Suchergebnisse für ‘BILD’

Allgemein  

Einmal Raser, immer Raser

Vermutlich werden wir nie genau erfahren, was sich am 8. Juni 2005 spät abends auf der Augsburger Straße kurz vor Dachau ereignet hat. Warum die Schauspielerin Julia Palmer-Stoll das Risiko einging, ihren Wagen zu verlassen, um in der Nacht einen Igel von der Gegenfahrbahn zu retten. Warum der Fahrer eines anderen Fahrzeuges nicht bremste, obwohl er die Frau auf der Straße hätte knien sehen müssen, sie erfasste, viele Meter mitschleifte und tödlich verletzte.

Es gibt aber ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft, das zum Ergebnis kam, dass der Unfallfahrer sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gehalten hat. Auf diesem Gutachten basiert auch ein Strafbefehl, wonach der Fahrer 150 Tagessätze zu je 50 Euro zahlen soll: Gerade weil er nicht schneller fuhr als erlaubt, hätte er bremsen können. Beim Strafmaß ist auch eine Mitschuld von Julia Palmer-Stoll berücksichtigt.

Die “Bild”-Zeitung hält die Strafe für zu niedrig. Das steht ihr zu.

Schon am 22. Dezember 2005 behauptete “Bild” unsinnigerweise, der Strafbefehl bedeute, dass das Leben der Schauspielerin “nur 7500 Euro wert” gewesen sei. Gestern schrieb das Blatt, ihr Tod sei noch nicht “gesühnt”. In beiden Artikeln verschwieg die “Bild”-Zeitung, was sie am 14. Oktober 2005 noch wusste: “daß sich der Unfallfahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit (50 km/h) hielt”. Stattdessen nannte sie ihn am 22. Dezember:

Raser

und gestern:

Todesraser

Das steht “Bild” nicht zu.

Ungeprüft übernommen (3)

Die Tatsache, dass der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle am vergangenen Mittwoch “gleich in zwei Meldungen der Nachrichtenagentur AP zum ‘FDP-Generalsekretär’ degradiert wurde”, schaffte es am vergangenen Freitag in der “Top 10 der Woche” des “Bild”-Kolumnisten Mainhardt Graf Nayhauß als “ärgerlichste Herabwürdigung” immerhin auf Platz 3.

Und mal abgesehen davon, dass der falsche “Generalsekretär” ursprünglich nicht von AP, sondern von der “Stuttgarter Zeitung” stammen könnte, die den Fehler jedenfalls bereits am Mittwochnachmittag öffentlich berichtigt hatte, steht das, was “Bild”-Mann Nayhauß als “ärgerlichste Herabwürdigung” bezeichnet, ungeprüft übernommen und bis heute unkorrigiert bei Handelsblatt.com zum Beispiel…

… und, wer hätt’s gedacht, natürlich in der so genannten “multimedialen Erweiterung von BILD”.

Nachtrag, 21.40 Uhr: Vier Tage nach der ursprünglichen Veröffentlichung, zwei Tage nach Nayhauß’ Kolumne und keine zwei Stunden, nachdem wir darauf aufmerksam gemacht haben, hat Bild.de den “FDP-Generalsekretär” in “FDP-Chef” korrigiert.

Kurz korrigiert (79)

Anders als der langjährig für Politik und Gegenwartsgeschichte zuständige “BamS”-Chefreporter und heutige “BamS”-Kommentator Helmut Böger in seinem “BamS-Kommentar” unter der Überschrift “Horst Köhler — der unfertige Präsident” behauptet, ist Köhler nicht erst seit “neun Monaten” im Amt, sondern bereits seit dem 1. Juli 2004.

Mit Dank an Thomas P. für den Hinweis.

Nachtrag, 22 Uhr: Auf Bild.de wurde die falsche Zeitangabe zu Köhlers Amtszeit aus dem Kommentar des “BamS”-Kollegen Böger inzwischen geändert. Korrigiert wurde die falsche Zahl hingegen nicht: In der geänderten Bild.de-Version ist nun statt von “neun Monaten” von “22 Monaten” die Rede, obwohl doch seit dem 1. Juli 2004 erst knapp 21 Monate vergangen sind…

Nachtrag, 22.50 Uhr. Bild.de hat die falsch geänderte Zeitangabe zu Köhlers Amtszeit aus dem Kommentar des “BamS”-Kollegen Böger abermals überarbeitet — und das Monatezählen lieber ganz aufgegeben. Nun heißt es dort: “Seit dem 1. Juli 2004 ist Köhler jetzt im Amt, der — im Gegensatz zu seinen acht Vorgängern von Heuss bis Rau — niemals einem Parlament angehört hat, immer wieder der Versuchung erlegen, sich tagespolitisch zu äußern.” Das ist zwar (anders als die ursprüngliche “BamS”-Fassung “In den neun Monaten seiner Amtszeit ist Köhler, der [usw.]”) sprachlich eher unschön, dafür aber wenigstens endlich korrekt.

Symbolfoto XXXIV

“Elite-Soldaten holen Geiseln raus”, schreibt “Bild” heute und will die tolle Geschichte natürlich auch bebildern. Naturgemäß sind bei solchen geheimen Unternehmen jedoch keine Pressefotografen dabei. Die “Bild”-Redaktion hat sich deshalb mal wieder für ein Symbolfoto entschieden (siehe Ausriss), das sie wie folgt betextet:

"Elitesoldaten der Engländer und Amerikaner befreiten die Geiseln. Das Foto zeigt eine US-Einheit, die mit dem Hubschrauber bei der Offensive in der vergangenen Woche abgesetzt wurde."

Die Betextung des Fotos ist Unsinn: Ob und inwieweit an der Aktion überhaupt “Amerikaner” beteiligt waren — wer weiß. (In der britischen “Times” heißt es: “The force consisted mainly of SAS troopers, backed by about 50 soldiers from the 1st Battalion The Parachute Regiment and Royal Marines — all members of the Special Forces Support Group codenamed Task Force Maroon.” Kurzum: Es waren “mainly” Briten.) Und dass die “Offensive in der vergangenen Woche”, mit der “Bild” glaubt, den aktuellen Artikel illustrieren zu müssen, nichts mit die Befreiung dreier britischer Geiseln zu tun hat, lässt das Blatt zumindest unerwähnt.

Bedauerlicherweise zeigt die von “Bild” als Symbolfoto verwendete Abbildung jedoch nicht einmal die “Offensive in der vergangenen Woche”. Es handelt es sich dabei vielmehr um eine Aufnahme, mit der bereits die Nachrichtenagentur AFP am 16. März 2006 symbolhaft die an diesem Tag begonnene Offensive der US-Armee bei Samarra zu illustrieren versuchte, zu der es bis dahin ebenfalls keine Fotos gab.

Das von “Bild” also abermals als Symbolfoto verwendete Symbolfoto zeigt US-Soldaten der 1. Gepanzerten Division*, die am 26. August 2005 nahe Bagdad eine Landezone sicherten. Die Agentur AFP, die “Bild” selbst als Quelle nennt, wies bei Veröffentlichung ausdrücklich darauf hin — “Bild” nicht.

*) Nachtrag, 26.3.2006: Eine “Armored Division” ist natürlich keine “Gepanzerte Division”, wie wir schrieben, sondern eine “Panzerdivision”.

Mit Dank an Christoph P. für die Korrektur.

Moderne Raubritter

“Bild” berichtet heute über “Deutschlands fieseste Radarfalle” und meint eine Tempo-80-Zone zwischen dem Autobahnkreuz Castrop-Ost und Herne-Horsthausen. Laut Auskunft der zuständigen Autobahnpolizei Münster soll sie allerdings, anders als “Bild” schreibt, keine Führerscheine vernichten, sondern Leben retten. Man habe das Tempo-Limit eingerichtet, weil die Strecke als Unfallschwerpunkt gelte.

Das weiß auch “Bild”:

Die Strecke ist vielbefahren, 310 Unfälle ereigneten sich im letzten Jahr.

“Bild”-Mitarbeiter Hans-Jörg Vehlewald aber ignoriert diesen Umstand in seinem Kommentar zum Thema weitgehend. Er konzentriert sich auf andere Aspekte:

Kein Zweifel: Raser und Drängler auf deutschen Straßen gehören bestraft. Aber was sich die Polizei in NRW jetzt geleistet hat, ist die pure Abzockerei und ein schlimmes Beispiel für die Gängelei der Bürger! Da lassen die Behörden ein Stück Autobahn erst jahrelang verrotten. Dann stellen sie, statt die Fahrbahn zu reparieren, ohne Vorwarnung ein Tempo-80-Schild an den Straßenrand, wo vorher keines war. Und lassen binnen 48 Stunden über 2000 Autofahrer in ihre Falle tappen.
Hervorhebung von uns.

Und es stimmt offenbar, dass an der Stelle, wo jetzt ein Tempo-80-Schild steht, vorher kein Tempo-80-Schild stand. Das jedenfalls bestätigt Klaus Laackmann, der auch von “Bild” zitierte Sprecher der Autobahnpolizei:

Dort befand sich seit Jahren eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 Kilometer in der Stunde.

Deshalb sei auch nicht etwa jeder geblitzt worden, der die vorgeschriebenen 80 Kilometer in der Stunde überschritt, sondern man habe “erst ab 100 gemessen”, sagt Laackmann. Außerdem seien die Tempo-80-Schilder bereits am 21. Februar aufgestellt worden. Die erste Radarmessung hingegen habe am Samstag, den 18. März stattgefunden. Also ziemlich genau vier Wochen später. Dennoch wurden in fünfeinhalb Stunden über 1360 Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt, woraufhin man “sofort offensiv die Öffentlichkeit gesucht” habe. Bei einer zweiten Kontrolle am Montag, dem 20. März, waren es in drei Stunden immer noch 900 Übertretungen, und die Pressearbeit sei noch verstärkt worden. Weiterhin habe man das Radargerät auch erst “vier bis fünf Kilometer” nach Beginn der Begrenzung aufgebaut. “Da passieren sie drei 80er Schilder und sehen bereits das vierte, wenn das Radar kommt.”

“Bild”-Kommentator Vehlewald kommt trotzdem zu folgendem Urteil:

Aber es ist die nackte Gemeinheit, wenn man Autofahrern auf ihrer gewohnten Pendler-Strecke mit Tempolimits auflauert und ohne jede Schonfrist Geld und Führerscheine abkassiert! Solche Raubritter-Mentalität dient nicht der Verkehrssicherheit. Sie schafft Staatsverdrossenheit!
Hervorhebung von uns.

Mal ehrlich: Wäre ein Raubritter so verfahren, wie es die Polizei offenbar getan hat, er wäre wohl als erfolglosester Raubritter aller Zeiten in die Geschichte eingegangen.

Mit Dank auch an Andreas F.

Robin Hood für ganz Arme IV

Wie gesagt, was ihre Anzeige gegen die sogenannten “Renten-Lügner” betrifft, scheint “Bild” kaum etwas zu unerheblich, um es nicht trotzdem zu melden – aber dazu kommen wir noch. Schon vor einer Woche verkündete “Bild” stolz auf der Titelseite, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft dem Vorgang ein Aktenzeichen zugeteilt hatte (siehe Ausriss oben). Das sagt zwar im Grunde nur, dass der von “Bild” beauftragte Anwalt es tatsächlich geschafft hat, seinen dicken Umschlag unfallfrei in den Briefschlitz zu werfen, aber sei’s drum.

Heute hat “Bild” wieder eine sensationelle Meldung im Blatt:

“Bild” schreibt:

Die BILD-Anzeige wegen Renten-Betrugs ist im Verwaltungs-Dschungel der deutschen Justiz verschwunden!
(…)
Bis gestern abend konnte nicht geklärt werden, wo sich das Dokument derzeit befindet.

Wir können “Bild” beruhigen. Die Anzeige ist nicht verschwunden. Und was bis gestern Abend angeblich “nicht geklärt” werden konnte, erklärte uns heute der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft:

Die Anzeige ist da.

Sie sei ohnehin nur den “ganz normalen Verwaltungsweg” gegangen. Das dürfte zwar auch gestern schon absehbar gewesen sein. Aber, dass die Anzeige noch nicht beim zuständigen Sachbearbeiter angekommen war, das zu vermelden, war offenbar sogar “Bild” zu albern.

Fortsetzung folgt …

Allgemein  

Heute anonym IV

Wie schon so oft, war es Bild.de auch heute wieder nicht gelungen, die Unkenntlichmachung von Personen zum Schutz ihrer Persönlichkeit konsequent durchzuhalten. Seit gestern abend zeigte Bild.de auf ihrer “News”-Seite einen Teaser (“Inzest-Mutter (21) – 5. Baby! Zum 1. Mal war es nicht der Bruder, sondern ER”), auf dem u.a. die “Inzest-Mutter” und ihr viertes Baby zu sehen sind. Doch während das Gesicht des Kindes im eigentlichen Artikel von Bild.de durch Verpixelung unkenntlich gemacht worden war, fehlte die Unkenntlichmachung im Teaser.

Nachdem wir Bild.de auf die abermalige Inkonsequenz beim Schutz der Persönlichkeit aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir abermals keine Antwort. Abermals aber wurde die unterlassene Unkenntlichmachung anschließend nachgeholt.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber — auch für die Screenshots.

Joachim Huber hat Recht

Der “Tagesspiegel”-Redakteur Joachim Huber hat sich offenbar nicht zufriedengeben wollen mit der eigenwilligen Art und Weise, mit der die “Bild”-Zeitung vor knapp zwei Monaten eine ihn betreffende Falschmeldung, ähm, korrigiert hatte, und vor Gericht eine Gegendarstellung durchsetzen können, die “Bild” am gestrigen Montag auf ihrer Seite 2 abdrucken musste (siehe Ausriss).

Wie bereits berichtet, war die damalige “Bild”-Behauptung, “‘Tagesspiegel’-Redakteur bleibt in Grimme-Preis-Jury!” schon bei ihrem Erscheinen [am Montag, dem 30. Januar] eine Ente, die “Bild” einfach ungeprüft aus dem “Focus” übernommen hatte.

In der Gegendarstellung Hubers heißt es deshalb:

“Ich habe gegenüber dem Grimme-Institut bereits am Freitag [dem 27. Januar] erklärt, dass ich für die Jury nicht mehr zur Verfügung stehe.”

Kurz korrigiert (74 75 — 78)

Fast hätten wir Bild.de loben müssen: Schließlich war es Bild.de heute gelungen, eine falsche Altersangabe zu korrigieren, ohne dass wir zuvor darauf hingewiesen hätten. (Obwohl es in einem Artikel über das Älterwerden der Original-“Dallas”-Darsteller zu Patrick Duffy alias Bobby Ewing ausdrücklich heißt, dass er jüngst “unglaubliche 57!” geworden sei, stand in der dazugehörigen Fotogalerie zunächst: “Er ist 60 Jahre alt” — was Bild.de inzwischen in “57” korrigiert hat.)

Andererseits können wir bei der Gelegenheit dann doch nicht unerwähnt lassen, dass Larry Hagman nicht “71”, sondern 74 Jahre alt ist, Linda Gray nicht “63”, sondern 65 Jahre, Susan Howard nicht “62”, sondern 63 Jahre — und ob Mary Crosby, die Frau, die in ihrer “Dallas”-Rolle als Kristin Shepard auf J.R. Ewing schoss, mit “62” auch “noch immer eine schöne Frau” ist, zeigt sich erst im Jahr 2021

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 23.10 Uhr. Hoppla, auch wir hatten uns zunächst an dieser Stelle bei Mary Crosby und Linda Gray verrechnet.

Nachtrag, 21.3.2006: Bild.de hat die Altersangaben zu Larry Hagman und Mary Crosby korrigiert.

Es ist nicht immer der Gärtner

Machen wir’s kurz: “Bild” macht heute den SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zum “Verlierer” des Tages (s. Ausriss) — und das vermutlich zu Recht. “Bild” schreibt:

“Er konnte sich im SPD-Präsidium mit seinem Wunschkandidaten (…) für einen wichtigen Abteilungsleiterposten im Willy-Brandt-Haus nicht durchsetzen”.

Und man kann darüber streiten, wie sachlich richtig es von “Bild” ist, desweiteren zu behaupten, das Präsidium habe “den Heil-Vorschlag schlicht für ‘ungeeignet'” erklärt. Nach unseren Informationen dürfte der Vorschlag Heils nicht zuletzt daran gescheitert sein, dass sein Wunschkandidat keine Frau war. Aber geschenkt.

Dummerweise nämlich nennt “Bild” auch den Namen des angeblichen “Wunschkandidaten”: “Lutz Gärtner”.

So heißt er nicht. Und auch Carsten Stender, Büroleiter des Generalsekretärs, bestätigt uns auf Anfrage:

“Ich kenne keinen Lutz Gärtner.”

Ebensowenig übrigens wie der Generalsekretär selbst, der im Anschluss an die “Bild”-Meldung immerhin “nach ‘Lutz Gärtner’ gegoogelt und einen Sanitärhändler in Frankfurt gefunden” habe, bei dem es sich allerdings nicht um seinen “Wunschkandidaten” handele.

Tatsächlich war Heils Wunschkandidat jemand ganz anderes. Und wir wissen auch wer. Doch anders als für “Bild” spielt das für uns keine Rolle.

Mit Dank — auch an den Hinweisgeber.

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