Bild” zitiert wird, habe er nicht alle in dieser Form gesagt. Autorisiert habe er keinen einzigen davon.
Aber überrascht klingt er nicht. Vielleicht ist also das, was Fuchsberger einem so alles erzählt, wenn man ihn anruft, eine ganz normale Geschichte aus dem Alltag von “Bild”:
Fuchsberger sagt, er sei von “Bild” angesprochen worden, nachdem sein Freund Vicco von Bülow angekündigt hatte, nur dann noch einmal ins Fernsehen zurückzukehren, wenn Fuchsberger “noch einmal eine große Gala macht”. Der “Bild”-Reporter Malte Biss habe ihn daraufhin gefragt, ob denn eine solche Show geplant sei. Er habe geantwortet, was er seit vielen Jahren schon antwortet: Dass er ausschließt, im deutschen Fernsehen je wieder eine Samstagabend-Show zu machen. Von einem Rückzug darüber hinaus sei keine Rede gewesen, sagt Fuchsberger, im Gegenteil: Es gebe einige Pläne für neue Sendungen. Wenn aus diesen Projekten etwas werde, sei es ihm “eine große Freude”, weiter Fernsehen zu machen.
Gestern abend um halb zehn habe ihn Malte Biss dann angerufen und ein “sehr schlechtes Gewissen” gehabt, sagt Fuchsberger — offenbar wegen der sehr abwegigen Schlagzeile. Er habe das noch nie erlebt, dass ein Journalist ihn quasi vorab vor seinem eigenen Artikel gewarnt habe. Biss habe gefragt, ob Fuchsberger nun mit dem Anwalt gegen den Bericht vorgehen werde. Fuchsberger ließ das zunächst offen.
Gerade weil er mit verschiedenen Leuten über neue Fernseh-Projekte im Gespräch sei, hätte die falsche “Bild”-Schlagzeile geschäftsschädigend wirken können. Er habe dann heute erleichtert festgestellt, dass die meisten Menschen aus der Branche ohnehin nicht glaubten, was in “Bild” steht.
(Die “Nachricht” wurde dennoch weiterverbreitet. Die Agentur AP veröffentlichte heute nachmittag zwei Meldungen, in denen sie die “Bild”-Behauptungen ungeprüft übernahm. Überschrift: “Fuchsberger will kein Fernsehen mehr machen.”)
Fuchsberger ist überzeugt, dass “Bild” der Fehler nicht versehentlich unterlaufen ist. Dennoch will er nicht gegen die Zeitung vorgehen. Was könne ein Anwalt schon erreichen? “Eine Gegendarstellung? Who the hell cares!” Stattdessen habe er lieber einen “Deal” mit “Bild” gemacht, die nun bei ihm etwas gut zu machen habe.
Vermutlich wird also in den nächsten Tagen ein sehr freundlicher Artikel in “Bild” erscheinen, der ein neues Projekt von Fuchsberger vorstellt und ganz nebenbei den möglicherweise entstandenen Eindruck geraderückt, er könne sich für immer aus dem Fernsehen zurückziehen.
Zur Erinnerung: Chefredakteur Kai Diekmann rief vor eineinhalb Jahren eine neue “Null-Toleranz”-Politik gegenüber Verstößen gegen “unsere journalistische Standards” aus und gab vor, “übergeigte Überschriften” hätten in “Bild” “nichts zu suchen”. Ebenso behaupten Diekmann und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, dass für alle Medien des Konzerns “journalistische Leitlinien” gälten, wonach Journalisten bei Axel Springer Interviews ohne Ausnahme vom Gesprächspartner autorisieren lassen müssen.
Der “Tagesspiegel”-Redakteur Joachim Huber hat sich offenbar nicht zufriedengeben wollen mit der eigenwilligen Art und Weise, mit der die “Bild”-Zeitung vor knapp zwei Monaten eine ihn betreffende Falschmeldung, ähm, korrigiert hatte, und vor Gericht eine Gegendarstellung durchsetzen können, die “Bild” am gestrigen Montag auf ihrer Seite 2 abdrucken musste (siehe Ausriss).
Wie bereits berichtet, war die damalige “Bild”-Behauptung, “‘Tagesspiegel’-Redakteur bleibt in Grimme-Preis-Jury!” schon bei ihrem Erscheinen [am Montag, dem 30. Januar] eine Ente, die “Bild” einfach ungeprüft aus dem “Focus” übernommen hatte.
In der Gegendarstellung Hubers heißt es deshalb:
“Ich habe gegenüber dem Grimme-Institut bereits am Freitag [dem 27. Januar] erklärt, dass ich für die Jury nicht mehr zur Verfügung stehe.”
In der Berliner Zeitung vom 31. Dezember 2005 behaupten Sie auf Seite 41 unter der Überschrift “Zum Schreien komisch”, die “Bild”-Zeitung habe unter anderem eine Gegendarstellung der Schauspielerin Alexandra Neldel mit dem kleinlauten Eingeständnis der Redaktion abdrucken müssen, dass das, was “Bild” berichtet hatte, nicht stimmte. Hierzu stelle ich fest: Die Gegendarstellung von Alexandra Neldel haben wir ohne eine derartige Erklärung abgedruckt.
Berlin, den 11. Januar 2006 Rechtsanwalt Dr. Ulrich Amelung für Kai Diekmann, Chefredakteur der BILD-Zeitung
Die Redaktion der “Berliner Zeitung” hat unter diesen Text folgende “Anmerkung” gesetzt:
In der “Bild”-Zeitung war tatsächlich kein entsprechender Zusatz abgedruckt. Frau Neldel hatte durch einen außergerichtlichen Vergleich darauf verzichtet. Das, was “Bild” über Frau Neldel berichtet hatte, war dennoch falsch. Und so war auf der Website www.bild.t-online.de, für die Diekmann nicht verantwortlich ist, die Gegendarstellung von Frau Neldel zu demselben Text aus der “Bild”-Zeitung mit dem kleinlauten Eingeständnis der Redaktion versehen: “Frau Neldel hat Recht”.
“Bild”-Chef Kai Diekmann, der ja bekanntlich eine gewisse Art von Gegendarstellungen “gerne” drucke, “weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird”, hat malwieder eine Gegendarstellung durchgesetzt. Diesmal gegenüber der “Berliner Zeitung”.
In deren Silvesterausgabe hatten Mitarbeiter des Blattes notiert, was ihnen 2005 in den Medien gefiel und was nicht. Ein Beitrag war von Christoph Schultheis, einem der Betreiber dieser Seite. Seine persönlichen Plus-Punkte des Jahres gingen so:
Matthias Reim (Sänger), Claudia Roth (Politikerin), Anke Engelke (Entertainerin), Alexandra Neldel (Schauspielerin), José Manuel Barroso (EU-Kommission) und Steffi (16). Sie konnten sich erfolgreich gegen falsche Behauptungen der Bild-Zeitung wehren. Ihre Gegendarstellungen endeten mit dem kleinlauten Eingeständnis der Redaktion, dass das, was “Bild” berichtet hatte, nicht stimmte.
Die Gegendarstellung von Alexandra Neldel haben wir ohne eine derartige Erklärung abgedruckt.
Diekmann hat Recht — wenn man unter “wir” ausschließlich die gedruckte “Bild”-Zeitung versteht. Der Online-Auftritt von “Bild” dagegen hat sehr wohl eine derartige Erklärung abgedruckt. Nur die Papier-“Bild” hat es nicht getan. Sie hat es unterlassen, ihre Leser darüber zu informieren, dass ein Zitat, das ihre Kolumnistin Christiane Hoffmann der Schauspielerin Alexandra Neldel untergeschoben hat, tatsächlich frei erfunden war.
Kai Diekmann hat also eine Gegendarstellung durchgesetzt, damit niemand fälschlicherweise annimmt, er habe eine von seiner Zeitung verbreitete Lüge über Alexandra Neldel in seiner Zeitung korrigiert. Das muss ihm wichtig gewesen sein.
Nachtrag, 30. Januar: Die Gegendarstellung ist bislang nur online erschienen. In der gedruckten Ausgabe der “Berliner Zeitung” soll sie voraussichtlich am Mittwoch stehen.