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1. “Zum Zustand der deutschen Spielekritik” (kaliban.de)
Christian Schmidt, Gunnar Lott und viele mehr diskutieren über die journalistische Herangehensweise an Computerspiele: “Die Diagnose ist richtig, der deutsche Spielejournalismus (einst der kommerziell erfolgreichste der Welt!) ist belanglos geworden, produziert trotz positiver Gegenbeispiele viele schlechte Texte und wenig wirklich gelungene Formate. Und er ist kommerziell im Sinkflug –ob das durch bessere Qualität oder mehr Relevanz vermeidbar wäre, sei dahingestellt.”
2. “ARD-Talk: Zerredetes Programmschema” (ndr.de, Video, 5:41 Minuten)
Auf ARD sind nun fünf Talksendungen pro Woche zu sehen: “Der vielgepriesene politische Diskurs verkommt immer häufiger zum ‘Wer darf wie viel reden.'”
3. “Die Auseinandersetzung mit 9/11 ist noch immer mit Denkverboten behaftet” (heise.de/tp, Sabine Schiffer)
Sabine Schiffer erhält eine Absage “einer großen deutschen Wochenzeitung”: “Ich habe noch einmal mit meinen Kollegen über den Text gesprochen. Gemeinsam sind wir zu dem Beschluss gekommen, dass Sie sich in dem Artikel nicht deutlich genug von den Verschwörungstheorien distanzieren, für die Sie eine höhere Beachtung in den Medien fordern.”
4. “Tales of Manufactured Conflict – Speechgate” (thedailyshow.com, Video, englisch)
US-Fernsehsender machen einen Terminkonflikt zu einem “Speechgate”. In der Pressekonferenz im Weißen Haus geht es weiter: “There were 23 questions about the scheduling of the speech.”
5. “Retusche des Homosexuellen-Bildes” (matthias-schumacher.com)
Matthias Schumacher macht sich Gedanken über Homosexuelle in den Medien: “Indes Heteros mit aller Selbstverständlichkeit Mörder, Anwälte, Bauarbeiter, alles und jeden darstellen (selbst Schwule und Lesben werden von ihnen dargestellt), spielen Schwule und Lesben selbst oft Schwule und Lesben, gefangen in der Sexualität und auf sie reduziert.”
6. “Hurra Sinnlosigkeit!” (spiegel.de, Sascha Lobo)
Der Satz “Das braucht niemand” werde zu häufig geäußert, findet Sascha Lobo: “Für diesen Satz gilt im Netz, was in der Politik für den Hitlervergleich gilt: unter allen Umständen vermeiden.”
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1. “Hokusai und die Linguistik” (schnellinterkulturell.de, Marco Damm)
“Im Land der aufgehenden Sonne” (Japan) gebe es “kein Wort für die mörderische Wucht meterhoher Wellenwände, überhaupt kaum Begriffe für Katastrophen”, schreibt Roland Mischke auf mainpost.de. Schnellinterkulturell.de setzt eine Grafik mit den Entsprechungen von Wörtern wie Taifun, Erdbeben, Hochwasser, Erdrutsch, Vulkanausbruch, Hitzewelle und Kältewelle im Japanischen dagegen.
2. “Women’s Health – Zeitlos langweilig” (kioskforscher.posterous.com)
Der Kioskforscher liest die “Women’s Health”: “Austauschbarkeit Zeitlosigkeit scheint bei den Health-Zeitschriften zum Markenkern zu gehören.”
3. “Richter fördern Presse-Monopol” (taz.de, Jean-Philipp Baeck)
“Nur eine einzige Journalistin des marktbeherrschenden Weser-Kuriers war geladen, als sich fünf Bremer GerichtspräsidentInnen gemeinsam mit der Generalstaatsanwältin und dem Leiter der Justizvollzugsanstalt zu Sparplänen des Bremer Senats äußerten.”
4. “Hausrecht oder Pressefreiheit?” (journalist.de, René Martens)
Bundesliga-Vereine machen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen Vorschriften darüber, wer von wo aus dem Stadion berichtet. “De facto wird damit die Pressefreiheit beschnitten, denn selbstverständlich muss ein Journalist das Recht haben, sich privat – bei einem Stadionbesuch ja sogar als zahlender Kunde – an jedem beliebigen Ort aufzuhalten und darüber zu schreiben.”
6. “Internetzensur in China – ein Selbstversuch” (klartext-magazin.de, Friedrich Leist)
Friedrich Leist testet das Web in Ürümqi: “Als Suchmaschine kann man nur baidu.cn aufrufen, Google ist nicht erreichbar. Dafür kommt man auf Spiegel.de oder die Seite der Bildzeitung, bei letzterer sind aber alle Bilder gesperrt.”
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1. “Israelischer Historiker verteidigt Günter Grass” (spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Eine falsche Aussage von Günter Grass in einem Interview mit der Zeitung “Ha’aretz” wird von verschiedenen Medien skandalisiert. Der Historiker und Holocaust-Forscher Tom Segev erklärt, wie es dazu kam: “Er hat eben eine falsche Zahl genannt. Hätte ich es bemerkt, hätte ich ihn darauf hingewiesen, dann hätte er sich sofort korrigiert.”
2. “Was dürfen Autofahrer sich alles erlauben?” (criticalmass-hamburg.de, Malte)
“Auto Bild” stellt sich die Aufgabe, darüber aufzuklären, was Fahrradfahrern im Straßenverkehr erlaubt ist – “und scheitert wie erwartet”.
3. “Der ORF verabschiedet sich” (kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Der ORF strahlt den Film “9/11 Mysteries” aus, “distanziert sich jedoch von anfälligen [sic!] Aussagen, die dem ORF-Gesetz, insbesondere dessen Objektivitätsgebot, widersprechen”. ORF-Sprecher Martin Biedermann sagt dazu auf diepresse.com: “Verschwörungstheorien ziehen sich durch den gesamten Themenkomplex des 11. September. Deswegen hat eine solche Doku in einem breit angelegten Programmschwerpunkt ihren Platz.”
4. “‘Twitter terrorists’ face 30 years after being charged in Mexico” (guardian.co.uk, Jo Adetunji and agencies, englisch)
Wegen Verbreitung der Falschmeldung, eine Schule werde von Bewaffneten angegriffen, drohen einem Lehrer und einer Radiomoderatorin 30 Jahre Haft. “The resulting panic caused dozens of car crashes after parents rushed to save their children from schools across the city and jammed emergency telephone lines, which ‘totally collapsed’ under the pressure.”
5. “Warum der Streit zwischen Assange und Domscheit-Berg kein Zickenkrieg ist” (wolfgangmichal.de)
Wolfgang Michal fragt, warum sich gerade jetzt so viele Journalisten und Kommentatoren gegen Wikileaks wenden. “Die Reduktion der Enthüllungsplattform WikiLeaks auf ein ‘neutrales’, vermittelndes Medium, das seine journalistischen Sorgfaltspflichten verletzt, blendet die Tatsache aus, dass WikiLeaks von Anfang an darauf aus war, geheimes Material zu publizieren, um bestimmte politische, militärische und finanzielle Machenschaften nicht nur aufzudecken, sondern zu bekämpfen.”
6. Interview mit Charles Moore (welt.de, Thomas Kielinger)
Aufbauend auf einer Kolumne von Charles Moore wurde im August in deutschsprachigen Medien eine ausführliche Debatte geführt: “Ich habe Ende Juli gerade einmal zwei Kolumnen geschrieben, die eine bis heute andauernde Debatte auslösten, aber man hat immer nur die erste zitiert: ‘Ich fange an zu glauben, dass die Linke tatsächlich Recht haben könnte.'”
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1. “Leitmedien und die Gegenöffentlichkeit des 11. Septembers” (heise.de/tp, Marcus Klöckner)
In einem ausführlichen Beitrag stellt Marcus Klöckner den Umgang von Leitmedien wie “Spiegel”, “Zeit” oder “Süddeutsche Zeitung” mit 9/11 in Frage. Zweifler seien vorschnell diffamiert und psychiatrisiert worden. “Stattdessen konnte ein Journalismus beobachtet werden, der Wissen durch Glauben ersetzte und die scheinbar unerschütterliche Überzeugung der eigenen politischen Weltsicht an die Stelle des Prüfens und Hinterfragens treten ließ.”
2. “Wie wird man eigentlich ‘Journalist’?” (print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
“Bild”-Kritiker werden in einer Bildergalerie als “Experten” in Anführungszeichen dargestellt. “Es handelt sich nach Ansicht von Bild bei Menschen wie dem Wirtschaftsminister Thüringens, Roland Koch und Sigmar Gabriel nicht um Experten, sondern nur um so genannte.”
3. “Wenn Schlagzeilen in die Irre führen” (nachtwach.blog.sf.tv, Franziska von Grünigen)
Die Produzentin der Call-In-Ratgebersendung “Nachtwach” antwortet auf den “Blick”-Titel “SF bezahlt Psycho-Doc für Talkerin”: “Die Geschichten, die die Redaktoren am Telefon, ich als Produzentin und Barbara Bürer direkt in der Sendung zu hören bekommen, wühlen bisweilen auf, irritieren, machen nachdenklich. Eine sorgfältige Vor- und Nachbereitung ist für uns daher oberstes Gebot.”
5. “The head of photography on… picture manipulation and trust in news imagery” (guardian.co.uk, Roger Tooth, englisch)
“Our rule about the use of Photoshop and other picture-manipulating software is that cropping and toning – basically anything that might have been done in a darkroom – is OK, but the moving of pixels or ‘cutting and pasting’ is forbidden.”
6. “Yvonne – die arme Werbe-Kuh” (rp-online.de, Dieter Dormann)
Hätte die Kuh Yvonne, das diesjährige Sommertier der Medien, nicht schon viel früher eingefangen werden können? Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Rheinland: “Die vom Gut Aiderbichl haben viel PR für sich gemacht, anstatt das Problem zu lösen.”
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2. “Mit Helm und Schutzweste” (berlinonline.de, Thomas Schmid)
Thomas Schmid berichtet aus Tripolis, dass nur zwei Hotels offen stehen. “Beide hatten kein fließendes Wasser, keine Klimaanlage, kein Zimmerservice, kein Restaurant und verlangten um die 200 Euro pro Nacht. Viele Journalisten schliefen zu zweit in einem Bett, manche sogar zu dritt.”
3. “Das langweiligste Interview des Jahres” (evangelisch.de, Christian Bartels)
Christian Bartels entdeckt “das langweiligste Interview des Jahres” – ein Gespräch mit Ulrich Wilhelm, dem Intendanten des “Bayerischen Rundfunks”, in der “Zeit”: “Dieses Interview hätte der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo jedem Interviewer um die Ohren gehauen und es dann um 90 bis 100 Prozent gekürzt, wenn er es nicht selbst geführt hätte.”
4. “Die vierte Gewalt ist nicht mehr die Presse” (infosperber.ch, Christian Müller)
“Sie sind eher zu Durchlauferhitzern professioneller Polit-PR und von Lobby-Informationen geworden”, schreibt Christian Müller über die “quotengeilen” Medien. Nicht sie, sondern die Zentralbanken seien heute die vierte Gewalt.
5. “Daumen hoch für Khan” (zeit.de, Christoph Gurk)
Mathe-Nachhilfe ist unbeliebt? Nicht auf YouTube.
6. “Zwischen Sorgenkind und Superkrüppel” (raul.de, Raúl Aguayo-Krauthausen)
Raúl Aguayo-Krauthausen schreibt auf, wie Menschen auf ihn reagieren: “Viele Menschen bemühen sich im Umgang mit Menschen mit Behinderung, nichts falsch zu machen und wirken manchmal etwas hilflos und verkrampft. Als überkompensatorisches Verhalten dient mitunter übertriebene Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Bewunderung. Erfolge, die ich zu verzeichnen hatte, wurden stets übergebührlich hervorgehoben und übertrieben gelobt.”
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1. “Wir Untergeher” (falter.at, Philipp Blom)
Breaking News, jeden Tag, 24 Stunden lang: “Die Bilder werden größer, die Kommentare holzschnittartiger, wir alle dümmer. Reporter hecheln durch Tod und Verderben der anderen, ihre Kameras lenken unseren Blick. Der Imperativ des journalistischen Wettbewerbs diktiert die Berichterstattung, die Kameralinse wird zum Fenster auf die Welt.”
2. “Medienmeinung: Westerwelle aus dem Amt” (ndr.de, Video, 4:06 Minuten)
“Zapp” über die Versuche verschiedener Medien, Guido Westerwelle aus dem Amt des Außenministers zu schreiben. Heribert Prantl: “Man hat die Kritik darzustellen – und den Schluß, ob jemand zurücktreten soll, soll der Leser, der Zuhörer, der Zuschauer, soll die Partei und soll der Betroffene selber ziehen. Sich jetzt da hinzustellen und jeden Tag zu sagen, jetzt bist Du noch nicht zurückgetreten, ich hab’s doch gestern schon geschrieben, ist genau die Art von Besserwisserei und Rechthaberei, wie man sie am Objekt der Begierde kritisiert.” Siehe dazu auch “Glotzt nicht so personell!” (faz.net, Jürgen Kaube).
3. “Rekordverdächtige P.R.ichterstattung” (kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
In der Zeitung “Der Standard” steht, wie bei McDonald’s aus Erdäpfeln Pommes werden – “alle PR-untauglichen Abschnitte, die journalistische Distanz erkennen lassen, habe ich farblich hervorgehoben”.
4. “Voll auf die Birne (2)” (fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Wolfgang Messer sammelt Medienberichte, die behaupten, es gäbe ab heute ein Verkaufsverbot für 60-Watt-Glühlampen in der EU: “Es gibt ab 1. September 2011 kein Verkaufsverbot für 60-Watt-Glühlampen in der EU. Verboten sind allein Herstellung und Vertrieb von klaren Leuchtmitteln ab 60 Watt, die nicht mindestens die Energieeffizienzklasse C erreichen.”
5. “Ein Lob den Informanten” (kontextwochenzeitung.de, Rainer Nübel)
Ohne Informanten gäbe es keine gefeierten Investigativjournalisten, gibt Rainer Nübel zu bedenken.
6. “Pacific Coast News: Jobs-Foto ist echt” (meedia.de, red)
Paul Harris, Chef von BWP Media, verteidigt ein Foto von Steve Jobs, dessen Echtheit angezweifelt wurde. “Diese Fotos wurden von einem angestellten Fotografen gemacht. Die einzigen Photoshop-Arbeiten, die bei diesen Einzelbildern geschehen sind, sind einige sehr einfache Farb-Korrekturen und einige alternative Beschnitte.”
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1. “Der Journalismus und die Verbreitung im Netz” (moritzhomann.de)
Moritz Homann macht sich Gedanken darüber, “wie einfach es ist, mit einem relativ inhaltsleeren Artikel, für den vermutlich keinerlei Recherche nötig war, beträchtliche Reichweite zu erzielen” – “diese Vorgehensweise belohnt Autoren, die aus einer Laune heraus einen übertriebenen, tendenziösen Text schreiben und bestraft Autoren, die recherchieren, telefonieren, vor Ort sind und gute Texte schreiben.”
3. “Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau peinlich NATO-hörig” (kriegsberichterstattung.com, Maximus)
Maximus kritisiert bei der Libyen-Berichterstattung der ARD-Tagesschau und anderer deutschen Medien eine Einseitigkeit zugunsten der NATO: “So gut wie nie ist in der Kriegsberichterstattung die Rede von NATO-Opfern, von den Tausenden Opfern, die durch die schweren Waffen starben, die entgegen der UNO-Auflage den Rebellen geliefert wurden.”
4. “Philipp Lahm und die Heuchler” (faz-community.faz.net, Jürgen Kaube)
Jürgen Kaube thematisiert, wie wenig Redefreiheit Fußballprofis haben: “Sogar über ehemalige Trainer soll der Spieler nichts sagen dürfen, nicht einmal all das Freundliche, was Lahm über Louis van Gaal zu Protokoll gegeben hat. Wenn er es doch tut, muss er sich Beschreibungen wie ‘Selbstdarstellungsdrang des kleinen Mannes’ gefallen lassen.”
5. “Online-Kommentare unter Kontrolle” (taz.de, Reinhard Wolff)
Online-Portale schwedischer Zeitungen verschärfen die Regeln für Leserkommentare. So geht “Expressen” von einer nachträglichen zu einer Vorab-Moderation der Kommentare über: “Vor allem viele rassistische Kommentare seien durch das bisherige System gerutscht, publiziert und oft erst nach Stunden entdeckt und gelöscht worden. Nun werde nichts mehr Online landen, was die Redaktion nicht auch verantworten könne.”
6. “Neues Integrationsproblem” (youtube.com, Video, 6:06 Minuten)
Der Zentralrat der Sinti und Roma lobt den Bericht von “Report Mainz” über Familien aus Rumänien und Bulgarien in Berlin Neukölln und fordert mehr Integration (swr.de, sintiundroma.de).
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1. “Meteoritenhoax auf Spiegel Online” (scilogs.de, Jan Hattenbach) “Spiegel Online” berichtet über ein “spektakuläres Naturschauspiel” am Himmel und kommt zum Schluß: “Es handelt sich offenbar um einen abstürzenden Meteoriten.” Jan Hattenbach sieht das anders: “Da hat wohl jemand in Peru einen Kondensstreifen für einen Meteor (nicht Meteorit) gehalten. Man ersetze ‘Peru’ durch ‘China’ und ‘Kondensstreifen’ durch ‘Sack Reis’, und erhalte ungefähr den Nachrichtenwert dieser Meldung.” Auf den Nachrichtenportalen sueddeutsche.de, faz.net, welt.de und focus.de ist nach wie vor ein Video zu sehen, in dem es heisst: “Dieser mutmaßliche Meteorit steuert geradewegs auf Peru zu.”
2. “Der Inzest-Opa und die Journalisten-Richter-Henker-Meute” (kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr erinnert daran, dass gegen einen in Österreich wegen Inzestverdacht festgenommenen Mann kein Gerichtsurteil, noch nicht mal eine offizielle Anklage vorliegt.
3. “‘Gooool!’ aus zweiter Hand” (sueddeutsche.de, Javier Càceres)
Spanische Radioreporter erhalten im Fußballstadion keine kostenfreie Akkreditierungen mehr.
4. “Making of…” (cab-log.blogspot.com, Klaus)
Taxifahrer Klaus beobachtet ein Foto-Shooting für die extragroße “Bild”: “Der Kollege schlug dann schließlich ein Honorar von 5 Euro raus. Die Kollegin bekam große Augen: ‘Ich habe nichts gekriegt.'”
5. “How to hack like a News of the World reporter” (reuters.com, Video, englisch) Kevin Mitnick erklärt, wie man eine Handy-Mailbox abhört. Und wie man sich dagegen schützt: “You go into your voicemail options and you enable to prompt for a password always.”
6. “Lobo, der Wolf vom Zentralplatz” (rhein-zeitung.de, Hartmut Wagner)
Lobo trinkt vor allem Bier und Boonekamp, verzichtet auf eine Wohnung, die ihm zusteht, erhält monatlich 370 Euro Grundsicherung, ohne damit ein moralisches Problem zu haben und setzt sich mit einem Becher an die Straße, wenn das nicht ausreicht (Artikel als PDF-Datei, Kommentar des Chefredakteurs).
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1. “Mein Bulle” (lawblog.de, Udo Vetter)
Ein Polizist wird vom Amtsgericht Mannheim zu einer Geldstrafe verurteilt, “wegen der Verhaftung einer Bundestagskandidatin, die so inszeniert war, dass die Journalistin eine exklusive Schlagzeile bekam.” Die Schlagzeile lautete 2009 auf Bild.de: “Hier wird eine Bundestags-Kandidatin verhaftet”.
2. “Die Selbstvergewisserungs-Maschine Bild” (meedia.de, Christian Meier)
Christian Meier liest gelangweilt die am Samstag in Übergröße erschienene “Bild”: “Die Mega-Bild ist auch mega-langweilig. Sie gibt sich als Huldigung an große Deutsche und deutsche Marken (Werbekunden, hereinspaziert) und endet als Einschlafhilfe.”
3. “Live by the BILD, die by the BILD” (sportmedienblog.de)
Fußball: Das Sportmedienblog befasst sich mit der “Führungsspieler-Debatte” und der Aufregung über das Buch von Philipp Lahm: “Seine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen? Verkürzt dargestellt? Ach was! So arbeitet BILD nunmal.” Siehe dazu auch nennenswertes.de, das sich Aussagen von Mario Gomez im ZDF-Sportstudio widmet.
4. “traurige BILDfälschung” (die-anmerkung.blogspot.com)
Bezugnehmend auf diese Analyse eines Fotos von Steve Jobs fragt “Die Anmerkung”, ob Bild.de eine Fotofälschung verbreitet.
5. “Artikel Fanatismus” (343max.de, Max Winde)
Max Winde über Blogger und Twitterer, die jeden unverzüglich steinigen, der es wagt, ‘der Blog’ zu sagen. “Ganz im Ernst: Wie wollen wir jemals zu einer Gesellschaft gelangen, die jeden seine Kultur, Religion, Sexualität, Weltanschauung frei ausleben lässt, wenn wir es nicht mal schaffen solche Nebensächlichkeiten zu akzeptieren oder wenigstens zu ignorieren?”
Bremen ist das kleinste deutsche Bundesland. Es liegt auf der Deutschlandkarte etwa an der selben Stelle, an der vorne in “Asterix”-Büchern das kleine gallische Dorf verzeichnet ist. Wenn der Bremer Bürgermeister nicht gerade versehentlich amtierender Bundespräsident wird, kriegt der Rest der Republik wenig von dem kleinen Stadtstaat mit. What happens in Bremen stays in Bremen.
Der stellvertretende Fraktionschef der CDU in der Bremer Bürgerschaft, Heiko Strohmann, hatte am 12. August insgesamt 90 Personen, darunter etwa 75 Muslime, zum abendlichen Fastenbrechen im Ramadan eingeladen.
Verschiedene Vertreter der Bremer CDU fanden das zu viel des Guten und erklärten etwa, für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen sei es “nicht erforderlich, dass die CDU als Veranstalter muslimische Rituale wie das Fastenbrechen durchführt”. Die Kosten von 3.000 Euro können bei der Kritik auch eine Rolle gespielt haben.
Malte Engelmann, Vorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation “Junge Union” in Bremen und ehemaliges Mitglied der Bürgerschaft, fand die Kritik engstirnig und wohl irgendwie auch islamfeindlich, jedenfalls schrieb er einen Blog-Eintrag zu dem Thema, der als Satire-Versuch verstanden werden muss. Und weil Ironie (oder das, was manche dafür halten) immer das denkbar schlechteste Stilmittel für jedwede Form der Auseinandersetzung ist, musste das gründlich schief gehen.
Engelmann meinte offenbar, die Haltung seiner Parteikollegen gegenüber Muslimen ähnele denen der Nationalsozialisten gegenüber Juden. Vielleicht eine etwas zu steile These und womöglich ein bisschen zu plakativ formuliert.
Doch als Medien und CDU-Mitglieder auf Engelmanns Blog-Eintrag aufmerksam wurden, beklagten sie nicht etwa den überzogenen Nazi-Vergleich, sie meinten, etwas ganz anderes entdeckt zu haben:
Wenn das Zitieren von Nazi-Parolen mit einer “Verbreitung” derselben gleichzusetzen ist, hätte sich der “Weser Kurier” in diesem Moment ebenfalls schuldig gemacht. In ihrem kleinen Werbeteaser im Internet (“Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch im WESER-KURIER.”) zitiert die Zeitung ein namentlich nicht näher genanntes CDU-Mitglied mit den Worten, es handele sich um “eine Entgleisung, die durch nichts zu rechtfertigen sei”.
Malte Engelmann zitierte der “Weser Kurier” auch — höchst irreführend:
Engelmann selbst kommentiert die Diskussion um seine Person im Internet mit den Worten: “Naja, also zu Heiko. Wollte in einen Dialog mit den Museltypen treten. Ja, voll dumm. Also Kinder: Es gibt in unserer Welt Muselleute. Die sind wie Christen, nur halt muselig. Und die feiern so doofe Sachen wie Ramadan.”
Engelmann hatte mit diesen Worten nicht etwa “die Diskussion um seine Person” “kommentiert”, die Sätze stammen vielmehr aus seinem sarkastischen Blog-Eintrag. Die Kurzmeldung ist beim “Weser Kurier” inzwischen offline.
In der Folge berichtete der “Weser Kurier”, über die Kritik an Engelmanns Wortwahl durch Vertreter der Partei “Die Linke” (“Das Iftar-Mahl mit einer judenfeindlicher Parole zu kommentieren, lasse sich nicht als ‘Sarkasmus’ entschuldigen”) und der CDU (“Fraktionsvize Heiko Strohmann, der in dem Text direkt angesprochen war, stoppte sofort seine ‘Freundschafts’-Verbindung mit Engelmann bei Facebook – andere CDU-Abgeordnete folgten.”).
Wer den Original-Eintrag nicht kannte und nur im “Weser Kurier” davon las, musste annehmen, dass da tatsächlich ein innerer Reichspropagandaminister aus Engelmann hervorgebrochen sei:
Er hatte einen Internet-Text mit “Deutsche! Kauft nicht beim Juden” eingeleitet und dann unter anderem ergänzt: “Koch nicht für den Muselmann!!!” (…)
Für seinen Internet-Beitrag, den er als Ironie verstanden wissen möchte, erntete Malte Engelmann harte Kritik.
Engelmann selbst zitierte der “Weser Kurier” mit den Einschätzungen, sein Text sei “überspitzt” und “unklug” gewesen.
Da war “Bild” in seiner Regionalausgabe schon auf den Empörungszug aufgesprungen:
(“CDU fordert seinen sofortigen Rücktritt” ist natürlich besonders clever: Beim Überfliegen könnte man annehmen, Engelmann selbst sei Mitglied einer ganz anderen Partei.)
Immerhin hatte “Bild” Engelmanns ursprüngliche Intention verstanden:
Auf seiner Internetseite schießt er in einem Artikel scharf gegen einen Bremer Parteifreund, wirft ihm eine islamfeindliche Gesinnung vor.
Doch Engelmann vergreift sich dabei im Ton, eröffnet den Aufsatz mit den Worten: “Deutsche! Kauft nicht beim Juden!” Ein übler, judenfeindlicher Spruch der Nazis aus dem jahr 1933
Gestern trat Engelmann dann von allen Ämtern zurück, was der dpa-Landesdienst Niedersachsen wie folgt berichtete:
Der Bremer CDU-Nachwuchspolitiker Malte Engelmann (32) hat am Donnerstag nach heftiger interner Kritik an einem umstrittenen Nazi-Zitat alle Parteiämter niedergelegt. Engelmann hatte in seinem Internet-Tagebuch ein Essen der Bremer CDU-Bürgerschaftsfraktion zum islamischen Fastenmonat Ramadan mit den Worten kommentiert: “Deutsche! Kauft nicht beim Juden!!! Äh, ich mein: Heiko!!! Koch nicht für den Muselmann!!!” Gemeint war der stellvertretende CDU-Fraktionschef Heiko Strohmann, der zum Fastenbrechen eingeladen hatte.
Engelmann teilte am Donnerstag auf seiner Homepage mit, seine Wortwahl sei satirisch gemeint, aber unangemessen und falsch gewesen. Deswegen lege er alle Parteiämter nieder. Engelmann koordinierte die Arbeit der CDU-Nachwuchsorganisation in der Metropolregion Bremen.
Den zweiten Absatz hat Bild.de einfach weggelassen und erweckt so den Eindruck, Engelmann sei nicht nur juden-, sondern auch islamfeindlich.